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2) Heidnische Götter. Götzinger Reallexikon der deutschen Altertümer, Leipzig 1885, Seite 324.
8) Wer näheres darüber hören möchte, der sei auf meinen Aufsatz in den Lauterbacher Geschichtsblättern, Heft 8/9, auch auf die Schlitzer Festschrift, Seite 6 ff., verwiesen.
Man hat von dem alten Flußnamen S l i t i s a (Slitisaha = das gleitende Wasser) (vgl. Schlitten) einen Schluß ziehen wollen auf das Alter der Ansiedelung an der Schlitz, natürlich mit Unrecht. Ohne Zweifel ist, wie die anderwärts die Kirchgründung 812 der eigentliche Anlaß zu der Siedeln ng an der Schlitz gewesen.
wttgab: -„die Tempel der Heiden nicht' zu zerstören, sondern mit Weihwasser zu besprengen und in christliche Kirchen zu verwandeln, damit das Volk an den durch lange Gewohnheit geheiligten Orten desto lieber und eher an den Dienst des wahren Gottes sich gewöhne. . . An den Festtagen der Heiligen möge das Volk rund um die Kirchen, die einst heidnische Tempel JWAJ” Zelten aus Baumzweigen sich lagern und in gewohnter Werse Trere schlachten Und verzehren, aber unter Anrufung Gottes Und nrcht mehr der Teufel."?)
Es war im Jahre 742, als Bonifatius von Fritzlar wus fernen Schüler Sturmius in diese Gegend sandte, in der Wildnis einen für eine Klostergründung geeigneten Ort zu suchen. Die Wildnis muß noch sehr groß gewesen sein, denn zweimal kehrt Siurmms unverrichteter Dinge zurück. Das dritte Mal findet er nach einigen Kreuz- und Querfahrten (wohl auch durchs Schlitztal) den Ort, wo heute Fulda steht, ohne zu wisserr, daß am selben Fleck ein untergegangenes Pfahlbauerdorf unter der Lehmschicht ruht. Dort errichtete er mit 7 Gefährten im Januar 744 nun Um ein Kreuz die ersten Hütten, den Anfang des Klosters Fulda, das bis zur Reformation nicht nur der religiöse, sondern auch der kulturelle Mittelpunkt der ganzen Gegend gewesen ist. Der Grund zu dem gewaltigen Aufschwung dieser Klostergründung des Bonifatius, die aus 8 Hütten zu einem gewaltigen Reichsfürstentum wurde, dessen Fürstabt zur Rechten des Kaisers saß, sind die Gebeine des Bonisatius, die nach seinem Wunsche dort beigesetzt wurden. Nicht dem Kloster, sondern dem Bonifatius schentten Kaiser und Könige, Fürsten, Bischöfe, Edelleute, Grafen, Bürger und Bauern ihre Güter Und das Eigentum, um durch die Fürsprache des Heiligen den Himmel zu erlangen. Prächtige Stiftskirchen, ausgeschmückt durch die Gaben der Wallfahrer entstehen über seinem Grab, Fulda, von den fränkischen Kaisern bevorzugt, denen das Ansehen des Bonifatius zur Krone verhalf, wird durch seinen Abt die diplomatische Schule des Kaiserhofs, durch Rhabanus die deutsche Gelehrtenschule und durch Ratgarius die Hochschule der deutschen Baukunst.
Der Klosterbaumeister und spätere Abt R a t g a r,- der erste bekannte große deutsche Baumeister, der in 9 Jahren 5 Kirchen bezw. 'ganze Probsteien baute, so, daß er einen Aufruhr der Mönche heraufbeschwor, ist auch der Erbauer der ältesten Schlitzer Kirche. Daß man die erste bedeutendere Kirche außerhalb von Fuldas nächster Umgebung gerade auf den entlegenen Schlitzberg baute, während z. B. Lüder und Schlirf, die Orte späterer Kirchbauten, näher lagen, mag vielleicht in der Bedeutung der dortigen heidnischen Kultstätte, wahrscheinlich eines Hulden- Heiligtums, begründet sein.
Dafür, daß dort ein Holleheiligtum war, das durch diese 'Kirchgründung beseitigt wurde, spricht auch die Tatsache, daß die alte Kirche der hl. Margarethe geweiht wurde, deren Bedeutung als Beschützerin der Mütter und Kinder, selbst deren Schlangenbeizeichen der heidnischen Frau Holle vollkommen entsprach?)
Die älteste Schlitzer Kirche war eine Basilika (ohne Turm natürlich) mit 3 Pfeilerpaaren, einem Haupt- und 2 Seitenschiffen und einer Apsis'. Auf meine Anregung wurden am 19. März 1912 in Gegenwart des Großh. Denkmalspflegers für Oberhessen die Fundamente der Pfeiler in der Kirche ausgegraben, so daß meine Vermutung, daß die Grnndmauern an dem ältesten Teil, zwischen Chor und Turm, deren abstechende Quaderung sosort auffällt, sich bis heute erhalten haben, sehr an Wahrscheinlichkeit gewinnt.
Schon sehr frühe urkundlich erstmalig um 1100 taucht das adlige Geschlecht auf, das von Schlitz seinen Namen trägt. Es sind höchstwahrscheinlich die Nachkommen des Chatten- hauptlmgs, der einst als fuldischer Vogt mit der Gerichtsbarkeit und dem Schutze von Kirche und Priester betraut wurde. Seist Hof, die spätere Burg, lag wohl neben der des Erzpriesters auf dem Berg, nicht weit von dem Brunnen, der heute noch in der Vorderburg zu sehen ist. Daraus entstand die Vorder- burg, in der heute noch die Reste eines- uralten, viereckigen Bergfrieds eingemauert sind, während der runde Berg- fned der H interbnrg aus romanischer Zeit zur Rückendeckung erbaut wurde. Eine dritte Burg, die Wasserbirrg Niederschlitz, lag im Tal an der Schlitz, jenseits des Bahnhofs. Sie wardst in den Fulder Sttstsfehden laut einer alten Chronik von Fürstabt Berthold II. zerstört: „12 61 ist der Burgscheidel zerstört worden von einem Apt aus Fuld, Par- tvlomäus genand,' ein Edelmann gebirtig von Leybels bei Fürsteneck mit namen Finger hu t." Letzteres war sein Spottname wegen seiner untersetzten Gestalt. Er wurde 10 Jahre später von seinen Feinden während der Messe am Altar erschlagen. Abt Berthold I., f 1134, war ein Herr von Schlitz. Er zog 1133 mit Kaiser Lothar in Rom ein und war als erster Erzkanzler der Kaiserin.
Burg, Stadtund Gericht Schlitz gehörten von jeher als fuldisches Lehen zusammen. Wann Schlitz Stadt rechte erhielt, ist nicht mehr festzustellen. Die älteste Stadtburg scheint durch das Dreieck Borderburg-Hinterburg-Ottoburg begrenzt gewesen zu fein, denn die erst im 17. Jahrhundert er-. haute heutige Ottoburg steht auf den Grwrdmauern einer alten Befestigung. Bei den .Wasserleitungsarbeiten wurden die Reste unterirdischer .Gänge angeschnitten, welche diese drei Burgen verbanden.
Es Würde zu weit führen, all die Fehden anzuführen, welche im fehdereichen Mittelalter in und um Schlitz ausgefochten mürben.
Zur Baugeschichte der Kirche sei erwähnt, daß in spät- romanischer Zeit (um 1250) die alte Basilika durch die prächtigen romanischen Teile erweitert wurde, die wir heute noch an der ehrwürdigen Schlitzer Kirche erkennen. Es sind dies: Chorquadrat mit Seitenkapellen (St. Cruois und St. Barbara) und Apsis, Turm (dessen 8 romanische zweigeteilte Fenster von innen noch wahrzunehmen sind) und Westportal, das durch zwei Wände in der Breite des Turmes mit diesem verbunden war.-
Die Herren von Schlitz, deren Wappen (zwei gesinnte schwarze Schrägrechtsbalken in silbernem Feld) sich erstmalig urkundlich auf dem bei Schannat (Buchonia, S. 376) abgebildeten Grabstein des Simon laicus de Slitise 117 0 findet^ teilten sich im 13. und 14. Jahrhundert in mehrere Linien: von Heußenstamm, Hohenberg, Blankenwald, Steinau und Görtz, die im Lause des Mittelalters bis auf die bedeutendste Linie von Görtz wieder ausstarben. Seitdem tragen die Herren von Schlitz den Beinamen „genannt von Gör tz".
1418 beurkunden die Herren von Schlitz den Bürgern von Schlitz „alle alt gewunheit, recht und freyheit", welches alte Stadtweistum die Annahme gestattet, daß Schlitz bereits im 14. Jahrhundert Stadtrechte erlangte.
1498 schließen die Herren von Schlitz den ersten Burgfrieden, der die Besitzverhältnisse an Burgen und Gericht regelt,- seit 1494 sind sie im Besitz der Erbmarschallenwürdck der Fürstabtei Fulda.
In gotischer Zeit (1250—1520) erhielt die K i r ch e den spitzen Turmhelm, das 'Südportal mit Vorhalle (1505), während man die alten Pfeiler der Basilika in jener Zeit entfernt haben muß und durch Aufbauen der Seitenwände zwischen Chor und Turm ein mit gotischen Fenstern versehenes Querschiff herstellte, dessen Dachhängewerk z. T. noch erhalten ist. Diese Gestalt der Kirche zeigt noch ein Stadtbild von Meißner von 1624.
Da das Pfarrbesetzungsrecht noch in Händen Fuldas lag, war die Einführung der Reformation mit Schwierigkeiten verbunden. Junker Werner von Schlitz war der erste, der mit de,m greifen Pfarrer Heinrich Neun sich der Reformation' zuwandte und sie ohne Einspruch Fuldas, das damals zum größten Teil selbst evangelisch war, in Schlitz einführte. 1563 erhielt Erbmarschall Eustachius von Schlitz, wegen seiner Verdienste vom Fürstabt die Kollatur, d. h. das Pfarrbesetzungsrecht, worauf die Reformation im ganzen Schlitzerlande emge- führt wurde. , c _ .,,
Aus jener Zeit stammt der Renaissancegrebel auf der Sud- Vorhalle mit der Inschrift: Quisquis es, intra Soins hic et unus Christus per Christum ad Christi laustem praedicatur. (Wer du auch bist, trete ein, hier wird einzig und allein Christus, durch Christum zu.Christi Lobe verkündigt.)
Doch bald wehte von Fulda ein anderer Wind. Der erste wißglückte Versuch, das Schlitzerland wieder mit Gewalt katholtsch zu machen, war 1604 auf 1605. 1612 trat Freiherr Wilhelm Balthasar von Schlitz als Senior öffentlich zum evangelischen Glauben über. Dann kaur ^der 3 0 jähri g e K r i e g,- in welchem Abt Johann Bernhard mit Hilfe Tülyscher Soldaten die evangelischen Pfarrer im Schlitzerland entsetzte und die Evangelischen aufs Schwerste bedrückte. Drei Jahre lang leisteten die Schlitzer heldenmütigen Widerstand, doch toten ihnen
Zusammen mit der Nachricht von der Meiste der Schlitzer Kirche im Jahre 812 ist in abweichender UeBerlieferung bei ' nuat (Buchonia), Dronke (Trad. Fuld.) und Pisto- ______ (Trad. Fuld.) die Markbeschreibung der Schlitzer Kirche erhalten. Es würde soweit führen, das Verhältnis dieser drei Uefiertiefernngen hier textkritisch zu beleuchten. Es sei nur angegeben, daß die Grenze sich in den verschiedenen Jahrhunderten verändert hat, daß der Sprengel der Schlitzer Mutterkirche einst bis in die Alsfelder Gegend, bis ins Knüllgebirge (Schwarzenborn) und bis in die Herbsteiner Gegend ging, und daß in diesen Urkunden, deren Original unstreitig bis 812 zurück- geht, eine ganze Anzahl von Orten der Umgegend erstmalig Vorkommen. In Schlitz wohnte ein Erzpriester. Im Lauf der Jahrhunderte ist jedoch Schlitz durch fortgesetzte kirchliche Neugründungen der weiteren Umgebung, besonders aber durch Lauterbach kirchlich überflügelt worden.


