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Stellt und Arndt in Aönigsberg.
. Unter den beb eut) amen Gedenktagen, die uns das große Erinnerungsjahr von 1813 heraufführt, steht in der zeitlichen und geschichtlichen Entwicklung das entscheidende Auftreten Steins in Königsberg voran. Ms der Bringer der Freiheit, als „der Morgenstern der Hoffnung" erschien damals der Abgesandte des Zaren in Preußen; er gab den bis dahin fehlenden Anstoß zur Erhebung des Landes, setzte fort, was Bork bei Tauroggen begonnen; er riß das ganze Land mit sich und schuf so die Basis zum Kampfe gegen den „alten, bösen Feind", gewiß, daß sich von nun an die Lawine, wachsend und immer wachsend, herniederwälzen werde, „um die Fesseln Deutschlands zu zertrünimern". Mit ihm kam Arndt, seines Geistes Verkünder, um durch Wort und Schrift die heilige Flamme zu schüren, die in den Preußenherzen aufloderte. In Stein verkörperte sich jener mächtige überlegene Wille, der durch einen rettenden Entschluß vollbrachte und gestaltete, was die Tausende ersehnten. Schon am 16. Dezember hatte der große Patriot, der sich im Hauptquartier des Zaren befand, dem Präsidenten Schön angekündigt, er hoffe bald mit seinem Arndt iir Altpreußen einzutreffen: „Jetzt ist es Zeit, daß sich Deutschland erhebe, daß es Freiheit und Ehre wieder erringe, daß es beweise, wie nicht das Volk, sondern seine Fürsten sich freiwillig unter das Joch gebeugt haben." Den ftolzen Deutschen, dem ersten -und großartigsten Repräsentanten der deutschen Einheitsidee, war es ein entsetzlicher Gedanke, daß sein Vaterland durch die Russen befreit werden sollte. Ranke hat die heldenhafte Größe in der Stellung des Titanen betont, „daß er die deutschen Ideen zuerst an einem fremden Hofe, auf den aber alles ankam, zur Geltung brachte". Der Marchese Paulucci, der im Namen des Zaren Memel besetzte, hatte bereits die ernsthaftesten Anstalten getroffen, Ostpreußen zu einer russischen Provinz zu machen. Da griff Stein ein; er wußte, wie das alt- preußische Volk sich in heißer Ungeduld verzehrte; kein Russe sollte ihnen Befreiung vom französischen Joch bringen, sondern ein , Deutscher sie _ sortreißen zur freiwilligen Erhebung. Stein bestimmte den Kaiser von Rußland, ihm eine sehr weitreichende Vollmacht zu geben, durch die er die Leitung der Provinzialbehörden übernehmen und die Hilfsquellen des Landes zunr Besten der guten, Sache nutzbar machen sollte. In einem Schreiben an den König betonte der Zar ausdriicklich, er habe nicht einen höheren russischen Beamten, sondern einen der getreuesten iintcr- tanen des Königs, den Baron Stein, mit dieser Vollmacht versehen.
Von Lyck, der ersten preußischen Stadt, in der der russische Kaiser sein Hauptquartier aufgeschlagen hatte, eilte nun Stein mit Arndt im Schlitten über gefrorene Seen und durch die littauischen Wälder vorwärts. In der furchtbaren Kälte traten die Greuel der Verwüstung, die Totenhaufen der französischen großen Armee, die ^ls düstere Meilensteine überall den Weg kennzeichneten und in den Städten besonders schlimm sich häuften, eindringlich hervor. Am 19. Januar hatten sie Lyck verlassen; am 22. abends trafen sie in Königsberg ein. Nach Ijähriger Abwesenheit stand Stein, einst von Napoleon vertrieben, nun wieder aus preußischem' Boden, um nun dieselben Entwürfe, von denen er vor der Zeit abgerufen war, zu retten, und zur Durchs sührung zu bringen. Die Herzen jubelten dem gewaltigen Manne entgegen, wenn er auch bei den Behörden, die als preußische Untertanen dem mit russischer Vollmacht Ausgerüsteten unsicher und zögernd begegnen mochten, manchen Widerstand sand. Trotz- dem fühlte auch er sich „toi» in einem unbekannten Land"; nichts mehr von der alten Schlaffljrit. — Treue, Hingebung und Tapferkeit allüberall. Groß und sicher betoegte er sich in dem unruhig lebeirdigen Leben und Weben, in dem bunten kriegerischen Treiben Königsbergs; „!vo er erschien, war jetzt durch ein in den deutschen Grenzen gleichsam mächtiger erglühtes und erblühtes Leben in ibm die Lust der Mutigen, der Schrecken der Feigen, durch Schritt und Tritt und Blick und Rede den Kühnsten voran.."
Ein Akt der Befreiung war es, dahier die Oeffnung der Häfen befahl, und damit die französische Kontinentalsperre für abge- schafst erklärte; er verpflichtete die Kaufmannschaft zu Leistungen für das Borksche Korps aber er bewahrte das Land vor großen Lieferungen an die Russen. Vor allem aber war sein Sinn auf eine allgemeine Landesbewaffnung gerichtet, und so setzte er denn die Einberufung der Landstände durch, deren in der Form so anspruchslose und untertänige, doch um so folgcnschwcrere Verhandlungen am 6. Februar begannen. Bald konnte er dem Zaren melden: „Alles verspricht die glücklichsten Erfolge, zunächst aber den, daß das Beispiel dieser Provinzen einen mächtigen Einfluß auf das ganze übrige Deutschland ausüben wird." Arndt hat uns in seinen „Wanderungen und Wandelungen" diese Königsberger Zeit und ihren Helden wundervoll geschildert: „Hier in Königsberg öffnet sich nun der Anfang des künftigen deutschen Volkskriegs, hier sahen alle deutsche Hoffnungen auf die Gerüchte von Napoleons Unglück und Steins Ankunft in Preußens Grenzen, und schon waren aus Berlin, Dresden und andern Orten manche wackre, deutsche Männer und Degen, mitten durch die französischen Heerhaufen hindnrchgedrungen, zu schauen und zu erfunden und den Freunden jenseits im Westen zu berichten und tu erzählen." Wie rein bricht Steins eifervolle Sittlichkeit in jmer Szene beim General Tettenborn durch, der einen bei dex
Franzosenjagd zwischen den erfrorenen Eltern aufgefundenen Marketenderknaben auftreten und unzüchtige Lagerliedchen singen läfct,- worauf Stein ingrimmig schilt: „Derr Buben hätten Sie mit andern besser im Littauischen Schnee erfrieren lassen; in ihrem Gefolge bleibt und wird er doch ein Galgenstrick. Wenden'Sie lähruch 30 Taler an ihn und tun Sie ihn zu einem ehrlichen Dorsschulmeister, daß, er beten und arbeiten lernt.
Danrals brachen jene herrlichen Tage an, von denen Arndt sagt: „Die junge .Lebens- und Ehrenhosfnung sang und klang durch alle ...Herzen, sie klang und sang auf allen Gassen und tonte begeistert von Kanzel und Katheder. Der Bücherstaub der Gelehrsamkeit, von dem Sturmwind des Tages abgeweht, und der goldene Blütenstaub des fröhlichen Maientags der .Hoffnung und des Akutes fiel auf die Stirnen, die jener sonst unr- graut hatte; auch die Kältesten wurden toarm1, auch die Steifsten wurden gelenkig, sie glühten und zitterten in der allgemeinen Belvegung mit fort."
Wie erzielt man Wohnlichkeit?
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