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„Das wohl. . . vierzehn Tage, uni das Offiziers- examen zu machen! — Aber dann — dann sind Sie wieder das Majorstöchterlein. . . und ich der simple Kommiß- knote. . ."
„Aber Sie kommen doch zum Frühjahr zur UebUng ins Regiment?!"
„Ach — im nächsten Frühjahr! . . . Das ist eine Ewigkeit —
„Herr Friesen, ich will Ihnen etwas anvertrauen: vielleicht sehen wir uns doch schon früher wieder — —, nämlich . . . das Mänöver ist doch tut Hunsrück .. . und — —"
In diesem Augenblick stürzte der Leutnant Carstanjen, der inzwischen auf der Bühne mit Fran von Brandeis und Nelly geschwatzt hatte, heran und rief: „Donnerwetter, Friesen — machen Sie doch los —!"
Zähneknirschend gab Hans Friesen das Klingelzeichen . . . und der Vorhang flog in die Höhe . . .
Alles klappte vortrefflich.
Zwar Martin Flambergs Malerauge stand Qualen aus, als er die Farbenzusammenstellungen an Kostümen und Dekorationen sah. . .
Leutnant Blowitz, der „für die Regie verantwortlich zeichnete", hatte sich törichterweise nicht entschließen können, die Unterstützung des doch im Regiment vorhandenen Malers heranzuziehen. Wozu von der Anerkennung der Vorgesetzten und ihrer Damen noch etwas auf einen Herrn fallen lassen, der in drei Wochen wieder nach Hause ging ...? Das konnte doch in der Familie bleiben. . . das konnte man ja selber verdienen. . .
Die Folgen waren schrecklich-.
Frau Cäcilie natürlich sah- so blendend schön ans, tote ihr Kostüm und ihre Frisur geschmackvoll und sachgemäß waren, aber die Majorsmädel in ihren roten und lila allegorischen Kostümen aus dem Maskenverleihf- geschäft, und vollends Leutnant Blowitz als „Krieg" in einer Rüstnng, die ein Mittelding zwischen einem mittelalterlichen Ritterharnisch und einem griechischen Heroen- panzer darstellte und aussah, als fei sie aus Trümmern von Konservenbüchsen zusammengenietet. . . geradezu schaudervoll!
Die Dekorationen zu den lebenden Bildern hatte ein kundiger Thebaner von Anstreichergehilfen, den Blowitz unter den Füsilieren der dritten Kompagnie ausfindig gemacht, nach dem Muster der berühmten Gemälde im Offizierkasino zusammengepinselt.
Vor diesen fragwürdigen Hintergrund hatte Blowitz die Lebenden Bilder gestellt, so gut er's verstand.
Er war nicht ungeschickt in solchen Veranstaltungen. In seinem früheren Regiment war er vereidigter Festarrangeur gewesen. . . und das hatte ihm den Rücken gesteift gegen die Versuchung, den Sachverständigen heranzuziehen, der zur Hand gewesen wäre.
Na, es ging auch so. Und jedenfalls — das Publikum war von der Leistung, die auf dem eigenen Holze des Regiments gewachsen war, vollkommen zufrieden- gestellt.
Und als schließlich im letzten Bilde die Gipsbüste Seiner Majestät erschien, von den flackernden und- knisternden Flammen zweier bengalischer Feuerwerks körper beiderseits angestrahlt, umgeben von einer Huldigungsgruppe von Soldaten und allegorischen Jungfrauen — da erhöben der General jtrtb der Oberst sich mit einem klirrenden Ruck von ihren Stühlen, die ganze Zuschauerschaft folgte, die Regimentsmusik schmetterte die Kaiserhymne, und in heller Begeisterung vermischten sich die hellen Stimmen der Damen mit den dröhnenden der Offiziere.
Dann tönte lauter Applaus . . . der Vorhang über dem lebenden Bilde öffitete sich zum zweiten Male . . . Und nun rief der General mit schallender Stimme in den Saal: „Seine Majestät, unser allergnädigster Herr — Hurra — Hurra — Hurra!" *
Die Fensterscheiben klirrten... die Damen winkten mit der Hand und schwenkten ihre weißen Schals . . . die Musik gab im Tusch das Letzte ihrer Lungenkraft her . . . es war ein Getöse, als solle der jüngste Tag anbrechen...
Und abermals dröhnender Applaus... die Darsteller verneigten sich . . .
Aus den Reihen der jüngeren Offiziere tönten laute Rufe: „Blowitz — Blowitz —!"
Die .Gruppe schob den „Krieg" in den Vordergrund...
er verneigte sich, hold errötend unter seiner Schminke immer und immer wieder...
In der Ecke hinter dem Vorhang! aber stand im Ordon- nanzanzuge der Festspielpoet... Um ihn kümmerte sich kein Mensch, selbst Molly von Sassenbach hatte ihn ganz vergessen...
Oder ob auch- sie das Gefühl hatte, daß es ein wenig stilwidrig wirken würde, wenn in diesem Augenblick ein Unterofsiziersrock uttd ein Paar „Porzellanbuchsen" itn Vordergründe des Bildes erschienen . . .?
Erst als nun der Vorhang zum letzten Male gefallen war und die Mitwirkenden in -glückseliger Erregung, froh des stolzen Gelingens, laut plauderiid und schwatzend in die als Garderobenräume eingerichteten Korridore abströmten, gewahrte -Molly plötzlich- den unglücklichen Einjährigen in seiner Ecke: „Herrgott — Sie haben wir ja ganz vergessen —! Na — das ist 'ne schöne Bescherung—l"
„Poetenlos — gnädiges Fräulein!"
„Na warten Sie — nachher wird der Oberst sicher mit Ihnen sprechen i— und dann — dann tanzen wir zusammen,- wir zwei — nicht wahr, Herr Friesen?!"
Aber Mollys Prophezeiung erfüllte sich nicht, wenigstens nicht in ihrem ersten Teil.
Zwar hatte Hans Friesen eine offizielle Einladung zum Fest bekommen. Er hatte heimlich gehofft, als Festspielpoet bei den Mitwirkenden des Abends seinen Platz zu finden.
Aber als er in den nun wieder hell erleuchteten Speisesaal trat, da kümmerte sich kein Mensch um ihn, und er drückte sich -eine Zeitlang, völlig unbeachtet, in der gräßlichsten Stimmung an den Wänden herum.
Als dann alles Platz nahm, wandte er sich in peinlicher Verlegenheit -an den -Vizefeldwebel, der den Dienst der Kllsinoordonnanzen beaufsichtigte, und fragte, wo ihm sein Platz angewiesen sei. Der -antwortete ganz kurz: „Da unten, bei die Avantageur!"
Und richtig! — Man hatte ihn chargenmäßig ganz unten am linken Huseisenende zwischen die blutjungen Fähnriche und Fahnenjunker gesetzt. . .
Diese jungen Herren fühlten sich- als zukünftige aktive Offiziere dem Einjährigen um mindestens ein Dutzend gesellschaftliche Nasenlängen voraus Und suchten ihü, den um fünf bis sechs Jahre älteren, von oben herab zu behandeln.
Allmählich -gewann Hans Friesen den Humor der Situation. —
Nun, wenigstens bei den Bürschchen rechts und links wollte er sich sobald als möglich in Respekt setzen und wartete nur "aus die erste passende Gelegenheit, um ein Exempel zu statuieren. . .
Inzwischen schaute er nach Molly um . . . Sie saß am selben Tisch, aber to-eit höher hinauf, zwischen den Leutnants Carstanjen und Quincke, die ihr natürlich- auf Mord und! Tod den Hof machten . . .
Ekelhaft, -dies verlebte, gelbe Gesicht des fatalen Quincke neben ihrem rosigen, preziösen Köpfchen . . . ihren apfelblütenfarbigen Schultern, die sich nun lockernd und schim- mertrd -aus dem rosa Ballsähnchen hoben . . .
Und jetzt — da ... sie hatte ihn erspäht, sie lächelte, sie hob unmerklich! das Glas ... Er auch! • . . Blick tauchte in Blick, eine Sekunde lang —-
Der -grünschnäblige Fähnrich von Berneck, kaum dem Kadettenkorps entschlüpft, siebzehn Fahre alt, hatte Friesens Blick bemerkt ... Er trug bereits das Portepee. . .-
„Nanu, mit wem flirten Sie denn so vernehmlich?"
„Ja . . . das möchten Sie wohl wissen! —' Hehe! Neid der besitzlosen Klasse, was . . .?! Na, halten Sie sich am Sekt schadlos! Prost, Herr von Berneck —!"
„Ich bin für Sie der Herr Fähnrich! von Berneck, Unteroffizier Friesen!"
„Ach so. Sie wollen den altern Kameraden 'rausbeißen," sagte Friesen Mit gewinnendem Lächeln, „na, bann lassen! Sie sich- sagen: -ein jeder blamiert sich, so gut er's versteht! — Nochmals: Prost, Herr von Berneck —,!"
Das Bürschchen wollte auff-ahren. . . Wer die roten Abfuhren auf Stirn und Wange des Einjährigen leuchteten so martialisch, und in den härmlos lächelnden Augen blitzte ein Licht, scharf und hielt tote eine nieder sausende Säbelklinge. -— Achselzuckend wandte der Herr Fähnrich! sich ab'.
Und Hans Friesen suchte und fand abermals Mollys Aug-e — Mollys Lächeln . . . (Fortsetzung folgt) ,


