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Dann stand ich dort einsam draußen und lauschte, Lind lieb mich durchfinstern und durchschcnwrn ganz. Dann spürte ich, wie mich das Grauen durchrauschte. Wie mich dunkel durchflammte der Eünentanz.
Dann strömten Funken durch mein Gehirn, Und Sternenlicht kühlte die bleiche Stirn. Und über die Berge, mit bebendem Drang, Trug mich erschütternd Dewutztsem dann. Ich atmete tiefer, ich horchte bang, Urinnige Kühle hauchte mich an.
Und die Kronen brandeten hin und her, Am Nachthimmel zogen Schatten schwer. Dann stand ich dort hoch auf dem Felsenturm, Weit spähte meine ringende Stimme hinaus rvna Wolkengewoge, in Nacht und Sturm, In des wilden Wühlers dunkles Gebraus: Ich erkenne dich, Notgeist, in deinein Wahn. Steig auf, Nebelvolk, ich sehe dich nahnl Euch Schleichenden kenn ich, du bliche Mar Bei den rissigen Elchen am ^lsenblock. Euch Sturmmannen nut dem Schilf rm Haar Und des Fahrers beschwörenden Bmenstvck. Mein Herz ist traurig, ich horche stut. Bis sich alles vollendet, was werden wsil- Ich höre euch sorgenden Stimmen im Bühl, Euch wissenden Weiber aus harter Seit, Ich hör' heulen das Nothorn im grauen Gewühl, Kohorten hör' ich stampfend begehren: Streit! Ueber Berge und Täler dahin, hei hodi, Braust jahrtausendgewaltige Blutmelodre.
Es hebt sich im Donnern des Windes Braut, Wolkenberge ziehn, schwermütig, klamm. Es aellt in der Ferne, es würgt und graut Und murrt in der Erde, so Stamm bei Es krallt sich in die Brust mir ein uralter Beim.
Stock, Stein, Gras, Grain.
Und ich sehe die Zeit, wie sie war sie ist hm. Wie einst einen Notung umkrallte dre Faust. Und ich fühle, wie ich knechtisch m Ketten bin, Dab nun vor der Schmach mich innerlich graust.
Stock Stein, Gras, Gram, Der Botenstock naht,
Urmacht und Windsbraut geht um und die Tat! w ®'18' oto Wmut».
Hungerndes Kind.
Wie du in trübem Bangen, Aengstlich befangen Dort an der offenen Ture stehst — — Die schmalen, blassen Glieder Entwachsen dem verwaschenen Kleid — Mit dem lächerlich hohen Mieder Aus freudig-besonnterer Seit — Das farblose, strähnige Haar , Ueber Stirn und Gesicht: Em Gitter Den hungernden Augen, die bar Allem Glanz, doch nicht bitter Nicht bittend auf mich gerichtet find — Wortlos die blutleeren Lippen, Ein Wrack, kein reifendes Menschenkind,,
Schutzlos zwischen den Klüften und Kappen Eine Blüte, die im Negen ertrank Und matt und mutlos zu Boden sank.
Hungerndes Kind..
Schicksal gegeißelt bist du Klage, Gefäß stummgewaltiger Wucht. Inhalt der Not unserer Tage.
Nun bist du von mir gegangen.
Nein---nicht---!!
Dein müdes Gesicht,
Die frostblassen Wangen,
Die hageren, mageren Glieder, Auf all meinen Wegen Kehren sie wieder Mir zagend, klagend entgegen. In mein Träumen und Wachen Etzeit dich der großen Not Alles verschlingender Rachen Und droht ... und droht . . . Franz Geile.
Feierabend.
Es wurde Abend. Als ihn dann die Bank, Umarmt von Immergrün und süßem Flieder, Zu ruhen lud, da blieb er stehn und sank Unendlich müden Leibes langsam nieder . . . Er bettete die Hände in den Schoß, Die ungefügen Finger grob gefalten.
Sie waren hart von Schwielen und an alten
Und neuen Narben reich und ruhten groß Und schwer, wie Garben, die voll Segen sind. Und in mir war ein wunderlich Verlangen, Durch das wir oft wie große Kinder sind. Und trieb mich., diese Hände anzusehen, Als sei ein Wunder irgendwie geschehen Und leuchtend-groß von ihnen ausgegangen. Er aber wandte sein zerfurcht Gesicht Emvor ins flammendrote Abendlicht. Und sah, wie aus dem Rauch sich ungeheuer Die grauen Häuser in die Klarheit hoben, Daß nun des Abends hellen tfachte Feuer- Das Meer der Dächer brandend überstoben.
Da wußte ich, daß jedes Werk begann, Ihn stummen Mundes wundersam zu loben, Das er aus Stein und Eisen miterschuf Durch seiner Hände göttlichen Beruf. Denn alle Dinge ruhten in den Tiefen Des Tags. Nun standen sie erwacht und riefen Ihn jubelnd als den Herrn und Schöpfer an, Daß ihm zuni Preise auch die Glocken klangen, Die feierlich in allen Türmen sangen.
Josef Botz.
Das Kreuz.
Roch, immer ragt einsam,
Heimat,
Dein Kreuz über das Land,
Aber ich sehe Menschen, die tragen ihr zuckendes Herz in der Hand
Und weinen um dich.
Sunge Menschen, mit hartem Gesicht,
n ihren Augen ein Weh, Und doch eine heilige Pflicht: Kreuzträger zu sein. .
Sie tragen alle dein Kreuz, Heimat! Das Kreuz, . ,,,
An das dich deine Feinde hvhnlachend geschlagen, Das müssen sie tragen. —
Das Kreuz ist schwer und drückt ihren Rücken nieder, Ein Beben geht durch die jungen Glieder. Aber sie bleiben doch stolz und fest dabet, And aus ihrem Herzen reißt sich ein Schrei: Lieber sterben, Als mit dem Kreuz zu Boden sinken!
And ihre verzweifelten Seelen trinken Aus dir, Heimat, neue Kraft. Anwändern sie durch das Land, And der heilige Brand Ihrer Augen Glüht in alle Herzen hinein .
And zwingt Tausende, auch. Kreuztrager zu sein. -And wenn erst, Heimat, Dein Volk, Alle, Ohne Murren und Klagen
An deinem Kreuze tragen, ,
Wird es erstrahlen in lichter Liebe Schein And nicht mehr Kreuz,
Nur Altar sein! Kurt Kläbar.
Der HackrbretLler.
Bon Johannes Jegerlehner.
(Schluß.)
Es verdroß den Müllerjosi durchaus nicht, daß seine beiden Kameraden, der Klarinettist und der alte Geiger sich von ihm lvssagten und mit dem Italiener auf die Tanzboden zogen. Er konnte es ihnen nicht Übelnehmen: denn Mißgunst und Neid find überall zu Hause, in deii Palästen sowohl, wie in den armseligen Delplerhütten. Das ist ein Kräutlein, das auf jedem Boden umsonst gedeiht. , .
„Wenn der Neid brennte im Feuer, Wär das Holz nicht so teuer,"
hatte schon immer sein Baier gesägt. Die zwei verlorenen Käme- raden erseht« ihni die Babette in der Dorspinte, die junge Witwe mit dem glatten schwarzen Haar und den brarmen, funkelnden Aeuglein. Seit dem Neujahr besorgte sie ihm die Wasche und ging in feinem Haus ein und aus, als ob sie.schon Frau Mulleijosi h v •
Freilich, wenn sie mit süßer Miene und zappeligen Aeuglein vom Heiraten redete, sog Josi mit aller Kraft an seiner Pfer^ un hüllte sich in dicke Wolken. Er konnte nun einmal an dem schönsten und zutunlichsten Weibervolk nichts Apartes ^vausfind«, und hatte er so lange allein gehäuselt, so ging es auch für die Sukunst Aber die Babette ließ ihn nicht mehr aus der Schlinge und brachte ihn wenigstens zu der tröstlichen Verheißung, so In einem jaoi oder zwei könne man daran Lenken. Jetzt sei er noch zu weE reich, um für zwei hungrige Mäuler zu sorgen und später, wer Weitz, tote bald schon, für eine Stube voll Kinder.


