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Hchristleitung: August Goetz. — Druck und Verlag der Brühl'fchen Untv^Buch- und Steindruckerei. R. Lange, Sieben.
gelöst. Durch eine Landsenkung war die Ostsee entstanden, anfangs als kaltes, Finnland überflutendes Meer, dann durch Landhebung als Süßwassersee, dann wieder durch breite Verbindung mit der Nordsee als salz reiches Meer, doch nun mit Muscheln des Südens: das ist die nacheiszeitliche Wärmezelt. Zur menschlichen Kultur gehört jetzt der Haushund, dann auch das Hausrind.
Vor rund 7000 Jahren begann die jüngere Eiszeit mit poliertem Steingerät, Töpferei, Pfahlbauten und Ackerbau. Vor 4000 Jahren begann die Metallzeit — anfangs Bronze- dann Eisenzeit — und ums Hahr 1000 nach Christus infolge Zunahme der Menschenzahl die Rodung der Waldgebirge, mit Ausnahme der heute noch bewaldeten Kämme.
Überragte sie weit den ersten weiblichen medizinischen Doktor, den einige Zeit vorher Frau Erksleben durch Friedrich des Groben Gnade erhalten hatte. Zur Prüfung erschien sie in einem recht gewählten Anzug, „ganz Weitz, recht so, wie ihn eine Kandidatin haben mutzte, mit einer Weitzen Florfrisur und ganz simples Halstuch." Die Herren Professoren examinierten sie in der Wohnung des Dekans Michaelis. „Es war eine Tafel gedeckt, woraus die einladendsten Kuchen und Konfitüren standen," erzählt sie darüber: „zu jeder anderen Zeit würden sie es auch für mich gewesen sein, nur heute nicht. Ein Bisquit stach mir besonders in die Äugens der mit einem schönen Lorbeerkranz geziert war." Sie wird dann zunächst in Mathematik geprüft, mutz eine schwere Stelle aus dem Horaz übersehen, darf sich dann durch eine Tasse Tee erquicken und wird von Kästner Über physikalische Dinge befragt, um zuletzt dann noch über Architektur Auskunft zu geben. Sie besteht das Examen glänzend, und die Promotion erfolgt mit größter Feierlichen In der Kirche, woran sich das akademische Festessen schließt. Ihr Ruhm fliegt in alle Lande: Gedichte werden guf sie verfaßt, ihr Bild wird öffentlich verkauft, und sie bekommt viele Hetratsanträge, von denen sie den des schwerreichen, aber bereits ältlichen Senators Rodde aus Lübeck annimmt. Die Che mit dem schwachen und oberflächlichen Manne war nicht glücklich: es entschädigte sie aber ein inniger Seelenbund mit dem Franzosen Charles de Villers, dem ..Apostel Deutschlands", der die deutsche Philosophie in Frankreich bekanntmachte und Frau von Stael für ihr berühmtes Werk über Deutschland die wichtigsten Ausschlüsse gab. Villers wieder ist von Dorothea SHlözer in die deutsche Gedankenwelt eingeweiht worden, so das) sie eine wichtige Mittlerrolle zwischen den beiden Kulturen gespielt hat.
GrsZeitmeffurrg und Menschhertsalter.
Von Prof. Or. Viktor Franz-Jena.
AuS der Tertiärzeit kennt man noch keine menschlichsn Knochenreste. sondern fast sicher hatte dantals sich der Mensch noch nicht aus dem Tierstamm herausentwickelt. Angebliche Feuersteintverk- zeuge des einst gemutmaßten Tertiärmenschen haben sich als Ra- turprodukte erwiesen.
Vor wohl mehr als 500 000 Jahren begann die Eiszeit. Bis etwa ums Jahr 300 000 vor dem Beginn der heutigen Zeitrechnung waren nach gegenwärtigen Schätzungen der möglichen Bildungsgeschwindigkeit von Gletscher- und Schmelzwasserablagerun» gen drei Abschnitte der Eiszeit verstrichen: die erste Eiszeit, die erste Zwischeneiszeit und die zweite, längste und kälteste Eiszeit. Aus diesem großen Zeitraum stammen aus nicht vereister tropischer Gegend und zwar aus Java die denkwürdigen Knochenreste des Affenmenschen oder Pithekanthropus, undannäherndebenso alt ist auch bereits ein richtiger, obwohl noch affennaher Mensch, der Heidelberg mensch oder Homo heidelbergensis, der im Flußsande beim Dorfe Mauer unweit Heidelbergs seinen plumpen und rohen, noch fast kinnlosen, aber bereits durch nicht mehr vorspringender Eckzahn menschenartigen Unterliefet zurück- liest
Weitere 100 000 Jahre dauerte die verhältnismäßig breite und für die Entfaltung menschlicher Fähigkeiten Wohl günstige zweite Hauptzwischeneiszeit. In sie fallen die ältestenReste vomNeandertäl» menschen und das älteste menschliche Feuersteingerät. Auch dieser Mensch hatte noch eine fliehende Stirne, ein fliehendes Kinn und starke Augenbrauenwülste, und sein hauptsächlichstes Feuersteingerät waren die etwa mandelkernförmigen, anfangs sehr großen Faustkeile, die später mit Griffstelle für die Hohlhand versehen, sodann auch verkleinert wurden.
Weitere 70 000 Jahre brachte die dritte Eiszeit und die Faust- i'eilkultur, weitere 60 000 Jahre die letzte Zwischeneiszett und die Kulturstufe der sog. unteren Mousterien: der abermals kleinere Faustkeil des Aeandertalers wird oft geschäftet, somit als Messer verwendet.
Etwa 60 000 Jahre dauerte ferner die letzte Eiszeit. 5Tn ihren Anfang reicht noch die Faustkeilkultur, -der Aeandertalmensch und die Stufe des oberen Mousterien hinein, wird aber dann abge- löst durch die beginnende Klingenkuliur oder Renntierverarbeitung, also mehr Knochengerät, und den Awrignacmenschen, der etwa zwischen dein Äeandertaler und dem Heutigen die Mitte hielt. Speere, Harpunen, Knochennadeln und Knochenschmuck bringt die dem Mousterien folgende Stufe des Aurignacier, seine weidenblatt- fönnige Messer das dann folgende Solutröen, dazu Schnitzereien in Knochen und Elfenbein, menschliche Figuren vom Duschmann- thpus.
Die letzten 14 000 Jahre der letzten Eiszeit umfaßt die letzte AbsSmelzperiode, zugleich die Kulturstufe des Magdaleniers, in welcher neben Knochengerät und Knochenkunst — die oft Tiere, namentlich Renntier, Pferd und Mammut darstellte — auch Malereien an den Wänden der Wohnhöhlen des Menschen erscheinen, darunter farbige Bilder vom Bison, Auerochsen und Aashvrn, sowie vom Menschen als Jäger.
Rund 13 000 Jahre setzt die Berechnung, auf der vorstehende Angaben beruhen, für die nacheiszeitliche oder Jetztzeit an. Mit ihr ist die Altsteinzeit zunächst durch die mittlere Steinzeit ab»
Aus neuen Briefen Wilhelm Raabes.
Reife Altersweisheit leuchtet uns aus den Briefen entgegen, die Wilhelm Raabe an seinen ersten Biographen Paul Gerb« geschrieben hat und die jetzt in Westermanns Monatsheften veröffentlicht werden. Der Schluß dieser für die Persönlichkeit des Dichters wichtigen Veröffentlichung, der sich tm Matheft findet, umfaßt das Jahrzehnt 1898—1909, von der Herausgabe des letzten Buches, das Raabe noch selbst der "Welt schenkte, des Romans „Hastenbeck", bis zu Gerbers Tod. Der alte „Meister Autor" freut sich zunächst noch des besseren Verständnisses feiner Werke, die die Ehrungen im Anschluß an den 70. Geburtstag brachten. Als ein Schullehrer über ihn schreibt, freut ihn das: „Wer die Schule hat, hat das Volk!" Danach hätte der alte Raabe wirklich noch eine Zukunft! „Nun, in das 20. Jahrhundert werden wir ja wohl noch ein Stückchen hineinsehen." Die Verleihung des bayerischen Maxi- miliansordens gibt ihm Veranlassung zu einer politischen Abschweifung: „Don der „Ehrung" durch das Haus Wittelsbach hatte ich vorher nicht die geringste Ahnung, und die älebermachung des glanzvollen Zeichens durch das Herzoglich Braunschweigische Staatsministerium war mir wahrlich eine äleberraschung. Nun, wenn Hohenzollern an Mr. Kipling telegrafiert, so ist es vielleicht gar so ungeschickt nicht, wenn Wittelsbach dem alten Raabe eine Freundlichkeit erweist. Ich habe es erfahren: es gibt doch schon recht viele im deutschen Volke, die gesagt haben: Das war gut gemacht! Daß ich die Transvaal-Duren, den Ohm Krüger und feine Stadt Pretoria zuerst in die deutsche Literatur eingeführt habe, rechne ich zu meinen „Ruhmestiteln": aber Realpolitiker bin ich doch seit Otto Bismarcks Konfliktszeitkämpfen. Ich würde es für ein furchtbares Weltunglück, und für unser Volk ganz insbesondere, halten, wenn England von seinem Stuhl im Rat der Völker her Unterst eigen müßte. Gottlob ist dazu fürs erste doch noch fei e Aussicht, und — Kannegießerei wollen wir jetzt auch nicht weiter treiben."
Ommer stiller wird's um den Alten, und auch die kurze Zeit aufgeflatterte Begeisterung des lieben Publikums läßt wieder nach. „Das 73. Lebensjahr ist mir still und ohne sonderliche Aufregungen hingegangen," schreibt er am 26. September 1904, „was mit dem 74. wird, muß man in Geduld ab tourten; viel verlangen kamt man nicht mehr um diese Erdendaseinszeit von der Welt, soweit wir Erfahrung davon gewonnen haben." Für Gerbers Erläuterungen zu seinem' Roman „Alte Nester" dankt er, meint aber, daß der „Jörn Ahl" den Leuten mehr imponiere: „Dem deutschen Volke, soweit es sich unter dem Namen „Publikum" zusammenfassen läßt, bin ich längst wieder in meine Karenzzeit vor 1901 zurückgesunken. Es sind leuchtendere Sterne am Literaturhimmel aufgeftiegen als 2hr treueft ergebener Wilh. Raabe."
„Ja, nun habe ich jetzt schon die dritte Woche des 75. Lebensjahres hinter mir,“ plaudert er am 30. September 1905, „und ich erfahre es nun auch, um wieviel rascher die Zeit tm Alter als in der Jugend hinläuft. Arn das „zufriedene Alter", welches St« mir wünschen, in Rückblick auf Lebenslauf und Lebensart behaglich auszunutzen, muß man freilich jeden nachdenklichen Augenblick festhalten, sonst hat man nicht mehr viel davon. Ich tue es nach Möglichkeit, und im Hinblick auf die Schicksale so viel« meiner literarischen Zeitgenossen habe ich wirklich zu gestehen, daß es mir nicht am schlimmsten ergangen ist. Das Beste bei der Sachs ist jedoch allmorgendlich die Vorstellung und Gewißheit: Die schwarze See der Tinte und Druckerschwärze liegt hinter Dir — die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist gewesen; nun laßt das 20. mit besseren Kräften für der deutschen Leute Spaß und Rührung sorgen!"
Er Ist froh darüber, mit dem Schaffen aufgehört zu haben: „Nun, ich meine, nach dem 70. Lebensjahr braucht der Mensch, soll er eigentlich nicht mehr auf dem Seile tanzen; ich gehe ganz gern jetzo zu ebener Erde mit dem Teller im Kreise des lieben Publikums herum. Der Tintengloria hätten wir ja wohl genug, und der Lorbeerfchatten braucht nicht so dicht zu werden, baß er der letzten Abendsonne den Weg zu dem kahlen Schädel des Alten versperrt." Tief erschüttert erhält er auf der Reise die Nachricht von Gerbers Tode und schreibt an seine Frau: „Nun auch mein guter Freund, mein Lebensgenoss' In Ernst und Scherz,PaulGerber! Wie lange Jahre hat dieser Freund meiner Lebensarbeit Fleiß und Verständnis gewidmet, und nun geht auch er von mir hinweg, der Jüngere vor dem Alten! War es denn nicht auch sein« Sache, mir noch ein Wort am Wegesende zu reden?" >


