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Mus Minuten später war ein Page mit der Depesche aus dem Wege zur Poft. *
Gleichzeitig brachte der Bote die Telegramme Nor- deroogs und Beerenburgs nach Glossow.
Sofort gab der Graf seiner Tochter von dem Inhalt Kenntnis.
Papa, so leid es mir tut und so peinlich es ist, — Graf Norderoogs Kommen ist wirklich vollkommen zweck- los!"
„Ich habe ihm ausführlich geschrieben; wenn er dennoch den Versuch wagt, so ist das seine Sache, und ich möchte wohl, Eva, du wärst vernünftig."
„Erst noch eine Fragen Papa! War es gestern abend dein Ernst, als du mir sagtest, Hans Wilhelm dürfte dein Haus nicht mehr betreten?"
„Nein, mein Kind, ich habe mich gehen lassen. Frau von Moreths Verzweiflung hat mich erschüttert. Solange .Haies Wilhelm noch Offizier ist — lange wirds ja nicht rnehr dauern — kann ich ihm mein Haus nicht verschließen. Aber fühlen lassen will ichs ihn, wie ich über ihn denke!"
,,Ja, tu das, Papa!"
Erstaunt sieht der Graf seine Tochter an.
.Diese senkte den Blick und sagte leise:
„Vieleicht bessert er sich dann!"
Da lachte der Vater höhnisch auf:
„Der und bessern!"
Ein paar Tränen rinnen Eva die Wangen hinab.
„Mein Kind, das hilft alles nichts — du stehst am Scheidewege. Schonung wäre von meiner Seite Frevel und deshalb hoffe ich, du wirft eine schnelle und glückliche Wahl treffen."
Da richtete sich die Komtesse hoch auf.
„Niemals werde ich dem Grafen Norderoog meine Kano reichen, und.wenn er Reichskanzler würde!"
„Jedenfalls wirst du deine gute Erziehung dem Grafen gegenüber nicht vergessen!"
„Darum hab> keine Angst, Papa!"
„Das genügt mir sürs erste."
Am nächsten Tage holte Relendorff den Grafen Nor- Lerovg mit dem Wagen vom Bahnhof ab'.
Die Herren unterhielten sich des Kutschers wegen fran- Lösisch.
„Ich bin offen zu Ihnen gewesen, Graf Norderoog. So gern ich Sie als Schwiegersohn begrüßen würde, Sie Werden einen schweren Stand haben."
!„Was man erkämpft, ist einem doppelt wert."
„Und wenn sich unsere Hoffnungen nicht erfüllen?" — Der Diplomat sah mit gefurchter Stirn vor sich hin. ^Man muß Vertrauen zu sich selbst haben," sagte er dann.
„Das meine ich auch. Seien Sie nur nicht zu stür- urisch!"
„Meine Zeit ist gemessen, Graf. — Noch vor Neujahr mutz ich mein Beglaubig-nngsschreiben als Gesandter IN Buenos Aires überreichen."
„Ah — ich gratuliere!"
„Ich 'bitte, meine Mitteilungen vorläufig als vertraulich anzusehen. Auch kleineren Republiken gegenüber wird die Form streng bewahrt. Man hat zunächst erst angefragt, pb ich der dortigen Regierung angenehm bin, eine Antwort ist noch nicht eingelaufen."
„dtun —i Sie sagten schon — Formsache!"
Anfangs war ich sehr erfreut, einen selbständigen Posten zu erhalten; nun möchte ich wohl, ich "könnte in Deutsche land bleiben!"
Graf Relendorff schwieg. Was sollte er auch darauf antworten.
»Ja," fuhr der Diplomat fort, „da weih ich doch nicht recht, wie ich mich verhalten soll."
„In wenigen Tagen kommt der Oberleutnant von More th — ich habe Ihnen meine Meinung über den Offizier ausführlich mitgeteilt — zu seiner Mutter, die dort drüben wohnt. Ein Zusammentreffen wird sich nicht vermeiden lassen — offen gestanden, wünsche ich es sogar in Ihrem eigenen Interesse herbei, Graf. Das wird der entscheidende Moment sein."
Aber Norderoog wurde es doch recht schwül zumute. Ernstlich stieg ihm der Gedanke aus, ob er mit seiner Reise Nicht eine große Dummheit begangen. Da stand mit einem Waltz Eva Relendorff vor seinem geistigen Auge^ und seine
Pulse schlugen rascher. Nein, kämpfen wollte er, wie Liebs kämpft, zäh und ritterlich — einen Spieler würde er doch noch ansstechen können! Er begriff nicht, wie er auch nur einen Moment hatte zaghaft sein können.
Im Salon empfing ihn die Komtesse. —
„Ich habe Sie willkommen zu heißen, Graf Norderoog,^ Ihre Stimme klang verschleiert — müde.
Wer Diplomat zog stumm ihre Hand an seine Lippen und dachte: „Sie richtet mit ihren Worten sehr geschickt eine Scheidewand auf zwischen mir und ihr."
Aber das machte ihm Eva von Relendorff nur noch begehrenswerter.
Fünftes Kapitel.
Das Leben ist eine Kette von Zufälligkeiten.
Als Hans-Wilhelm in das Regiment eintrat, wurde er mit offenen Armen ausgenommen, zählte doch sein Vater zu den stolzesten Erscheinungen der Regimentsgeschichte. Man sah in dem jungen Kürassier bereits den Kameraden, bevor er noch die Achselstücke trug. Gerade damals waren einige leichtsinnige Jungen im Offizierskorps, die bei jeder Gelegenheit knobelten und in ihren vier Wänden — um Ofsizierskasino war es natürlich streng verboten — tem- pelten. Hans-Wilhelm durfte sich zwar, solange er noch Untergebener war, an dem Glücksspiel nicht beteiligen, denn ein Offizier darf einem Fähnrich kein Geld abnehmen, aber zusehen war erlaubt — und mittrinken, auch machte der junge Moreth in seiner Harmlosigkeit oft ganz famose Witze. Und dem kribbelte es in allen Fingern! Wenn er die Goldstücke und Scheine hinüber und herüberwanderw sah, da wallte sein junges Blut begehrlich auf. Hätte nur einer ein einziges Mal gefragt: „Moreth, halten Sie mit?" wäre er sofort zu haben gewesen. Wer sah es denn in d-ew gemütlichen Leutnantsbuden?
Aber niemand forderte ihn auf. So mußte er sich begnügen, seinen Jammer, den er sich durch starkes Trinken und die schweren Zigarren holte, als einzigen .Gewinn! mit nach Hause zu tragen.
Dann wurde er auf die Kriegsschule kommandiert. Dort traf er mit mehr als hundert Alters- und Standesgenossen zusammen. Er hielt sich zu den Fähnrichen der Garde und einiger vornehmen Linientävallerieregimenter, die sich was besonderes einbildeten. Mit einem gewissen Bedauern sahen sie auf die „Fußfanteristen", die „Scharniere" (Pioniere), „Pulverjuden" (Artilleristen) und die „schwere Bombe," (Fuhartilleristen) herab.
(Fortsetzung folgt.)
Die Küche im Mrz.
Bon M. Burg.
Tie Monate März und April gelten int allgemeinen für die! Merschwierigsten für die Küche. Denn die alten WiuicrgeniL.se find teils anfgebraucht, teils ist nicht mehr die rechte Lust dazu vorhanden; auch die Kartoffeln bilden nicht mehr die gleich« Aushilfe als Gemüse wie in den Wintermonaten; junges Gemüss gibt es noch nicht, und das, was es gibt, grüne dünne, ioeiße bicks Spargel, französische Karotten, französischer Lattichfalat sind noch teuer. Teuer ist vielleicht auch noch der Spinat, der mit demj Sprossenkohl das eigentliche März- und Osterzeitgemüse 6i£b-et.! Da. müssen alle Gemüsekonserven, die uns Deutschlands Fabriken! in so tadelloser Beschaffenheit liefern, aushelfen; da Müssen die! Hausfrauen, um erwünschte Mannigfaltigkeit in der Speisen- zusaMmenstellung walten zu lassen, noch hin und wieder zu Hülsen- srüchten, zu Makaroni und Nudeln, zu Gerichten von Graupen, Reis und Hirse ihre Zuflucht nehmen; und vielleicht bekennt sich eine Hausfrau, die da meint, ohne tägliche Fleischportion i^rert Tisch nicht beschicken zu können, auch zu den guten Speisen, die wir der vegetarischen Küche danken: Gebackene Schnitten von, Haferoder Gerstflocken, Aufläufe von Graupen, Hirse oder Gries mit irgendwelchen pikanten Zutaten, z. B. Griesfpeise mit Käse. Nach einer dicklichen sättigenden Suppe, z. B. einer von Kartoffeln oder Hülsensrüchten, ist solch Gries-Äuflauf eine gute Nachspeise,, die! den Vorteil bietet, etwa vorhandene Käsereste von Schweizer- und ParMesankäfe zu veriverten. Man brennt in der Kasserole über kleinem Feuer 225—250 Gramm Msttelgries mit etwas Wasser, Salz, etwas Sahne und 90—100 Gramm Butter zu steifem! Brei ab, der sich von der Kasserole ablöst, schüttet ihn zuM Erkalten in eine Schüssel und mischt nach vollstäiidigem Abkühlen: 4—5 Eidotter, 200 GramM geriebenen Käse, etwas feingeriebene SemMel, Salz, geriebene Muskatnuß und zuletzt den steifge- Kagenen Schnee der Eüveiße dazu, füllt die Masse in eine mit' tter ausgestrichene, mit geriebener Semmel bestreute feuerfeste Auflaufform und läßt den Auflauf IVa Stunden im Ofen bei Mäßiger Hitz!« backem Menn kem Ofen M .Verfügung steht, W,


