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Daß wir dnrchdas Kett der drei Pinguüchälge auf einige wage Brennmaterial besntzm, also den Orkan sich einigermaßen austoben lassen konnten, ohne unsere letzte Kanne Petroleum arv- plbrechen, war unS während dieses Tages eine große Beruhigung. Nm Wend versuchten wrr uns auf dem Speckofen eine Mahlzeit IU rochen. Wir Kündeten ihn an, aber er ging ohne jeden Grund wieder aus; wir wiederholten daS Experiment — derselbe Erfolg; Md als wir versuchten ihn in der üblichen Weise mit «netz Spirituslampe ttt Gang zu bringen, brach plötzlich die Mllröhre ab; sie war losgeschniolzen und machte so den ganzen Ofen un- vrauchbar. ,Wir gossen Nun das -erschmolzene Fett in andere Behälter, um es, falls uns die Kerzen ausgingen, auf der Heim- reise für Lampen zu benutzen, an denen wir Socken und Faust- .handlchuhe auftauen und trocknen konnten.
Cherry-Garrard Wlte fast «ine gewisse Erleichterung, daß der Speckofen dieses .Ende nahm, denn er hatte ihn immer Ur em ganz gefährliches Ding gehalten. Aber davon abgesehen war lnrsere Lage ernst genug. Bon dem verschwundenen Zelt hofften Wrr wenigstens die Stangen wiederfinden zu können, und mit dem Segeltuchdach der Hütte ließ sich zur Not ein, neues Zelt Herstellen, wenn nach ohne doppelte Münde. Mer Unsere.fünfte Kanne Petroleum enthielt nur noch so viel, als zum einmaligen Füllen des Primuskochers nötig war, und auf die unbestimmte Möglichkeit hin, Nach Mflauen des OrkanS eine Robbe erbeuten Und einen Speckofen improvisieren zu können, unsere letzte Kanne Petroleum in Angriff zu nehmen, erschien denn doch zu g ei trogt. Wrr kochten also unser Essen auf dem Primus fertig und ve- schloßen, uns ohne warmes Essen zu behelfen, solange her Orkan Uns.zur Untätigkeit verurteilte.
So lagen wir also in unseren Schlafsäcken, Während draußen der Orkan tobte, naß, wenn auch nicht kalt, und fast ohne jedes Zeltbewußtiein, und dachten über unsere Lage nach. Wie das «^rt Mtte wcggeweht Werden können, war uns einfach nnbe- greiflich. War hatten es auf breiter Basis aufgestellt und ganz besondere Srcherheitsmaßregeln .getroffen. Das 'Fallblatt ivar nicht allem unter Schneehaufen begraben gewesen, sondern noch an lebet Falte mit vier oder fünf Felsstücken beschwert; ehe wir m bte Hütte hurückkehrten, hatte ich mit Bowers einen schweren Sack mit Kleibern, der von einem Mann kaum gehoben werden konnte, auf den Saum an der Wetterseite geworfen, und schließlich hatte das Zelt im Schutz unserer Hütte gestanden. Derselbe saugende Wasserstrom, der das Hüttendach unaufhörlich emporhob, mußte auch das Zelt in die Höhe gerissen und heruMgewirbelt haben. ..Wer >vas stützte uns diese Ueberlegung; fort war es. Und ehe wir darnach auf die Suche gehen konnten, mußte erst der Orkmr sich legen. Aber der machte dazu nicht die geringste Mene; Bowers schätzte den Wind auf Stärke 11, und auch die Nacht hindurch wurde es sticht besser. Aber es kam noch schlimmer.
Am andern Morgen drang zu unserm Schrecken ein matter Licht, chimmer in die Hütte. Die Schneeblöcke, die das Dach be- ichwerten, waren alle weggeweht, die Spannung des .Segeltuchs nach aufwärts noch ebenso stark, und das Aufklatschen des'Daches Über der Türseite hatte zngenomni'eit. Da, wo die Leinwand über der Tür festgespannt war, begann sie an den schweren Steinen, die sie mied erhielten, zu zerren und zu rütteln und drohte, sie auf Uns hmunterzuiverfen. Obendrein schien das Segeltuch an einer Stelle, wo es eingeschlitzt ivar, bedenklich dünn geworden. Bowers kroch aus seinem SHlafsack und versuchte, die Steine wieder Wrechtzurücken und die 'Süden mit Kleidern Und Socken zu stopfen. Cherry und ich saßen aufrecht in unfern Schlafsäcken und halfen ihm dabei mit Bambnsstangen — als «das ganze Dach mit einem mächtigen Knall längs der ind abgekehrten Seite in sechs oder ffeben Streifen aus- einanderplatzte und in etwa einer halben Minute in Hunderte Von, flatternden Fetzen zerrissen war. Zugleich prasselten die Steine, die die Leinwand beschwert hatten, auf uns herab, ohne Uns jedoch "zu Verletzen, und eine zum Ersticken dichte Schneemasse wälzte sich mtf uns hernieder. »
Hals über Kopf krochen wir wieder in ,unsere Säcke, über Bowers et froren die Hände, ehe er noch den seinen erreicht hatte. Dann drehten wir Uns in den Säcken um, so daß die Klappen Unter uns lagen. Und ergaben uns in unser Schicksal, während Stunde auf Stunde wie zersetzten Segeltuchenden eine betäubende Gewehrsalve nach der .andern .losließen.
Was jeden Von uns während dieser Stunden beschäftigte, wüt bet Gedanke, wie Wir uns gus dem Fußbodensegel, auf dem wir lagen, und auS den Fetzen unseres Daches ein neues Zelt für die Heimkehr nach der Hüttenspitze würden herstellen können. Wir lagen unter freiem Himmel, froren aber in unfern Säcken sticht; nur waren Wir sehr naß, weck doch ziemlich viel Schnee in sie hineingedrungen war. Und.jedesmal, wenn wir uns aufridjp leten, um über die Wände hinauszugucken, neuer Schnee, der sich dort »Heu angesamMelt Hatte, ans uns herunterrieselte. Menn diestr Orkan, wie Wit das vion Kap Evozier von früher her Wußten, fünf oder gar acht Tage dauerte, so sah es überhaupt Mit unserer Rückkehr recht trübe auS.
„unsere Lage war geradezu entsetzlich," heißt es in Cherry MarrardS Tagebuch. „Ich wußte, daß Deary einmal fort Sommer Während eines OrkanS in seinem Schjlaffack jm Freien gelegen hatte. Aber daß menschliche Wesen daS auch tni Winter aushauen könnten, Mt jch für Msgeschlossen. tzch fragte mich, ob eA wjrh-.
M der Mühe Wert fei, sich Warm M hatten, und gestehe, daß ich unser Ende für gekommen hielt. Mas half eS uns schließlich, wesen Orkan, zu überleben, wenn wir uns auf dem Rückweg nach Kap Gvansiede Nacht in Schnee eingraben und dann doch der Kälte zum Opfer fallen Müßten. Das wollte ich keinesfalls, viel lieber Bill um Morphium bitten, um unfern Schmerzen ein Ende Lu machen Im Übrigen betete ich und wartete ab. Zeitweise lagen wir iin Halbschlaf; ich erinnere mich, daß ich einmal aufwachte .undBill ein frommes Lied fingen hörte; auch Bowers soll, wie Bul sagt, gesungen haben; ich summte ein bißchen mit, aber nicht lange."
^sbse TagebuchnotH zeigt den Ernst Unserer Lage. Jm übrigen ioar bte Unterhaltung an diesem Tage so einsilbig wie möglich. Bowers steckte einmal seinen Kopf aus dem Schlafsack und sagte mit einer Stimme, die sich seinem gewöhnlichen Tonfall näherte, so weit, er es vermochte: „Uns geht es ja ganz gut!" Worauf auch wir nicht anderes zu sagen wußten als: „Ja, uns geht's recht gut!" Und dann schwiegen wir alle drei weiter. Dieser Tag, der 23. Juli 1911, War ein Sonntag und zufällig auch! mein Geburtstag. Am selben Tag wurde auch am Katz Evans ein Maximum der Windstärke registriert.
Bis Mitternacht tobte der Orkan mit unverminderter Wut; dann flaute er ein wenig ab und noch vor Tagesgrauen standen wir auf, um nach unserm Zelt zu suchen. Aber wir sahen draußen Kitte Hand vor bett Augen, und da unter uns ein schroffer, vereister Abhang lag, bet in einer Eisklippe endete, die ihrerseits m das Preßeis hineinging, so war auf ein Wiederfinden des Zeltes letzt nicht zu rechnen, wenn sich auch im stillen jeder an diese Hoffnung klammerte. Wir kehrten also wieher in die Hütte zurück, um auf bett Augenblick zu warten, wo es hell genug sein würbe, Weiter zu suchen. Inzwischen schlug Bowers vor, uns ein Frühstück zu bereiten. Seit fast achtundvierzig Stttnben hatten Wir nichts Warmes gegessen, und so hielten wir nun die ihren äußeren Umständen nach unheimlichste Mahlzeit, die wohl je im Norden der Süden Verzehrt worden ist. Wir swpften das Fuß- bobensegel unter bte Kopfenden unserer Schlaf sticke, krochen in diese hinein, zogen das Segel über den Kops und zündeten unter diesem Schutzdach bett Primus M, um bann den Kochtopf mit der Hand dicht über die Flammte zu halten. Erst kochten wir uns Tee und hinterher Pemm-ikan. Das auf dem Boden des Topfes klebende Pinguinfett brannte an und gab dem Tee einen unangenehm brenzlichen Geschmack. Gleichwohl tranken wir ihn mit dem größten Genuß; aber keiner von uns wird diese Mahlzeit je vergessen, und jener brenzliche Geschmack wird uns immer an den Tee erinnern, den Wir in der Morgenfrühe des 24. Juli 1911 genossen haben.
Dann lagen wir wieder in den Schlafsäcken und warteten, bis sich allmählich ein schwacher Lichtschein am Himmel zu zeigen begann. Sofort standen wir auf, um wieder auf die Suche nach dem Zelt tzu gehen. Mit der Windrichtung stiegen wir abwärts; überall, hingen taschetttttchgroße Fetzen unseres grünen Segeldachs; aber nichts von einem Zelt. Bowers war vor uns mehr östlich auf die Suche gegangen und hatte einen Bergrücken erklettert, um Ausschau zu halten. Plötzlich hörten wir ihn laut rufen: er hatte das Zelt liegen sehen! Schnell eilte er bergab, und in feiner Hast Vorwärts zu kommsen, rutschte er sitzend einen 100 Meter hohen Schneehang hinunter. Wir folgten ihm nach, kamen ebenfalls ins Gleiten und langten so halb freiwillig, halb gezwungen an der Stelle an, wo das Zelt wirklich lag, einen Kilometer von dem Platz, wo wir es aufgeschlagen hatten. Eine der Stangen war aus dem Bezug herausgedreht, und die untern Bänder des Jnnenzeltes waren alle mehr ober weniger weggerissen; aber das eigentliche Zelt War.heil und unversehrt geblieben.
Wir Waren so dankbar, daß wir nichts zu sagen Wüßten. So schnell Wie möglich trugen wir das Zelt zurück, denn die Lust War recht trübe .und sah aus, als ob es jeden Augenblick Wieder losstürmen wollte. Das Zett fchlngen wir an der alten Stelle in der Schneegrube unterhalb unserer Hütte auf, wo es bei unserer Ankunft gestanden hatte. Während Bowers und Cherry unsere Sachen aus der Steinhütte herunterholten, grub ich die glücklich Wiedergewonnene Behausung so tief wie möglich in den Schnee ein. Schließlich waren wir mit .allen unfern Sachen geborgen, nur meine Pelzhandschuhe, die irgendwo in einem Loch zwischen den Steinen der 'Hütte eingefeilt Waren, ließen sich nicht mehr finden. Dann Bereiteten wir uns eine Mahlzeit und suchten später am Abhang nach den Kocherplatten, sanden aber nichts als nur Fetzen unseres Segeltuchdachs.
Nun besprachen wir unsere Lage. Unser Petroleum war bis auf eine Kanne verbraucht, und da der Speckofen ebenfalls per- dorben togr, kamen Wir bald zu dem Schluß, daß uns nichts! weiter Übrig blieb, als nach Katz Gians zurückziikehren.
Lin Weihnachtsmärchen för die Minen.
tZi ' Bon Felicitas Wo l Y>
Vor vielen- tiMen Jahren lebte in einer großen Stadt eins tfttne yvan mit ihrem fünf Jahre alten Sohn, eie hatte ihren Mann verloren, als Hänschen, (o hieß ihr Söhnchen, zwei Jahre »tt MV. Mühsam hatte sie sich und Hänschen das tägliche Brot verdien^ Sie War in. die Wusep der Reichen geganE


