Samstag, den 29. Juni
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Die von GrünLingen.
Roman von Freiherr von Schlich t.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
„Sie werden mitfahren, Komtesse, —- es lohnt sich doch gar nicht, mit mir darüber zu streiten, Das ist weder die Sache, noch meine Person wert. Nicht wahr?"
Sie hörte die grausame Ironie aus seinen Worten wohl heraus. „ , r
„Sie haben vollständig recht, Herr Baron, es lohnt sich nicht, deswegen zu widersprechen. Sie könnten sonst vielleicht wirklich glauben, ich hätte besondere Gründe, zu Hause zu bleiben —."
„Worin sollten die auch wohl bestehen, Komtesse. In meiner Person doch gewiß nicht." . >
„Absolut nicht." ,
„Das freut mich. Denn es hätte mich aufrichtig betrübt, wenn Sie plötzlich an meiner Gegenwart aus irgendwelchen Gründen Anstoß nehmen sollten. Wir haben uns ja bisher ausgezeichnet vertragen — und werden dies doch auch in Zukunft tun."
Sie antwortete nicht, sondern erhvb sich von ihrem Platz und trat auf Alexa zu: „Der Baron hat mich da auf einen Gedanken gebracht, den ich nicht zurücktveisen möchte, denn ich glaube wirklich, Herr Landrat, Sie haben recht Mit dem, was Sie vorhin sagten. Wer sich keine Mühe gibt, einen Sport kennen zu lernen, darf ihn auch nicht verdammen. Wenn Sie also gestatten, möchte ich wohl auch mitfahren."
„Aber Komtesse, von „gestatten" ist doch gar nicht die Rede! Ich freue mich aufrichtig, daß Sie sich beteiligen wollen."
Deutlich merkte man dem Landrat die Freude an der bevorstehenden Partie an. Bei Alexas Worten und ihrer Bitte, sie doch einmal abzuholen, hatte es so hell und freudig in seinen Augen aufgeleuchtet: er hatte ihreinen so dank- ersüllten Blick zu-geworfen, daß sie es fast bereute, ihm so entgeaengekommen zu sein. Mußte er nicht, daraus schließen, daß sie es sehr wohl bemertt hatte, wie er ihr gegenüber heute einen anderen Ton anschlug als sonst? Und Mußte er nicht aus ihrer Bitte, aus dem darrn enthaltenen Wunsch, wieder mit ihm zusammenzutreffen, schließen, daß sie mit feinem stummen Werben einverstanden war?
Für einen Augenblick wollte sie verlegen werden, dann aber kehrte ihr lustiger Uebermut zurück, sie mußte daran denken, wie sie gestern erklärt hatte: unter allen Umständen heiraten zu wollen, und wie der Vater ihren Namen und den des Landrats zusammengenannt hatte — —.
Wie schon so oft am heutigen Abend, ließ sie auch jetz. ihren Blick über den Landrat gleiten. Aber als sre die Augen wieder von ihür abwandte, sah sie den Baron.
Der stand an einem Stuhl gelehnt und betrachtete sie till. Fetzt umspielte ein heiteres Lächeln. Jemen Munv, und heimlich und verstohlen nickte er ihr aufmunternd zu, aP wollte er ihr sagen: nur Mick, wenn du den Mann nimmst, hast du alle Ursache, zufrieden zu fern! -<
Sie wußte: er hatte ihre Gedanken erraten, den Blick, mit dem sie den Landrat musterte, richtig verstanden. Und nun wurde sie doch wirKich verlegen und wandte sich errötend schnell den anderen zii. —>
IX.
Der Baron setzte seinen Namen mit einem kräftigen Federstrich unter die tauge Epistel, die er an S?an8 geschrieben hatte. Dann nahm er den Bogen zur Hand und überflog ihn nochmals:
Schloß Gründingen, den......< •' !
Sehr verehrter Herr Graf!
Haben Sie herzliche Dank für die vielen Briefe, die Sie mir in immer kürzer werdeiiden Zwischenräumen in den letzten vierzehn Tagen sandten. Ich fühle, es ^hnen ja vollständig nach, daß Sie am liebsten mit nur beständig telephonisch verbunden Wären, um mich (eben Augenblick fragen zu können: wie steht es?
Aber ich könnte Ihnen auch dann nur zur Antwort geben: es steht gar nicht, es liegt, und zwar rm argen. Welche Mühe habe ich mir nicht gegeben, die Frau Gräfin umzustimmen! Ich bin für den Bürgerstand mit allen Lanzen, die ich auftreiben konnte, in der Hand zum Turnier geritten, und jedesmal wurde ich in den Sand gestreckt, denn es gibt Mauern, die man Nicht'einrennen kann., Sre werden mir sagen: selbst die chinesische Malier sei gefallen! Aber vergessen Sie bitte nicht, daß die schon lange wackelte und daß ein einziger energischer Fußtritt Europas genügte, um sie umzuwerfen.
y Die Ansichten Ihrer sehr verehrten Frau Mutter sind aber starrer, als das Ebereschenholz meiner Lanzen, sie zersplitterten, mein Wissen machte keinen Eindruck, meine Reden hatten keinen Erfolg. Ich sage mit Absicht: es gibt keine Mühe, die es gibt, die ich mir nicht gab, um ^hneu zu helfen. Und wenn es das gäbe, so verdiente ich wirklich, in den bürgerlichen Adelsstand erhoben zu werden, - so warm habe ich die Vorzüge und die Taten des Bürgern standes gepriesen! Nicht nur Ihretwegen, sondern aus. vollster Ueberzeugung. .
Ich bekenne Ihnen mit der mir eigenen Offenherzigkeit, daß mein Wissen hier zu Ende ist. Sie sprachen einmal von einer hermetisch verschlossenen MLnoverkon- servenLüchse —i *— ich wußte oft daran denken, wenn meine schönsten Worte auch nicht den leisesten Eindruck auf die Frau Gräfin machten! '
uwei Möglichkeiten gibt es trotz alledem noch! DiS eine besteht darin, daß wir nicht von ement vereidigten Bückierrevisor, wohl aber von einem anerkannten Heraldiker den Stammbaum der Familie Ihres Fräulein Kraut darauf-


