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Die Dame im Pelz.
.Roman von G. W. App le ton.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Das mag dahingestellt bleiben, erwiderte ich unerschrocken. Uebrigens will es mir scheinen, als ob umgekehrt Sie mich für sehr töricht hielten. Wenn Sie einen Anspruch an mich stellen, müssen Sie mir doch die Höhe desselben angeben; ich sollte meinen, das bedürfe doch gar keiner Frage. Wenn Ihr Gedächtnis aber vielleicht nicht ganz zuverlässig ist, so wird Ihre Gattin doch sicher wissen, wieviel Geld sie mitgehabt hat. Wie hoch belief sich der Betrag, gnädige Frau?
Obwohl die Baronin bis jetzt nur eine sehr nebensächliche Rolle gespielt hatte, so hatte sie sie doch recht schlecht gespielt. Ihre Verwirrung war sichtlich größer geworden, und als ich sie ansah und auf eine Antwort wartete, merkte ich zweifellos, daß sie sich dessen bewußt ivar und Todesangst vor den Folgen ihrer Ungeschicklichkeit hatte.
Ich habe wirklich nicht nachgesehen, sagte sie endlich. Ich hatte keinen Auftrag, es mit fortzunehmen, und weiß auch gar nicht, weshalb ich's eigentlich getan habe; denn es wär doch eine sehr gewagte Sache und darum sehr töricht von mir.
In diesem Moment kam mir ein neuer Gedanke.
Ganz recht, antwortete ich; zumal in so 'nem kleinen Handtäschchen, das Ihnen jedermann mit Leichtigkeit aus der Hand reißen konnte.
Ehe sie die finsteren Blicke des Barons davon abhalten konnten, war sie bereits auf den Leim gegangen.
Allerdings war das sehr, töricht und leichtsinnig. Immerhin war ich froh, daß ich ehrlichen Menschen in die Hände gefallen war.
Das waren Sie, gnädige Frau, erwiderte ich, während ich mich von meinem Sitz erhob. Für Ihre und des Barons Zwecke vielleicht etwas zu ehrlich. Ich kenne Sie zwar nicht, aber Ihre Aehnlichkeit mit Fräulein Garcia ist tatsächlich erstaunlich, und ich gratuliere Ihnen gleichfalls wegen Ihrer Geschicklichkeit im Briefschreiben. Wenn Sie mich freilich durch solche Machenschaften breitzuschlagen glaubten, so haben Sie sich schwer getäuscht. Keinen Pfennig werde ich Ihnen auszahlen lassen. Wenn Sie wollen, können Sie ja gerichtliche Hilfe in Anspruch nehmen. Ich selbst werde mich sofort cut die Polizei wenden und den ganzen Fall zur Anzeige bringen. Ich empfehle mich Ahnen.
Bei diesen Worten stieß ich Mortimer an, und wir Verließen beide das Zimmer.
Ich war kaum ein Dutzend Schritte auf dem Korridor begangen, als mich, jemänd leise auf die Schulter klopfte. Ach drehte mich um; es drückte mir jemand rasche ein
Papierchen in die Hand und wär im nächsten Moment durch eine Tür verschwunden. Ich öffnete den Zettel und las:
Mein Name ist Lucy Belton. Ich bin eine Freundin Fräulein Garcias und habe sie nach England begleitet. Ich fürchte, daß sie sich in Lebensgefahr befindet. Sie wird irgendwo in der Nähe der Hampsteäder Heide gefangen gehalten. Bitte, setzen Sie Himmel und Erbe in Bewegung, sie freizubekommen. Ich schreibe diese Zeilen, obwohl ich mein eigenes Leben dabei aufs Spiel setze.
14. Kapitel.
Marcella in Lebensgefahr! rief ich, indem mir die Worte fast in der Kehle stecken blieben. Da heißt es sofort ans Werk, und dieses Mädchen kann uns womöglich dabei behilflich sein. Wo ist der Dchreibsalon, Mortimer?
Mein Freund wies mir den Weg. Ich schrieb in größter Eile ein paar Zeilen an Lucy Belton, gab ihr meine Adresse au imb bat sie, sobald wie möglich mit mir in nähere Verbindung zu treten, ihr gleichzeitig die Versicherung gebend, daß ich inzwischen alles aufbieten würde, ihre Herrin zu befreien. Mit diesem Briefchen ging ich 'wieder die Treppe hinauf und traf auf dem Flur zu allem Glück ein Zimmermädchen. Ich drückte ihr verstohlen das Papier nebst einem Sovereign in die Hand und flüsterte ihr zu, sie möchte es der Begleiterin der Baronin von Eißen geschickt zustecken. Das Mädchen sah mich verständnisvoll an und versprach mir, meine Bitte zu erfüllen. Dann begab ich mich schnell hinunter, wo Mortimer in der Vorhalle auf mich wartete.
Nun geschwind nach Scotland Dard! sagte ich, indem ich eine Droschke herbeiwinkte.
In Charing Croß hielten wir indessen erst an, damit Mortimer an den Notar telegraphieren konnte, daß wir die Dame nicht als meinen Gast erkannt hätten und die ganze Sache auf Schwindel beruhe. Fünf Minuten später kamen wir bereits im Hauptpolizeiamt an. Inspektor Beale war, weil er nuf uns gewartet hatte, noch im 'Bureau und nahm uns sofort an.
Nun, sagte er, Sie bringen mir gewiß wichtige Rach-i richten. Ich kann's Ihnen an den Gesichtern ausehen.
Allerdings, antwortete ich, und zwar sehr ernste, und erzählte ihm gleich den Verlauf unseres Interviews.
So ist's bei dieser Gesellschaft stets, meinte er, als ich geendigt hatte; wenn man ihnen gegenübertritt, sind sie immer verwirrt. Aber, was zum Teufel, mag mit der jungen Dame passiert sein?
"Das dicke Ende habe ich hier erst, erwiderte ich. Lesen Sie dies mal; der Zettel ist mir von dem Mädchen selbst zugesteckt worden.
Das sieht wahrhaftig ernst aus, versetzte er, nachdem er die kurze Notiz gelesen hatte. Das läßt die Sache in einem ganz neuen Licht erscheinen. Die werden sich hüten, noch einen zweiten Versuch zur Erlangung der zehntausend Pfund zu machen. Sie brauchten nur -etwas Betriebskapital.


