Ausgabe 
7.6.1913
 
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blick teilten sich die Vorhänge und der Heiduck stand int A^^Jnssuff, bringe dem Herrn Erbjunker Mantel und Hut!" Jnssuff verschwand und kehrte mit LintHardts Sachen zurück und half ihin in den Mantel. Tie Gräfin winkte ihm, iiub der Schwarze zog sich zurück.Nun, sind Sie mir bös, teuerste Gräfin?"

Ja'"

Er trat zu ihr und ergriff ihre Hand und.strich kosend darüber hin, und sie lieh ihn gewähren.

Dann sagte sie schmollend und mit kindischem Trotze: Gehen Sie doch, Junker -- der König wartet, und der Freiherr von Lützow, der in Breslau das Freikorps er­richtet, bedarf solcher Kämpen!"

Er überhörte den Hohn und sagte schlicht:Bei den Lützowern einzutreten, dürften mir die Mittel fehlen,

Sie horchte hoch auf.Ich verstehe Sie nicht!" Ich bin arm, Gräfin, bettelarm!"

Sie sind ? Junker, Sie belieben heilte abctld eigentümliche Späße zu inachen. Oder meinen Sie, ich kenne deil deutschen Adel so wenig, nm nicht zu wissen,, dah die voir Altenlohe auf Heidehorst zu beit Reichsten des Landes gehören?"

Bis heute nachmittag, oder besser, bis vor fünf Tagen, ja, aber jetzt ist nichts mein, als was ich hier in Prag habe: Ein paar Koffer Bücher, meine Kleider und mein Degen, und streng genommen gehören diese Sachen nicht einmal mir, alles andre ist den meinigen und mir enteignet!"

Ich verstehe Sie noch immer nicht!" fuhr die Gräfin fort.Will man Ihnen Ihr Eigentum uehmen, weil Sie nicht mitkämpfen?"

Nein, weil wir mitkämpfen, hat man es uns genommen. Ein Hausgesetz unserer Familie, ent­banden bei der Verehelichung meines Vaters, sagt: Bon Stund an, da die von Altenlohe die Hand im Kampfe gegen eine französische Macht erheben, verfällt alles .Hab und Gut an die Familie des Stifters des Fideikommih und des Stammvermögens zurück."

Und die Familie wäre?"

Unsere französischen Verwandten in Malmaisou!"

Jetzt geriet die Gräfin in Wallung.Setzen Sie sich Junker, bitte Ihren Hut, so , ziehen Sie auch den Mantel wieder aus, so. Nun hören Sie: Ich sagte vorhin: bleiben Sie da und kämpfen Sie nicht, jetzt aber sage ich: reisen Sie fort und kämpfen Sie, jedoch nicht in Preußens Zlrmee, sondern für sich, und nicht gegen Napoleons Heer­scharen, sondern gegen die, die Ihnen Ihren Stammsitz und Ihr Erbe rauben wollen. Sie wissen, ich habe auch Nationalgefühl, aber auch hier nküssen Grenzen gezogen werden. Was ist es, wenn die Leute, tote die Zeitungöck melden, zu Tausenden ihre goldenen Trauringe opfern, was ist es, wenn der Bauer fein Pferd dem Heere opfert, oder gar jeues Mädchen, tote Jussuff vorhin erzählte, der es aus der Druckerei mitbrachte, lveun jenes Mädchen in eifriger Begeisterung ihr Haar verkauft, um den Erlös in die große Kriegskässe zu werfen, was ist das alles gegen den Verzicht auf ein Riesenvermögen, gegen den Ver­zicht auf die Ihnen anerzogene Bequemlichkeit des Lebens und gegen ein Leben als Betteljunker? Oder wer gibt Ihnen nach dem Kriege mag er ausfallen, wie er will, Ihre Güter wieder, wer sorgt für Ihren alten Vater und Ihre Schwester, wenn Sie und Ihr Bruder im Felde bleiben? Nein, Linthardt, behalten Sie Vernunft im Köpfe, wenn die Ihren in Begeisterung alles von sich geworfen haben. Es ist ihre Pflicht, als Erbjunker und Stammesältester, Ihren Familiensitz zu wahren und zu schützen und Ihre Angehörigen werden Ihnen es später, wenn der erste Rausch der Begeisterung vorüber ist und die nüchterne Not des armseligen Lebens nach Ihnen greift, noch Dank wissen. Also: auf nach der Heimat! Erklären Sie frei und offen: Ich kämpfe nicht mit, denn ich habe mein Hab und Gut, das selbst ein kleines Königreich be- deutet, zu schützen. Erklären Sie: Was mein ist, das ist des Königs, und ich wäre ein schlechter Untertan,' wollte ich um den Wert einer einzigen Säbelscheide meinem Vater­land ein reiches Erbe entgehen und an Frankreichs Spros­sen fallen lassen!"

Linthardt ergriff der Gräfin Hand:Sie herrliche Frau! Sie kennen meine Gedanken fast, wie ich selbst. Sv, genau so dachte ich heute nachmittag, als mir der Kurier

die verhängnisvolle Nachricht überbrachte. Ja, so, tote Sie sagen, will ich tun. Aber freilich, es wird mich harte Kämpfe kosten, und ich habe in der Heimat Vater und Schwester, Bruder und Freunde, alle, alle gegen mich!"

Nur Mut! Und wenn Sie siegen, ich meine, wenn die Ihren erkannt haben, daß Sie recht taten, dann kommen Sie zu mir, Und dann besprechen wir das, was mir mehr am Herzen liegt, und ich hoffe, auch Jhüen, als Politik and Kriegsgetöse!" Sie reichte ihm die Hand, die er hastig er­griff und küßte. i Dann nahm er Hut und Mantel und ging von ihr.

3. Teil.

Wald und Flur zeigten fröhliches Frnhlingsgrün, und auf den Feldern ward mit Mühe die Frühjahrsbestellung vollendet. Nur vereinzelt zog ein alter müder Gaul, für den Krieg zu schlecht, oder eine magere Kuh die Pflugschar über die Scholle und nur die matte Faust des Greises oder dse schwache Hand eines Weibes drückte das Eisen in die Furche. Roß und Mann, sonst friedliche Feldarbeit gewöhnt, standen jetzt draußen in Reih und Glied, den großen Korsen niederzuringen. Bon den von Heidehorst ausgerückten 49 Mann waren freilich nicht alle zur offenen Armee gesandt worden, sondern ein Teil, insonderh.it die Aeltern und Schwächer«, wurden zur Landwehr bestimmt, die in allen deutschen Gauen errichtet wurde.

. In diesen Tagen fuhren auf der Landstraße, die von der Kreisstadt Wessel nach Schloß und Dorf Heidehorst führte, zwei große Reisewagen dahin und blieben kurz vor Heidehorst int Straßenkot stecken. Aus dem einen Wagen stieg jetzt ein langer, hagerer Herr, die Augen durch eine starkglasige Brille verschanzt und trat an die Tür des- zweiten Wagens. Er sprach französisch zu den Insassen dieses Gefährts:Gnädige Frau, wir kommen nicht weiter. Wollen Die hier warten, bis ich aus dem Dorfe Vorspann geholt habe, oder wollen Sie die wenigen Mi­nuten, die wir noch bis zum Schloß haben, zu Fuß gehen?"

Wo denken Sie hin, bester Notar? Wir sind in Mal- maison zierliche Spaziergänge gewöhnt und nicht den Morast deutscher Urwaldstraßen!"

Aber Mama!" sagte eine zierliche Dame mit großen, schönen, dunkeln Augen und frischem, seelenvollem Antlitz. Aber Mama, das kann doch Stunden dauern, bis wir hier ans dem Schlamme gezogen werden. Wir wollen doch zu Fuß nach dem Schloß zu gelangen suchen!"

Du weißt nicht, was du sprichst, Toinettc. Hier im Wagen sind wir doch wenigstens vor den Beleidigungen des Bauernpöbels sicher und durch den Kutscher und den Diener einigermaßen geschützt!"

Aber Mama, wir sind doch nicht unter Wilden! Weißt du nicht mehr, daß Vetter Linthardt uns erzählte, wie bieder und Ehrlich seine Bauern seien. Und außerdem: haben wir nicht den Durchlaßscheiu unseres allerinachtigsten Kaisers und Herrn?"

(Fortsetzung folgt.)

Gartenkunst.

Eine kulturgeschichtliche Studie.

Nicht jeder Garten ist ein Kunstwerk. Ein Obstgarten kanü behaglichen Aufenthalt bieten, ein Weiugarteir mit weiten Reben- lanbgängen ist voll natürlicher Anmut: aber wo der Ertrag maß­gebend ist, da hat die Kunst noch,nicht mitzusprechen. Soll der Garten ein Kunstwerk sein, so darf nicht der Nutzen, sondern nur die Schönheit maßgebend sein, ja es werden sogar oft alle frucht­tragenden Baume aus ihm entfernt und verbannt, als beeinträch­tige der materielle Wert den ästhetischen. Die Gartenkunst ist gleich der Baukunst zunächst aus einem praktischen Bedürfnis tzervorgegangen, auf welches der Schönheitssinn veredelnd eitz- gewirkt hat.

Als in vorchristlicher Zeit der Mensch aus der großen Menge der Gewächse einige auswählte, um sie zu seinem Nutzen unter seinen Schutz zu nehmeu, da konnte er die Getreidearten in den entlegener«! Feldern anbauen, da sie einmal gesät, sich von selbst Weiter entwickelten: die Fruchtbäume aber, die Gemüse» und Arzneipflanzen, meist Fremdlinge, die ihm aus fernen Ländern auf seinen Wanderungen gefolgt waren, bedurften täglicher Be­aufsichtigung Und sorgsamer Pflege. Ihnen wurden schon in früher Zeit gewisse Blumen beigesellt, die durch den Reiz ihrer Form, durch Duft und Farbe die Sinne und Seele des Menschstt erfreuen. Für diese Gewächse ukußte ein besonderer Platz ut unmittelbarer Nähe der Wohnung vorbereitet, durch Zaun over Mauer gegen Eindringlinge und Beschädigungen verwahrt und