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fcn Schwaben nachgesagt worden, daß sie den Schnee zu rösten versuch! Hüsten, um ihn in Salz zu DertixmMn. Die Rhöner und Westerwälder aber wissen das Salz im Schnee zu finden, auch ohne daß sie ihn zum Rösten aus den Ofen streuen. Münchhausens Abenteuer vom verirrten Reiter, der des Rachts sein Pferd an ein aus dem Schneeseld einsam aufragendes Kreuz bindet, und des andern Morgens bei eintretendem Tauwetter entdeckst dah er es an das Kirchenturmkreuz eines eingeschneiten Dorfes gebunden habe, ist aus diesen Basaltbergen gewachsen und längst volkstümlich gewesen, ehe es in das Anekdotenbuch kam. Im Schnee liegt die Poesie dieser Gegenden, der liebe Gott hat sie nun einmal als Winkerlandschasten angelegt, und der Schnee verleiht ihnen den Silberschein des Absonderlichen, des Romantischen und Abenteuerlichen. Das ahnen die armen Leute, die in ihrer Art auch wissen, was Romantik heisst, und erzählen uns darum ihre Schneegeschich- ten mit demselben stolzen Behagen, mit welchem der Matrose die Fährlichkeiten des Meeres schildert, und einer will immer tiefer im Schnee gesteckt haben als der andere.
Wer aber nicht selbst zum öftern mit darin gesteckt hat, der hält gar manches für Sage, was in der Tat strenge geschichtliche Wahrheit ist. Als ich am Ende des März die höchste Spitze der Rhön, den Kreuzberg erstieg, sand ich an vielen © eilen kleine Zweige, wie von niedern ©tauben aus dem Schneeseld aufragend; wagte ich's aber, mich ihnen zu nähern, bann brach ich bis an die Brust ein, und es waren stattliche Büsche gewesen, deren äußerste Wipsel nur noch zutage standen. Der Pater Guardian des Klosters zum heiligen Kreuz erzählte mir, dast er an ähnlichen Stellen wenige Tage vorher noch bis übers Gesicht versunken, und nur durch die angestrengteste Beihilfe seines Führers wieder herausgezogen wor- jden sei. Und in dieser Region ist die Bevölkerung noch größten* teils auf den Ackerbau angewiesen!
Der Fuldaer Arzt Dr. Schneider erzählt in,seiner Beschrei- bung der Rhön, baß er einst im halben März zu einem Kranken in Rengersfeld gerufen worben sei, wobei er durch das Dach in das gänzlich verschneite Haus einft eigen mußte. Bei demselben Rengersfeld, einem in schauerlicher Wildnis gelegenen Dorf, fand ich im Frühjahr die meisten Feldwege zu den nächsten Dörfern über die Höhen noch ganz unbrauchbar für Reiter oder Fuhrwerk. Aus die Schneemassen hatte es kurz vorher geregnet, und so waren die Fahrgeleise wie die Tritte der Menschen und Pferde gleichsam in Eis eingegossen, darüber aber hatte stch inzwischen wieder eine neue leichte Schneedecke gelagert. Bei jedem Schritt gerät nun selbst der Fußgänger in Gefahr, in diese berbecf'en, fest ausgefrorenen Geleise und Löcher zu treten und den Faß zu verletzen, so daß ein jeder vorzieht, sich trotz deut seitab liegenden Steingeröll einen neuen Weg zu bahnen. Bei den steten Schneewehen kommt aber solchergestalt ein eigentlicher leitender Psad gar nicht wieder zustande, die Gegend wird geradezu weglos, und der Wanderer muß, tote man zu sagen pflegt, lediglich der Aase nachgehen. An den Südabhängen vieler Berge findet man den Schnee infolge vorher» gegangener warmer Tage mit einer festen, spiegelglatten Eiskruste überzogen Dies wiederholt sich in solchen Gegenden fast alljährlich; es ist der Ruin der Obstbäume wie der Wälder. Selbst das Wild geht durch diese den Frühling verkündende Metamorphose des Schnees vielfach jugrunbe. Rainen!lich brechen die Rehe mit ihren spitzen Klauen leicht in der Eiskruste ein und können sich bei den manchmal viele Fuß tief locker darunter angehänften Schneewehen nicht wieder herausarbeiten. Sv fand ich im Frühjahr 1845, welches durch die Eiskruste Über einer gewaltigen Schneedecke den Forsten besonders verderblich geworben war. an den steilen Derghängen des Westerwaldes, als der Schnee verging, zahlreiche von den Füchsen halbaufgefressene Körper von Rehen, die unzweifelhaft auf die beschriebene Art zugrunde gegangen waren.
Wenn aber auch die warme Frühlingssvnne den Schnee ost genug und langsam wegzuschmelzen vermag, dann ist der Früh- ltngsdrang der Pflanzenwelt dennoch mächtiger als der Schnee. Man sieht dann wohl den Haselstrauch in voller Blüte aus dem Schnee aufragen und seinen gelben Blü'enstaub weithin über die starre weiße Fläche streuen. Ich toüß'e kein deutungsvvlleres Sinnbild für das gesamte Kulturleben jener Basaltgebirge als diese selbst im Schnee zur Blüte sich emporringenden Lenzesbvten.
Aus der hamburgischen Seeschiffahrt.
Don Rauticus. Hamburg.
Es ist wieder das gewohnte Bild, das heute Hamburgs Hafen bietet Die Werften find in voller Tätigkeit, Schiffe kommen und gehen und bringen und holen, zahllose Kräne greifen In die tiefen Laderäume und über die weiten Kaistrecken rollen die Güterwagen in ununterbrochener Folge, ileberatl herrscht emsige Geschäftstätigkeit Etwas aber hat sich geändert. Schau nach dem Bug der Schiffe! Fremde Ramen in der Aeberzahl! Das ist die große Wandlung, die Hamburg die Auslieferung der Handelsflotte gebracht hat And dennoch zeigt sich auch heute schon wieder etwas Erfreuliches: Schisse, die der Auslieferung verfallen waren und unter fremder Flagge und fremdem Ramen fuhren, sind zurückgekauft worden und neue Schiffe haben die Heiligen deutscher Wersten verlassen. Sie tragen wieder die Ramen deutscher Länder, deutscher Städte und Rutscher Wälder und ihre Zahl wächst to
steter Folge. And mit ihnen wächst und verbreitet sich das Retz der Aeberseelinien unter deutscher Flagge.
Ein getreues Abbild dieser Aufbauentwicklung bietet Hamburgs größte Schiffahrtsgesellschaft, die Hamburg-Amerika-Linie, die heute bereits wieder nach Rord-, Mittel- und Südamerika, nach Ostasien, Afrika und der Levante regelmäßige Dienste unterhält.
Raturgemäß war es das nordamerikanische Geschäft, das von der Gesellschaft zuerst wieder aufgenommen und in Gemeinschaft mit dem befreundeten Harriman-Konzern innerhalb kurzer Zeit am weitesten ausgebaut wurde, denn hier vollzog sich von jeher die Hauptverkehrsarbeit der Hapag. In dem anfangs nur mit Schiffen der ilniteb American Lines unterhaltenen Fracht- und Pafsagierverkehr zwischen Hamburg und Reuyork konn en 1921 die deutschen Dampfer „Bayern" und „Württemberg", Spezialschiffe für die Beförderung von Passagieren dritter Klasse, und ein 16 000= Dr.-Rg.-Tonner, der Kajülspassagierdampfer „Hansa" in Fahrt gesetzt werden. Eine bedeutsame Steigerung wird die Indienststellung der im Dau befindlichen, je 22 000 Br.-Rg -Tonnen großen Pastagierschnelldampfer „Albert Ball in" und „Deutschland", und der beiden neuen Kajülspassagierdampser „Th-uringia" und „Westphalia" von je 11 600 Dr.-Rg.-Tonnen. bringen, die schon in diesen Monaten ihre Fahrten auf der Reuhork-Route aufnehmen. Reben- bem wird mit einer Anzahl eigener und gecharterter Schiffe auch nach anderen novdamerikanischen Häfen, Boston, Baltimore und Philadelphia, ein regelmäßiger Frachtdienst unterhalten.
Dem Verkehr nach Mittelamerika stellt die Gesellschaft heute schon wieder mehrere Linien zur Verfügung; eine Passagi rverbin- dung nach Cuba-Mexiko, in der die Doppelschraubendampfer „Hol» fatia“ und „Toledo", Schiffe mit Einrichtungen für Fahrgäste aller Klassen, Verwendung finden, eine Frachtlinie mit den Dampfern „Sachsenwald", „Schwarzwald", „Riederwald" und „Ciguria" und eine dritte Linie, der eigentliche Westindiendienst, auf dem zur Zeit die Frachtdampfer „Eupatoria", „Antiochia", „Adalia" und „Amas- fia" beschäftigt werben.
An dem lebhaft entwickelten Verkehr nach der Ostküste Südamerikas ist die Hamburg-Amerika-Linie mit einer Passng er- und Frachtdampferlinie beteiligt. Die in dieser Dienst eingefHl en Passagierdampfer „Teutonia", „Rugia", „Galicia" und „Drden", ein Einheitsschifs für die B förberung von Dritterklassen-Passagiere, dem sich im kommenden Frühjahr auch die Schwesterschisse „Bayern" und „Württemberg" zugesellen werden, sind neben ihrer eigentlichen Bestimmung, der Fahrgastbeförderung, sämtlich auch in der Lage, Ladungen mitzunehm-n. Vier Frachtdampfer, „Sachsen", „Hessen", „Steigerwald" und „Fürst Bülow" erhöhen die Zahl der in diesem Dienst beschäftigten Schiffe auf zehn, Io daß von Hamburg vierzehntäglich eine Abfahrt nach der südamerikanischen Ostküste statt» finben kann.
Auch mit der Westküste Südamerikas wird nach mehr als Zjähriger Anterbrechung wieder seit kurzem eine direkte Schiffsverbindung mit Hapagschiffen unterhalten. Der Dienst dorthin ist mit der Abfahrt des Dampfers „ Frankenwald" am 12. Dezember eröffnet worden. In monatlichen Abständen folgen die Dampfer „Westerwald", „Wasgenwald", „Altmark" und die Motorschiffe „Spreewald" und „Odenwald", die zur Zeit ihrer Vollendung entgegengehen. Die Schiffe sind zwar vorwiegend für den Frachtverkehr bestimmt, doch bieten sie auch einer beschränkten Anzahl Kajütspas sagieren Gelegenheit zur Aeberfahrt.
Der besonderen CBebcutung entsprechend, die dem deutschen Handel nach dem Osten zukommt, sind Anfang dieses Jahres in ben bisher von englischen Reebereien allein unterhaltenen Dienst auch deutsche Schiffe eingestellt worden. 3m Gemeinfchaftsdienst englischer und deutscher Reedereien sandte die Hamburg-Amerika- Linie eine Anzahl wertvoller Reubauten nach Ostasien, nämlich die Motorschiffe „Havelland", „Münflerland", „Rheinland", „Erm- land" und den Dampfer „Preußen", sämtlich Frachtschiffe, die auch eine kleine Zahl Kajütspafsagiere Mitnahmen und von allen Freunden des Deutschtums freudig begrüßt wurden.
Rach Afrika hat sich trotz Verlustes unseres wertvollen Kolonialbesitzes der Schiffsverkehr wieder überraschend entwickelt. Die in diesem Dienst vereinten Reedereien, die Woermann-Linie, die Deutsche Ostafrika-Linie, die Hamburg-Dremer-Afrika-Linie und die Hamburg-Amerika-Linie unterhalten einen regelmäßigen Post-, Passagier- und Frachtverkehr zwischen Hamburg und Madeira, den kanarischen Inseln, der Westküste Afrikas, Angola ©ilbteeft- ©üft- und Ostafrika. Reben den zurückgekauften Dampfern „Afat> und Otavi" Schiffen, die vorwiegend dem Frachtverkexr dienen, hat die Hamburg-Amerika-Linie jüngst den neuen Passagierdampfer Tanganjika" nach den afrikanischen Kaphäfen gesandt.
Schließlich besteht auch wieder nach dem nahen Orient ein lebhafter Verkehr der von der Hamburg-Amerika-Linie übernommenen Deutschen Levante-Linie. 23 Reubauten sind in dieser Fahrt beschäftigt und bedienen in regelmäßigen Abständen die Häsen der Levante, Rordaf rikas, Kleinasiens, der Adria und des Schwarzen Meeres.
Reben den Aeberseelinien wurde von der Hapag eine Reihe kleinerer, für die Schiffahrt unerläßlicher Zubringerdienste eingerichtet, so die Petersburger, Rigaer und Rheinhäfen-Llnie. Weiter sind in jüngster Zeit zur Erleichterung des Verkehrs mit den Verladern in größeren Städten Schiffsfrachtenkontore der Hamburg-Amerika-Linie eingerichtet worden. Sie sollen die bin*


