Montag, den H- April
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Zwei Welten.
Roman von Emma Merl.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Nun erschrack sie, als sie ihren Namen rufen hörte und blickte sich, tvie erwachend, um.
Es rührte sie, tote die Mutter so besorgt auf sie Nitrat:
„Schau, Kind, da hab' ich dir noch was Gut's 'bracht, fönt hast ja heut so wenig essen mögen," sagte sie, ein Schüsselchen mit Eingesottenem auf den Tisch stellend.
Ach, Hildegard hatte so oft erfahren, daß die gute Mama alle Schmerzen ihrer jungen Seele mit Süßigkeiten heilen wollte. Aber ihrem herzensguten Don konnte sie nicht widerstehe!!.
t,Was hast denn heut auf einmal? Sonst bist doch immer so gut aufg'leat, lieb's Kind."
„Es ist schon toteoer vorbei, Mama. Es macht mich nur manchmal traurig, daß ich keine Geschwister habe, sv gar niemand jungen, mit dem man einmal auch ausgelassen sein könnte oder nach dem Theater zuweilen ein bißchen schwärmen dürfte."
„Ja, ja, freilich, du bist auch so allein bei uns alte Leut'," gab Mali zu und schaute wie schuldbewußt auf das junge Mädchen. „Mußt dir halt wieder ein paar Freundinnen einladen."
Da Hildegard schwieg, fuhr sie mit einem Schmunzeln fort: „Du, ich muß dir noch etwas fA^n. Ich mocht' nämlich meinem Mann an unserem dreißigsten Hochzeitstag eine rechte Freud' machen, und da t,«. mir eing'fatlen, daß ich dich malen laß'. Ja, ein schönes, lebensgroßes Worträt in eitlem noblen Goldirahmen. Der Herr Grönberg soll jetzt der beste Kunstmaler sein für so was. Er ist zwar ein bißl teuer. Aber das tut nichts. Man möcht' doch gleich was Ordentliches haben. Morgen sollen wir hinkommen miteinander. Es trifft sich grad' gut, daß der Papa in der Früh zu seiner Mutter hingehen wird zum Gratulieren, denn er darf natürlich nichts merken."
„Nein, das muß eine großartige Ueberraschung werden," stimmte Hildegard lebhaft zu, vergnügt über die Abwechselung, die ihr bevorstand.
Sie fing an, von dem Eingesottenen zu naschen.
„O, diese Aprikosen sind aber gut, danke schön, Mama." „Wicht mehr weinen, gelt, lieb's Kind?" sagte Mali ihr Wnickend und begab sich dann friedlich und seelenruhig in ihr eheliches Schlafgemach, wo Adolf schon gleichmäßig schnarchte.
Hildegard wachte noch lange.
Der Zwiespalt, unter dem sie seit Kindertagen litt, quälte sie in ihrer erregten Stimmung stärker, beklemmen- der denn je. Die Eltern waren ja so aut, sie hatte sie so lieb, und doch war's wie eine große Oede in ihrem Herzen,
doch kam sie sich oft so fremd und verirrt vor in diesem friedlichen Heim, doch hätte sie mit Faustscher Verzweiflung, mit einem verständnislosen Kvpsschütteln aufschreien mögen:
Das ist deine Welt!
3.
Es ward Hildegard.ganz seltsam zumute, als sie in Begleitung Malis das Atelier Grönbergs betrat."
Wie eilte dunkle Traumerinnerung überkam es sie bei diesem Farben- und Terpentingeruch, der den Raum durchzog, bei dem Anblick der Studien an den Wänden, tot dem scharfen Nordlicht, das zu dem breiten Fenster hereinströmte. Als dämmerte ihr längst Vergessenes, als tauchten schattenhafte, verworrene Bilder vor thr auf, die sie nicht zu halten, zu fassen vermochte, und die doch unabweisbar aus der Tiefe ihres Gedächtnisses emporsttegen, süß und schmerzlich zugleich, als sollte sich ihr das Rätsel ihre- Wesens lösen, wenn sie nur die Schleier zu durchdringen vermöchte, die ihr diesen mächtigen Eindruck noch umhüllten.
Der Müler Grönberg, ein hochgewachsener Mann von imponierender Erscheinung, mit rotem Vollbart und heiterem Gesichtsausdruck war ihr völlig fremd.
Er begrüßte die Damen mit liebenswürdiger Höflichkeit und brachte es mit seiner Weltgewandtheit und feines lustigen Natürlichkeit fertig, daß sie sich sofort in dem Atelier behaglich fühlten .
Eugen Grönberg hatte sich schon einen Namen gemacht als Porträtist. Aber die Aufgabe, das hübsche junge Gesicht zu malen, war ja an sich recht angettehm und verlockend. Und obendrein -eine Bernhobler! Der Umstand fiel auch ins Gewicht! Wenn diese reichen Spießbürger, die sich im allgemeinen ja recht gleichmäßig gegen die Kunst verhielten, einmal für ein Bild was verausgaben wollten, mußte man sie in diesem löblichen Bestreben durch ein besonders freundliches und aufmunterndes Entgegenkommen unterstützen.
Er hatte schon vorher in seinem Atelier eine großs Säuberitng vornehme" w'fen, auch alle Aktstudien entfernt, so daß er nun der Newgierde der jungen Dame, die mit so lebhaften Augen her-^avlickte, mtt größter Bereitwilligkeit Rechnung tragen und ihr alle umherhängenden Arbeiten zeigen konnte.
Eigentlich sollte bei diesem ersten Besuch das nähere! vereiichart, das Kostüm, die Stellung besprochen werden.
Aber Grönberg hatte ja das junge Mädchen gebeten, den Hui abzunehmen und den Mantel wegzulegen, und al« sie nun in dem Hellen Licht vor ihm stand, war er so entzückt von dein rötlichen Schimmer ihres kastanienbraunen Haares, von dem Farbenreiz des feinen Kopses, von dem merkwürdig nachdenklichen, tote suchenden Ausdruck ihres Gesichtes, daß er mit ungeduldiger Schaffenslust rief:
„O, bitte, bitte, gnädiges Fräulein, behalten Sie diese Stellung! Ich muß sofort eine Studie anfangen. Die w» leuchtung ist zu reizvoll."


