Ausgabe 
18.3.1922
 
Einzelbild herunterladen

43

dritter. Ein wenig PferLedung ist'S, der sie cmzog, die dicken, grünschwarzen Gesellen, die gemächlichen Mistkäfer, die nun emsig, verblüffend schnell, sich einwühlen. Auf dem Felde tönt das silberhelleÄirritt des Rebhahnes, die Wacholderdrossel zwit­schert und schackert in den Zweigen der Ebereschen, drüben im Tannendickicht rätschen Eichelhäher und der Buntspecht trommelt am Dürrast der Gche: torrrr torrrr. . .

Auf dem Acker läuft ein kleiner grauer Bogel die Breiten ab. Da steht er au? dem Feldstein: eine Bachstelze ist's lustig wippt ihr langer Schwanz. Kleber der Wiese gaukelt der Kiebih, burrt in schrägem Fluge herab, steigt wieder auf: kiiii Witt, kiiii Witt! Herrlich goldgelb leuchten die Kätzchen der Salweide, im Blau des Frühlingshimmels kreist der Schreiadler und spielt mit seinem Weibchen hoch steigend, kreisend, dann faltend, sich überschlagend und wieder in schwebendem Bogen'empvrgleitend. älnd über den Wipfeln der Fichten kreist der Bussard: iii ä...

Auf der nassen Wiese, die unter dem Tritte schmatzt, blühen die ersten gelben Dotterblumen, gelb ist auch der Zitronenfalter, der Wer das Dürrgras und das erste Grün der Waldwiese hin­gaukelt. Hoch in der Luft trillert die Feldlerche, et» Zug Gänse streich» unter den weihen Wolken dahin eine large, schräge Linie dem fernen Rorde» zu: i aa, gick, gack i aa...

den dürren Binsen des Tümpels ist die Rvhvimmer an- geEoinmen, int Dickicht der Brombeeren am Heiderande wispert ein Zaunkbniq, die gelbe Bachstelze rennt wippend am Ufer auf und ab und mit lautem Aetsch! wird eine Bekassine hoch. Sie streicht ein Stück vorwärts, wirst sich im Zickzack herum, steigt hoch auf und surrt in schräger Linie abwärts: äööööö fast wie Ziegenmeckern klingt's. Pticka. plicka, Plicka tönt's wieder beim Aufsteigen, ä ööööö meckert's beim Abfall. And mit weitem Dogen fällt der Bogel Dieder zwischen den Kaupen ein. Tauschend werden ein paar Wildenten hoch mit lautem paak, paak steigen sie auf, ein paar Schellenten jagen mtt_ klingendem Schwtngenschlage herüber. Aeber der Ackerfläche drüben rüttelt der Turmfalke, ein Sperber läßt sein Kikiki erschallen, eine Brau­nelle schlüpft im Dornbusch und auf der Spitze der Jungfichte Hockt der grobe, graue Würger.

Dann knirscht der Fuh im dürren Heidkraute. Hier in der Kiefernheide, wo die Sonne schon den Boden warmbuk, ist reges Leben. G ohe schlanke Laufkäfer rennen über den Pfad, die Wald­ameise wimmelt um die Stubben, am Loch unter der alten Krummkiefer krabbelt ein grünschwarzer Nashornkäfer. Die ersten Hungerblümchen lugen aus dem warmen Sande, an der alten Dürrkiefer hackt der Schwarzfpecht, dab Span und Rinde fliegen, burrt ab, fliegt in Wellenlinien zum Hochwalde hinüber und Haftet an der Rinde einer schlanken Föhre: klüh . .. Der braune Rüssel­käfer kriecht über den Weg zur Schonung, wo er die kleinen Sämlinge der Kiefern benagen will. Steinhart fühlt sich der schäd­liche Bursche an, fest, wie aus Horn.

Da ist noch ein anderer, der weibgebänöerte Rüsselkäfer, ein ebensolcher Richtsnutz, wie sein graubrauner Detter. Auch ihn zertritt die derbe Stiefelsohle. Ein paar Eichhörnchen jagen sich im Gezweig der Bäume, die Heidelerche zwitschert über der Däumde, ins Dickicht huschen ein paar Rehe, weist leuchten ihre wippenden Spiegel, ein träger Satzhase bockelt über den Weg.

Dann senkt sich der Pfad. Birken sind eingesprengt, einzelne Erlen, der Boden wird feucht. And endlich stehen wir wieder im Riederwalde, zwischen Gebüsch und schlanken Espen, Birken und kränkelnden Fichten, Faulbaum und Hasel, We<den und Stiert1.

Das Licht steht tief schon sank es unter die Spitzen der jungen Birken. Da heistt's eilen noch ist's weit zum Stande. Hinüber über die Wiese mit ihren Maulwurfshaufen hinein ins Tannendickicht. in schlanken Espenwald. Dann über den kleinen, trägen Sumpfbach, der sich durch Erlengewurzel mühsam hin­schlängelt, durch dürres Farngesträuch und faulen Windbruch. D-aune Blätter füllen sein Bett, wälzen sich abwärts im trüben Wasser. Am Boden läuft die Wafserspitzmaus, Larvenhüllen der Köcherfliege rollen am Grunde.

Hier, wo die Dirken nur zweimal eines Mannes Höhe haben, wo einzelne, kleine Fichten und Kiefern zwischen schlanken Jung­espen bescheiden grünen, ist der Stand. In weitem Dogen zieht sich der Hochwald herum. Trockenes Gras neben weihen Ane­monen am Boden, alte Blätter neben Leberblümchen, Weiden­büsche und Spillbaumgestrüpp neben Faulbaum und Eberesche. Hindurch schlängelt sich der uralte Trittpfad, tief ausgetreten und nah wie vor vielen, vielen Jähren, da zuerst des Jägers Bundschuh hier den Boden betrat. Längst modert der Mann im Grabe, der zuerst hier schritt hin zu den fernen Dörserit, zu denen der alte Pfad schon damals führte. Hier, aus der kleinen Grasblöste ist der Pfad breiter. Hier ist der Stand. Da liegen! auch noch leere Patronenhülsen, aufgeweicht, von früheren Jahren her. 's ist höchste Zeit. Drüben auf dem Moore faucht und kollert schon ein Birkhahn, ein Brachvogel flötet, Kraniche rufen. Die Singdrossel flötet um die Wette mit Misteldrossel und Wemdrossel, Ziemer schwirren in Schwärmen ihren Schlafbäumen im Hochwalde zu, und im Hannicht zirpen die Meisen. Schon sinkt der rote Feuerball im Westen unter die blauen Waldwipfel. 3m Bruch meckern die Bekassinen, Dvppelschnepfen lassen ihr leises Gezwitscher ertönen, ein Krammetsvogel zetert, weil die verliebte Eule vorbeistrich, im Fichtenbusch sich niederlieh und dort quient und klagt, als wäre der Frühlingswald ein Trauerpfuhl.

Zitt zi zitt quoarr, quoarr, quoarr, quoarr zizitt... Weit drüben strich dieErste". Winzig Nein hebt sich ihrs Silhouette vom blassen Himmel ab dann verschwindet das Schattenbild im Tann.

Langsam kriecht die Dämmerung herauf. Rur die Eulen krei­schen, fern bellt ein Fuchs, ein Paar Enten ziehen klingelnd herüber, die Weindrossel flötet noch und die Zippe. Sonst ist alles still. Quoarr quoarr quoarr quoarr, zizitt. zizitt. . .

Da gaukelt der Schatten über die Dirken heran . . . Zizitt! Rot flammt der Feuerstrahl gen Himmel dröhnend hallt's vom Walde zurück durch die Zweige raschelt etwas fällt dumpf ins Moos ... '

Wieder quarrt's, wieder und wieder. Dald nah, bald weit. Die Bügel sind still, auch <die Singdrossel schweigt, die Wald­schnepfe hat das Wort. Zizitt zizittzizitt . . . Zwei Schatten huschen vorüber fahren aufeinander zu, schwenken in der Luft: zizitt, zizitt! i

Wieder leuchtet der rote Strahl ein zweiter der Doppel­schuh rollt über den Wald.

Zizitt, zizitt, zizitt ... Da ziehen sie hin . . .

Roch einmal quarrt's fern am Waldesrande. Dann ist's still. Rur der Kauz greint im Tann und fern n der Heide ruft der Ahu, wie eine tiefe Bahglocke: Huu, hu u, hu u . . .- hääää jähä! Drüben im Dorfe kläfft ein Hund, ein Zieh­brunnen kreischt. Es ist weit bis heim . . .

Der Einzige.

Don Richard Doh.

(Fortsetzung statt Schluh.)

Wie aber, wenn der Sohn seiner Mutter nicht glauben, seinen Batet nicht lieben und Hochhalten würde? Wenn er mit seines toten Daters Schuld beladen durchs Leben gehen sollte? Dann ja, dann war er nicht seiner Eltern wahret Sohn und verdiente nicht, einen Batet gehabt zu haben, der in einem Orkan mit seinem Schiff als Letzter untergegangen war, wie es dem Kapitän zukam.

Wenn jener eine Gerettete zurückkehrte, würden die Leute, die jetzt einen Toten beschimpften, zu hören bekommen, wie Mattia Motgano fein Schiff geführt hatte, wie stark es gewesen war, wie fttrchtbar der Sturm, der es gegen eine Klippe geschleudert, so dah es daran zerschellen muhte. Hören würden die Witwen und Waisen, wie groh der Kapitän derAssunta" gestorben. Dann würden sie dem Toten Gerechtigkeit widerfahren lassen und ihm das zugefügte schwere Anrecht abbitten müssen, ihm, seine' Witwe, seinem Sohn. . .

Seit der Stunde, in der Assunta am Bett ihres Knaben diesen Gedanken gefaßt, wartete auch sie mit allen andern auf die Rückkehr des einen, und wie alle andern wartete sie von Tag zu Tag mit wachsender Angst. Ergab es sich dah das Gerücht, dieser eine fei mit dem Leben davongekvmmen, ein falsches war, so hätte sie für den Heldentod ihre« Gatten keinen Zeugen ge­habt so hätte sie lebenslang schweigend mitanhören müssen, wie sie ihn lästerten und beschimpften. And sie hätte seinem Sohn auf dessen leidenschaftliche Fragen nicht freien Herzens antworten können:Er starb als Letzter und Held!"

Wie sollte sie dann das Leben, solch langes Leben, ertragen? Aber sie muhte es ertragen für seinen Sohn.

Wenn die andern Frauen bereits beim Morgengrauen im Hafen zusammenliefen, um auf die Rückkehr des Einen zu warten, wenn sie des Abends unter lauten Lamentationen zur Kapelle hinaufstiegen, um an heiliger Stätte zu klagen, flehende Hände und Herzen zur Gottheit zu erheben, und verzweifelnd Kreuz und Madonnenbild zu umklammern, so stand fortan Assunta vom frühen Morgen bis zum späten Abend auf der Klippe, die weit vorsprang Über das Meer. Sie spähte hinaus und wartete auf den Einen der ihr Rachricht von dem Toten bringen würde. Da sie dabei schaffen muhte, hatte sie für den Säugling unter dem Ginster, der in goldener Blüte glühte, das Laaer Bereitet. So fand die dunkle, schlanke Gestalt mit der Spindel in der Hpnd, so stand sie, wenn sie dem Knaben die Brust reichte, in ihrer Regungslosigkeit einem Bildnisse gleich

Ihres Mannes Mutter hielt dem Sohn endlose Totenklagen. Wild schallte die Stimme der Greisin durch das schwere Schtveigen der Einsamkeit, welches nur das dumpfe Rauschen der Wogen, der heisere Schrei der Möven und der in den Felsenwänden nistenden Falken unterbrach, wenn die Frühlingsstürme nicht dahergebraust kamen! Dom Süden her, von Afrika her, an dessen Gestaden dieAssunta" zerschellte.

Frühlingswinde rasten um das kleine Eiland und um die hohe Klippe über dem Meer, als der Aeberleb^nde, der Einzige, vom Festlande zurückkam, unter Lebensgefahr, mitten in der Rächt, heimlich wie ein Mensch mit schlechtem Gewissen, wie ein Verbrecher und Missetäter.

Z.

Assunta!"

Der Wied er gekehrte rief den Rainen wie ein Mensch mit schlechtem Gewissen, wie ein Verbrecher und Missetäter . . .