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fladt zu.

Hinterdrein gehen still die drei Menschen.

Sn einst schien, die Aussicht ist nichämitzunehmen Die Mutter tt in ihr einstiges Zimmer, das Töchterchen geht traurig mit Ototf durchs raschelnde Zeitungspapier hinab zum Brud^chen. lieber der Stufe^ die sunt erhöhten Fensterplatz Mhrt aus dem der Diedermeierschreibtisch der Frau stand, liegt ein Stuck Zeug, hastig nimmt es die Frau an sich. Die Kmderzirnmer sind leer, die Blumenstöcke vor den Fenstern bleiten da, sie leuchten in unbekümmerter, nichts ahnender Schöne. Der Packmeister geht hinab Len Möbelwagen zu schließen; die Witwe wandert träum* verloren die Bodentreppe hinan. Immer hatte ihr Mann Angst, Latz einmal eines der Kinder über sie hinabflürzen könne, wenn sie dort Schiff-im-Sturm spielten. Im Zugwind der geöffneten Bodenluken schwanken dieabgelösten" Wäscheleinen. Die Mad- ctenzeichnungen der Frau gilben im Winkel. Der Fuh knirscht auf Gipsstückchen, die letzte Köchin Hai die Büste der toten Mutter zerschlagen, die Trümmer sind wertlos, die zerrissenen Kinder­bücher auch: das alles bleibt La. Langsam schreitet die Frau zur Bodenluke, abschiednshmend sieht sie ins Freie. Tröstend streichelt die duftende Luft die Stirn der Einsamen. Sonnen- durchglüiht schwimmen die Wölkchen hoch über ihr im blauen Himmel lautlos verdampfen sie im All. Tiefe Stille, dumpf braust die Großstadt von fern, dünn läuten in der Weite ein paar Kirchenglocken. Zwitschernd schiehen Schwalben vorbei dre Pfirsichbäume im Garten leuchten rosa mit ihrem Blütenblust empor. Der Schlüssel zur rückwärtigen Gartentüre, den der Wann immer wie ein Heiligtum in der Tasche trug, für den Fall, wenn sie einmal allein, ohne die Kinder spazieren gingen, ift dem neuen Besitzer übergeben: auf dem Rasenfleck, auf dem sre Sonnenbilter nahmen, schießt das Frühgras hoch Fremde werden es schneiden Das Grasstück, unter denr die Kinder dem Laub­frosch sein Grab bauten, ist hätzlich. Langsam, trauend gleitend zieht die Frau den Blick die Dachrinne entlang... ein Ruch die Frau fängt sich die Hände: in der Dachrinne liegt ein Stück Draht; vom vorigen Frühjahr, als der Blitzableiter aufgesetzt wurde.Run kann uns nichts mehr geschehen," hat damals ihr Mann gesagt. Schmäler wird der Frauenmund, tief unter sich sieht die Frau das letzte Möbelstüch- das noch vor dem Hause stand zum Wagen hinabtragen. Motelpackerfäuste umkrampfen der Krau zerlegtes Bett. Sie wendet sich, sie geht langsam durch den dämmrigen Bodenraum, die Treppe nieder, an ihrem Zimmer vorbei Hinunter durch die Diele, aus dem Haus. Die Kinder schließen sich an. Das Mädchen trägt, bei gesenktem Kopf, die Kpe Ekhel an die Brüste gepreßt, der Bub schleppt ein Tännchen m Fäustchen das er aus der Erde ritz, weil es Papa pflanzte.

Ein paar Theatergläser verschwinden in den Fenstern des Vorder­hauses die schlanke, schwarzgekleidete Frau mit den verwaisten Kindern schreitet durch die Gartentüre nieder, im lächelnden Grün in der strahlenden Sonne. Der fette Pintscher der Frau Großschlüchtermeiflerin, mit dem blauen Seidenband um den $al , kläfft den Buben an, er meint, daß es sich nicht schickt, daß der Bub die Tanne stiehlt. Rolf stellt die Haare auf, er faßt den Pintscher und wirft ihn an die Hausmauer, daß er fliehend ein ekliges Klagegeheule anflimmt: unwillig, schmerzlich kläffend ver­schwindet er hinkend im Vorderhaus. Gemessen, in der vollen Schönheit seiner vornehm gezüchteten Linien, drohend schreitet Rolf hinter der stillen Fstau und den Kindern im Schwarz drein.

Der Möbelwagen gerät in Bewegung, er rumpelt der Groß-

1300 Jahre Islam.

Mohammeds Hedschra, 16. Juli 622.

Die mohammedanische Zeitrechnung, die von dem Kalifen Omar festgesetzt wurde, beginnt mit dem 16. Juli 622 n. Ehr., welches Datum dem 1. Müharrem des Jahres 1 der Hedschra entspricht. Der Tag, an dem Mohammed auf seinerFlucht" aus Mekka nach Medina kam und dort seine eigentliche Religions­gründung begann, wurde also zum Ausgangspunkt der ganzen mohammedanischen Kultur gemacht, und wir können am 16. Juli auf 1300 Jähre Islam zurückblicken. Der 16. Juli ist willkürlich angenommen. Der Zeitpunkt der Auswanderung des Religions- flisters läßt sich nicht mit Bestimmtheit angeben; er liegt zwi­schen dem 22. Juni und dein 20. September 622. Jedenfalls aber bedeutet die Hedschra den großen Wendepunkt im Leben Mohammeds, den Uebergang von jener Epoche, in der er als edler Eiferer und Dulder mehr für seine Person die Wahrheit suchte zu der Zeit der eigentlichen Religionsgrünöung, in der er als nüchterner zielbewußter Herrscher in ewigen Kriegen Me Anerkennung seiner Lehre erzwang. Mohammed hatte als schllch- ter Kaufmann nach seiner Erleuchtung in seiner Heimatstadt Mekka sich zunächst denHanmfen" angeschlossen, frommen Män- nern die die Lehre der Christen oder Juden annahmen und sie in frommer Beschaulichkeit sich zu eigen machten. Erst allmählich trat fer aus der Zähl Dieser Hanifen, die ihren Glauben ganz als persönliche Angelegenheit behandelten, heraus; aber die Vor­stellungen, die ihn beherrschten, zwangen ihn, seine Lehre auch feiner Umgebung zu verkündigen.

Zehn Jahre lang wandelte er so den dornenvollen Pfad des verlachten und angefeindeten Propheten, der in seinem enge-

Eine Alltagsgeschichle.

1916.

Bon Walter von Molo*).

Außerhalb der großen Stadt, wo die Villen und Einfanulien- böui^ ihren glücklichen 'Besitzern aus frischer Luft und etnetn » s«SS Weit, auf dem hoher gelegenen Lxäle brettm ^n 8ZLMMLLLS- selig berauschend zusammen.

Auf der Straße steht ein Möbelwagen; gefüllt mit tenOKobeU

wohlig gesichert sehen die Parteien dem Auszug der Witwe zu.

Offen klafft die schwere, grüngestrichene Haustüre mit dem schmwLsemen TürbMg.' Shn brachte der Tote ferner aus einem Freisassenhof int Gebäge, wo erstand bemaß nernbe besten Bescher gestorben war. Wütend beut Der Myaser

Rolf Sein vornehmer Stammbaum Hut das Vorderhaus oft SSVTÄte foüW Aufhebens mit ihm machte wenn er freudig und stolz das schöne Tier über d^Stock sprtegen ließ, wenn Rolf jedem Fremden, der von unten kam, den Eintritt vet wehrte Immer wütender bellt Rolf, etn fremder Mann schlagt W^der Atetüre das Wappen seines Herrn aus der Mauer.

Auf der weih gestrichenen Bank, auf ter das Ehepaar abends sah. wenn dte Kinder zu Bett gebracht waren starrt der verwaiste zehnjährige Bub in Trauerkleitern wor sich Hut. Aus den schmiedeisernen Fensterkörben der gardinenberaubten Fenster klingt des Schwesterchens verschüchtertes Stimmlein, es fragt die Mama -ob diePuppe Ekhel mitgenommen werden darf hXgremte Die Mama^michtenPackmecher Keinmal das ausgeräumte Haus von unten bis oben durch, ste sicht nach ob nichts vergessen wurde. Vom Keller und der WaschWche durch den Zentralheizungsraum, in dem es so mollig war, wenn draußen der Wintersturm pfiff und die Dienstmädchen chreu Sonntagsaus- aana hatten. Durch die Garderobe, die Treppe htnan, schreitet die "grau auf ter pompejanisch-rvt gestrichelte Mauer find dte Spuren der Rägel Mtbar an denen die Stiche frW dte ter Tote so eifrig sammelte, die msv.liebte dte g^^?I verkauft wurden. Die Küche ist leer, in iter Diele, in Der der letzte Werh- nachtsbaum die Decke angerußt hak, liegt wüstes Durcheinander von Packpapier und Holzbaumwolle; im EIstmmer steht.verlassen der Marmorkamin, den ter Käufer des ^Hauses tchernahm Im Salon sind die verkauften Möbel ineinander geschichtet im Glas­ausbau trauern die Blumen und ter alte Efeu, für die m ter Hintertreppenwv'hnung, die nun biogen werden muh, reut JSlaö ist Die ziselierten Türklinken, die sie aus alten Hausern mühsam rammelten bleiben da, auch ter weißgestrichene Tisch mit den weißlackierten Sesseln im FrüWücksplätzchen. Baumgrun und Reugier starren durch die aufgerissenen Fenster. Die Frau geht die Treppe Man, am Badezimmer vorbei, vor dem Rolf gemütlich jaulend sein Rachtguartier hätte, ins Zimmer des Gestorbenen. Sm Alkoven in dem das Bett stand, hängt dte Klmgellettung lose nieder, das kleine Mädchen hat sie mitnehmen woten, doch sie ist eingemauert, die schwachen Kräfte, noch schwacher durck. das Weinen, haben versagt. Sn ter Mitte des Zimmers,- tert wo die Bücherschränke standen, sticht gedrückt ter »Lite kontakt ter verloschenen Schreibtischlampe in die Vereinsamung. ®ie blaugrüne Tapete zeigt einen hellen Fleck: Dort hing dte Totenmaske von des Toten Vater. Der Schrank mit der Eckbank bleibt da der Balkon, von dem der Herr des Hauses oft scherzend ans Erkerfenster seiner Frau nebenan klopste, zeigt weite Ausficht in das Grün ter Landschaft mit dem silberig schimmernden Strom in der Ferne, auf die Dächer und Schlote der Stadt, die so

*) Aus Walter von MolosSm Zwielicht der Zeit" (Verlag von Altert Langen in München). Das Bändchen, dem der Untertitel gegeben istBilder aus unseren Tagen" bringt in guter Auswahl die besten modernen Rovellen und Skizzen, die Molo in sechzehn dichterischen Jahren geschrieben hat. Es sind wirklich scharf umrissene, aber in ihrer Stimmung lebensvolle, mit flotter Hand hingeworfene Bilder, die den Zeitgenossen, micd wenn die Motive mitunter düster sind, erheben and er­freuen. Lind ein gesunder Geist durchweht dieses Schaffen und Gestalten eines Dichters.