Ausgabe 
17.2.1923
 
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Samstag, 17. Februar

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1923 Nr. 7

Röntgens Tat im Werdegang der NaturWifsenschaftsn.

_ Röntgen ist einer der wenigen ganz grosten Entdecker dablngegangen, die der Menschheit den Zugang zu einem un» betaitnien Reich der Matur eröffnet, eine neue Wissenschaft, eins neue Technik begründet haben. Diese bahnbrechende Bedeutung seiner Entdeckung wird von Dr. Franz Fuchs in einem soeben erschienenen Bändchen der bet R. Oldenbourg in München heraus- aegevei'.en SammlungDer Werdegang der Entdeckungen und Ersiiidungen" behandelt, der sich mit denelektrischen Strah­len und ihren Anwendung (Röntgentechnik)" beschäftigt. Auf keinem andern Gebiet der Physik hat man seit Röntgens Ent­deckung mit gröstsrem Erfolge gearbeitet, wie auf dem Gebiet Ar Strahlen, die sich beim Durchgang der Elektrizität durch bilden. Das Interesse an diesen Strahlungserscheinungein- geht bis in die Anfänge der modernen Naturwissenschaft zurück. Schon Otto v. Guericke, der Erfinder der Elektrisiermaschine, zog im Dunrel aus einer elektrisierten Schwefelkugel einen violett leuch­tenden und knallenden Funken. Eine nicht lange danach zufällig gemachte Entdeckung bot den Anstoß zur Erforschung der elektri- scheu Entladung im luftverdünnten Raum. Als nämlich ein Queck- slwerbarometer Lurch ein dunkles Zimmer getragen wurde, beob­achtete man, Last Ler über dem Quecksilber befindliche Raum die sog. Torricellische Lehre, mit bläulichem Licht erfüllt wurde. Diese zunächst ganz rätselvolle Erscheinübg wurde später als eine eleb- irische erklärt, und um sie hervorzurufen, bediente man sich be­sondererSchüttelröhren", luftverdünnter GlaLröhren in Cenen sichetwas Quecksilber befindet. Zur Untersuchung dieseselek- tnschen Feuers" im leeren Raum wurde dann in der Mitte des 18. Jahrhunderts ein besonderes Entladungsgefätz benutzt, das ssvg.Elektrische Ei". Die dünnen violetten Lichtfäden, die hier bei Verdünnung der Luft entstehen und in eine rötliche Licht­säule übergehen, konnte man sich zuerst nicht erklären, und so wur­den dieElektrischen Sier" lange Zeit nur als Merkwürdigkeit vvr- geführt Erst um die Mitte des borigen Jahrhunderts machte £>le Erforschung der Entladungserfcheinungen große Fortschritte, wurden nun verschiedene wichtige Apparats eingeführt, so die Geistlerschen Röhren, die Spektralröhren, die Quecksilber­bogenlampe, diE zur Entdeckung der KathoLenstrahlen führten.

bie wichtigsten Eigenschaften dieser Strahlen Idb9 festgestellt hatte, und Lenard auf die Anregung von Heinrich Hertz die äußeren KathoLenstrahlen entdeckt hatte, die aus der Entladungsröhre in die freie Luft treten, war die Aufmerksamkeit der Physiker auf dieUmgebung der Kathodenröhre gelenkt. Rönt­gen «and im Winter 1895-96 dieneue Art von Strahlen", die er nach ihren rätselhaften EigenschaftenX-Strahlen" nannte. Das ttnfache Labvratoriumsgerät, mit dem Röntgen diese unsterbliche Entdeckung ausführte, befindet sich heute im Deutschen Mu­seum zu München, wo sich die wichtigsten Originalapparate der anderen großen Strahlenforscher, Hittorf, Laue usw., befinden. Aus dm ersten Röhrm Röntgens sind in den letzten 25 Jahren zahl- telcße leistungsfähige, den Bedürfnissen der Praxis angepaßte Ap­parate entwickelt worden: einen vollständigen Ueberblick über diese Entwicklung gewährt die ZO Rummern umfassmde Röhrensamm- des Deutschen Museums. Das größte Grstaunm hat es erregt, E Röntgen zum erstmmal das bisher Unsichtbare photogra- phrsch sesthielt, indem er das Schattenbild der Knochenhand auf ?? ?dvtogravhischen Platte erscheinm ließ. Roch im selben Jahre wunöe von Prof. Zehnder in Würzburg die erste Röntgen­

aufnahme eines ganzen Menschen bergestellt. Dt» Entldeckung der Röntgenstrahlen hat ebenso große wissenschaftlich« wie praktische Folgen gehabt. Die dadurch geförderte Beschäftigung mit den elektrischen Strablungserscheinungm führte zu der Theorie o«r Conen unb Elektronen und gab die ersten sicherm Anhalts­punkte für die Erkenntnis des Wesens der Elektrizität. Roch wich» tiger ist aber die praktische Anwendung der Aöntgmstrahlm auf dem Gebiete der Heilkunde: die Aöntgen-Photogravhie und die yÄtaude lebenspendende Kraft der Aöntgmstrahlm, die bei zahl- reichm Krankheiten so segensreich wirkt. Außer in der Medizin haben Este Röntgenstrahlen bei der Materialprüfung ein, ^Uge Anwendung gefunden. Röntgen hatte bereits in seinen erstem Veröffentlichungen an der Aufnahme des Dvppellaufes eine» Jagdgewehrs mit zwei darin steckenden Kugeln und Schrotpatronen gegeigt, daß man die innere Struktur der Metalle im Döntqenbilde er tarnen kann. So werden jetzt die Röntgenstrahlen zur Unter- suchungvon Metallen und Legievungm, elektrischer Kabel usw. be- nutzt. Ebenso gelingt der Nachweis von Fälschungen im Aontgenucht. Wenn man auch üb« die Durchleuchtung von Ge- marben und ihren Wert für die Erkenntnis späterer Zutaten noch zremtlch im Unilaren ist, so kann man doch Edelsteine und Perlen mit Hilfe der Röntgenstrahlen von Halbedelsteinen, künftttchen Jk-tien und Fälschungen aller Art genau unterscheiden.

Brisfs Kaiser Wilhelms L aus den Freiheitskriegen.

Prinz Friedrich von Oranten, der zweite Sohn König Wil- helms i. der Bereinigten Niederlande, hatte die Prinzessi» Wtlhelmine von Preußen, die Schwester Friedrich Wilhelms HL gur Mutter und wurde mit seinen preußischen Vettern, dem Amaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dem Prinzen Wilhelm, in engster Gemeinschaft am Berliner Hof erzogen. Di« Freundschaft mit den preußischen Vettern fand während be$ Freiheitskriege, an denen der oramsche Prinz zunächst im Haupt­quartier Blüchers teilnahm, ihren Niederschlag in einem leb- haften Briefwechsel sowohl mit dem Kronprinzen, der ebenfalls ins Feld zog, wie mit dem Prinzen Wilhelm/der erst im No­vember 1813 nachfolgen durfte. Dieser Briefwechsel, der unS mitten hineinführt, in die große Zeit von Preußens Erhebung und Befreiung, wird jetzt bei Cotta von Herman G r a n i e r unter dem TitelPrinzenbriefe ans den Freiheits­kriegen" veröffentlicht. Der starke Wesensunterschied zwischen den beiden Brüdern, dem späteren Friedrich Wilhelm IV. und dem nachmaligen Kaiser Wilhelm I., tritt schon in diesem Jugend» schreiben scharf hervor. Reben dem ungezügelten Schwelgen im Gefühlsausbrüchen, dem romantischen Aeberschwang des Stils bet dem Kronprinzen erscheint Prinz Wilhelm erheblich ruhiger und sachlicher, erquickend in seiner gesunden Frische und seinem naiven Jugendmut. Diese Jugendbriefe des späteren erstens Deutschen Kaisers sind uns gleich wertvoll als Zeugnisse seines Entwicklung wie als bezeichnende Beiträge zu der Geschicht« und Stimmung jener stolzen Epoche.

Sein erst« Brief vom 26. Januar 1813 zeigt ihn auf der Fahrt nach DreSlau, wohin der Prinz mit seinem Vater Mut Dorbe^itung der Erhebung ging. Die Reisenden begegnen den au$ VuAtanö kommenden Franzosen: Kaum waren rum Tor hinaus, als der Zug ixtv Unglücklichen, wirklich Mitleid erregmiden Franzosen anfing. Das Elend ist nicht A beschreiben, Alles, was wir gehört haben, ist nicht üb«-