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Baron von Dewitz rühmt bcm Kaiser im Gespräche epigrammatische Kürze nach nnd erzählt dafür ein hübsches Beispiel: der leitende Offizier des kaiserlichen Zeitnirgsansschnittdrenftes brachte eines ^ages eine Botschaft des amerikanischen Präsidenten an den'Kongreß im Umfange von 25 000 Worten. Am nächsten Tage fand er diesen Zeitungsausschnitt, auf seinem Pult, und am Rande stand mit Blaustift in lakouischer Kürze: „Auf einen Satz zusammendrängen nnd auf Eis legen!" Im Anschluß an diese Schilderung des Kaisers als Leser und Briefichretber erzählt Baron von Dewitz den Amerikanern auch ein paar hübsche Ge- schichtchen aus dem Leben dis Kaisers, die Wilhelm II. tut Verkehr mit seinen Offizieren zeigen. Bei einem Manöver jagte der Kaiser zu einem Ulanenkommandeur: „Prächtig, Oberst, es könnte nicht besser sein! Sie haben den tüchtigsten Fähnrich int Dienst, aber der Prachtkerl ist zu schnell: er ist sechs Meter lveiter, als er sollte! Dieses Mal wirds wohl an dem Pferde liege» — ein Prachtviech!" Dabei zuckte es nm seinen Schuurr- bart verräterisch, und dann sprach der Kaiser weiter: „Ich meine natürlich das Pferd!" — Eines Tages meldete sich der Kaiser in der Offiziersmesse eines Feldjägerkorps als Gast an. Er stellte jedoch die Bedingung, es solle kein besserer Aufwand getrieben werden, er wolle vielmehr an dem üblichen Mahle der Offiziere teilnehmen, insbesondere solle kein kostspieliger Cham- pagner getrunken werden, sondern er zöge gutes, ehrliches deutsches Bier vor. Ein Leutnant verfiel auf die, List, auf teilt paar Flaschen des besten Champagners Etiketten der billigsten Sorten zu kleben. Als der Kaiser von diesem „billigen Champagner" gekostet hatte, schmeckte er nach Kennerart mit der Zunge, setzte das Glas noch einmal an die Lippen, sah es an und bemerkte dabei deil schnld- belvußten Gesichtsausdruck des Nebeltäters. Dann lehnte er sich zurück und sagte: „Wenn dieses billiger Champagner ist, wie ich ihn aiigeordnet habe, dann setzen Sie mir doch bitte.einmal eine Flasche vom besten vor." Die Offiziere erröteten, der verantwortliche Meßoffizier wollte eine Entschuldigung Vorbringen, aber der Kaiser fuhr gutgelaunt fort: „Macht nichts, ich verstehe. Wenn die Herren mich aber noch einmal in diese Messe locken, bestehe ich darauf, Pilsener in Blumentöpfen zu bekommen!"
Dke Vogelwelt der Vibel.
„Das fünfte Evangelium" ist Palästina genannt worben, um die hohe Bedeutung zu kennzeichnen, die das heilige Land für die Erkenntnis und das Verständnis des Neuen und auch des Alten Testamentes besitzt. Allüberall wird auch im heutigen Palästina der Blick auf unzählige Einzelheiten der heiligen Geschichte gelenkt, wie sie im Buch der Bücher aufgezeichnet ist. Nicht nur die Formen der Landschaft und die markanten Züge des Votkslebens, auch die geflügelten Bewohner der Luft lenken den Blick auf die Bibel hin. So bringt denn ein inhaltsreicher Aufsatz „Streifzüge durch die Vogelwelt Palästinas", beit der Pfarrer der Insel Hiddensöe bei Rügen, Arnold Gustave, auf Grund eingehender Studien im neuesten Jahrgang des Palästina-Jahrbuches veröffentlicht, auch viel Interessantes über die Vogelwelt der Bibel bei,
, Es ist auffällig, daß von ben] Heineren Singvögeln, von jenen in Palästina heimischen und auch bei uns wohlbekannten Frühlingsboten, kein einziger im Alten Testament erwähnt wird. Nur an einer Stelle ist ganz allgemein von Singvögeln die Rede, nämlich im 104, Psalm: „Tu lässest Brunnen guellen in den Gründen, daß die Wasser zwischen den Bergen hinfließen, daß alle Tiere auf dem Felde trinken und das Wild feinen Durst lösche. An denselben sitzen die Vögel des Himmels und fingen unter den Zweigen." Dem Dichter mag wohl die liebliche Landschaft von En-fara und Elckanwar unweit Jerusalem vor Augen geschiveot haben; er macht die ornithologische Beobachtung, daß die Vögel sich am zahlreichsten in der Nähe fließenden Wassers aushalten. Deshalb brauchen aber die Israeliten, die einen so regen Naturstun und ein offenes Ange für die Wunder der Gotteswelt zeigen, noch keine Vogelverächter gewesen zu sein. Man hat sogar au3 einer stelle in Hiob geschloffen, daß sie bereits Singvögel als Stubenvögel gehalten Hadem Wenn es dort vorn Leviathan heißt: „Kannst du mit ihm spielen wie mit einem Bogel? oder ihn für veine Dirnen anbinben ?", so erinnert dies an eine noch heute int Orient übliche Sitte, nach der kleine Mädchen einen Vogel als Spielgefährten an einen langen Faden binden. Sehr häufig wird die B o g e l st e l l e r e i im Alten Testament erwähnt. Im Neuen -teitament findet nur der stümperhafteste unter den Singvögeln, öer © p e r I i n g, Erwähnung. Er ist nach Aussehen, Charakter und Häufigkeit berfelbejvie bei uns in Deutschland. Seine Dreistig- teit ist sogar noch größer, da er sich nicht begnügt, an den Häuser- mauern m nisten, sondern sogar in den Wänden sein Domizil auf« schlagt, indem er zwischen den Luftziegeln der Fellachenhäuser den Lehm herausgrabt. Palästina ist ein waldarmes Land, und daher st"..„. re die Vogel, die Buschwerk und Wald lieben, verhältnis- mäßig selten vertreten. Sehr zahlreich sind die Raubvögel, unter denen wohl als der häufigste der Schmutzgeier gelten muß, den die Bibel imter den unreinen Vögeln erwähnt. Wo im Orient menschliche Ntederlahungen sind, da gibt es auch reichliche Abfälle, und bet den Fellachendörfern und Bednineiilageril übernehmen die '
Geier das Amt der Reinigung. das in den Städten die Hunde besorgen. Noch heute heißts wie im Matthäus-Evangelium: „Wo ein Aas, da sammeln sich die Geier." Die markanteste Geierart, zugleich der Vogel mit der größten Spannweite der Flügel, ist in Palästina der W e i ß ko p f g ei er, von dessen scharfem Gesicht es im Talmud übertreibend heißt: „Er kann in Babel sich befinden und dennoch ein Aas in Palästina erblicken". Dieser Geier, der in großen Kolonien lebt, ist vielfach da gemeint, wo Luther in seiner Uebersetznng des Alten Testamentes den Adler nennt. Unzweifelhaft ist z. B. der Geier gemeint, wenn es bei Micha heißt: „Mach? dich gar kahl wie ein Adler", denn der Geier, nicht der Adler ist kahlköpfig. Uns dünkt der Adler gewiß der herrlichen poetischen Vergleiche in der Bibel würdiger, aber die Orientalen, bei denen der Geier ebenso wie der Hund eine höhere Wertschätzung genießt als bei uns, empfinden darin anders.
Von den Nachtvögeln wird in der Bibel die am häufigsten in Palästina vorkommende Eulenart, der Steinkauz, erwähnt. Eine andere Art, die Schleiereule, hat durch ihr unheimliches Schnaufen, ihren geisterhaft leisen Flug und den frauenhaft wirkenden Kops die Ursache für den Aberglauben von dem Gespenst Lilith gegeben, das im Jesaias erwähnt wird. Dieser dämonische „Kobold", wie Luther an der Stelle übersetzt, raubt und tötet in Eulengestatt bei Nacht die Kinder. Tie Schwalbenart, die in dem Klagelied des kranken Königs Hiskia als Vergleich für sein Winseln herangezogen wird, ist der Mauersegler, dessen Schrei einem Schmerzgestöhn gleicht. Der größten Zuneigung und Pflege erfreute sich bei den Israeliten die Taube; sie ist der einzige Vogel, der geopfert werden durfte, und aus der Bedeutung, die die Tauben im Kultus hatten, erklären sich auch wohl die zahlreichen Taubenhäuser, die man in Palästina findet, z. T. großartige Anlagen mit Hunderten von Nistlöchern.
Vermochte».
'— D asGo11esgeri ch t. Bon denk Domkapitular Schnük-t gen, der neulich seinen 70. Geburtstag gefeiert hat, erzählt tnäll sich in Köln eine hübsche Anekdote, die uns ein Freund unseres Blattes mitteilt: Schnütgen hatte vor einigen Jahren bet einem! Eifeler Bäuerlein eine alte geschnitzte Eichentruhe „gekauft", das heißt, das Bäuerlein hatte dem hochwürdigen Herrn im Talar das Ding ohne Ahnung von seinem! Kunstwerk für einen Schnitz überlassen. Durch irgendeinen Zufall wurde der Bauer über seine Dummheit aufgeklärt. Er ärgerte sich, zo ' ' ftaat an und fuhr nach Köln zum Professor s , zur Rede zu stellen. Der Bauer Würbe von der Magd in das Wartezimmer geführt und ihm bedeutet: „Der Herr Dompropst kommt gleich !" Der Herr Propst war aber in diesem Augenblick gerade sehr beschäftigt. Da gerade ein befreundeter Amtsbruder — genau das Gegenteil Schnütgens in Figur und Haltung —■ anwesend Ivar, so bat ihn Schnütgen, doch einmal hinüberzngehen and den Bauern nach seinem Begehr zu fragen. So verfügte sich also der Herr Amtsbruder, ein gebücktes, vertrocknetes und hustendes Männchen im schwarzen Talar, zu dem Bauern im Sprechzimmer. Als das Bäuerlein die Jammergestalt erblickte, war es höchlich bestürzt. So hatte sich also der Propst Schnütgen, den er noch vor kurzem so stramm uns) munter in seinem Eifeldorf gesprochen hatte, verändert! Aus einem Riesen war ein kranker Zwerg geworden, nur durch den Druck des bösen Gewissens! Das packte den Bauer jm innersten Herzen. Erschüttert nahm er seine Mütze, ititlb an der Wand vorbei sich zur Tür hindrückend, sagte er: „Och Herriesses, Herr Pastur, ich sinn et all, ich will eckes sonn: Hä hält Jott gerich'." (Ach Herrjeses, Herr Pastor, ich sehe es schon, ich will gleich Wicker gehen: hier hat Gott gerichtet.)
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* Das stinrmk. „Merke es dir, Dora, je mehr man einest Mann fesselt, desto leichter wird er ein Freier."
* Hausherrnlogik. „Hörst dus, Alte? Jetzt singt cti schon wieder, der Mieter int dritten Stock: „Was frag ich viel! nach Geld und Gut . . ." Der wird Morgen gleich gesteigert!"
Silbenrätsel.
a, a, ar, b, be, de, en, en, la, la, lisk, ine, ne, ne, nee, ui, ni, o, o, or, pel, re, ros, fi, w.
Aus vorstehenden Silben und Buchstaben sollen sieben Wörter gebildet und derart unter einander gesetzt werden, daß die Anfangsbuchstaben, von oben nach nuten, und die Endbuchstaben von unten nach oben gelesen, den Namen eines gefeierten Malers ergeben. Es bedeuten aber die einzelnen Wörter folgendes:
1. Vorderasiatisches Reich.
2. Einen Opernkomponisten.
3. Stadt in Italien.
4. Fremdländisches Bauwerk. *
5. Berühmten französischen Arzt.
6. Fluß in Amerika.
Eine der Sunda-Fnseln.
Auflösung in nächster Nummer.
Auslösung des Zitatenrätsels in voriger Nummer z Nimm Rat von allem, aber spar' dein Urteil.
einen sonnt niätaen, uni
R-daklion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R, Lange, Gieße»


