Ausgabe 
5.2.1913
 
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WZ Nr. 20

Mittwoch, den 5. Zebruar

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Von Frühling ?u Frühling.

Roman von Erich Eben st ein« (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)

Meta packte eilte jähe Sehnsucht nach der alten Fran, die einmal wenigstens gut zu ihr gewesen war. Jetzt, am Rande des Grabes, verlangte sie nach ihr. Ein Schim­mer von Heimat umwob das Andenken an Frau.Bettina ja, die alten Petermanns hatten das ihrige treulich, getan, um ihr in Herminenruhe eine Heimat zu bereiten. Die Vergangenheit mildert manches Schlimme und verklärt alles Gute ja, sie wollte hin. Morgen. Nein, lieber heute noch.

Es war noch früh am Tage. Meta riefi'Fräulein Lena, die allmählich in Olga Ländekes Fußtapfen getreten war, und gab ihr den Auftrag, zu packen.

Spätestens mit dem Abeudzuge wollte sie reisen.

Sie mußte Pest 'berühren. Meta überlegte, ob sie.ihren Mann auf den Bahnhof bestellen sollte? Es waren nur zehn Minuten Zeit zuin Umsteigen und wer weiß, ob er nicht vielleicht gerade etwas vor hatte! Irgend eine Zu­sammenkunft, Theater oder sonst etwas.

Sie gestand sich nicht ein, daß sie bei einem Zusammen­treffen mit ihm noch eine geheime Angst hatten der sie nicht einmal in Gedanken Worte verleihen'wollte.

Und doch

Nein. Sie wollte ihn bloß telegraphisch von ihrer Abreise verständigen.

So telegraphierte sie von der Station aus an Montelli: Mama Petermann krank, wünscht mich zu sehen, reise mit Konrad Abends von hier ab. Meta."

Als sie in Pest ausstieg, stand Montelli ani Perron.

Wie, du bist doch gekommen? Wie wußtest du, mit welchem Zug . . ."

Kunststück! Als ob abends so viele Züge gingen! Aber es scheint dir ja nicht einmal angenehm zu sein? Ver­mutlich drücktest du dich auch deshalb so allgemein aus." Meta errötete.

Ich wollte dich Nicht in deiner Zeiteinteilung' stören."

Hm, daß um acht Uhr abends nicht mehr gestartet wird, hättest du dir denken können! Uebrigens wollen wir nicht streiten. Ich hatte Sehnsucht, dich zu sehen und deshalb kam ich."

Er bot ihr den Arm und führte sie zu dem anderen Zug, der bereits fertig zusammengestellt war.

Ich habe dir ein Extrakupee besorgt hier ist es. Bitte, Fräulein Lena" er wandte sich um und ließ die beiden Vorausteigen Sie einstiveilen mit Konradchen ein. Meine Frau wird gleich folgen."

Er hob das Kind auf, küßte es und reichte es der Er­zieherin in den Wagen. Dann wies er den Träger an, Wet«s Gepäck hinauszuschaffen.

Als auch dieser im Kupee verschwunden war, ivandte sich Montelli an Meta, die stumm neben ihm stand.

Also mit Frau Petermann geht es zu Ende und sie will dich noch einmal sehen?"

Ja. Du wirst begreifen, daß ich den Wunsch einer Sterbenden sofort erfüllen muß, Bürger schreibt zwar, daß Mama auch, noch ein Jahr leben könne"

Selbstverständlich mußtest du sogleich hin! Hoffent­lich triffst du sie noch in leidlicher Kondition. Wenn sie es wünscht, bleibe bei ihr, Meta. "Und sei klug . . . Niki hat dich elend geschnitten die alte Frau könnte es leicht gut machen. Sie hat keine Verwandten . . . wahrscheinlich wird Konradchen ihr Erbe. Sieh zu, daß auch, für dich etwas abfällt!"

Meta erbebte.

Das war es, was sie gefürchtet, wovor sie gebangt hatte. Weshalb sie lieber durch Pest gefahren wäre, ohne mit ihrem Manu zusammenzutreffen.

Und obwohl sie es geahnt hatte, traf es sie nun dennoch wie ein brutaler Schlag mitten ins Gesicht.

Sie wagte Montelli nicht einmal anzusehen, so sehr schämte sie sich vor ihm.

Er aber fuhr unbefangen fort zu sprechen!

Eigentlich wäre sie es dir schuldig für all den Jammer, den ihr Sohn über dich gebracht hatte. Schließlich waren es doch deine besten Jugendjahre, die du an feiner Seite verbrachtest. Ich glaube, sie fühlt das auch und ruft dich deshalb zu sich. Spiele nur nicht die Noble und laß ein wenig durchblicken, daß wir es gebrauchen könnten . . . es ist die reine Wahrheit. Denn siehst du, Meta, ich habe die ewige Fretterei wirklich satt . . . Nachdem du uns auch noch mit Reinsperg in eine so fatale Situation gebracht hast"

Er verstummte betroffen.

Meta hatte sich plötzlich abgewandt und stieg ohne ein Wort der Erwiderung oder des Abschieds in ihr Coups.

Meta!" rief er ihr nach und wollte ihr folgen,warte ich muß dir noch etwas sagen wegen Konrads Vormund . . . damit du orientiert bist . . ."

Sie tat, als hörte sie es nicht.

Wahrscheinlich soll ich da auch Geld zu erpresse^ suchen," dachte sie bitter und schob die Coupstür rasch zu.

Montelli aber wurde am Einsteigen durch den Kon­dukteur verhindert, der die Waggoutüreu schloß.

Gleich darauf wurde das Signal zur Abfahrt gegeben und der Zug verließ langsam die Halle.

Ekel und Bitterkeit int Herzen, lehnte Meta in der Ecke ihres Abteils. Lena hatte das Kind zur Ruhe ge­bettet und Konradchen war schon im Einschlafen.

Jetzt überreichte sie ihrer Herrin einen Strauß dunkler langstieliger Rosen, von einem Goldfaden leicht zusammen-- gehalten.

Vom gnädigen Herrn. Ich sollte sie der gnädigen Frau übergeben, wenn der Zug Pest verlassen hat."