Ausgabe 
20.1.1923
 
Einzelbild herunterladen

MNenen tote mich er sein Forbenmyflertum auf den Grund­farben Rot. Bla» und Gelb auf, die den Kampf des Lichtes mit der Dunkelhe'«, di« Srlöfung aller Kreatur in der göttlichen Liebe fombolüleeen. Die Offenbarung des Mau im Tag als Dinnfarbe Gottvaters, das Rot in Morgen und Abend als R!i..ler zwiischen Himmel und Erde, das Gelb in der Macht Ms tiefstes Geheimnis des heiligen Geistes all das ist in seine» wundersamen Bildern der Tageszeiten ausgedrückt, und eben!» sprechen die Mumen mit ihren Farben für ihn eine geheime Vieldeutige Sprache. So kam Runge zu seiner Farben ihr o- tf«, in ber er als der Dorläuser Wilhelm Oft mal ds erscheint Der ungelehrte Maler konnte freilich im Jahre 1808 nicht de» komplizierten Apparat optischer Me.sungen verwenden, der Ostwalds Farbenlehre ihre wissenschaftliche Exaktheit und praktische Brauchbarkeit sichert. Aber was dem Maler bei feiner Hebung wesentlich ist, die Anordnung aller denkbaren reinen Farben um den Aequatvr einer Kugel und ihre Llbtönung Nach den beiden Polen des absoluten Schwarz und Weist, das tzat Rung« mit der Einfalt des Genies in seinerFarbenkugel" Ört. Die Berechnung von 3405 Nuancen, die aus feiner nkugel einzutragen find, reicht naküritch nicht an die wisssn» schafikichs Rvrmierung Ostwalds heran, aber gerügt vollständig für der praktischen Gebrauch des Malers. Jedcrsalls hat er die Harmonietehre der Farben bereits geahnt und angewendet.

Die Farbenseh-nfucht und das Farbenxesühl, das er vor Md Jahren vor den erstaunten Zeitgenossen entfaltete, bricht sich Heute mit treuer Gewalt Dahn.Ein Russe," sagt Schmidt,mutz uns Heutigen mit der älnbekümmerthrit des große» Barbaren au» Kem Osten, von den Konventionen der Aaturnachn'hmung befreien und den Traum Runges do» der absoluten musikalifchm Satbe verwirklichen: Kandinsky: ein anderer, Warr H ha» galt, den Mut zur grenzenlosen ungeheuerliche Phantastik, zur ^Unvernunft und Märchenlogik orientalischer Träume uns geben. Was man ko gemeinhin mit einem halb richtigen Wort Expressio­nismus nennt, 'hat mit diesem Reich dec Farbe und Wunder so gut wie nichts gemein. Romantisch ist die 'höchst gesteigerte Streite der Farbe, die überall an erster Stelle rangiert: romantisch ir Wilke zur Schrankenlosigkeit der Phantasie, zur Subjektivität des Erlebnisses: romantisch das GrundgefüHl der Hebersteigerung aller Wahrnehmungen zum Poetischen, Märchenhaften und Zu- sammenhanglofen. Man erzählt nicht literarische Wunder, sondern man malt traumhafte Farben und verkehrt die Gesetze des Räum- lichrn zu HemmungslosigkÄten und am End« zu Abstraktionen." In aki diesem ist Runge ein Lehrer der Heutige» und der Künftigen.

D!e Wunder der Nadlo-Tekephonie.

rsi« ? uvzer Abritz der Entwicklung der Radio-

Telephonie.)

Das fundamentale Phänomen, welches in der Radiv-Trlegra- phie mb -Telephonie verwendet wird, wurde zuerst vor 34 Jahren von dem deutschen Physiker Heinrich Hertz demonstriert.

Hertz zeigte im Jahre 1888, datz es möglich ist. etektrifche Energie drirch den Raum zu senden. Gr war jedoch nicht interessiert, seine Versuche über gröber« Entfernungen auszusiihren und kam offenbar niemals auf den Gedanken, datz seine Entdeckung als ein Mittel der Rachrtchtenübermittelung re wendet werden könnte. Riemaks stellte er fein« Versuche über grohere Gntsernungen als etwa 300 Fuh an.

Tatsächlich hat Hertz niemals die Erde als Leiter benützt, ein Verfahren, welches die überbrückte Distanz sofort um em erheb­liches dergrötzert hätte.

Gr scheint geglaubt zu haben, datz ein solches Vorgehen den Eindruck gemacht haben würde, Latz die Äecertragung dec ($.:erg:e nicht durch den Raum geschehe. Mik anderen Worten war er offenbar nur in der rein physikalischen Seite seiner Entdeckung interessiert.

Der Empfänger, welcher von Hertz verwendet wurde, kam un­seren modernen Innenantennen sehr nahe. Er bestand aus einem einzigen Drahtbügel, welcher nicht ganz geschlossen war. Der Jtri- schenraum zwischen den beiden Enden war äutzerst gering und Hertz erbrachte den Beweis der .Uebertragung der Energie, als er zeigte, datz ein kleiner Funken In dem Zwichmraum übersprang, tnr n der ^genannteOscillator" im Betriebe war.

3m Vergleich zu den modernen Apparaten war feine Ein­richtung ein äutzerst roher Empfänger.

Viele Jahre blieb Hertz'Oscillator" ein Laboratoriums- Onstrument und wurde in Verbindung mit physilaiischen Ver­suchen verwendet.

3m Habre 1894 erkannte Marroni, ein wohlhabender junger Manu mit wisfenschaf.sicher Ausbildung, in dem HeryschenOs- elllator" die Möglichkeit einer neuen Art der Rachrichlenübermitte» lung. Entgegen seinem Vorgänger verwendete er eine Erdleitung sowohl an der Sende- als auch der Empfangsstation und war Lurch diese Einrichtung sofort im Stand«, gröbere Entfernungen überb-ücken zu können.

3n den folgenden Jahren widmete sich Marroni dem Aus­bau seiner Sende- und @tm fangsapparate, bis es ihm am 12 De­zember 1901 gelang, den Buchstaben (drei Punkte) des Morse­alphabets über ben Atlantischen Ozean von England nach Reu­fundland zu übermitteln.

Während Marconi Bedeutendes für die Entwicklung der Radiotelegraphie geleistet hat, kann der erwähnte Ve.su h aL feine grotzts Tat bezeichnet werden. Gr hatte damit Len Bew.is er­bracht. welch grobe En fernungen mit dem He tzchenOscillator" überbrückt werden fönnnen, und da» der Wei ere Ausbau seines Systems allein in der SBcrotLLmmnung der pervxnLeten Apparat« bestünde,

3m Jahre 1884 machte Edison die Entdeckung, Latz «S möglich fei, in einem lu; Meeren Raum von einem heitzen Körper einen elektrischen Strom nach einem kalten Körper zu senden.

Etwa25 Jahre später wurde diese Entdeckung von Prof. Fle­ming. einem der Berater stNarconis, Weiler untersucht, uno als der Professor herausfand, Latz eine derartige Vorrichtung im Stande fei, den elektrischen Strom nur in einer Richtung pas­sieren zu lassen und daher ein Rektifier sei, nahm et ein Patent. Dies war im Jahre 1905; seine E sindung erhielt den Namen Fleming Ventil". 3n der Radiotelegraphir wurde es als De­tektor verwendet und war eine große Verbesserung gegenüber allen damals bekannten Detektoren.

Richt lange daraus erhielt Dr. Lee De Forest ein Patent für eine Vorrichtung, welche erAudion" nannte und welche ein Fleming Ventil" war, in welches er eine dritte Elektrode ein­gebaut halte. Diese dritte Elektrode machte es möglich, fcen Strom- lau f in der Röhre zu kontrollieren und die ganze Einrichtung lei­stungsfähiger zu machen.

Trotz des groben Fortschrittes, welcher mit all den ver­schiedenen Instrumenten gemacht wurde, welche alle in das Gebiet der Vakuumröhre fallen, ist es sonderbar genug, das niemand über die wahren Vorgänge in der modernen Aladin-Lamp« einen Auf» fchlutz geben konnte.

Erst Armstrong war es Vorbehalten, im Jahre 1915 der Welt die Wunder zu erllären.

Obwohl die Entwicklung der Aussendung von Musik und Rede durch den Raum verhältnismätzig neueren Datums ist, hatte doch De Forest bereits im Jahre 1914 ein gleiches getan. Durch das mangelnde Interesse des Publikums stellte er jedoch seine öffent­lichen Versuche wieder ein. Erst im letzten Jahre setzte die gewaltig« Verbreitung wieder ein.

9n elf Tagen von Kapstadt nach London.

Die glückliche und schnelle Durchquerung der Wüste Sahara im Kraftwagen ist wohl das grötzte Ereignis in der Erfchiemng Afrikas im letzten Vierteljahrhunkert. Ein nicht minder größter Fortschritt wäre die Anlage einer Eisen bahnstrecke quer durch den ganzen Kontinent, und dieses Problem MjnnMt Dr. William Macdooald in einem englischen Blatt. Diele Ich.« hindurch hat der Plan einer Eisenbahnlinie vom Kap nach Kairo die Oeffcnt* lichkeit beschäftigt. Aber die Südafrikaner, die bei der Durch­führung des Planes eine wichtig« Rolle spielen, haben weniger Kairo als Reiseziel im Auge, sondern sie wollen ihre Geschist« in England, Frankreich und Amerika machen und dort ihr« Ferien verbringen. Deshalb wird jetzt in weiten Kreisen ein anderes Projekt begünstigt, das nach Tanger Ms Endstation führt. Die Bahn soll in einer möglichst geradlinigen Linie von den Stanley-Fällen im belgischen Kongo nach Tang«.' geh:n.. Man hofft, datz es nach Vollendung dieser Strecke bereits svtvett fein wird, datz man unter Wasser mit der Eisenbahn nach Algeciras und ebenso im Kanaltunnel nach London reiset kann. Auf dies« Weise wäre ein« vollständige Landreise ohne Tlnierbroching von Kapstadt nach London möglich. Die Strecke von den Stan'ey- Fällen nach Tanger umfasst rund 4500 Km. Die Entfernung von Johannisburg nach Kapstadt ist etwas über 1500 Km. und die Reise kann mit der Baht in 36 Stunden zurückgelegt werden. Da eine ebensolche Schnelligkeit auch für die neue Strecke angenommen werden darf, so würde man in 4Vs Tagen von den Stanley-Fällen nach Tanger gelanget. Von Jo^an es urj nach i«n Stanley-Füllen beträgt die Entfernung etwa 3000 Km.; sie wäre also in drei Tagen zurückzulegen. Man braucht demzufolge von Johannes­burg bis Tanger, wenn die Gisenbo'hn gebaut ist, 7l/a Tage. Dimmt man dazu noch zwei Tage für die Durchquerung Spaniens und Frankreichs im Schnellzug, so würde man in etwa 11 Tagen von Kapstadt nach Paris oder London gelangen, also etwa in der Hälfte der Zeit, die man zu Schiss braucht. Für die Süd­afrikaner wäre eine solche Zeitverkürzung von allergrötzter Wich­tigkeit. denn jeder gewonnene Tag ist für Geschäftsleute und Ver­gnügungsreisende von höchstem Wert, und diese Eisenbahn durch den schtvarzen Kontinent würde einem groben Bedürfnis ent­gegen (c mitten, ,

Schriftleitung: August Dsetz, Druck und Verlag der Druhlschen Univ^Vuch- und vteindruckerei. R. Lange. (Sieben.