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licknnaen mnb Jörg Metzler von Ballenberg. An die fürchterlichen «eiten des dreißigjährigen Krieges gemahnt uns ernst der Düs- berg bei Neckargemünd und der Otzberg, Lindenfels und Bense- heim und an die Raubkriege Ludwigs XIV. gar manches zer­störte Schloß. . , ,

Auch aus der ältesten Zeit finden sich mteressante Ueber- reste. Bon der Herrschaft der Römer und der hohen fAiltur dieses weltbezwingenden Volkes kündet der weltberühmte Bfahl- qraben und die sogenannte innere oder Mumlingslrme mit ihren Kastellen Der Pfahlgraben berührt den Odenwald auf der Strecke WalldürenMiltenberg, die beide Kastelle warm. Von Milten­berg bildet der Main die nasse Grenze bis GroA-Crotzenburg und nur an den Mündungen der aus dem Odenwald oder Spes­sart kommenden Gebirgsbäche smden sich hier Kastelle bei Trenn- furt, Wörth, Obernburg, Niedernberg/ Stockstadt und Seligen­stadt. Die Mümlingslinie zieht sich innerhalb des vom Pfahl­graben abgegrenzten Gebiets auf den Hochflächen auf dem rechten Ufer der Mümling hin und stellt eine Signallime dar. Bei Neckarburken beginnt diese innere Linie, dann folgen die Kastelle von Schlossau, Hesselbach, Würzberg, Eulbach, Vielbrunn Lützel­bach Nicht zu vergessen sind die römischen Steinmetzarbelten auf dem Felsberg, vor allem die bekannte Riesensäule, die auf der Flucht vor den einbrechenden Germanen verlassen wurden. Es find staunenswerte Werke der antiken Technik. Die nahe dem Fels­berg von Darmstadt nach Heidelberg führende Bergstraße ist eine alte Römerstraße. Aus vvrrömischer Zeit endlich sind die Ringwälle des Odenwalds zu erwähnen, die germanischen oder keltischen Ursprungs sind, so die Hainenburg ber Lichtenberg und die Wälle auf dem Heiligenberg bei Heidelberg und auf dem Eichelberg. Ansiedlungen und Gräber aus der Hollstadt­zeit finden sich im Wald vor Traisa bei Darmstadt.

Nicht nur der Sinn für Wissenschaft und Kilnst erfährt im Odenwald Anregung, sondern auch das Gemüt durch die Ro­mantik des Gebirges. Der Odenwald ist eine, uralte Kultus- stätte des germanischen Gottes Wotan. Auf diesen Kultus ist zweifellos die schönste aller romantischen Sagen zurückzusühren, die Rodensteinsage und die Mär vom Schnellertsgeist. lieber Fränkisch-Crumbach erheben sich im düsteren Fichtenwald die letzten Reste der Burg Rodenstein, ein Bild von landschaftlich hervor­ragender Schönheit. Wenig zu sehen ist noch von der Ruine Schnel- lerts bei Böllstein. Beide sind der Schauplatz der Sage vom wilden Jäger, vom Ritter Rodenstein, der, wenn dem deutschen Reiche Kriegsgefahr droht, nächtlich hinauszieht mit Lärm und Hundegebell und Peitschenknall, um seinem. Volke die Gefahr zu künden und seinem Kaiser zu Hilfe zu eilen. Dann ist des großen Nationalepos, des Nibelungenliedes, zu gedenken, das den Tod seines Helden Siegfried in den Odenwald verlegt. Jene Jagd, auf der Siegfried an einem Brunnen erschlagen ward, führte nach dem Lied in den Odenwald; nun streiten sich freilich zwei Stellen im Odenwald, der Schauplatz des Todes des hehrsten Helden der deutschen Sage zu sein, es gibt einen Siegfrieds- brunnen bei Hüttental im Tal der Marbach, südlich des Lärm­feuers, und einen andern bei Grasellenbach am Spessartskopf. Die Wahrscheinlichkeit, daß der Dichter des Nibelungenlieds die Gegend von Hüttental gekannt und geschildert hat, ist nicht von der Hand tzn weisen. An Ruinen und Schlösser knüpfen sich dann noch manche Lokalsagen, vom Ritter Georg von Franken­stein, vom Auerbacher Schloß, Ann-Else von Tannenberg usw.

Aus der kurzen Skizze ist wohl zu ersehen, daß es doch mancher­lei Sehenswertes im Odenwald gibt und daß sich der Besuch des Gebirges schon lohnt. Nur noch wenige Worte seien mir über die Geschichte des Gebiets vergönnt. Der Name Odenwald ist sehr alt, hat aber, was im Anschluß an die oben berührte Wotans­verehrung bemerkt fei, mit dem Namen Odin nicht das geringste zu tun, da dies die nordische, in Deutschland ganz unbekannte Bezeichnung des Gottes ist. Was Odenwald eigentlich bedeutet, darüber ist sich die Wissenschaft noch nicht einig. Die Bezeichf- nung Odenwald findet sich im Mittelalter vor allem für den südöstlichen Teil des Gebirges, die dem Main und Neckar benach­barten Landstrecken; das geht aus dem Bund derNeun Städte auf dem Odenwald" hervor, zu denen Amorbach, Miltenberg, Mos­bach und andere gehörten. Im Laufe der Zeit hat die Benennung Odenwald sich immer mehr nach Norden und Westen ausgedehnt, so daß auch jetzt die Bergstraße, der westliche Rand, mit dem das Gebirge steil zur Rheinebene abfällt, zum Odenwald zählt. Das Gebiet gehörte früher vielen Landesherren, den Grafen von Katzen­ellenbogen, die auf Lichtenberg saßen und deren Nachfolger die Landgrafen von Hessen wurden, den Grafen von_ Erbach und Wertheim, dem Kurfürsten von der Pfalz, dem Erzbistum Mainz und dem Bischof von Worms, daneben noch zahlreichen kleinen Herren war das Gebiet untertan, das zum Segen für jedermann von Napoleon I. an Hessen, Baden und Bayern gegeben wurde, um der Viel- und Kleinstaaterei ein Ende zu machen. Der weit­aus größte Teil des Odenwalds ist hessisch, er gehört zur Provinz Starkenburg. Im ganzen umfaßt er ein Gebiet von 2400 Quadrat­kilometern, indem er sich etwa 65 Kilometer in die Länge und 45 Kilometer in die Breite erstreckt.

Das ganze Gebiet ist leicht zu bereisen und zu durchwandern.

Mehrere Eisenbahnlinien vermitteln den Verkehr: Frankfurt DarmstadtHeidelberg, HeidelbergWürzburg, HeidelbergHerl«! bronn, Hanaubezw. DarmstadtEberbach, sowie einige Neben­bahnen, Postomnibus und Automobillinien bieten reichliche Ge­legenheit, das Gebirge nach allen Richtungen zu besuchen. Zum Wandern bietet sich die große Annehmlichkeit einer vom Odenwald­klub geschaffenen vorbildlichen und vortrefflich imstande gehaltenen Farbenmarkierung. Sie durchzieht in zahlreichen Linien das ganze Gebirge von Norden nach Süden tote von Osten nach Westen, und ermöglicht jedem, der noch so unbekannt in der Gegend ist, sich sicher Mrechtzufinden; keine Sehenswürdigkeit, kein landschaftlich hervorragender Punkt, der nicht auf markiertem Wege zu erreichen wäre! Die Verpflegung im Odenwald ist gut und billig, jeher kann 'feinen Ansprüchen je nach seinen Mitteln Rechnung tragen; vor allem kann, wer mit bescheidenen Mitteln auskommen muß, angemessene Unterkunft finden. Das Klima des Gebirges ist je nach der Lage verschieden; weist die Bergstraße, an der ein feuriger Wein wächst, Mandeln und Edelkastanien reifen, ein weiches, fast südliches Klima auf, zeichnen sich die höheren Lagen durch kräftige reine Lust aus, so daß jeder nach feinem individuellen Bedürfnis Befriedigung finden kann. Das gilt eben ganz allgemein: es wird jeder im Odenwald schon Genuß, Anregung und Erholung in hohem Maße finden!

Vernn Letztes.

"Eine Vendetta nach 38 Jahren. Einen neuen Beweis dafür, ivie tief das grausame Gesetz der Vendetta in der Volksseele des Sizilianers veranlert liegt und wie schwer es dem süditalienischen Volkstemperament wird, ein Verlangen nach Rache zu überwinden, liefert eine Tragödie, die sich in der Nacht vom letzten Samstag zum Sonntag in Palermo abfvielte. Am 18. Oktober 1873 war Salvatore Amoroso mit einigen feiner Brüder von dem Schwurgericht in Palernto zum Tode verurleilt ivorden. Seiner ausgezeichneten Führung während der Halt ver­dankte es der Veriirlellte, daß die Vollstreckung hinansgeschoben wurde, und als bald darauf das neue Strafgesetzbuch, das die Todes­strafe aufhob, zur Einführung kam, wandelte man die Strafe Amorosos in lebenslängliches Zuchthaus um. Durch einen weiteren Gnadenakt des Königs wurde später das Urteil auf 39 Jahre Zuchthaus und 3 Jahre Polizeiaufiicht ermäßigt und da sich Amo- roso in den folgenden 20 Jahren ein ausgezeichnetes Führungs­attest erwarb, wurde er am 10. April 1911 unter Erlassung einer Abbüßung der letzten 5 Jahre auf freien Fuß gesetzt. Als ge­brochener 66jähriger Mann, als stiller müder Greis, kehrte er zu seinen Angehörigen zurück, zwei Schlaganfälle traken den von feinem herben Schicksal Entkräftete». Er wohnte bei feinen Schwestern, die feit der Nerurteilcmg ihrer Brüder ein zurück­gezogenes Leben geführt halten und sich durch ihr bescheidenes und ordentliches Wesen die Zuneigung ihrer Nachbarn zu erwerben ge­wußt hatten. Tie Polizeiaufsicht Amorosos ergab immer wieder, daß er sich einwandfrei führte; die Polizeiberichte betonten dabei, daß auch abgesehen hiervon der erschütterte Gesundheitszustand und die Schwächlichkeit des alten Mannes alle Bedenken der Aufsichts­behörden ausfchließen müsse. Allnächtlich erfchien die mit der Ueberwachung der unter Polizeiaufsicht stehenden Personen beauf­tragte Polizeipatrouille vor deut Hause Amorosos, klopfte leise, worauf der Alte die Tür öffnete und damit zeigte, daß er zu Hause war. Am letzten SamStag ertönte in der Nacht das Klopfen lauter und gröber als sonst.Wer da ?"Die Runde".Hier bin ich", antwortete der alte Amoroso, öffnete, ein brennendes Licht in der Hand, die Tür, fah etivas aufblitzen, hörte Schüsse und sank dann, von 4 Kugeln in Herz und Lunge getroffen, tot zu Boden. Die beiden Mörder, die doppelläufige Gewehre getragen hatten, ver­schwanden in der Nacht. Nach allen Einzelheiten handelte es sich um eine alte Vendetta aus den Jugendtagen Amorosos: die 38 im Zuchthaus verbrachten Jahre und das traurige Schicksal des ge­brochenen alten Mannes hatten nicht genügt, das Racheverlangen der Feinde zu versöhnen.

* sDie kleine Schiebung. Johnnys Mama hat fest­gesetzt, daß für jeden Fleck auf dem Tischtuch 10 Cents Straf« gezahlt werden müssen. Eines Tages beobachtet sie, wie Johnny längere Zeit mit dem Finger auf dem Tisch Herumreibt.SM tust du denn da?" fragt sie.Ach, nichts," entgegnet er harm­los. ,Fch hab' nur aus zwei Flecken einen gemacht."

palindrom.

Bald unbequem, bald sehr erwünscht Komm' ich den Menschen, vorwärts gelesen. Liest du mich aber umgekehrt, Bezeichnet mein Name ein menschliches Wesen. Auflösung in nächster Nummer.

Auslösung des Arithmogriphs in voriger Nummer: Grog Eger - Ober Rebe Georg Eber Beere - Ero3 Eosegger Sego;

Georg Ebers.

Redaktion: I. V.: August Goetz. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Nniversitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen-