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tretend, die Augenhöhlen tief eingesunken, die Backenknochen vor» springend. Ilm den Mund deutlich, trotz des Bartes erkennbar, zwischen den zusammengezogenen Augenbrauen ein Zug tiefsten Wehes, namenlosen Schmerzes. Etwas ganz Fremdes in dem gelblich-blassen, abgemagerten Gesicht, aus dem der Schnurrbart fast struppig hervorstand. Aus der ganzen Erscheinung sprach unheimlich, fast teuflisch triumphierend der Dämon der grausigen Krankheit. .... Cs war, als ob dieser die sich sträubende menschliche Kraft unter die Füße getreten habe, bis sie aufstöhnend zerbrach, jammervoll, herzzerreißend. Die großen starken Hände bis auf die Knochen abgemagert, fast durchsichtig blaß, über der Brust gekreuzt, hielten seinen schweren Kürassierpallasch, der lang und blank über Las Bett hinlag. Es sah aus, als ob er sein eigenes Richtschwert an die Brust drücke..."
Moltke war auch Zeuge des Besuches Bismarcks beim Kaisernachder Entlassung im Januar 1894. Er schildert die Aufregung des Kaisers und das Hereintreten des Fürsten: „Die mächtige Figur des Altkanzlers schien ungebrochen, gerade, aufrecht, der runde Kops mit den gewaltigen, von dichten Brauen überbuschten.Augen war von blasser Farbe... Er hatte den dunklen Waffenrock der Kürassiere an, lange Beinkleider und knöpfte ruhig an seinen Handschuhen herum, seine Hände zitterten ein wenig, und er war augenscheinlich gespannt und aufgeregt. Die Flügeltüren wurden geöffnet, und er trat über die Schwelle. Der Kaiser, welcher mitten im. Zimmer stand, trat ihm rasch mit ausgestreckter Hand entgegen, die der Fürst, sich tief verneigend, mit beiden Händen ergriff. Da beugte der Kaiser sich vor und küßte ihn auf beide Wangen." Gemütlicher ging es bei dem Desuchdes Kai - sers in Friedrichsruh zu. In den Tischgesprächen entfaltete sich die ganze llnterhaltungsgabe Bismarcks, von der Moltke bedeutsame Proben gibt. Moltke mußte sich neben den Fürsten setzen, um ihm von dem Zaren zu erzählen, und er selbst plauderte von Napoleon, dem er geraten habe, so lange konstitutionell zu regieren, als er sich auf seine Garde verlassen könne. Bon der Kaiserin Eugenie meinte er: „Sie war die schönste Frau, die ich gesehen habe," und fuhr fort: „Ja, sie war eine energische Frau — viel energischer wie der Kaiser — ich sprach zu ihm wie man zu einem gesunden, energischen Menschen redet — aber er mag mir wohl nicht recht geglaubt haben, er war kränklich und fühlte sich seiner Frau gegenüber inferior." — Ich warf ein, daß er dies doch wohl mit Änrecht getan habe, worauf der Fürst erwiderte: „Wenn er unverheiratet gewesen wäre, würde er nie den Krieg gegen uns angefangen haben." Als Bismarck beim Abschied sagte: „In nietnem Alter muß man die Fluten im Guten wie im Schlimmen über sich ergehen lassen," sagte jemand, die im Guten könne er sich schon gefallen lassen, woraus der Fürst erwiderte: „Rein, gegen die schlimmen kann man sich wehren, aber gegen die guten ist man machtlos."
Karl der Grotze.
Bon Jansen Enenkel').
1. Die Hochzeit zu Aachen.
Ehe Karl der Grobe seinen Bekehrungsfeldzug gegen die .Ungarn unternahm, der ihn bis weit in die Walachei und m die Aähe des Meeres führte, beschied er seine Gemahlin, indem er ihr einen Ring zeigte: wer immer ihr diesen als Wahrzeichen überbrächte, dem möge sie Glauben schenken. Wenn er aber länger als zehn Jahre fortbleiben würde, so möge sie wissen, daß er unterwegs elend ums Leben gekommen sei.
Run waren schon neun von den zehn Jahren ins Land gegangen, und er weilte immer noch in dem fernen Ungarn. Darob begann man zu Aachen am Rhein ihn wegen seines langen Fortbleibens zu schmähen. Raub und Brand erhob sich in allen seinen Ländern, zur Sorge seiner Getreuen, die nun nicht länger zuwarten wollten und sich geradewegs zur Königin begaben. „Herrin," sprachen sie, „seit unser Land keinen Herrn mehr hat, geht alles drunter und drüber. Darum wollen wir Euch bitten, einen guten Fürsten zum Gemahl zu nehmen, daß er das Reich beschütze. Unser Herr ist sicherlich tot. Denn ohne so gewaltige Nötigung hätte er Euch längst schon Botschaft gesendet." Da entgegnete die Fürstin: „So würd' ich von ihm in Schande gestoßen. wenn König Karl zurückkommt in sein Land, und elend getötet. Bon dem Wahrzeichen, das er mir beim Abschiede wies, habe ich nie etwas vernommen, noch ward es je an mich zurückgesandt. Darum wäre dies treulos gehandelt um feinet- und um Gottes willen." „Rein," sagten da die Herren, „wir haben Boten ausgesandt, die uns gewisse Kunde brachten, König Karl sei unterwegs auf das elendeste ums Leben gekommen. Wenn wir
*) Aus einem Bande altdeutscher Novellen, die Leo Greiner unter dem etwas klanglosen Titel „Das kleine alte Novellen buch" (Verlag von Erich Reih, Berlin) zusammengesaht hat. Die Novellenschätze unserer alten deutschen Literatur bergen manches Schöne, das es wohl verdient, an den Tag gezogen zu werden. Freilich beschränken sie sich zumeist auf einen ziemlich eintönigen Wechsel von Ritter-, Mönchs-, Pfaffen- und Dauern- geschichten, in denen nicht selten auch spaßhaft« Erotik ihre Rolle spielt.
ewig in diesen Wirren bleiben solleir, die uns vernichten, so wisset, daß Ihr darob der Hölle verfallen werdet." Da sagte die Königin mit Züchten: „Wenn Ihr es mir nicht erlassen wollt, so folg' ich Euch denn, mag aus mir werden, was will. Die Gröhe meines Kummers soll: mich nicht hindern, nach Eurem Wunsche zu tun.“
Bald darauf wurde denn auch die Hochzeit mit einem reichen Könige, den sie ihr zum Gemahl« gaben, festgesetzt und sollte schon am dritten Tage danach gefeiert werden. Da sandte Gott einen seiner Engel als Boten ins Ungarland, wo Karl seit langem mit seinem Heere lag, und ließ ihm verkündigen: „Ob es dir lieb ist oder leid, wenn du nicht binnen drei Tagen bei der Königin bist, so nimmt sie, ob auch nur schweren Herzens, einen airderen Fürsten zum Gatten." „Wie soll ich in drei Tagen in mein Land kommen," erwiderte König Karl, „bis dahin ist es wohl hundertundfünfzig Rachtrasten weit." Da sprach der Engel: „So weißt du nicht, daß Gott in seiner Gewalt alles tun kann, was sein Wille ist? Geh hin zu deinem Schreiber, der hat ein starkes und edles Pferd, das kaufe ihm ab um jeden Preis, den er fordert. Dieses Roh aber hat einen so schnellen Gang, daß es dich in einem Tage weit über Moos, Feld und Heide bis zur Stadt Raab tragen wird, dort machst du deine erste Rast. Am nächsten Morgen früh reitest du eilig weiter, bis du nach Passau hinauf an die Donau kommst, dort machst du deine zweite Rast. Die Sonne wird noch scheinen, wenn du dort in die Stadt sprengst. Daselbst wirst du einen freundlichen Wirt finden, der ein gutes und schönes Fohlen hat, das kaufe, so wird es dich am dritten Tage nach Aachen bringen."
Sofort kaufte Karl seinem Schreiber das Roß ab und ritt des nächsten Morgens, wie der Engel ihm gesagt hatte, den gewaltigen Weg von der Bulgarei bis nach Raab, ungestüm dahinjagend, ohne nur einmal zu rasten. Am andern Tage ging es dann von Raab bis nach Passau, wo er richtig auch bald den Wirt fand, der ihm ein treffliches Nachtlager bereitete.. Die Sonne schien noch, als er in die Stadt sprengte. Des Abends aber, als das Vieh zurückkam, lief auch das Fohle« daher, da faßte er's bei Kopf und Mähne und rief: „Herr Wirt, gebt mir das Fohlen, ich will es reiten über Feld unö Moos." „Ei," erwiderte der Wirt, „das Fohlen ist zu jung, es wird Euch nicht tragen können." „Laßt gehen, wie es gehen mag." sagte Karl, „gebt mir das Fohlen Herl" „Ich wollte es Euch gern geben, wäre es nur gezähmt und geritten.“ „Gebt mir das Fohlen," erwiderte Karl nochmals, da sprach Wirt:
„Wenn es Euch gar so lieb ist, so soll es Euch nicht verweigert sein." Da erstand es der König um reiches Gold und gab dem Wirt das andere, auf dem er aus der Bulgarei bis hierher geritten war, noch abs Kaufgeschenk dazu.
Des dritten Morgens früh rüstete sich der König, eilends bis nach Aachen zu reiten. Als er dort vor dem Burgtor ankam, fand er daselbst eine Herberge, deren Wirt ihn würdig aufnahm. Die Stadt war erfüllt von gewaltigem Schall, Flöten, Singen und Tanzen in allen Gassen. Da fragte der König, was es in der Stadt gäbe. „Kein größeres Hochzeitsfest ward je gesehen I" erwiderte der Wirt, „als das unsere gnädige Königin morgen früh mit einem reichen Fürsten begehen soll. Dazu hat sich viel Volk hier angesammelt. Um Eure Zehrung braucht Ihr nicht zu sorgen. Man verteilt Brot, Wein und Speisen an jung und all in der ganzen Stadt, selbst für die Rosse, sah ich, trugen sie ungemessenes Futter herbei." „Möge Speise vom Hofe nehmen, wer will," sagte darauf der König, „ich mag gern aus Eigenem leben. Kauft für mich ein in der Stadt, hier ist Gold, lasset Eure Diener und Knechte wacker daran mitgeniehen, und macht es aus dem Vollen!" Der Wirt erstaunte über seines Gastes Freigebigkeit und bereitete ein reiches Mahl. Da aßen und tränten sie in Paradieseswonne.
Als es Nacht geworden war., und der König schlafen ging, bat er den redlichen Wirt, ihm einen Wächter mitzugeben, der tn seiner Nähe bleiben sollte, solange er zu Beite lag. °.u diesem sprach er: „Ich beschwöre dich, wenn sie des Morgens das Glöcklein auf feem Dome ziehen, wecke mich rasch, daß es mir sogleich bekannt werde. Diesen goldenen Ding setze ich dir zum Lohn, wenn du es genau.besorgen willst." Der Wächter tat, wie ihm geheißen war, und rief, als er den Herrn noch schlafend sand: „Steht auf, Herr, und gebt mir, was mein ist! Soeben läuten sie das Glöcklein!" Da legte Karl fein reiches Gewand an und bat den Wirt, mit ihm zu gehen, damit er nicht etwa gefangen würde, denn er sei ein Fremdling hier am Ort. eo gingen die beiden an das Burgtor, das noch fest mit siegeln verschlossen war. „Ihr müßt hier unten durchkriechen," sagte der Wirt, „doch werdet Ihr Euch das Kleid beschmutzen." „Das acht ich wenig, und wenn es ganz und gar verdürbe," erwiderte Karl, hieß den Wirt heimgehen und kroch durch das Tor. Im Dome angelangt, setzte er sich auf den königlichen Stuhl, zog das Schwert aus der Scheide und legte es nackt über feine Knie. Da kam der Mesner, um die Bücher herzutragen; als er ihn so mit bloßem Schwert dasitzen sah, verging ihm die Sprache, er- lief, wo er den Pnest-r sand, und sprach: „2m Dom sitzt schweigend ein greiser Mann aus dem heiligen Stuhl und hat sein bloßes Schwert über die Knie gelegt. Als ich zu dem Altar ging und ihn dort sitzen sah, brach mir der Schweiß aus allen Poren," „Wjillst du un>=


