Ausgabe 
26.8.1912
 
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^ommerleutnsnts.

Roman von Walter Bloem.. Copyright 1910 by Grethlein & Co.

(Nachdruck verboten^ (Fortsetzung.)

Auch heute abend hatte er nicht engagieren to'ollen, aber ctl§ er nach Tisch Fräulein Nelly von Aassenbach eine ge­segnete Mahlzeit wünschte, hatte die ihm von selbst ihre Tanzkarte hingehalten.

Ich bin ein miserabler Tänzer, gnädiges Fräulein!" Schadet nichts wir werden plaudern!"

Nun der Bann gebrochen war, hätte er auch noch Frau von Brandeis engagiert Die Schar der übrigen Damen war ihm gleichgültig auch durste man die aktiven Herren Nicht berauben.

Aber der .Gedanke an den bevorstehenden Tanz hatte ihn doch mit einem gelinden Grauen erfüllt. . .

Nun war er da, der gefürchtete und doch ersehntä Augenblick. . .!

Also mit dem Tanzen ist es wirklich nichts, Herr Fro- benius?"

Sie würden wenig Freude an mir erleben!"

Aber so versuchen wir doch einmal!"

Und mit einem Ggsühl ehrfürchtiger Andacht legte er seine Hand um die schlanke, feste Gestalt des Mädchens . . .

Also los es ist ja nur 'ne Polka die werden Sie doch noch schaffen können!"

Alles drehte sich im Wirbel . . . aber er nahm all seine 'Kraft zusammen...

,Sehn Sie wohl geht ja blendend!"

Wahrhaftig, es ging wunderschön zwar Hören Und Sehen schwanden. . . nichts blieb als ein dumpfes Wi=t fühl des Rhythmus . . .

Eins, zwei, drei, vier eins, zwei, drei, vier

Das . . . und ein Strom von Glück und Rausch, der von dem straffen, lebenswarmen Mädchenkörper aus in alle Glieder des Gelehrten überströmte... in die Seele eines saft 'vierzigjährigen Knaben... t

Wenn nur nicht das Parkett so infam glatt gewesen wäre! Und daß man alle Augenblicke mit einem andern Paar karambolierte, war auch nicht gerade angenehm. . . äber er war ja so kurzsichtig. . . und alles wirbelte im 'Kreise ringsum... H

Na warten Sie nur, wenn Sie mich beim nächsten Walzer nicht zu, einer Extratour auffordern, dann werd' ich böse!" .

Auf einmal fühlte er, daß er den Hält verlor ... sein linker Fuß war ausgeglitten . . . die Wirbelsäule bekam von unten einen Stoß . . . knickte vornüber . . . der lange Körper verlor das Gleichgewicht... riß im Sturz die Tänzerin mit um . . . Im selben Augenblick stieß zum

Ueberflutz ein heranwirbelndes Paar wider die taumeln­den Leiber, und mit voller Wucht sausten beide lang in den «aal . . . Nelly hatte einen leisen Schreckens- und Schmer­zensschrei ausgestoßen, sie war im Sturz unten zu liegen gekommen ... die Röcke flogen zur Seite . . . fast bis zum Knie streckten die weißen Strümpfe sich vor. . .

Wie der Blitz war sie empor trotz eines heftigen Schmer­zes im linken Bein . . .

Herrgott stehn Sie doch bloß auf!"

.Ihr Tänzer saß in genau derselben Stellung, wie vor fünf Wochen im Froschtümpel, auf dem blanken Parkett inmitten des Gedränges der Paare, die jäh anhielten und die Gestrauchelten umdrängten...

Verworren, blöden Ausdrucks starrte er vor sich hin... die Brille war abgeflogen... er war so gut wie blind. . .

Stehn Sie doch auf. . . Donnerwetter nochmal!"

Und Nelly reichte ihm beide Hände hin... er griff zu wie ein Lappiges Baby. . . lieg sich emporziehen. . .

Herrgott nein mit Ihnen ist aber auch wahrhaftig gar nichts anzufangen!"

Mama Sassenbach raste wie eine Furie durch den Saal . . . Wo war ihr Mann? . . .

Natürlich der bekümmerte sich kein bißchen um seine Töchter. . . hatte sich irgendwo im Rauchzimmer festgekneipt!

Wahrhaftig, da saß er mit dem Oberstleutnant, dem Bezirkskommandeur, ein paar pensionierten Exzellenzen und Stabsoffizieren um einen Siphon Münchener.

Verzeihung, meine Herren! Moritz, komm, wir müssen nach Hause!"

Aber, Kind 's ist ja noch nicht mal Mitternacht!"

Einerlei wir müssen ! Nelly hat einen kleinen Unfall gehabt . . . Fuß verstaucht . . . einen Riß im Kleid . . . und außerdem"

Verflucht! Selbstverständlich ganz zu deiner Ver­fügung, liebste Amelie! Sie verzeihen, meine Herren!"

Die alten Herren schmunzelten.

Es kam feite»' vor, daß Frau Amelie von Sassenbach nicht aus irgendeinem Grunde vorzeitig zum Aufbruch blies und den Gatten vom Münchener wegschleifte . . .

Wutbebend berichtete Frau von Sassenbach ihrem Gatten.

Der fluchte:Das kommt davon, daß sich das-Mädel mit dem Landwehrfritzen eingelassen hat . . . den hätte sie doch wahrhaftig kennen socken! Wo steckt sie denn?"

Ist schon in der Garderobe sie konnte sich ja im Saal überhaupt nicht mehr sehen lassen in dem ruinierten Kleid

Und wo ist Molly.?"

Herrgott ja, Molly geh sie suchen, Moritz!" Und Moritz ging auf die Suche.

Ja, wo. war Molly? Im Gewühl der Tanzenden