M3 — Nr. 30
Samstag, -en 22. Februar
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Von Frühling zu Frühling.
Roman von Erich Ebenstein.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
XIX
anderen Morgen fuhr Meta wirklich nach Mödling. Während sie im Waggon saß, weilten ihre Gedanken immer noch in der Weberschen.. Wohnung, die sich ihr so überaus «gastlich geöffnet hatte.
„Jst's nicht ein Bijou, unser Heim?" hatte Berta gestern beiui Schlafengehen gefragt. „Und ist er nicht ein goldiger Mann, ment Max?"
Meta mußte beides aus voller Seele bejahen. Max Webet' war wirklich ent „goldiger" Mann. Mit welch offener Herzlichkeit hatte er Meta sogleich willkommen geheißen. Und wie er sich Konradchen gegenüber als „guter Onkel" aufgefpielt hatte.
Es war ihnen beiden gleich heimisch geworden in der Luifenstraße. Freilich, mißbrauchen durfte man diese Güte nicht. Zwei, drei .Tage vielleicht. . . aber dann hatte sie ja sicher schon die Stelle in Raffs Sanatorium. Denn knapp ging es bei Webers zu, das hatte Meta auch gleich gemerkt.
Um keinen Preis hätte sie den guten Menschen, die jede Andeutung von Bezahlung entrüstet zurückgewiesen, Ver- kegeuheiten bereitert mögen.
Das Sanatorium „Fichtenwald" ivar bald gefunden. Schon von weitem leuchtete der Helle Prachtbau am Saume des Waldes dem Besucher entgegen.
Meta zog die Glocke ain Gartentor. Ein livrierter Diener öffnete, nahm ihre Karte in Empfang und geleitete sie in Doktor Raffs Privaiwohnung, welche einen großen Teil des ersten Stockwerks einnahm.
Die gnädige Fran sei noch bei der'Toilette, werde aber -bald erscheinen.
Meta staunte heimlich über die verschwenderische Pracht, mit der hier alles eingerichtet war. Raff mußte sich hier wirklich glänzend stehen.
Dann rauschte Herta herein. Sic war überaus geschmack- Voll gekleidet nnb umarmte Meta mit großer Herzlichkeit.
„Wie lieb von dir, dich meiner endlich wieder einmal zu erinnern!" sagte sie. „Ich dachte so oft au dich! Wie hast Lu denn erfahren, daß wir hier sind?"
„Bon Berta Weber." '
„'Ach, von der kleinen Berta? Wie kamst! du denn mit her wieder zusammen?"
„Ich wohne gegenwärtig bei ihr."
„Ah, wirklich'?" i
Herta war sehr erstaunt.
„Wer setze dich doch! Und entschuldige, daß ich dich warten ließ. Ich bin heute etwas im Rückstände, unsere
Hausdame ist plötzlich erkrankt, da lastet alles aus mir. Es ist ein rechtes Kreuz bei so ausgedehnten Unternehmungen, bald fehlt da jemand, bald dort . . . nun werde ich wieder suchen können, bis ich für die Goldern einen Ersatz finde. Wer das kann dich ja gar nicht interessieren — entschuldige . , /<
„Doch, liebe Herta, es interessiert mich sogar sehr."
„Wirklich?" Herta lachte.
„Ja — denn um ehrlich zu feilt, muß ich dir -gestehen, daß ich nicht bloß heraus kam, um dich zu sehen. Ich komme auch mit einer Bitte."
„Jst's möglich? Willst du Aufnahme für eine» Kranken, oder was sonst?"
„Nein. Ich wollte dich fragen, ob du in eurem Sanatorium nicht irgend eine Stellung für mich hast? Ich bin mit jeder zufrieden. . ."
Es wurde Meta doch schwer, weiter zu sprechen unter den immer erstaunter und kühler werdenden Blicken der Hausfrau, und sie schloß hastig:
„Aus Gründen, die ich -dir später einmal erklären werde, muß ich mir aus eigenen Kräften eine Existenz gründen. .• . könntest du mich nun nicht als Hausdame anstellen? Ich würd-e gewiß. . ."
Herta schlug die Hände zusammen und lachte wie über einen Scherz.
„Du, Meta, Hausdame bei uns im Sanatorium! Nein, das ist köstlich! Du redest doch nicht im Ernst?"
„'Wer gewiß!"
Jetzt nahm Herta eine überlegene, -gönnerhafte Miene an.
„Ja, meine Liebe, das ist doch natürlich blanker Unsinn! Ich weiß nicht, wieso du in diese . ,. hm, merkwürdige und peinliche Situation gekommen bist — aber das ist sicher: zur .Hausdame in einem Sanatorium eignest du sich nicht! Mau verlangt da sehr viel: Zeugnisse, Er- fahrungen, Kenntnisse in der Krankenpflege und der Führung eines großen Haushaltes, Kenntnisse in der Buch- führung und noch allerlei anderes . 4 ■ kurz, ich möchte dir ja sehr gerne gefällig fein, aber es geht wirklich nicht! Willst du mir nicht lieber erzählen, was geschehen ist daß deine Verhältnisse sich so sehr veränderten? Es ist ja unbegreiflich."
Meta stand auf. Etwas in Hertas Ton erkältete sie bis ins Innerste. Nein, das war die alte Freundin nicht mehr.
„W hätte doch keinen Zweck, darüber zu reden- da du mir doch nicht helfen willst. . ." murmelte sie.
„Nicht willst! Wer Liebste! Beigreife doch: ich kann ja nicht! Ich würde dich mit tausend Freuden ei.nto.beit, unser Gast zu sein, aber wir haben unglücklicherweise jedes Plätzchen besetzt."
„Ich danke dir, ich wohne. ja schon bei Berta."


