124
Staubbeutel zunächst in dis darnnterstchende, Schuppe, wo er vor Regen geschützt ist, sobald aber ein leiser Wend sich regt oder ein Vogel oder ein anderes Tier den Strauch erschüttert, wird der Blütenstaub frei und wird durch den Wind verstreut. Von den ungezählten tausenden von Pollenkörnern erreichen nnturlich nur wenige das ihnen bestimmte Ziel, die werbliche Blute. Die weiblichen Blüten sehen jungen Knospen zum verwechseln ähnlich. Es sind kleine, braunbeschuppte Knötchen, die an der Spitze ein Büschel karminroter Fäden tragen, nämlich die Narben, der Blüte. Zerschneidet nian eine solche Blüte, so erhält man einen Einblick in ihren feineren Bau. Unter vielen Schichten ineinander liegender Schuppen und Schüppchen sitzt ein kleiner, kugeliger Fruchtkuoten, der die roten Fäden trägt; jede Blüte ist außerdem von einem becherartigen Gebilde, einem Hochblatte, umschlossen, das später die hellgrüne „Manschette" der reifen Haselnuß bildet. Die weiblichen Haselblüten sitzen an den Spitzen der Triebe, was eine Sicherung gegen Selbstbestäubung ist. Selbstbestäubung kann bei der Sahlweide und anderen Kätzchenträgern, die „zweihäusig" sind, natürlich nicht Vorkommen, bei der Hasel aber ist sie möglich. Hasel und Sahlweide, eine windblütige und eine insektenblütige, kätzchentragende Pflanze, sind die beiden Typen unserer Kätzchentrager.
Bald nach Hasel und Sahlweide bringen auch die anderen Bäume und Sträucher ihrs Kätzchen zum Vorschein. Unmittelbar nach der Hasel erscheinen die anfangs dunkelroten, später gerben Kätzchen der Schwarz-srle, dann kommen die weißhaarigen Kätzchen der Zitterpappel, und in den ersten Frühlingsmonaten blühen dann nacheinander die der anderen Weidenarten, der Erlen, der Birken, der Eichett usw. auf, und bis in den Mai hinein kann man Kätzchen in unserer Pflanzenwelt finden. Eine besondere Erwähnung verdient die Pyramidenpappel, ein Baum, der bei uns seit etwa 170 Jahren heimisch ist. Die Pyramidenpappel blüht auch mit Kätzchen, aber bei ihr ist alle Liebesmühe umsonst. Die Pyramidenpappel gehört zu den zweihäusigen Kätzchenträgern. Bei der Einsühruug aus Italien sind in Deutschland nur männliche Päppeln angepflanzt "worden, und diese sind durch Stecklinge beinahe unbegrenzt vermehrt worden. Alle Pyramidenpappeln, die bei uns blühen, gehören dem männlichen Geschlechte an. Die weiblichen Pyramidenpäppeln sind in Deutschland nur in sehr geringer Anzahl vorhanden.
Vermischter.
* Flitterwochen i m Unterseeboot. Es ist natürlich die eigenartige Laune eines amerikanischen Millionärs, daß er seine Hochzeitsreise in einein Unterseeboot machen und seine Flitterwochen zmn Teil unterhalb des Meeresspiegels des Stillen Ozeans verbringen will. Der eigenartige Hochzeiter ist der Colonel Fleming, ein sehr reicher Mann, der mit einer nicht minder reichen Dame Edith Glover, der Tochter eines Chicagoer Glasiabrikanten, am 15. März in den Sland der heiligen Ehe treten wird. Er hat es sich mehr als v i e r Millionen M k. kosten lassen, um das e r st e Unterseeboot, das zum Vergnügen eines Privatmannes konstruiert wird, erbnneit zu lassen, denn bisher hatten die Millionäre sich mit Luxusyachten über dem Wasser begnügt und den großen 'Staaten das kostspielige Vorrecht überlassen, ihre Flotte mit Unterwasierschifsen auszurüsten. In der amerikanischen technischen Rundschan „The Engeneering World“ ivird dem Luxusunterseeboot des Colonels eine eingehende Besprechung gewidmet. Das Schiff, das den Namen „The Mysterious“ führt, hat einen Gehalt von 600 Tons und eine Mannschast von 15 Seeleuten. Außerdem werden sich neben Herrn und Frau Fleming noch ein Arzt, sechs Gäste, die die Hochzeitsreise mitmachen, ein Koch mit seinem Gehilsen, ein Haushoimeister, ein Kammerdiener, eine Kammersrau und ein Mädchen für alles an Bord befinden. Das Heim, in dem die jungen Ebeleute sich häuslich einrichteit iverden, besteht aus einem geräumigen Schlafzimmer, einem Eßraum, in dem bequem tüt acht Personen gedeckt iverben kann, einem Salon, Rauchziminer, Bibliothek, Badezimmer und Ankleideraiun. Die Gäste haben drei Schlafzimmer zur Verfügung, jedes mit Badezimmer. Kapitän und Arzt haben ihre eigenen Kabinen. „Der Geheimnisvolle" hat bereits in Oakland in Kalifornien die Taufe empfangen und durch kurze Fahrten seine Seetüchtigkeit bewiesen. Die Räume sind auf das luxuriöseste eingerichtet und besonders die Appartements des Ehepaares sind wahre Schmuckkästchen an Eleganz und mobernem Komfort. Auf nichts werden die Jungvermählten verzichten müssen, wenn sie am Abend ihrer Hochzeit in die kühlen Wogen des Meeres tauchen. Miß Glover, die eine große Musikfreundin ist, hat im Salon ihren Flügel, und auch ihre Geige und ihre Harfe wird sie mitnehmen, um musikalische Soireen unter Wasser zu veranstalten. Nim werden die Hochzeitsreisenden freilich nicht beständig die Tiefe des Meeres aus ihrer Fahrt aufsucheii, sondern das Schiff niacht, wie jedes Unterseeboot, einen großen Teil des Weges an der Oberfläche des Wassers; das Schiff hat einen viel geringeren Tieigang als die Unterseebote der Kriegsmarine, die sich nur wenig über das Wasser erheben. Die große und geräumige Koniinnndobrücke gewährt Raum für angenehme Spaziergänge. Auch die Schnelligkeit des Luxusfahrzeuges ist größer als gewöhnlich nnd alle Sicher- j heitsmaßregeln sind in umfassender Weise getroffen, um die Mög» I
lichkeit eines Unglückes völlig auszuschalten. „Der Geheimnisvolle" wird von San Francisco aus seine Reise antreten und zwar begibt er sich nach dem Golf von Monterey, wo der Colonel ein schönes Schloß und eine prachtvolle Besitzung sein eigen nennt. Miß Glover aber kann stolz versichern, daß sie eine Hochzeitsreise macht, wie feine ihrer Freundinnen, und es wird das Glück ihrer Flitterwochen erhöhen, wenn sie dem Kapitän den Befehl gibt, die Luken zu schließen und 25—30 Meter in die Tiefe hmabzutanchen. Dann kann sie sich in der tiefen Stille und Einsamkeit an den Flügel setzen und im strahlenden Lichte ihres Salons die Gäste zu einem intimen Konzert um sich vereinen.
kf. Der Thronvergolder. Alljährlich werden die Thronreden in den verschiedenen Parlamenten der monarchischen Staaten mit Spannung erwartet. Und auch ein ehrbarer Pariser Handwerker harrt mit Ungedulb der Ereignisse; denn die Eröffnung der Parlamente bringt ihm Arbeit: die Throne nehmen ihren Weg in seine Werkstatt. ‘ Die französischen Vergolder haben auf der Welt noch nicht ihresgleichen gefunden, und so müssen sich die Monarchen an das republikanische Frankreich wenden, um künstlerische Handwerker zu finden, die mit. angeborenem Geschmack eine geschickte Hand verbinden. In seiner Bescheidenheit hat der Thranvergvlder den Titel „Hoflieferant aller europäischer Monarchen" bisher ausgeschlagen.
kt. Z e h n Gebote für Fabrikarbeiter. Ein Londoner Fabrikant hat in seinen Werkstätten zehn Gebote ausgehängt, die an Lebensweisheit schwerlich übertroffen werden dürsten und die noch dazu eines hiimoristischen Beigeschmacks nicht entbehren: 1. Lüge nicht I Du stiehlst mir und dir Zeit. Und du fällst schließlich doch herein. 2. Habe die Arbeit im Auge und nicht die Uhr! Den langen Tag kürzt die Arbeit. Ist dein Tag jedoch kurz, so wird mein Gesicht lang. 3. Gib du mir mehr, als ich erwarte und ich gebe dir mehr, als du erivartest. Erhöhst du deine Arbeit, erhöhe ich deinen Lohn. 4. Schuldest dir selbst so viel, daß es für dich Luxus ist, der Schuldner anderer Leute zu sein. Bleibe frei von Schulden ober bleibe aus meinem Geschäftei 5. Eine ehrlose Tat ist nie ein Zufall. Gute Menschen sehen nie die Versuchung, wenn diese an sie herantritt. 6. Kümmere dich um deine Angelegenheiten und mit der Zeit wirst du ein eigenes Geschäft haben. 7. Befolge niemals einen Befehl, der deine Selbstachtung verletzt. Ein Arbeiter, der für mich stiehlt, wird auch von mir stehlen. 8. Die Nacht gehört dir. Ader wenn dein Nachtleben deine Arbeit am nächsten Tage beeinflußt und du nur die Hälfte von dem leistest, das ich hoffe, wirst du auch nur halb so lauge bleiben, wie du hoffst. 9. Erzähle nicht, was ich hören möchte, fonbern was ich hören sollte. Ich habe keinen Diener für meine Eitelkeiten, fonbern für mein Gelb. 10. Murre nicht, wenn ich table: Bist du inert, daß man dich bessern will, jo bist btt wert, daß man bich behält. Umsonst vergeude ich keine Zeit.
* Auf der richtigen Spur. „Ich glaube, endlich bett Grund gesunden zu haben, warum so viele junge Damen den Wintersport dem Tanzvergnügen vorziehen. — Nämlich — —" — „Pfui, Herr Oberleutnant! Von solchen Sachen spricht man nicht!" .„Muskete".
* Fatal. „Warum sind Sie denn bett ganzen Abend so melancholisch, Herr Amtsrichter?" — „Ach ich habe den Trauring in der Westentasche!" — „Na, und?" — „Wer in der Weste, die ich zu Hause meiner Frau zum Bügeln gegebett habe!" '
* Sie 'weiß Bescheid. Student: „Und dann — ich möchte jeden Tag um sechs Uhr geweckt werden." — „Morgens oder abends?"
* Au! „Was für prächtige Bogen der junge Mann dort auf dem Eise beschreibt!" — „Nun, er macht ja auch das ganze liebe Jahr nichts anderes." — „Wieso?" — „Weil er Bureaugehilfitz ist,"
Geographisches verschiebratsel.
Baden — Zürich — Wien — Bremen — China — Indien — Korea.
Vorstehende Namen sollen derart untereinander geschoben werden, daß eine Buchstabenreihe, von oben nach unten gelesen, den Namen eines Alpeupaffes ergibt.
Auslösung in nächster Nummer.
Auflösung der Skat-Ausgabe in voriger Nummer: Abkürzungen: tr ■— Treff, p — Pique, o — Coeur, ear — Carrean trB — Treff-Bube, pA — Pique-Aß, cD Coeur-Dame uff.
Mittelhand erhielt trA, trZ, trK, cA, earZ, carK, carD, car9, car8, car7, im Skat liegen pA und p7, Hinterhand hat den Rest. Das Spiel verläuft in folgender Weife:
1. B. trB 'SQL cA! H. c8.
2. V. cB M. carZ £>. pB — — 14.
3. H. carA V. cD M. ctir7.
4. V. tr9 911. trA H. trD — — 14.
Jetzt braucht Vorhand nichts mehr abzugeben; die Gegner erhielten also nur 28 Augen.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Steinbruderei, R. Lange, Gietzen.


