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Das sollte ironisch Hingen, aber sie konnte ihre Furcht
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Ihnen die Tür öffnen, wie sich das für einen Kavalier einer Dame gegenüber gehört. Und zwar nichtnur diese eine, sondern auch drese — und drese — — "Ue drer Urrd
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nun sind alle offLr. - Der Weg ist frei, Komtesse. Und doch werden Sie das Zimmer nicht eher verlassen, ehe Sre mich nicht um Verzeihung gebeten haben. Daß es lange dauern wird, sehe ich voraus, — fassen Sre es deshalb bitte nicht als ein Zeichen vorr Unhöflichkeit auf, wenn rch rn- zwischen irgendein Buch zur Hand nehme." .
Er ließ sich irr einem bequemen Fauteuil meder und ergriff eines der auf dem Tisch umherliegenden Bucher.
Unbeweglich stand Dagmar da. ■ • Hätte er sre em- geschlossen, so hätte sie um Hilfe gerufen oder nach den Dienstboten geklingelt. Aber jetzt, da er alle Türen für sie geöffnet, konnte sie nicht gehen, das verbot rhr der Stola — sie mußte bleiben, wenn sre sich nrcht vor rhm demütigen und feige erscheinen wollte!
Die Angst, die sie vor ihm empfunden, war langst geschwunden; sie gestand cs sich nicht ein, daß er drese selbst von ihr genommen, dadurch, daß er rhr den Weg freimachte. c „ .
„Gestatten Sie, Komtesse, daß rch rauche?
Sie würdigte ihn keiner Antwort.
„Ich danke Jhnerr, Komtesse. Darf rch Ihnen auch eine Zigarette anbieten?" Und er hielt ihr das geöffnete
Etui hin.
Auch jetzt schwieg sie.
„Ganz wie Sie wollen, Komtesse. _ Aber ich mochte Ihnen doch wenigstens einen Stuhl anbieten. Das lange Stehen ermüdet, das weiß ich noch von meiner Dienstzert her. Wenn man da bei feierlichen Gelegenherten eine halbe Stunde und länger herumstehen mußte, dann war mau nachher gerädert und zerschlagen. Und Sie werden vrel- leicht Stunden hier stehen —,, ,
„Ich denke nicht daran," gab sre hochmütig zur Antwort. „Ich gehe, wenn es mir beliebt."
„Und warum- gehen Sie nicht jetzt?"
„Das ist doch wohl nur meine Sache."
„Was man so „meine Sache" nennt."
Er hatte ihr einen Stuhl hingeschoben, ging jetzt wieder auf seinen Platz zurück und nahm von neuem das Buch zur Hand.___ ,,
Sie sah: er las wirklich, er blätterte nrcht nur um, als wolle er dadurch seine Ruhe und Gleichgültigkeit beweisen, sondern er las Wort für Wort. Von Zeit zu Zeit streifte er die Asche seiner Zigarette ab oder zündete sich erne neue an. Um sie selbst kümmerte er sich absolut nicht, mit kernem Blick sah er nach ihr hin.
Und das reizte und empörte sie anfs neue, brachte ihr Blut in Wallung, ließ sie mit den Füßen auf den weichen Teppich stoßen. War er denn wirklich ihrer so sicher — wußte er denn so genau, daß sie nicht gehen würde —? Was hielt sie zurück? Sie maß die Entfernung bis zur Schwelle mit den Augen —, — höchstens fünf Schritt — dann war sie im Nebenzimmer.
Sie wollte gehen, er mußte die Niederlage erleben, wenn er sich umwandte, das Zirnmer leer zu finden!
Und sie machte leise einen Schritt zur Tür.
(Schluß folgt.)
Von Alexandria nach Achen.
Eine Luft- und Licht-Novelette.
Von P a u l >S ch e e r b a r t.
In Kairo war viel von einer englischen Luftschiffahrtsgesellschaft die Rede. Diese Gesellschaft wollte von Kairo aus Luftfahrten in die Wüste Sahara, nach Sizilien, Griechenland, Kleinasien und Palästina in großen lenkbaren Ballons veranstalten. Man hatte sogar die Idee, mit verschiedenen Ballons zu fahren — und regelmäßig — zunächst einmal in jedem Monat.
Aber es gelang doch nicht, die reichen Fremden in KanD so rasch von dem Werte derartiger Luftschifflinien zu überzeugen. Man wollte auch lieber auf dem Nil als über dem Nil fahren. Und auf die Pyramiden wollte man lieber mit Hilfe der Eingeborenen in alter Weise hinausklettern. Uiid so kam anfänglich nichts Rechtes zustande. 1
Doch endlich setzte es die englische Gesellschaft durch, daß
Ueber- Neue! Glän- reichen
eine Probefahrt mit 25 Passagieren von Alexandria nach Athen stattfand. Man wollte dabei Cypern, Kreta und unsere Keinen' griechischen Inseln überfliegen. ,
An Bord befand sich auch Mrs. Cartouche, eine reiche ameri-, kanische Witwe mit ihrer achtjährigen Tochter Adeline.
Mr. Adrian, der Architekt der englischen Luftschiffahrtgesellschaft, spielte bei den Damen den Mentor.
lieber Cypern sagte Mr. Adrian zu der Amerikanerin:
Meine Gnädige, Sie haben einen französischen Namen, sind echte'Ämerikanerin und sprechen nur deutsch. Derartiges kann man auch nur über Cypern erleben, wo im! Altertume Aegyter, PhvMier,- Assyrer unb Griechen abwechselnd oder zusammen das Szepter führten. Und ich bin eigentlich sehr ungeduldig, .
oben sitzen muß und nicht dort unten, wo man un Altertume ryprischen Wein trank, Lufthäfen bauen kann.
„Warum bauen Sie keinen Lufthafen da unten? fc^enafe weis die kleine Adelina, „Platz genug ist da doch. Sehen Sie nur: da unten zwischen den gelblichen Hügeln, r, r <
Mr. Adrian goß Rothwein aus dem alten Deutschland in die am Tischrande festgeknip'sten Gläser und lachte dann.
Mrs. Cartouche meinte: , . . , ,
„Kindern fällt es doch gar nicht leicht, bett Wert des Geldes zu begreifen." .
Mr. Adrian verbeugte sich und fragte. ,
„Ich bin gar nicht so ohne weiteres der Meinung, daß bet modernen Gründungen das Geld die Hauptrolle stfelt Für die Luftschiffahrt sind in den letzten Jahren 300 Millionen aus- gegeben und — auch noch mehr; ich weiß es nicht so genam m nTfn Iiilbt so unerreichbar, tote es den ersten
Das Geld ist also nicht fo. unerreichbar, tote es. den Blicken scheinen mag. Wichtiger ist eben nach meiner zeugung ein Anderes: die zündende neue ^bee! ams Das Blendende! Auch meine Lusthafen mußten etwas zendes haben, das ohne weiteres eine größere Anzahl von Leuten gefielet Dann würden meine Lufthäsen schon gebaut. Gteich- zeitig müßte das Neue — Glänzende • Blendende
ctucb nieder naseweis die kleine Adelina/
, mit"Glas — das ist blendend, glänzend und neu.
' , Es hat doch aber," rief Mrs. Cartouche, die Mama,,„kernen Zweck mit so kostspieligem Material statt mit Ziegelsteinen zu bauen. Die alten Assyrer bauten doch auch nur mit Ziegel-
stetnen/^ nid)it fo viel Geld!" sagte leise die Adelina.
Mr Adrian jedoch bemerkte mit tiefer Stimme:
, Es muß einen plausiblen Grund haben, wenn wir nur mü Glas' und Eisen wie bei den Bahnhofshallen der ^ampchahn bauen wollen. Ohne plausiblen Grund darf Man nicht zu neuen ^'^M^Adettna Cartouche sagte Mit blitzenden Augen:
,Das Glas blitzt — und wenn's viele Farben zeigt, steht s bittit' aus. Auch ist es in der Nacht durch elektrisches mäst leicht sichtbar zw machen."
Die Mama der Adelma bemerkte dazu. ,
Kinder sind wie die unkultivierten Völker — tote die kleinen Neger; die sreuen sich auch an allem Bunten — und an.blitzenden Steinen Darum will die Adelina auch nur das Glas haben, es ist auch sehr natürlich und echt kindlich, daß sie s gleich bunt Haien möchte - so wie bunte Lampions - nicht wahr, K^Adelina tonr ganz blaß geworden, sie sagte ästr nichts- Man trank Rheinwein und rauchte Zigaretten, echt ägyptische.
Und in eleganter Kurve umuhr das Luftschiff dw ^nstl Cypern und fuhr dann wieder nach Westen der Mel Kreta- VA _ hoch überm blauen Westmeer, tote die alten Assyrer das Mittel- ländstche M,eer uamiten ü6er Bord und kümmerte stch
scheinbar um Mr. Adrian und seine Frau ganz unb gar nicht.:
Tie Sonne stand ganz hoch und blitzte nun auf den Fluten tief unten im blauen Meere; die Blitze kamen hinauf bis zum Luftschiff und stachen der kleinen Adelina ins Auge.
„Welcher Unterschied," sagte sie laut zu sich selber, „ist denn zwischen Wasser unb' Glas? Das eine ist weich, bas andere ist hart. Blitzen tun alle beide."
Leise bemerkte Mr. Adrian zu Madame Cartouche:
„Die Kleine kann offenbar noch nicht Mer Gespräch vergessen Sie ist ein aufgewecktes' Kind. Man dürfte ihre Entwicklung eilt wenig hemmen. Es ist nicht gut, wenn Kinder zu früh über alles nachdenken. Dabei kommt selten etwas Guws heraus.
„Ich tue," erwiderte Mrs. Cartouche, „eigentliche gar nichts, dazu. Ich glaube, ich kümmere mich um mein Kind eher W wenig als zu viel." । ' ' ,
Am Abend toat man über Kreta. '
Die Sonne ging im Meere prachtvoll Unter mit allen Farben Makarts und des Regenbogens.
i Da wurde die kleine Adelma furchtbar erregt Sw faßte die -Hand ihrer Mama Und drückte fie ganz leidenschaftlich und rief immer wieder:
„Wonderful! Wonderfttl!" /
Das kant selten vor, daß sie so wie die kleinen amerikamsaM


