Ausgabe 
18.8.1923
 
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und sein Herz aufs äußerste anstrengen. Seine Kleidung mutz so leicht wie möglich sein, um ihn nicht zu beschweren und seine Be­wegungen nicht zu hindern, aber (ie darf nicht so leicht fein, dah er bei'einer Kälte von 30 oder 40 Grad friert.

Der Bergsteiger kann ziemlich sicher sein, datz er beständig einem sehr ermüdenden Wind ausgesetzt ist, der das Atemholen erschwert und ihn, wenn er stark ist, dem Ersticken nahebringt. Hat er Gegenwind, so werden seine Bewegungen auch rein mecha­nisch erschwert. Die Mount-Everest-Expedition wird ohne Zweifel gerade während der Jahreszeit in voller Tätigkeit sein, in der der Südwestmonsun über die Erdoberfläche weht und seine regen- schwangeren Wolkenmassen die Südhänge des Himalaja hinauf­steigt Riemand weitz, wie hoch hinauf der Monsun seme Wir­kungen erstreckt, lieber ganz Tibet hin habe ich seine Herrschaft in einer mittleren Höhe von 4900 Meter verspürt. Möglichertveise ist seine Gewalt in den großen Höhen, wo die Unebenheiten der Erdkruste keine nennenswerte Reibung verursachen, ganz außer- ordentlich.

Vielleicht führt die auserlesene Abteilung wohlgeübter Eng­länder, die von einem letzten, so hoch als möglich aufgeschlageneir Lager aus die entscheidende Ersteigung ausführen sollen, Sauer- stof.sapparate mit sich, Solche können aber höchstens wahrend per Rusten, nicht während des Marsches benutzt werden. Denn wie leicht sie auch gemacht werden, haben sie doch ein Gewicht und erschweren die Bewegt- ngsfreiheit. An den Lagerplätzen auf dem Anstieg müsfen sie dagegen von großem tWert sein, da sie dazu beitragen, die Männer so lange wie möglich bei Kräften zu erhalten.

Das Schlimmste von allem ist die ununterbrochene Abnahme der Kräfte, je höher hinauf man kommt. An jedem neuen Lager­platz ist man physisch müder als an dem letztvorhergehenden. And wenn man das letzte Lager erreicht, von dem aus the final dash for the Peak beginnen soll, ist man tn schlechterer Verfassung als in irgendeinem der vorhergehenden Lager, wenn nicht etwa das Wetter dort ungünstiger war. , .

Bei jedem Schritt muß man gespannt aufpassen und genau zusehen, wo man seinen Fuß hinsetzt. Auch wenn dieses Achtgedm zur Gewohnheit wird, führt es doch Ee physische Ermudungmtt sich. Bald geht es steil auf Felsenkämme die der Windvon Schnee blankgefegt hat, bald wird man durchs schneegefullte Rinnen und Schluchten aufgehalten, bald wird man durch die Formen desGe- ländes zu längen ermüdenden Umwegen gezwungen, auf Denen man vielleicht nicht einen Fuß an Höhe gewinnt, wo man aber alle Aussicht hat. das vorher Gewonnene zu verlieren. Solch. Schwierigkeiten hat jeder Bergsteiger zu überwinden nicht am we niasten in den Alpen. Aber dort gibt es kernen Gipfel, der eine Höhe von 4810 Meter übersteigt, und die Lustverdunnung ver­ursacht dort keine nennenswerte Atemnot. Die Vergkrankheii macht sich vor allem bei einem schnellen Aufstwg geltend. Als ui) am 11. Juli 1890 in Persien den Gipfel des Demaw end bestieg, suhlte ich in 3250 Meter Höhe größere Beschwerden, Aebelkelt, Kops schmerzen und Ohrensausen als auf dem Gipfel selbst, der 2250 Meter höher liegt. Auf dem Mus-tag-ata m Pa'Nia auf dem Dach der Welt, verlebte ich vom 6. zum 7. August 1894 m der Höhe von 6300 Meter eine fürchterliche Rächt, obgleich ich o.n ganzen Weg auf einem Jak geritten war.

6300 Meter hoch zu steigen, ist keine Kunst. Erst oberhalbdieer Höhe beginnt der Ernst. Als der Herzog der Mruzzen.am.18 Juli 1909 den Bride Peak im Karakorum bis zu 7500 Meter Hohe er stieg schlug er damit alle Rekorde. Höher über dem M^resfpwgcl war kein Mensch auf dem Erdboden gewesen. Da bei: ®u&e $eaJ 7654 Meter hoch ist, hatte der Herzog nur noch 154 Meter Ins Aur Stütze Aber er konnte nicht weiter. Diese 154 Meter waren schwerer zu nehmen als die bereits bewältigten 7500. Wem) die enalifche Expedition den 7500-Meter-Rekord des Herzogs schlagt, dann hat sie noch 1340 Meter bis zum Gipfel. Diese armseligen anderthalb Kilometer in vertikaler Richtung werden den Englan dern unglaubliche Mühe kosten bei ihrem Versuch, diesen RÄord zu brechem Ich weiß nicht, ob sie ihren unglücklichen Beschluß vom Sommer 1921. Flugzeuge nicht mitzunehmen, vus^M^n h^ ben Ohne Zweifel hätten solche bei der jetzigen Entwicklung der Fluatechnik mit großem Vorteil dazu verwendet werden können, Proviant Zelte und anderes zu hochgelegenen Depots auf dem zum Givfel zu brin'gen. Durch diesen Beschluß haben sie, wenn sic ihren Plan nicht wieder geändert haben, auf eins der vor­züglichsten Hilfsmittel der Reuzeit verzichtet. ...

5 9 Endlich darf man die Beschaffenheit des Schnees in dieser

Hübe nickt vergessen. Darüber weiß man xedoch nichts Sickere^ Die Insolation, die direkte Sonnenbestrahlung, ist ver- mutlick so stark, daß der Schnee an ruhigen, klaren Tagen an der Oberfläche schmilzt, auch wenn es im Schatten eine Kalte von 40 Grad'hat/ Dann entsteht Harsch, der das Steigen mit genagel- ten Schuhen erleichtert. An schattigen Stellen kann der Schnee trocken und fein wie Kartoffelmehl sein, und ohne Schneereifen ist es dann unmöglich, vorwärtszukommen. Wird man dort oben von einem Schneesturm überfallen, dann kann man etwas erleben, was man nie vergißt - wenn man überhaupt mit dem Leben davon kommt. Auf steilen Hängen ist man ständig der Gefahr durch M- winen und Schneerutsche auggefefft. Während des ganzen Spat- Urners und Herbstes 1921 konnten die Teilnehmer der vorher^ tenden Expedition täglich sehen, wie es von allen Kämmen Des

Die Schwierigkeiten der Mount-Everest- Expedition.

Gin sehr interessantes Buch des berühmten Tibet-Forschers und warmherzigen Deutschenfreundes Sven He bin über denMount Everest" hat kürzlich ber Verlag von F. A. Brock haus in Leipzig herausgebracht. Der Verfasser be­spricht darin die von den Engländern unternommenen Versuche, den Mount Everest", den höchsten Berg der Welt, zu besteigen. Das" Buch ist außerordentlich instruktiv und lebendig geschrie­ben es verdient das ernsthafteste Interesse aller Bücherfreunde. Mit der freundlichen Erlaubnis des Berlages machen wir un­sere Leser hier mit einem Teile eines Kapitels bekannt. Sven Hedin bringt darin seine Zweifel hinsichtlich der Erreichung des Endzieles ber noch im Gange befindlichen englischen Unter­nehmung in sehr fesselnder Weise zum Ausdruck. Er ,chreibt u. a.:

Ich will nun Rechenschaft geben über die Voraussetzungen auf die ich meinen Skeptizismus gründe hinsichtlich der sportlichen Großtat den Gipfel des Mount Everest zu erobern. Es gibtetne Höhengrenze, über die hinaus die Körperkonstitutivn des Men­schen die Luftverdünnung nicht ertragen kann. Diese Grenze ift keineswegs scharf, sie wechselt für verschiedene Individuen. Es ist klar Vein geschulter Alpinist oder Luftschiffer eine weit stur- kere Luftverdünnung zu ertragen vermag als ctn 41u^bter.®-i4eg oilt in gleichem Matze für Bergbesteigungen tote für Ballonfahrten. Lr <L Ä seichtep einen Höhenrekord im Dnllon zu erreichen als auf dem Abhang eines Berges. In der freien Luft *ft man ohne Gefährdung des Lebens ungefähr 3500 Meter hoher gestiegen als in alpinen Gegenden,, da die physische Anstrengung beim Auf­stieg im letztereii Fall sehr grotz ist, während sie im ersteren Fall minimal ist. Der einzige für ben Luftschiffer ungmistigere Am- stand ist die Schnelligkeit, mit der er in bte großen Hohen ßtnauf f1Ci9Sie Erfahrungen, die man in schwindelnden HAew im Ballon n<,nmcf.t f.at verkünden für ben Mount Everest nachts Gutes. Als G Tstsanbier im April 1875 seine berühmte Ballonfahrt machte erlagen seine beiden Gefährten Sivel und Croce-Spinellt schon tn ungefähr 8000 Meter Höhe. Sie erstickten aus Vkangelan Sauew sioff. Der Führer selbst, ber vermutlich sehr geschult war unb beffen Widerstandskraft überdies durch den Ehrgeiz gestärkt wurde, b nS Sre 300 Meter aus. Gleichwohl kehrte er von,einwn Punkte aas um, ber mehr als 500 Meter unter ber Gipfelhöhe W Am 31. $üM9019unternahnten Derson und Sütnng in Berlin einen Dallonaufstieg und erreichten eine Hohe von.10 800> Meter, ein Rekord, der vermutlich nicht.geschlagen korben ist Obgleich mit Sauerstoffapparaten versehen waren und die Luftvei ounnung dnrck künstliche Qltmuuq zu überwinden suchten, sielen sie beide ÄnSttotge bevor sie ihren höchsten Punkt erreicht hatten Die selbstregierenden Instrumente zeigten einen Liftdrua von 193 Millimeter an - gegen 760 am Meeresspiegel! Bet einem Besuch w Stockholm während des Krieges erzählte mir^^n^ute fe n Bewußtsein erst dann allmählich zuruckkehrte, als der -Ballon

d'-'L eiTeichgn unter der die LedensdedmFungen msOtg

der Hitze ober des Wasserdruckes aufhören, gibt es also auch eine Höhengrenze oberhalb deren Atmung und Verbrennung nicht mehr möglich finb. Die Schicht der Erdoberfläche einschließlich der M mosphäre innerhalb deren es.dem Menschen möglich ist, stch/M zuhalten beläuft sich also nicht einmal auf 10 Kilometer Mächtig­keit Unter dieser dünnen Schicht, die verhältnismäßig nicht starker ist als di? Schicke eines Apfels, verbirgt die Erde ihr a^tmnis- volles Inneres über ihr breitet sich die Unendlichkeit des Welt "sükslffanbier, ber vermutlich nicht mit Sauerstoffapparaten bewaffnet war lag also ber Höhepunkt bei ungefähr 8000 Meter, für Verson ber die Lebensfunktionen künstlich aufrechtzuerhalten sucht? war' die Grenze wahrscheinlich einige hundert Meter uber 9000 Meter geschoben. Zwischen biesen beiden Grenzwerten finden wir ben Mount Everest mit feinen 8840 Metern.

Die absolute Höhe bildet an und für sich kein unuberstelgliches SSinberniS. Geübte Alpinisten und Sportsleute können Die Luft Verdünnung die in einer Höhe von 8840 Meter entspricht, sehr gut ertragen. Dies ist während der Vorbereitungeni zu: Der eng- rifdhon Ervedition direkt bewiesen worden mit Hilfe erner Lust S in 8r die Lust mittelst Pumpen so weit verdünnt worben war baß sie 9000 Meter Höhe entsprach. Die Manner, die stch der Probe unterzogen waren sogar in Bewegung, indem sie eine Treppe hinauf- und hinabstiegen, wobei sie Gewichte von verschieb euer Schwere trugen Aber die Hauptschwierigkeiten. die sich, draußen in der Ratur entgegenstellten, konnten in der Luftprobe nicht nckch- 9^Der^LuMchiffer ist während seiner ganzen Fahrt im Ruhe­zustands er kann sein Herz durch zeitweiliges Sitzen oder Liegen ausruhen lassen, er ist in ber Sage, fufr ftetg mU

und fühlt nicht den schwächsten Hauch, da.der Ballon sich stets mi . der gleichen Geschwindigkeit wie der Wind bewegt. Der Berg ftefger dagegen muß seinen Körper, seine Muskeln, feine Lungen