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Mer das schädliche Früh- und Vielwissen der Kinder", und dem Eturm und Drang und in höherem Maße dann der Romantik blieb es Vorbehalten, die in göttlicher Ahnung und fruchtbarer Stille wohnende Seele des Kindes zu entdecken, als sie diese unbewußten Tiefe?! der Menschenbrust überhaupt Ivieder offen­barten. Allmählich erkannte man zuerst wohl Jean Paul, der das Gegenbild so arg erfahren hatte, daß die heilige Unbe­rührtheit des Jugendparadieses unangetastet bleiben müsse, daß hier besondere Kräfte schlummerten, die nur mit verstehender Liebe und behutsamer Pflege geweckt werden konnten. So schwan­den auch die grausamen Strafen niehr und mehr, wenngleich noch nicht alle Eltern zu dem Ideal vorgedrungen sind, das der Justizrat Schröder bei Reuter ausspricht:Ich. schlafe nie mein Kind: ment Kind ist mein Freund".

Der blasierte Lskimo.

Vilhjalmur Steiaufson, der durch seine Entdeckung der »weißen Eskimos" berühmt geworden ist, beschreibt seine kühne Polar-Expedition, die ihn zu bisher ganz unbekannten Eskimo- stämmen führte, in mehreren Aufsätzen von HarpersMagazine". In dem letzten dieser Beiträge schildert er seinen ersten Tag unter den Tolphin- und Union-Straits-Eskimos in Viktoria-Land, die noch nie vorher einen weißen Mann gesehen hatten, ihn aber voller Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft auitiahmen. Stefansson, der drei Jah>e lang unter beit westlichen Eskimos gelebt hat, konnte sich mit diesem freundlich gutmütigen Menschenschlag, der noch ganz in der Kultur der Steinzeit lebt, trefflich verständigen. Hier ivar der in der Geschichte der Entdeckungen gewiß sehr seltene glückliche Zufall vorhanden, daß der erste Weiße, der zu einem primitiven Volke kommt, sich sogleich mit ihm in seiner Sprache unterhalten kann. Die Eskimos luden beit Forscher mit seinen Begleitern so­fort zum Mahle ein, erbauten ihm ein schönes und geräumiges Haus, damit er sich bei ihnen gemütlich niederlassen könne, und tauschten mit ihm ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus. Dabei bemerkte der Reisende zu seinem Erstaunen, daß sie über seine Er­scheinung gar nicht verivundert ivaren, und auch mit seinen Er­zählungen von der modernen Zivilisation konnte er ihnen keines­wegs imponieren.Ich fragte, was sie wohl von mir dächten, ob ihnen meine Augen nickt ausfielen (bie blau sind) und mein Bart (der hellbraun ist), ob sie nicht meinten, ich gehöre zu einem anderen Menschenschlag Ihre Antwort war sehr bestimmt:Wir haben gar keinen Anlaß, dich für etwas Besonderes ztt halten. Deine Sprache unterscheidet sich nur wenig mehr- von der unserigen, als die einiger Stämme, mit betten wir Handel treiben. Deine Augen und Bart sind denen einiger unserer Nachbarn sehr ähnlich, die du besuchen mußt." Blich iitteressierte es, sie mit ihren starken Bogen und langen, mit ftupferfpigen versehenen Pfeilen schieben zu sehen, rote sie jeder Mann des Stammes trug. Ein Ziel wurde in einer Entfernung von 70 Meter ausgestellt, eine Strecke, auf die sie ge­wöhnlich das Karibu erlegen. Dann stellte ich den Stock in einer Entfernung von 20t) Meter auf und feuerte danach. Als die Leute, die herumstanden, Männer, Frauen und Kmder, den Knall des Ge­wehrs hörten, verkrochen sich Frauen und Kiiider in ihren Häusern und auch die Männer zogen sich hinter eine Sckneemauer zttrück. Ich forderte sie auf, mit mir die Wirkung des Schusses zu besehen, aber zum Unglück hatte ich gefehlt. Sie protestierten nun dagegen, daß ich noch einmal schösse, weil der Lärm alle Seehunde aus ihren Jagdgründen verschettchen würde und sie dann sterben müßten. Aber ich beruhigte sie und schoß noch einmal. Diesinal traf ich; doch das Einschlägen der Kugel machte viel geringeren Eindruck auf sie als der Knall. Als ich ihnen erklärte, ich könnte einen Polarbären ober einen Karibu auch auf 400 Meter erlegen, imponierte ihnen das ivieder nicht im geringsten, sondern sie fragten mich, ob ich mit meiner Flinte ein Karibu auf der anderen Seite eines Berges töten könnte. Als ich dies verneinen mußte, erzählten sie mir, ein großer Schamane eines Nachbarstammes habe einen Zauberbogen, mit dem er zedes Karibu auf der anderen Seite des allerhöchsten Berges töten könne. Mein Gewehr sei gar nichts. Hatte ich ihnen erzählt, ich könne mit einem ihrer Bogen 50 Bieter weiter schießen wie sie, dann loären sie grenzenlos erstaunt ge­wesen, aber Dinge, die sie nicht kennen, nehmen sie einfach als Wunder hin, und das Wunder ist in ihrer Weltanschauung etwas Natürliches. So ging es mit allen meinen Herrlichkeiten. Als ich ihnen mein Fernglas zeigte, mit dem sie Rudel von Karibus in weiter Entferniing sehen konnten, ivaren sie sehr interessiert, meinten aber dann:Nttn sieh auch einmal nach den Karibus aus, die morgen kommen werden, damit ivir schon heute mitten, wo sie sind iind sie bester beschleichen können." Als sie horten, daß mein Fern- gla8 nicht in die Zukunft sehen könnte, waren sie höchlichst ent- tauscht und berichteten mir von Mezidinmännern, die sehen könnten, was morgen passiere. Ein ander Mell, als ich von der Geschick­lichkeit unserer Aerzte berichtete, erzählte ick, sie fönnten einen älu Schlafen bringen und während des Scklaies ihm ein ©tuet seines Qnnerit Iiernusnehmen, ohne dcrsz er beim (^rivcicbeit davon eine Ahnung habe; sie könnten auch die Organe eines Menschen auf die eines anderen überpstanzen. Ich hätte zwar so etiuaö noch nicht gesehen, aber diese Leistungen wären in meinem

Vaterlande ganz üblich. Das gäbe es bei ihnen auch und noch mehr, antwortete eines meiner Zuhörer. Er selbst hätte einett greunb gehabt, der hatte grobe Rnckenschmerzen, bis ein berühmte* Medizinmann ihm in einer Nacht während des Schlafes die Wirbel- säule herausnahm und was das Wunderbarste wäre eine andere einsetzte, ohne daß man irgend etwas davon an der Haut bemerken könne. Wie er das gemacht habe, habe er, der Erzähler, Zwar nicht gesehen, aber es sei allgemein bekannt und üblich bet ihnen, daß so etwas vorkomme. Einem anderen hätte man an» stelle seines kranken Herzens ein neues, gesundes gesetzt. Kurz, der Eskimo glaubte an das, was er mir erzählte, ganz so fest, wie ich an meinen Bericht, und die Leistungen [einer Medizinmänner waren wunderbarer als die meiner Aerzte. Ich schwieg, denn ich hätte ihn doch nicht überzeugen können, und so behielt er das letzte Wort mit dem stolzen Bewusstsein, unsere Doktoren wären denen seines Laiides nicht ebenbürtig . . ."

Vermischtes.

* Iockei - Einnahmen.Es wird nicht mit Unrecht behauptet," so führt I. T. Bolton in einem Aufsatz überThe Derby" tnEverybodys Weekly" an,daß die einzigen Menschrn,- me auf bte Taner auf dem Turf gewinnen, nur die Buchmacher und Jockers find. Dafür sprechen einwandfreie Zahlen und Bei­spiele in großer Menge. Der bekannte Reiter Mr. Fred Archer fchutzle S- B. seine Renneinnahmen selbst auf 2000 Pfund ©tert. (40 000 Mk.) ein. Dazu gesellen sich noch in vielen Fällen Be­lohnungen, welche die erfreuten Besitzer von Rennpferden an ihr« Jockeis aushändigen, wenn sie den Sieg erfochten haben. MH John Well im Jahre 1868 mitBlue Gvwn" als Sieger beim Derby hervorging, erhielt er von Sir Joseph Hawley, dem Be- sitzer des Pferdes, die ganzen Wetten in Höhe von 3000 Pfunds ©tert. (60 000 Mk.) eingehändigt, um ihm sein Entzücken über den Sieg zu beweisen. Mr. Daley erhielt ebenfalls 3000 Pfund Sterl. von Mr. Chaplin, als er mit£>ermit,y im Jahre 1867 den ersten Preis erfocht, während Mr. Job Marston 2000 Pfund Sterl. tn Empfang nehmen durste, als erTeddington" zum! Stege führte. Belohnungen von 1000 Pfund Sterl. und darüber fmb gang und gäbe.

Büchertisch.

Euphorion, Zeitschrift für Literaturgeschichte, heraus­gegeben von August Saue r. Neunzehnter Band. Drittes Heft. Leipzig und Wien, k. u. k. Hof-Buchdimckerei itnö HostBerlags-Buch- hanvlung Carl Fromme, 1912. Wenn dieses umfangreiche Heft auch wichtige Beiträge zur Literaturgeschichte des 17. und 18. Jahr­hunderts enthält, zu Grimmelshausen, zu Wieland, zu Schiller und anderen Dichtern älterer Zeiten, fo erhält es doch seine ganz be­stimmte Prägmig durch grundlegende Untersuchungen zur Geschickt« der deutschen Romantik. Ferdinand Josef Schneider in Prag beschäftigt sich mit den methodischen Grundlagen der Romantik forschung, P. I. Reis! in Urbana, Ist, steuert ein Kapitel au« einem abgeschlossenen größeren Werk über die Romantik bei, worin er den Einstuß des bisher vernachlässigten Neuplatonikers Plotm auf die ältere Romantik, besonders auf Novalis darlegt; noch bedetitsamer ist ein Weckruf Johannes Nohls in Villepreur zur Erforschung des tiefsinnigen Philosophen der Romantik Franj v. Baader. Nette Beitrage zu Schenkendorfs Leben und Dickten von Paul C z y g a n in Königsberg und Studien zu Heines Ge­dichten von Jonas Fränkel in Bern, sowie eine Besprechung der neuesten Heine-Literatur durch Paul Beyer in Frankstirt a. M. reihen sich diesen Aufsätzen an. In das spätere 19. Jahrhundert führen die aufschlußreichen Uiitersucknngen von Gottfried Bohnen­blust in Zürich über die erste vollständige Ausgabe der Gedickt« Heinrich Leuthotds und heitere Mitteilungen an3 Kinkels Bonne« Freundeskreis, dem sog.Maikäfer" von M. Pahnke in Neu- Haldensleben.

viamMtrütfel.

Auflösung

In die Felder nebeiistehender Figur sind die Buchstaben a a a a a, e e e, f f f, g g, m. r r r r, s, t t t, u, y y derart einzutrageit, daß die tvagerechte« Reihe» folgendes bedeuten:

1. Einen Buchstaben,

2. Eigenschaftswort.

3. Nordische Göttin.

4. Deutschen Dichter.

5. Schädliches Tier.

6. Nebenfluß der Donau,

7. Einen Bilchstaben.

Die senkrechte und ivagerechte Mittel- reihe ergeben das Gleiche, in nächster Nummer.

Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummert

Nur wer fielt selbst verlässt, der ist verlassen.

Redaktion: K. Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universstäts-Buch- und Steindruckerei, R. Langh ©iejjafc