Donnerstag den 29. Februar
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Glückslasten.
Koman von Hanns von ZobeltiK.
(Nachdruck verboten^
(Fortsetzung.)
Dodo hatte toieber schweigend gesessen, ganz! in ihre Ecke des kleinen Balkons gedrückt, der wie ein Schwalbennest der Hotelfassade angeklebt war.
Nun sprach sie plötzlich, leise und zärtlich: „Ich muß dir noch eins sagen, Signe . . ." Es klang heraus: ... ich Hoffe, es Hut dir nicht wehe."
Und sie griff nach Signes Hand: >,Elly schrieb heut so glücklich. Sie hat sich mit Viktor von Kaltenegg verlobt ..."
Nein, es tat nicht weh! Signe konnte gelassen entgegnen: „Das freut mich herzlich !" .Aber die Erinnerungs- sluten kamen doch Aber sie.
Als Dodo sch, daß die Schwester ruhig blieb, begann sie weiter zu erzählen: von der Seligkeit der Freundin und von den eigenen Hoffnungen. Was wohl Vater für ein Gesicht machen würde, und Mama wäre gewiß zuerst dagegen. Aber das täte nichts, gar nichts, schließlich würde sie doch ihren Kopf durchsetzen. „Ach, Sgine . . . Signe, ich hab ihn ja so lieb!"
Mit einem Male stand Signe auf. Sie küßte Dodo. Uber dann sagte sie: „Mich fröstelt . . . wir wollen zu Bett gehen." *
Schließlich brachen die Eltern den Aufenthalt in Neapel früher ab, als geplant war. Mutter setzte ihren Willen durch: sie erklärte, die Ausstattungssorgen raubten chr jede Ruhe. Wenn der Major sogleich zustimmte, so hatte er seine besonderen Gründe. Er spracht sich nicht darüber aus, aber sie merkten es alle: irgend etwas bedrückte ihn; erj hatte Verdruß, vielleicht Sorgen. Man reiste sogar ziemlich schnell heimwärts. Bis Rom fnhr der Prinz mit. Von hier aus kam er in kürzeren Etappen nach — so hatte es Signe gewollt. Sie pmpfand nach dem täglichen Beisammensein der letzten Wochen das Bedürfnis einer kurzen Trennung, mußte einmal wieder allein sein mit ihren Gedanken, ihre:: Empfindungen. Aber es kam noch etwas anderes! hinzu: sie sah die Wolken auf Vaters Stirn, und sie sah irgend ein Unwetter am Horizont. Das mußte ohne Bill abgemacht werden. Denn das hatte sie längst erkannt: so ausgesucht rücksichtsvoll er gegen jedes Glied ihrer Familie war, im Grunde blieben sie ihm Fremde. Höchstens, daß er mit Dodo einen verwandtschaftlichen Ton fand; int übrigen wollte er die letzte Schranke zwischen sich und den Ihren gar nicht fallen sehen. Das war manchmal schmerzlich, aber sie fand es begreiflich. Und seine streng korrekte Art machte es auch weniger empfindlich. Jedenfalls, man konnte sich damit abfinden.
Während der Reise suchte sie wiederholt die Gelegenheit einer Aussprache mit Vater. Er tat ihr so leid. Er war still und gedrückt und sah' an jedem Morgen aus, als ob kein Schlaf in seine Augen gekommen wäre.
Erst auf der letzten Strecke, von München aus, konnte sie ihn allein sprechen. Er hatte sich unter dem Vorwand, eine Zigarre rauchen zu wollen, in ein leeres Nachbarabteil gesetzt. Hier fand sie ihn: in eine Ecke gedrückt, die Augen geschlossen, ohne daß er schlief, die Zigarre ausgegangen im Mundwinkel. e
Sie setzte sich zu ihm, faßte seine Hände und bat.
Anfangs wollte er nicht mit der Sprache heraus. Dann fühlte er doch wohl das starke Bedürfnis, sein Herz zu
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Friedel hatte seine Mission gut erfüllt. Wer leine Nachrichten waren niederschmetternd: Hardi hatte nicht nur Unglück im Stall gehabt, er hatte gespielt und enorm verloren. Es liefen Wechsel von ihm in hohem Betrage. Friedel schrieb von einigen hunderttausend Mark. Mit seinem praktischen Verstände hatte er übrigens sofort em- gegriffen, wenigstens das Dringendste, allerlei Ehrenschulden, mit Hilfe seines Schwiegervaters aus der Welt geschafft. Das drückte Vater nun doppelt. Friedel mochte ja ganz richtig gehandelt haben; aber hätte er nicht warten können, bis er selber daheim war? Braunsteins Hilfe . ,. darauf hätte er lieber verzichten sollen.
Allmählich wurde Kater lebhafter.
Friedel hatte so hart geschrieben, geradezu Uiibarm- herzig. Der Bruder sei überhaupt in schlechte Gesellschaft geraten; am besten wäre es, er nähme den ^Abschied. Ganz zu übersehen sei seine Lage nicht, denn er wäre Nicht ehrlich und offen. Ein bitteres Wort; ,Hardi nicht chrlich und offen! Leichtsinnig mochte er sein. Bodenlos lÄchtfinmg. Wer nicht ehrlich und offen — das wollte Vater nicht in den Sinn; darunter litt er am meisten. ,
Und dann stöhnte er: „Siehst du, Signe, weim er doch nur bei seinem alten Regiment geblieben wäre! Ich war gleich gegen die Versetzung. Aber da war ja nichts zu wollen. Und so ist er in die Sportkreise hineingekommen und — solch schwankendes Rohr, wie er ist — hat sich nlM beherrscht. In dem alten Offizierkorps, da hätte ihn die Kameradschaft gehalten, da hätte man auf ihn aufgepaßt. In dem neuen Regiment blieb er ein Fremder, ging seins eigenen Wege — der arme Junge . - - „
„. . . das Geld! Das ist nicht das Schlimmste. Schließlich muß ich's ihm eben von seinem Erbteil abschreibem Wer — nicht ehrlich und offen! Das schmerzt—'
, . . Ueberhaupt das schreckliche Geld! Für Hardi hat's kein Glück gebracht. In kleinen Verhältnissen war er gewiß ein ordentlicher Mensch geblieben. Ein bißchen leicht war er wohl immer, aber wenn ihm der Daumen' aufs Auge gedrückt wurde, tat er doch gut. Sfit er aber wußte, er wird mal ein reicher Junge, seitdem ging's bergab. Und nun . . . nicht offen und ehrlich —"


