Ausgabe 
26.2.1912
 
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Montag den 26. Februar

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Glückslasten.

Wontctn von Hanns von Zobeltitz.

(NaMrnck verboten,)

(Fortsetzung.)

Früher hatte sie sicht in guten Stunden, über heu leichten Flirt zwischen beiden amüsiert; in bösen, wenn sre Schmerzen hatte oder mißgelaunt war, Stachelworte da­rüber gehabt. Im Grunde war es ihr gleichgültig ge­wesen; sie besaß in mancher Beziehung bie, leichte ~e« bensaussassuug einer Herzogin vom Hose Ludwigs X\. und fand es ganz selbstverständlich, wenn sich zwischen eurem Prinzen Hoburg und einer hübschen jungen Hofdame eine kleine Tändelei anbahnte.

Aber Hoburg selbst? Wenn er eine Begegnung mit ihr suchte, dann hatte er den Weg in das Grand Hotel zu finden. Etwas anderes durfte nicht in Frage kommen.

Signe war entschlossen, nicht zur Fürstin zu gehen. Mindestens heut nicht. Später vielleicht wenn Ho- burg den Eltern seinen Besuch gemacht hatte.

Im Frühstückszimmer saß Vater schon beim' Tee Auch er hatte Post erhalten. Cdit ganzer Packen Briese jag vor ihm, neben Tasse und Teller.

Sonst stöhnte er nicht selten über die vielen Postsen- dunqen, über die Abrechnungen der Hausverwalter, die Briefe der Bank, seines Anwalts und all der anderen Menschlein und Institute, die ihm den Genuß des Reich- tums verbitterten. Heut schmunzelte er recht vergnügt. Er hatte einen Brief von Eberhard, der selten schrieb, Md dessen Episteln daher an sich hoch im Kurse standen. Es war aber auch etwas Angenehmes, was Hardi berichtete, er hatte gleich bei der Eröffnung der Rennsaison zwei statt­liche Preise erobert. Auch einen Zeitungsausschnitt hatte er beigelegt. Das schmeichelte Vater doch: den Aeltesten als erfolgreichen Herrenreiter zwischen den Matadoren des grünen Rasens genannt zu sehen.Der junge Garde-Dra­goner gewann das Adolf-Rennen in der höchsten Vollendung. Sein schnittigerHabalük" zeigte den Konkurrenten fast vom Start an die Eisen." ,

Mutter war noch nicht erschienen. So saß Signe mit dem Vater allein. , ,

Er sah noch einige Schreiben durch- brummelte dies, brummelte das, nahm ein Stückchen Hühnerleber mit Speck, am Rost gebraten, trank ein Schlückchen Tee. Endlich meinte er:Sag mal, Kind, wir sollten ja heut nach dem Lunch mit Braunstein nach der Villa . . . wie heißt das Ding doch. . Dora . . ."

Dora Pamphili Papa." . . , .

Meinetwegen. Die Dora hab ich fa behalten, und das genügt. Wieviel Stunden braucht man denn dazu.

Signe gab Auskunft. Aber sie dachte dabei mit Schrecken:Also wieder mit Braunstein zusammen! ^ch

muß ihm ausweichen!" Da fiel ihr die Einladung der Fürstin ein. Ihre Bedenken zerslatterten Sie bat hastig, sie zu dispensieren, erzählte von dem Briefe, übertrieb« ein wenig den leidenden Zustand der Greisin.

Schade!" meinte Vater.Es wird gewiß eine nette Partie. Was Braunstein vorschlägt, hat Hand und tfup. Ueberhaupt ein netter Kerl. Gewinnt, je naher man ihn kennen lernt, immer mehr." Er blinzelte. ein wenig ver­schmitzt zu der Tochter hinüber.Ich hatte ja auch so meine Vorurteile. Es ist eine andere Welt, diese Familie ja . . . aber alles was wahr ist: der Hartwig ist ein Pracht tiger Mensch. Aber du hörst wohl gar Nicht, Signe?

O ja sie hatte gehört. Jedes. Wort. Und jedes Wort brannte in ihrer Seele. Aber sie nickte nur haltig und bat noch einmal:Ihr habt gewiß nichts dagegen, wenn ich heute zur Fürstin gehe."

Vater machte ein etwas enttäuschtes Gesicht.. Aber er mochte auch nicht Nein sagen. Signe Hütte, wie immer, das richtige Gefühl; man war es der Fürstin schuldig.

Als Signe in den Salon der Fürstin trat, humpelte die alte Dame ihr am Krückstock entgegen. Slchtlich er­freut, herzlich fast.Signe . . . das ist einmal hübsch, daß Sie gleich kommen. Lassen Sie sich ansehen. Ausgezeich­net! Bißchen fatiguse um die Augen. Sie haben gewiß zu viel mitgemacht in dem Sodom nnu Gomorrha da oben", sie wies mit der Elfenbeinkrücke in die Richtung, wo sie sich Berlin dachte.Uebrigens angezogen . . . wie nennt mau das doch so wunderschön bei euch da vbeu , erneutes Ausstrecken des Stockeseinfach erstklassig. Leises spöttisches Lachen:Na, wenn ich so denke früher Ihre Fähnchen, liebe Signe! Ja, es wachst der Mensch. . . und nicht nur mit seinen höheren Zwecken. Aber wir wollen uns setzen. Bitte, rücken Sie mir nur den Sessel für mein elendes Piedestal etwas näher heran.

Dann war alles wie einst. Alles, als ob Signe noch die Hofdame Ihrer Hoheit wäre. Sie sollte unterhalten und wurde durch hundert kleine Bosheiten unterbrochen, die nun einmal >zum täglichen Brot der Fürstin gehörten, kleine harmlose Bosheiten, die sie ehedem oft arg geschmerzt hatten. Das war freilich vorbei: heut glitten die Pfeile von ihr ab. Sie konnte selbst dann lächeln, als die Fürstin das Lorgnon hob:Nja, Signe, wie alt sind Sie eigene lief)? Dreiundzwanzig . . . nun, das ist noch lung.Uber Sie müssen doch langsam an die Ehe denken. Die Manner lieben ja im allgemeinen nur 'die Rosenknospen. Eine törichte Gesellschaft. Nja . . . -ober sind Sie s o verständig, gar nicht heiraten zu wollen?" Wieder etu leises spöttisches Lacben.Sagen Sie nichts, meine Liebe. Die Wahrheit würden Sie mir doch nicht sagen. Das heißt, ich habe immer gedacht, ein Uebermaß von Herz hätten Sie nicht. Grad so zum Hausgebrauch mag's reichen . . /6

Dann war mit einem Male Hoburg da.