Ausgabe 
24.2.1912
 
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Samstag den 24. Kevruar

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Bioman von Hanns von ZobeltiA LNaMruck verboten.) ^stortsetzung.)

Der Umschlag in Signes Stimmung hielt an.

Es war wie ein leises Frohlocken: endlich einmal ein vernünftiger Mensch! Und etwas von der alten Eitelkeit war bgbet: für ihn will rch gern schön sein! Er soll, er muß mich wirklich schön finden. Schön wie-eine Hellenin, schön wie das Fischermädchen auf Lesbos. Als sie zum Lunch erschien, wußte sie: ich habe heut meinen besonders guten Tag, und sie freute sich darüber. Sie kam etwas. spät. Die Eltern standen mit dem Gast schon wartend- an dem kleinen Tisch, ganz am andern Ende des großen Saales. So mußte sie durch die langen Reihen der Tische gehen, und sie fühlte, wie alle Augen sich aus sie rich­teten. Wieder einmal ganz wie eine Fürstin schritt sie durch den Raum. Den feinen Kopf hoch, den Blick grad aus.

Man machte zum Lunch nicht besondere Toilette. Sie hatte auch nur ein Promenadenkleid gewählt, aber doch mit Bedacht. Der kurze Rock von kornblumenblauem Tuch schmiegte sich eng um ihre Gestalt; die blaue Seidenbluse mit den gelblichen Spitzen stand ihr besonders gut zur Gesichtsfarbe, zu der eigenartigen Färbung ihrer Haare, aus deren rotem Gold ein winzig kleiner Brillantkamm leuchtete. Leuchtete wie ihre Augen.

Und sie lächelte, als sie Braunstein die Hand reichte. Lächelte so liebenswürdig, daß die Schwester sie ganz er­staunt anblickte. Sie war so heiter während des Früh­stücks, daß ihre frohe Stimmung auch die andern mit fortriß. Eine ganze Weile noch, nachdem der Saal sich geleert hatte, saß man bei einem Glase Pommerh beisam­men, plauderte und lachte und plante für die nächste Zeit.

Man sah. sich oft in den kommenden Wochen. Ja, wenn die Eltern ihre Mreise nach Neapel bis über Ostern verschoben, so- war dazu weniger die Aussicht auf Roms berühmte Fastenfeier Veranlassung, als Braunsteins An­wesenheit. Er erwies sich in der Tat als der beste, der rücksichtsvollste, der vielseitigste Cicerone. Er machte Frau 'Ida die bilderreichste Galerie interessant; er führte Water in die kleinen Künstlerkneipen, ließ ihn beim Fede- linaro Frascati trinken und in der Antica Trattoria die berühmte Zuppa alla Marinara kosten; er hatte für Dodo allerlei kleine Artigkeiten. Aber er, der ihr in Berlin fast ausgewichen war, widmete sich im Grunde doch allein Signe.

Sie fühlte, sie wußte es. Aber sie freute sich dessen. Sie wiegte sich immer wieder in die gleiche Gewißheit: er verehrt dich, er bewundert dich, aber, er denkt nicht daran, itnt dich zu werben. Sie empfand im -Verkehr mit

ihm eine Sicherheit, wie sie gute Freundschaft gibt Seine Art, ihr zu huldigen, hatte etwas Unaufdringliches. Sie nannte es bei sich etwas Unpersönliches; manchmal reizte sie das sogar, ihn ein wenig herauszufordern. - Traf sie dann wieder auf seinen ein wenig scheuen Bftck der Bewunderung, so triumphierte sie und sagte sich nur:Er findet dich schön."

Es war eigentümlich: seit Braunstein in den kleinen Kreis getreten war, kamen sich die Schwestern wieder-näher. Dodo empfand, wie Signe ihre matte Herbheit abstreifte, wie sie wärmer und wärmer wurde, interessierter, zugäng­licher. Es kam wohl vor, daß sie, wenn Dodo am Schreib­tisch saß und einen ihrer langen Reisebriefe schrieb, manch­mal noch spät in der Nacht, plötzlich hinter sie trat, den Arm um sie legte und ihr die Lippen auf die Stirn preßte. Und wenn Dodo dann unwillkürlich die Hand schützend auf den Briefbogen legte, lächelnd sagte:Ohne Sorge, ich will deine süßen Geheimnisse gar nicht kennen. Nur ein bissel lieb wollt ich dich haben, wie früher." Und es kam auch vor, wenn Vater wieder einmal beim Morgen­tee Dodo einen der vielen Briefe hinüberschob, ein wenig brummend, ein wenig spöttelnd:Natürlich von deinen geliebten Neuleuten, Berlin C. . . .," daß Signe ihr heim­lich zunickte, recht herzlich, als wollte sie sagen:Geh du nur deinen Weg"

Man kam eines Abends ziemlich spät von einem Ausflug nach der Villa Hadrians zurück. Es war ein wonniger Frühjahrstag gewesen; recht ein römischer Früh­lingstag. Proviant hatte man mitgenommen, hatte auf den grasbewachsenen Stufen des Teatro greco Asti fpu- mante getrunken, während der blaue Himmel sich mähliche in dunkles Grün tauchte, von purpurnen Wolken durch­setzt. Dann war Braunstein, indessen die Eltern langsam zum Wagen vorausschlenderten, noch einmal mit den Schwestern durch die dunkle Zypressenallee zur Basilika gegangen. Die ragenden Mauern warfen schon lange Schat­ten, aber die untergehende Sonne umstrahlte die düsteren Ruinenwände wie mit Goldkränzen. Auf einen Säulen- stumpf war Signe getreten, bewegungslos fast stand sie, auch sie umstrahlt vom letzten Svnnenglanz. Den Hut hatte .sie abgenommen, und ihr Haar leuchtete, als habe -es ein eigenes Licht.

Braunstein hatte begeistert zu ihr emporgeschaut.

Er hatte den Schwestern noch einen kleinen Vortrag zugesagt. 9hut sagte er uichts als:Wunderbar"

Was denn, Dottore?" neckte Dodo.

Ein Gotteswunver"

Da sprang Signe herab und eilte lächelnd den berden voran.

*

Und nun saß Dodo mit heißen Wangen über einem Ber­liner Brief, den ihr unten der Portier eingehändigt hatte. Saß und las und schluchzte plötzlich laut auf.