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engagier! hatte, und von ihr auf seine Heiratsmöglichkeit Nicht iinniinftin cibtCTfici't toorbctt ivciv. . , x -
9" (n ihrer Hutnadelspitze steckte namlrch ein ziemlich ümlaug- reiches, knolliges Etwas, das sich bei zprnbebender Betrachtung als ein schöner goldköpfiger Ehampagnerpfropfcn mit dem Kvrk- brand „Henckel" darauf erwies. ,
An diesem „Henckel" hatte der Korb gesesten, den der ,Herr Kirchenrat ihr abschwcnkend gegeben. Denn „ein ivirtichaftliches Fräulein, sanften, selbstlosen Charakters, Mit foliden, anipruchs- losen Lebensgewohnheiten" sichert ihre Hutnadel natürlich nun und nimmer mit Sektstöpseln ... ,,
„So eine Gemeinheit!" entrang es sich voll? Entrüstung ihren verkniffenen Lippen, und ingrimmig schleudert sie den ^7ö Beweis des Wohllebens eines Menschen m die Ecke, der ihr fortan als der Inbegriff aller Selbstsucht, Bosheit und Protzerei galt und dessen Namen und Adresse sie nur leider nicht kannte, um ihm ihre Ansicht über seine herrlichen Charaktereigenfchaften fchrifr- lich geben zu können... , ,..... - ,,
Aber bei ihrem nächsten Ausgang kaufte iie «ich doch eine neue Schutzhülle für ihre Hutnadel!
Valzae-Rnerdoten.
In der ganzen Pracht seiner gesunden Sinnlichkeit und seiner Gewaltigen Phantasie erscheint Balzac in den Geschichten, die .Arthur Schurig im diesjährigen, demnächst erscheinenden ^nsel- Almanach dem alten Freunde und Vertrauten des Dichters Leo Gozlan nachevzählt. — Beim Essen zeigte er das remste Behagen. Die Krawatte abgetan, das Hemd am Hal- geöffnet, das Obstmesser in der Rechten, hin und toteber Was,er trinkend: so saß er am Tisch, zerteilte sich eine riesige Butterbirne, lachte Und — ich hätte beinahe gesagt — plauderte. Rem, Balzac redete beim Essen nicht viel. Er ließ die andern sprechen. Dann und wann lachte er, zumeist vor sich hin; manchmal aber platzte er los wie eine Granate, wenn ihm das Gespräch gefiel. C- konnte noch so gepfeffert sein: ihm war es Nie zu toll. Der |o geistvolle Dichter war immer bereit, sich durch den unbedeutendsten, stumpfsinnigsten Kalauer zur herzlichsten Heiterkeit verführen zu lassen, zumal wenn ihn die Laune gebar, die feine Weine hcräuf- beschworen hatten. Sein Weinkeller war exquisit, und er liebte die Geister, die sie lockten. Bei Balzac luurbc wacker gezecht; mitunter allzu wacker. Wenn einem auch gerade kein Glas an den Kopf flog, so ging es doch dabei manchmal hoch her, oft auch recht seltsam. Balzac wußte dann wunderbar zu erzählen. Eines Abends sprach er von der Insel Java Und schilderte uns ihre Landschaft, ihre Pracht, ihre Tücken, ihre schrecklichen Krankheiten, ihre Ungeheuerlichkeiten, ihre Wunder — mit einer Gründlichkeit, in so bunten Farben, mit derartiger. Greifbarkeit und Naturtreue, daß ich seine merkwürdige Intuition nie vergessen werde. Er war nie in jenen Ländern. Nach Tisch gab es Kaffee auf der Terrasse, angesichts des stillen Gartens.
Balzacs Kaffee hätte eigentlich sprichwörtlich werden müssen! Ich glaube, die Sultane in Tausendundeiner-Nacht haben keinen 'köstlicheren getrunken. Welche Farbe, welches feine Aroma! Der Dichter bereitete ihn persönlich, zum mindesten beaufsichtigte er in persona die Zubereitung. Sein Rezept war grundgelehrt, raffiniert, göttlich — wie der Geist Balzacs! Die dazu nötige Mischung bestand aus drei Sorten: Bourbon, Martinique, Mokka. Den Bourbon kaufte er in der (damaligen) Rue du Montblanc, den Martinique in der Rue des Vieilles-Audriettes und den Mokka im Faubourg St. Germain in der Universitätsstraße. Ich weiß nicht mehr, in welchen Geschäften, obgleich ich Balzac, mehr als einmal zu seinem UM hochgewichtigen Kaffee-Einkauf begleitet habe. Es kam ihm dabei gar nicht darauf an, die halbe Stadt zu durchlaufen. „Guter Kaffee ist ein Paar müde Beine schon wert!" tröstete er mich in seiner gutmütigen Art, iuenit ich einmal über den weiten Weg räsonierte. Er hatte ja recht: sein Kaffee war unübertrefflich. Sein Tee übrigens auch. Nur wirklichen Kennern wurde er an festlichen Tagen vorgesetzt. Dann brachte Balzac die große Kamschatkadose herein, in der er ein- geschreint wie eine Reliquie, und immer wieder, zu neuer Freude für ihn Und für uns, trug er die Geschichte dieses berühmten G o l d t e e s vor.
Die Sonne bringt ihn zur Reife — so lautete seine Erzählung — eigentlich einzig und allein für den Herrscher im Reiche der Mitte. Mandarinen der ersten Hofrangordnung erfreuen sich des Privilegs, die Felder, darauf er wächst, zu pflegen, zu begießen, zu hüten — einer enormen Auszeichnung, mit der man nur durch hohe Geburt begnadet werden kann. Jungfräuliche Mädchen pflücken den Tee vor Sonnenaufgang und tragen ihn unter Hymnen zur Majestät. Diese wundervolle Sorte gedeiht nur in,einer einzigen Provinz, angesichts einer der bizarrsten Landschaften der Erde. Die ganze, seit Jahrtausenden im Gerüche der Heiligkeit stehende Gegend ist Privatbesitz des Kaisers, rind der dort geerntete Tee ist nur für ihn und die ältesten Prinzen. Aus ganz besonderer Huld, zum Zeichen besonderer Zuneigung, geschieht es alle sieben Jahre, daß der Kaiser durch eine besondere Karawane einige Kisten von diesem Tee
an Seine Majestät den Zaren nach Moskau schickt. Durch einest! Favoriten des Beherrschers aller Reußen kam Balzac in den Besitz einer kleinen Quantität dieser Kostbarkeit. Die letzte Sendung, gerade die, von der des Dichters Anteil stammte, hatte die russische Hauptstadt nur unter den größten Schwierigkeiten erreicht. Men- schenblut klebte an den Kisten. Verwegene Wüstenräuber hatten die kaiserliche Karawane bei ihrem Zuge durch die Einöden des asiatischen Hochlandes während eines Schneesturmes angegriffen. Es ward gekämpft um Tod und Leben. . . Wer drei Tassen vvir diesem Goldtee tränke, würde auf einem Auge blind; wer aber sieben Tasse wage, auf allen beiden. Als' sich einer der Gäste einmal einen gelinden Zweifel an dieser Behauptung erlaubte, war der Dichter entrüstet: „Soll ich Sie durch den Tatbeweis Überzeugen, Berehrtester? Ein Auge will ich schon riskierens"
Uebrigens verbrachte Balzac selten einen ganzen Abend mit seinen Gästen. Meist ging er gleich nach Tisch zu Bett, um zur Mitternacht wieder aufzustehen und in der Ruhe der Nacht bis zum Hellen Morgen zu arbeiten. Selbst auf seinen Spaziergängen war er..tätig, phantasierend und grübelnd. Oft passierte es ihm, daß er in der Hausjacke, in Pantoffeln und ohne Hut in frühester Morgenstunde auf der Place du Carrousel stand. Er brauchte zu einem Romankapitel eine landschaftliche Szenerie: Wälder, .Wiesen, Felder, einen stillen Winkel. Im Halbtraume kletterte er auf das Verdeck des Versailler Omnibus und fuhr ins Freie hinaus. Ein Billett nahm er übrigens nicht, aus dem einfachen Grunde, weil er ohne einen Groschen von zu Hause weggegangen war. Kein Mensch verübelte es ihm. Die Kondukteure kannten ihn allesamt, den „Herrn von Balzac", als einen Gemütsmenschen, der niemals Geld bei sich hatte, ebensowenig eine Uhr.
verkmischtes.
"Lagerist. Es möge» ganz tüchtige Leute feiu, die Angehörigen des weitverbreiteten Geschlechtes der Lageristen, aber einen schönen Titel haben sie nicht. Es gibt ja zwar auch noch allerhand andere -isten, in Darmstadt z. B. heisst der Leiter des Glockenspiels „H o f g lo ck e n i st', imb in Oesterreich sollen gar die Beantleit, die die Lampen zu bedienen haben, La in pisten heißen, aber zu tadeln sind die Bildungen alle. Doch wie soll man sich beim Helsen mit unserer armen deutschen Sprache? Run, für den „Lageristen" gibt das Verdeulschnngsbuch „Der Handel", das kürzlich in vierter, sehr vermehrter Auslage erschiene» ist, nicht weniger als sieben treffliche deutsche Ausdrücke, alle je nachdein viel bezeichnender als das törichte „Lagerist". Da heißt es: Lagerverwalter, Lagervorsteher, Lqgerwärt, Lagergehilfe, Lagerdiener, Lagersührer und endlich Lagermann. Ist das noch nicht genug? Und so bietet dieses Büchlein, das für 80 Pfennig durch den Verlag des Sprachvereins (F. Berggold in Berlin NW. 30, Nollendorf- straße 12 und 13) zu beziehen ist, für zahllose Fremdwörter der Handelssprache eine Fülle von trefflichen Verdeutschungen. Der Herausgeber, Dr. Georg Bender in München, der seit 25 Jahren als Kaufmann tätig ist, hat im Verein mit neun kaufmännischen und gelehrten Beratern ein Werk geschaffen, das allen Kausmanns- kreisen aiüs ivärmste empsohlen werben kann. Möchte da? sreu- dige Streben nach Sprachreinheit und D e u t s ch b e iv u ß t s e i n, für das seit Jahren mit dem Sprachverein so manche Handels- Verbände in die Schranken treten, überall im deutsche!: Kausmanns- stande Nachfolger finden!
Gitter-Rätsel.
In die Felder nebenstehender Figur sind die Buchstaben a a a a, eeeeeec, g g g, i i, n n n n, o o, r r r r, s s s s, ttttttttttt, uauu derart einzutrage», daß die senkrechten und wagerechten Reihen gleichlautend folgendes ergeben:
1. Raubtier mit kostbarem Pelzwerk.
2. Deutsche Residenzstadt.
3. Symbole einer Vereinigung.
!y...... • ’ ! , .Auflösung in nächster Nummer.
r •' • ———'
, Auflösung des Kreuzrätsels in voriger Nummer: ABC b r 1 e a u
A b e n s berg Bras i 1 i e n Club local eie r e a g n 1
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sche» Universitäts-Buch» und Steindruckerei, N. Lange, Gießen,


