Ausgabe 
17.3.1923
 
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Dieser wird dann als letzter im Zuge mitgeführt, ein Stück Mnter den übrigen, und das Todesrenntier, das am liebsten Weitz sein toll, hat auch Weihes Zeug um die Hörner gebunden ftum Zeichen, datz die Lebenden und die Toten nicht auf derselben Reise sind. . .

Aber so verhält es sich mit diesem Volk: von der Geburt bis zum Tode sind sie im Ausbruch und die Wanderung ist des Lappen Leben. And selbst nicht der eigene Stamm kennt alle seine Gräber aus dem Wanderweg.

Maria, Landgräfin von Hessen.

Von Willi Scheller.

Am 5. März 1923 waren zwei Jahrhunderte verflossen, seit die Gemahlin Landgraf Friedrichs II. von Hessen-Kassel, Maria, als zweitjüngste Tochter des Königs Georg ll. von England aus dem Hause Hannover und der Königin Karoline, geborenen Prin- Arssin von Anspach, in London das Licht einer Welt erblickte, in welcher es ihr nicht bestimmt war, viel Freude zu erleben noch zu verbreiten. Gehört sie auch nicht zu den bedeutenden Fürstinnen, die im Verlauf der hessischen Regentengeschichte einen die Ver­gänglichkeit des Menschseins überdauernden Rang einnehmen, so waren doch ihre Stellung im Rahmen dieser Geschichte und ihre Wirkung auf die politischen Verhältnisse nicht nur ihrer, sondern in einem gewissen Grade auch der solgenden Zeit eigenartig genug, um ihr Erleben und Handeln, kurz, ihr Schicksal und was damit zusammenhängt, einer rückschauenden Betrachtung zu würdigen.

Prof. Dr. Philipp Losch schildert in seiner grotz angelegten, mit den Ergebnissen der neuesten Forschung bereicherten und über­aus fesselnd gestalteten Biographie Kursürst Wilhelms l. von Hessen sehr anmutig, wie bei Gelegenheit einer großen Forstparade, die Landgraf Karl in Kassel seinem Gast, dem König Georg II. von England und Kurfürsten von Hannover im Jahre 1729 vorführte, bei diesem wohl zum erstenmal der Gedanke aufgetaucht sein mag, den schönen jungen Prinzen Friedrich, unter dessen Führung sein Regiment vor ihm defilierte, mit einer seiner Töchter zu vermählen, um so die freundnachbarlichen Beziehungen noch enger zu gestalten. Jedenfalls wurde dieser Gedanke, ob er nun bei dem erwähnten Anlah oder einem andern erstmalig zum Leben kam, in die Tat umgesetzt und Prinzessin Maria am 19. Mai 1740 in London durch Prokuration mit dem Prinzen Friedrich von Hessen vermählt. Am 28. Juni desselben Jahres hielt das junge Paar, dessen erste Be­gegnung in Wilhelmstal stattgefunden hatte, von dorther kom­mend seinen Einzug in dem von der Schönheit Marias begeisterten Kassel einer Schönheit übrigens, die auch von andern Zeitgenos­sen bei andern Gelegenheiten beobachtet worden ist.

Der Vater des Prinzen Friedrich, Wilhelm, war seit dem 1730 erfolgten Ableben Landgraf Karls und der Begeisterung des schwedischen Königsthrons durch den hessischen Thronfolger Friedrich, seinen Bruder, Statthalter In Hessen-Kassel, und bei der Kinderlosigkeit seines in Schweden residierenden Oheims hatte Prinz Friedrich somit begründete Aussicht, dereinst Landgraf von Hessen zu werden, woraus ursprünglich weder seine Erziehung noch seine sonstige Lebensrichtung eingestellt gewesen war. Seine leb­hafte Veranlagung war indessen geeignet, diesen Amstand zu über­winden, und er würde sicherlich auch in seiner jungen, zunächst sehr glücklichen Ehe dauerhaft« Bindungen gefunden haben, wenn ihn Nicht ein gewisser innerer Gegensatz zu seinem Vater immer wieder in die Fremde getrieben und einerseits der Häuslichkeit entfremdet und andererseits zu einem Gegenstand des politischen Brettspiels -wischen den europäischen Mächten gemacht hätte, eines Spiels freilich, aus dem er ohne Schaden für Deutschland und das hessische Volt hervorgegangen und welchem durchaus zum Trotz er ein Fürst geworden ist, dessen in dankbarer Bewunderung zu gedenken die Nachwelt mehr als einen Grund hat.

Datz gleichwohl die Gestalt Landgraf Friedrichs II., dessen Kolosialstatue freilich den nach ihm benannten Riesenplatz in Kassel ziert, von böser Nachrede gern verfolgt wird, und datz er selbst bei Lebzeiten nicht eigentlich ein glücklicher Mensch gewesen ist, hat feinen Grund keineswegs zuletzt auch in dem Verhalten feiner Ge­mahlin zu ihm. seinem Wesen und seinen Handlungen. 3m Jahre 1749 war Prinz Friedrich, wie er 'selbst gestanden hat, aus snneren Gründen zur katholischen Kirche übergetreten, wovon er für seine Person als Mensch von Geschmack und Haltung kein Aufhebens machte/ fünf Jahre später wurde sein in religiöser Beziehung recht unduldsamer Vater durch eine Indiskretion davon in Kenntnis gesetzt, und die Folge war, datz der Prinz, dem seiner ganzen Ver­anlagung nach nichts ferner liegen konnte als politische Intrige and konfessionelle Bedrückung, nicht nur durch die sogenannte» Astekurationsakte der primitivsten Freiheiten beraubt, sondern auch in einer Weife von seiner Familie, ten Kindern zumal, getrennt

tourte, die weder für ihn selbst noch für das Land als günstig angeu feten werten durfte. Gleichwohl gingen Landgraf Wilhelm VIII,. und seine englische Schwiegertochter dabei bis zum Aeutzersten, Und die letztere hat sich nicht gescheut, ihren jugendlichen Söhne» ein Bild des Vaters einzuprägen, dessen Züge durch einen fast unmenschlichen Hatz ter Malerin wider den Gegenstand bis zur Ankenntlichkeit entstellt waren. Selbst ein so panegyrisch veranlag­ter Lobredner ter englischen Maria, wie Dr. Erich Meyer, gesteht, datz die volle Absichtlichkeit, mit welcher Maria ihre Abneigung gegen Friedrich auf die gemeinsamen, von ihr selbst abgöttisch ge­liebten Kinder übertrug, zu den wesentlichen Charakterzügen dieser Frau gehört.

Es ist nötig, in dem zitierten Werk von Philipp Losch den Ab­schnitt über die Wiedervereinigung des Lanterasen Friedrich II. mit seinen drei Söhnen nachzulesen, um zu erkennen, wie die vor allem durch seine Frau bewirkte Trennung jeder inneren Berech­tigung entbehrt und keinen anderen Sinn gehabt hat als den, ein paar Menschen Jahrzehnte lang unglücklich zu machen. Am so tiefer war allerdings das Glück ter Aussöhnung, das zehn Jahre nach dem 1772 erfolgten Ableben ter Landgräs.n Maria stattfand; ter Erbprinz war 40 Jahre alt, als er seinen Vater nach fast 30- jähriger Trennung wiedersah. Datz diese auch auf die Bildung seines Wesens keinen freundlichen Ernflutz gehabt haben kann, liegt auf ter Hand.

Die Frage, wie Maria nun eigentlich dazu gekommen ist, ihr eigenes Leben sowohl wie dasjenige ihres Gatten und ihrer Kinder so tief zu verbittern, lätzt sich um so schwerer beantworten, als einerseits dokumentarisch feststeht, datz die Ehe mit Friedrich zu­nächst, wie gesagt, eine sehr glückliche war, und als andererseits die zeitgenössischen und postumen Lobpreisungen aus die Tugend dieser Frau für die psychologische Forschung so gut wie gar keinen An­haltspunkt bieten. Es liegt natürlich nahe, anzunehmen, datz einer bigotten Engländerin die .... moralische Grazie eines echten Rokokomenschen wie des Prinzen Friedrich aus die Dauer nicht behagte. Wenn es andererseits heiht, datz sie den Förmlichkeiten abhold war und darob von ihrem sehr wohlwollenden Schwieger­vater im Scherz gern alsKindskopf" bezeichnet wurde, so scheint sich das doch nur auf die Hofetikette zu beziehen und nicht auf das Menschsein ganz im allgemeinen.

Ohne verkennen zu wollen, datz sie In vieler Hinsicht ihre» Kindern eine vorbildliche Mutter und Erzieherin gewesen ist und in ter Tat ein Leben geführt hat, an dessen äußere Makellosig­keit nicht zu rühren ist, kann doch unmöglich in Abrede gestellt wer­ten. datz, wie immer viel Licht von viel Schatten begleitet wird, Maria zum großen Teil selbst verschuldet hat, was ihr Dasein und nicht nur das ihrige verdunkelte und, bei näherem Zuschauen, keineswegs geeignet erscheint, sie zur Märtyrerin zu stempeln. 3hr Verhalten dem Gemahl gegenüber war im Hinblick auf diesen alles andre als christlich und im Hinblick auf die gemeinsamen Kinder durchaus nicht mütterlich, und sie muh schon mit großen, bet ter Art ihrer Verlobung und Vermählung schlechthin unverständlichen 3llusivnen in ihre Ehe hineingegangen sein, um von mindestens zeitgemäßenEnttäuschungen" so bis zum Paroxysmus des Hasses verbittert zu werden. So bleibt von dieser fürstlichen Persönlich­keit am Ende nicht viel mehr als das beklagenswerte Beispiel, wie durch Anduldsamkeit und Einseitigkeit des Denkens und Empfin­dens nicht nur das eigene Leben innerlich zerstört, sondern auH dasjenige ter Nächsten tief nachwirkend, ja, über Generationen hinaus erschüttert werden kann.

Einträglicher Rätselhandel.

Von Joh. PeterHebe!.')

Von Basel fuhren eils Personen in einem Schiffe den Rhein hinab. Ein Jude, ter nach Schalampi wollte, bekam die Erlaub­nis, sich in einen Winkel zu setzen und auch mitzufahren, wenn er sich gut aufführen und dem Schiffer achtzehn Kreuzer Trinkgeld geben wolle. Nun klingelte es zwar, wenn der Jute an die Tasche schlug, allein es war doch nur ein Zwölfkreuzerstück darin, denn das andere war ein messingener Knopf. Dessenungeachtet nahm er die Erlaubnis dankbar an. Denn er dachte:Auf dem Wasser wird sich auch noch etwas erwerben lassen. Es ist ja schon mancher auf tem Rhein reich worden." 3m Ansang und von dem Wirtshaus z u m Knopf weg war man sehr gesprächig und lustig, und ter Jute in seinem Winkel und mit feinem Zwerchsack an der Achsel, den er ja nicht ablegte, mutzte viel leiten, wie man's manchmal diesen Leuten macht, und versündigte sich daran. Als sie aber

*) Wir finden diese humorvolle Kalentergeschichte tn ter be­kannten MonatsschriftDie Meist«r", (Deutscher Weisterverlag München), di« ein interessantes SonderheftDer Rhein" her­ausgegeben hat. worin berühmte und bekannt« Autoren ein reiche- Bild von Mensche» und Landschaften des Rheins entfalten.