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Der Jäger aber kam nie wieder zu Lomsvn, -
Liliencron und sein Sergeant.
Die Nachricht von dem Tode des Lebensretters Detlev von Liliencrous, seines alten Kampfgenossen und Freundes A Nim- phius, ruft die Verwundung des Dichters in der Schlacht bei Skalitz und die Umstände seiner Rettung, bet der sein Sergeant die Hauptrolle spielte, wieder in die Erinnerung. In seiner soeben erschienenen grundlegeiiden Biographie Liliencrous berichtet Heinrich Spiero nach den Aufzeichnungen des großen Lyrikers von seiner „Feuertaufe", die er im Kriege von 1866 erhielt.
Bei der Eroberung eines Hügels, als er auf der eben erreichten Spitze einen österreichischen Jägeroffizier zur Ergebung aufforderte, wurde Liliencron, damals Sekondeleutnant im 37. westfälischen Füsilier-Regiment, durch einen Revolverschnß aus nächster Nähe verwundet. Sein Sergeant A. Nimphius durchbohrte im nächsten Augenblick den Offizier mit dem aufgepflanzten Seitengewehr, und trug den anscheinend Schwerverletzten aus der L-chlachl- linie in Sicherheit. Liliencron hat ihm diesen Dienst, der ihm das Leben rettete, bis an sein Ende nicht vergessen und stets in treuer Freundschaft zu seinem Sergeanten gestanden. „Die Wunde," erzählt er selbst, „war nicht gefährlich. Die Kugel, dre mich in den Unterleib an der linken Hüfte traf, wurde durch mein Säbelkoppel, durch das sie ging, stark abgeschwächt. Trotzdem fiel ich in eine lange Ohnmacht. Ich erwachte in einem kleinen Vorwerk (oder Forsthaus), wohin ich getragen worden war. Ich schwamm in Blut. Nur noch mein zerrissenes Hemd und das linke aufgetrennte Hosenbein waren meine einzige Bekleidung.. Alles andere war verschwunden. Wahrscheinlich hatte man mich für tot gehalten. In den Räumen des kleinen Gebäudes sah es entsetzlich aus. Wir, die Verwundeten und Sterbenden, lagen buchstäblich wie die „Heringe" gepfercht. Aerzte und Lazarettgehilfen „wateten" müde bis zur äußersten Erschöpfung unter uns umher. Nachdem ich „ein Pflaster" in der Eile (wahrscheinlich um endlich das Blut zu stillen) erhalten hatte, fühlte ich mich wieder wohl, obgleich ich zuerst nicht gehen konnte." Liliencron erwähnt bescheiden nicht, daß er sich zunächst nicht festhalten ließ, sondern mit der Kugel int Leibe noch weiter kämpfen wollte, bis ihn eine tiefe Ohnmacht befiel. Seine Ungeduld und seine Sehnsucht nach weiterem Fechten waren so groß, daß er am späten Abend „einfach auskniff", und zwar in höchst seltsamer Bekleidung: er trug die Feldmütze eines gefallenen Füsiliers und dazu seidene Damenballschnhe, die er in dem Hänschen geftrnden hatte. „Mit dieser Kopfbedeckung und mit diesen Schuhen habe ich bis nach Königgrätz, allerdings zu Pferde, in den beiden nächsten Gefechten bei Schweinschädel und Gradlitz als Kompagnieführer aushalten müssen. Von meiner Kompagnie, die ich von nun an als ganz junger Sekondeleutnant während des aktiven Feldzuges führte, wurde ich mit vielen Hoch und Hurra empfangen und von meinen Soldaten, wie die alten merowingischen Könige, in die Höhe gehoben. Bald nach Königgrätz fing meine Wunde an, sehr schmerzhaft zu werden. Ich zeigte sie endlich unserem Oberstabsarzt. Der schlug die Hände überm Kops zusammen: „Menschenkind, um Gottes willen, man hat Ihnen ja ein Pechpflaster aufgeklebt (eine spanische Fliege) in der Eile!" Das Pflaster wurde schleunigst entfernt. Ich wurde regelrecht verbunden und bin ruhig an der Spitze meiner Kompagnie weitergeritten ins Feindesland hinein." Nach dem Kriege erhielt bann Liliencron die für einen Sekondeleutnant hohe Auszeichnung des Roten Adlerordens vierter Klasse mit Schwertern; sein Lebensretter Njmphius. bekam das Militärehrenzeichen erster Klasse.
vermischtes.
bk. Von allerhand Schmutzfinken. Es ist kein erfreuliches, wohl aber höchst wichtiges Kapitel, von dein der Kreisarzt Tr. Buschmann (Gnoien) unter dein Titel «Erfahrungen über die Körperpflege unseres Volkes und der Schuljugend nebst Vorschlägen ztl ihrer Hebung" in der «Klinisch-Therapeutischen Wochenschrift" erzählt, und über die persönlichen Erfahrungen, die er als Arzt, besonders in seiner amtlicheit Tätigkeit bei Schuluntersuchungen über die Reinlichkeit des Volkes gemacht hat, stehen einem förmlich die Haare zu Berge. Wie sieht es mit dem Sinn für Reinlichkeit bei tmserem Volke aus. Traurig, höchst traurig, so muß Dr. Buschmann feststellen: „Was man als Arzt an tage-, wachen-, ja monatelang angehäuftem und angetrocknetent Schmu!; aus den Körpern der Patienten zu sehen bekommt, spottet jeder Beschreibung. Nicht nur in den untersten Volksschichten, nein, auch in den gut bürgerlichen Kreisen ist der Sinn für die Reinhaltung des Körpers nicht entwickelt. Als ein Beispiel aus unzähligen Erfahrungen diene folgendes Gespräch mit einem Beamten, das ich kürzlich hatte: „Herr Doktor, in letzter Zeit geht es mir viel besser, aber ich gebrauche auch etwas, was mir nicht uoit anderer Seite verordnet wurde, sondern was ich mir selbst verordnet habe." Obivohl ich
den Herrn nur geiegentltch in Vertretung eines Kollegen behandelt hatte, war ich doch neugierig und fragte nach den: geheimnisvollen Mittel. „Ja, ich wasche mich täglich' ganz und gar ab." — „So, jetzt erst?" konnte ich mich nicht enthalten, zu antworten. Tr. Bufchmann meint, „es wird kein Fehler sein, daß hier einmal keine große Uebersicht über allgemein-deutsche Verhältnisse, sondern nur ein Ausschnitt nach Erfahrungen in der engeren Heimat, Mecklenburg, gegeben werden kann." Bei der Landbevölkerung ist nach seinen Beobachtungen die mangelnde Reinlichkeit des Körpers etwas so allgenteines, daß es kaum nötig ist, an Einzelheiten zu erinnern. „Ebensowenig, ivie die Verunreinigung des Körpers als etwas ungesundes eutpfunden wird, ebensowenig denlt man sich etwas bei der Verunreinigung der Wohnungen durch lllus- spllcken. Zuweilen muß sich der Arzt den Weg zu einem Lungenkranken durch einen kleinen See ausgespuckten Schleims suchen. Fußmatten habe ich öfters die Funktion von Epucknäpfeit übernehmen sehen. Seitdem ich auf meinem Hausflur einen Läufer habe, wird von den Patienten darauf ausgespuckt/wohl in der Annahme, daß er dazu da wäre, derartige Stoffe in sich aufzunehnten. Bekannt ist die Unsitte, das Sputum aus Stiefeljohle und Fußboden in inöglichst großer Fläche einzureiben und zu verteilen. Nach den ärztlichen Erfahrungen war es deit Medizinalbeamten kein ungewohnter Anblick, auch die Schuljugend in diesem Zustand der Vernachlässigung anzutreffen. Mit Leichtigkeit ließen sich in den städtischen sowohl ivie in den Landschulen etwa 30 bis 50 Proz. der Kinder bei ganz oberflächlicher Beobachtung als kaum gewaschen, mit Schmutzkrusten aus dem Kopf, an den Ohren und am Halse seststellen."
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* Rentable Vergeßlichkeit. Die trauernde Witwe! „'Ja, ja, mein Seliger! Der gute Manu war so vergeßlich, daß er niemals aus einem Restaurant herausgehen konnte, ohne drei bis vier Mäntel oder Regenschirme mitzunehmen."
* Konsultation. „Sagte Ihnen der Doktor, was Sie hätten?" „Nein, er nahm, was ich hatte, ohne es zu sagen."
* Man muß sich zu helfen wissen. Der Kellner, der den Herrn aus Leibeskräften auf seine kochende Suppe pusten sieht, eilt dienstfertig herbei: „Einen Moment, mein Herr, ich stelle den Ventilator sofort nach der Richtung Ihrer Suppe ein. . ." ________________
Viichertisch.
— „Licht und Schatte n" beginnt mit der dieswöchenk- l ich en Nr. 1 den vierten Jahrgang. Unter den Abbildungen finden wir in der ersten 'Nummer Arbeiten von Hans Meid, Fidus, Willi Geiger, G. Walter Rößner, Max Mayrshofer, Edouard Manet u. a. vertreten. Literarische Beiträge von Haus von Kahlenberg, Wilhelm Michel, Friedrich Wendel, K. I. Carlowitz, glndolf Leonhard und Arno Holz. Die hohe künstlerische Tendenz soll auch im neuen Jahrgang beibehalten werden.
— Nr. 52 der illustrierten Familien- und Modenzeitung „Häuslicher Ratgeber" (Hermann Hillger Verlag, Berlin W. 9 und Leipzig) bringt wieder einen ganzen Blütenstrauß von Neuerscheinungen auf den verschiedensten Interessengebieten. Neben den Schlußkapiteln der netten Geschichte in Briefen „Das Schreibmaschinenmädel" gibt es wieder Gedichte, Skizzen, Rätsel und Spiele, und auch der Humor ist wohlbedacht. Küche und Haus kommen mit ganz neuen Rezepten und Ratschlägen zu ihrem Recht. Das größte Interesse werben unsere Damen aber den neuen Herbstmoden entgegenbringen, die auf der großen, künstlerisch illustrierten doppelseitigen Modentafel so reichhaltig vertreten sind, daß unfern Damen die Wahl schwer werden wird.
Skat-Ausgabe.
Mittelhand erhält folgende Karten:
Sie spielt Grand ttnb verliert es, obwohl die übrigen Wenzel nicht in einer Hand stehen. Vorhand hatte 14 Augen weniger in ihren Karten als Hinterhand. Wie waren die Karten verteilt und wie wurde gespielt?
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung der Königspromenade in voriger Nummer ; Manch Kleinod, das von ihrer reichen Habe Tie Jugend himvarf auf der raschen Jagd, Hebt die Erinnerung, die treue Magd, Dem Alter auf als gold'ne Freudengabe.
Redaktion: K. N e u r a t h. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Uickversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen»


