— 146 —
Amwegen
der Spuk Ansiedler wurde es man das
Ruhestein vorbeizusahren.
Aber die alte Herrin hatte der Haushälterin versichert, letzt brauche niemand mehr vor denr Pfarrer ohne Kopf Angst zu haben, denn eine Bauernfrau von Marbacka, die ein vernünftiges und entschlossenes Weib war und ein tveiüg mehr verstand als andre Leute, habe ihm Ruhe verschafft.
Das war so zu gegangene jene Bäuerin kam eines Abends spat am Ruhestein vorbeigeritten. Es war Heller Mondschein, und wie sie erwartet hatte, stand das Gespenst auf dem Weg unterhalb des Steinhaufens, wie wenn es ihr den Weg versperren wollte.
Aber die Bäuerin hatte keine Angst, und sie ritt ein PftA das ebenso ruhig und furchtlos war wie sie selbe». Sie ritt dicht zu dem Gespenst hin und ermahnte es, sich zur Ruhe in sein Grab zu legen. ...
„Wie konimt es, das; du an dem Ort, wo du hingehorst, mcht stille liegen bleiben kannst?" fragte sie. „Da weiht, daß du kem Bessres Grab bekommen kannst. Rirnmerniehr darfst du in geweiyter Erde rußen, du, der du befleckt und unrein warst, als du starbst.
Dieses sagte sie mit voller Aebeizeugung, denn der Pfarrer war ja ein böser Mensch gewesen, und sie selber sah ihn für völlig unwürdig an, in Kirchhofserde zu ruhen. .
„And du brauchst nicht aus deinem Grab zu steigen, um W zu rächen," fuhr sie fori; „denn du Iregft hier um deiner eigenen Taten willen und weil du den Lohn empfangen hast, den du ve dienst, das weiht du selber recht wohl." ,
Während sie so sprach, schien das Gespenst vor ihr dünner zu werden, und die Gestalt schien an Deutlichkeit zuzunehmen, schließlich sah es aus, als wolle es sich auf sie stürzen. AVer M fürchtete sich nicht, sondern redete noch einmal zu ihm, um enotuy einmal diesem Hammer ein Ende zu machen.
„Wenn du aber still und ruhig in deinem Grabe hegen bleim, so gelobe ich dir, jedesmal ein Vaterunser für dich zu beten, so on ich hier vvrüberkomme," sagte sie.
nicht herausscharren könnten. .
Doch die alte Herrin hatte gesagt, der tote Pfarrer habe in dem Grabe, das ihm auf diese Weise, bereitet worden war. keine Ruh« gefunden, und in hellen Mondnächten habe man ihn an dem Hügel unterhalb des Ruhesteins gesehen, im langen Talar und den Kopf in den Händen. Die Pferde sahen ihn besser als die Menschen. Sie scheuten und stiegen, so^dah die Reisenden oft zu durch wilde Wälder gezwungen wurden.
Solange nur Hirten in Marbacka wohnten, hatte nicht allzuviel zu bedeuten gehabt. Als sich aber neue einfanden und zuleht ein richtiger Bauernhof erstand, schon bedenklicher. Rieinand wußte, auf welche Weise Gespenst zwingen könnte, ruhig in feinem Grabe zu bleiben, und jahraus, jahrein muhte man sich hüten, gegen Mitternacht am
Dock der Geistliche muhte wohl Anrat gewittert haben, denn er kehrte nicht auf dein gewöhnlichen Weg auf der Westseite des Tales nach Sunne zurück, sondern bog in die Semienpfade ein, die sich auf der Ostseite hinzogen, und dachte, er werde den Weg nach Hause auch auf diese Weise finden.
ilnö die alte Herrin hatte gesagt, denen die an der Westsecke vergeblich auf ihn gelauert hatten, sei es plötzlich klar geworden, dah er sich weggestohlen habe und sie unverrichteter Dinge wieder heimziehen könnten. Es war aber einer unter ihnen, em Bruder dessen der durch den Pfarrer in den Tod getrieben worden war, der wollte ihn sich nicht so einfach entwischen lassen. Er ergriff eine lange Stange, die noch- vom Heuverladen her auf der Wiese lag, und mit dieser in der Hand schwang er sich üoer den Sumpf im Tale Die andern machten es ihm nach, und mit Laufen und Springen kamen sie wirklich ohne besonders große Schwierigkeiten auf die andere Talseite hinüber. Dicht unterhalb des Schafstalls von Mar- ‘ packa fanden sie wieder festen Boden. Sie eilten südwärts weiter, um dem Reiter den Weg abzuschneiden, und an dem Hügel unter dem Ruhestein trafen sie mit ihm zusammen. ,
Es war nur ihre Absicht gewesen, 6em Pfarrer eine gehörige Tracht Prügel zu verabfolgen, aber unglücklicherweise tour letzt der Mann bei ihnen, der einen Bruder zu rächen hatte. Gr trug ein Schwert unter dem Mantel, und als die andern den Pfarrer vom Pferde heruntergerissen und ihn zu Boden geworfen halten, zog er das Schwert hervor und hieb ihm den Kopf ab.
Als die Tat vollbracht war, entsetzten sie sich alle, und ;etzt dachten sie daran, tote sie es anfangen sollten, unentdeckt zu bleiben. Sie liehen das Pferd laufen und die Leiche am Wegrande liegen, damit es aussah, als ob der Mord von wilden Räubern begangen worden fei. Sie selbst machten sich schleunigst auf den Heimweg, und zwar wieder zurück über die Sumpfwiesen. Sie hofften, es sei kein Zeuge vorhanden, der sie auf der andern Talseice gesehen hatte. Auf dem gebahnten Weg hatte sie niemand gesehen, und dah sie sich über den Sumps gewagt hatten, das würde ja niemand auch nur ahnen.
Es ging besser, als sie erwarten konnten. Da sich der Geistliche zur Zeit seines Todes in seinen Gemeinden mißliebig gemacht hatte, wurde gar nicht weiter nach ihm gesucht, und als er endlich gesunden wurde, gab man Räilbern und Waldläufern die Schuld an der Missetat. Roch im Tode wurde er als unrein angesehen. Riemand wollte die Leiche berühren, und da man der Ansicht war,, er dürfe nicht in geweihter Erde ruhen, ließ man ihn lieber gleich- liegen, ton er lag. Man bedeckte ihn nur mit Rasenstücken und wälzte einen | Haufen ganz großer Steine darüber, damit ihn die wilden Tiere
Großmutter sei gestorben. And als diese aufgelmhrt in ihrem Sarge 1 lag wurden sie hineingeführt, und sie sockten ihr die ^rnd kuswu. I Aber sie fürchteten sich davor, bis ihnen lemand sagte, dies sei das I letztemal, daß sie ihrer Großmutter für alle Freude, die fie ihnen | gemacht habe, danken könnten. _ . ___I
Dann kam ein Tag, an dem man die Märchen und Lieder vom I Hofe wegfuhr, eingepackt in einen langen, schwarzen Sarg, und sie I kehrten nimmermehr zurück. , c„ ... . |
Das war eine Zeit des schmerzlichsten Vermissens für die Klei- | nen Es war, wie wenn eine Tür zu einer schonen Zauberwelt, I durch die sie zuvor hatten frei aus- und eingehen können, verschlvs- I sen worden wäre. And niemand war da, der sie wieder hatte off- | nen Rach'nnd nach lernten sie wie andre Kinder mit Puppen und Spielsacken spielen, und man hätte meinen können sie vermißten ihre Großmutter nicht mehr oder hätten sie gar vergessen. Aoe, dem war nicht fo; sie lebte immerfort in ihrem Herzen. And sie wurden I nie müde, den Geschichten zu lauschen, die ihnen die alte Haushälterin von ihrer Großmutter erzählte. Diese bewahrten sie m I ihrem Herzen, tote Schätze, die ihnen nicht verloren gehen konnten. |
Das Gespenst am Dillarsteinhügel.
Die alte Haushälterin pflegte zu sagen, es könne noch nicht gar ,v lange fier sein, seit Marbacka unter den Pflug genommen worden sei und feste Insassen bekommen habe, denn ihre alte Herrin habe ihr erzählt, in ihrer Jugend hätten sich die Leute wohl noch daran I erinnert, daß Marbacka einstmals eine Sennerei von einem der 1 großen Bauernhöfe gewesen sei, die auf der westlichen Talseite in | der Rähe des Frykensees lagen. Aber die alte Herrin hatte gesagt, I jetzt sei es verlorene Mühe, nachzuforschen, wann die erste Herde I dahin getrieben und der erste Schafstall da errichtet worden sei. I Denn Hirten könnten taufen b Jahre auf einem Neck wohnen, ohne | eine Shur zu hknterkaffen. ünb es war wahrlich! nicht tnei, was I aus ihrer Zeit noch in Marbacka zurückgeblieben war. j
Die alte Herrin meinte, es sei jedenfalls ein Hirt gewesen, der I der hügeligen Landstraße vor dem Asberg. wo er sein Vieh und seine Pferde weidete, den Ramen Marbacka gegeben habe. And I außerdem hatte sie auch gesagt, ohne Zweifel hätten die Hirten 1 und ihre Herden die Wege festgetreten.
Jawohl, die Hirten hatten sicherlich den Weg von Süden, her I längs des Asberges genommen, das stand fest; denn von dieser I Seite mußten sie mit ihren Herden hergezogen fein. And der i Weg, der von Osten kam und steil am Berge abfiel, der war auch j ihr Werk. Diesen Weg nahmen sie, wenn sie die Schafhirten auf der andern Seite des Asbergs Begrüßen wollten. Der Weg aber nach I Rvrdwest, Sunne zu, war furchtbar schlecht, jetzt noch konnte man j erkennen, daß es ein alter Ziegensteig war. Dagegen habe es direkt I nach Westen keinen Weg gegeben, meinte die alte Herrin.
Rach Westen zu war alter Seeboden mit moorigen Wiesen ! und Sumpfland, durch das sich ein Fluß schlangelte. Wenn der Hirt | auf der Seitenschtoelle vor seiner Hütte stand, konnte er den Hof, zu dem er gehörte, drüben auf der andern Ta [feite liegen sehen; aber um ihn zu erreichen, mußte er weite Umwege nach Rvrden oder Süden machen.
Häufig mußten die Hirten von Süden her gezogen gekommen fein, denn der „Ruheftein", too sie auf ihrer Wanderung zu rasten pflegten, lag noch- am Wegrand, etwas südlich vom Hofe. Aber die Hirten wagten sich des Rachts, nach Einbruch der Dunkelheit, nicht dort aufzuhalten, das war die Schattenseite davon.
Seht, zu der Zeit, als Marbacka noch eine Sennhütte war, befand sich in der Gemeinde Sunne ein Pfarrer, der so hart und böse war, daß sich! ein Bursche, der als Knecht .bei ihm diente, nach ein paar Monaten erhängt hatte. Als der Pfarrer Kunde von dem Geschehenen erhielt, besann er sich nicht lange, sondern beeilte sich, den Toten abzuschneiden und ihn aus dem Hofe fvrtzutragen. And die alte Herrin hatte gesagt, er habe aus keinem anderen Grunde für entweiht und unrein gegolten, als weil er einen Selbstmörder berührt hatte. In Sunne ließ ihn die Gemeinde nicht mehr die Kirche Betreten; diese wurde zugeschlossen, bis ein anderer Pfarrer ernannt und in Sunne eingezogen war.
Aber dieser Pfarrer war auch nach Ämtervik gefahren, um dort Gottesdienst zu halten, denn dort war auch eine Kirche und ein kleines Pfarrhaus, aber kein Geistlicher. And nun hatte wohl der Pfarrer von Sunne gedacht, Ämtervik liege allzuweit aus der Welt draußen, da könne man doch nicht wissen, daß er unrein war. So könne er sich wohl noch dorthin begeben und Gottesdienst halten.
Er ritt auch nach Ämtervik zur Kirche; aber das böse Gerücht war da gleichzeitig mit ihm eingetroffen, und während er am Altar betete, erzählten die Leute in der Kirche sich flüsternd, was er getan hatte, und daß er unwürdig sei, ein Gotteshaus zu Be treten.
And damit nicht genug: die Bauern in Ämtervik hatten bas Gefühl, er habe ihnen große Mißachtung bewiesen. Sie besprachen sich- untereinander, sagten, sie seien geradeso rechtschaffene Leute wie die in Sunne, und sie wollten nich't mit einem Pfarrer vorlieb nehmen, den diese verschmähten.
Einige junge Burschen verabredeten sich, ihm einen Denkzettel zu verabfolgen. Aber da sie wußten, daß es gefährlich sei, Hand an einen Pfarrer zu legen, beschlossen sie zu warten, bis er wieder auf dem Heimweg wäre. Er ritt ja allein, und zwischen Ämtervik und Sunne war manche einsame Stelle, an der er vorbei mußte, too man ihm in einem Hinterhalt auflauern konnte


