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Mittwoch den 20. März ♦ ^4
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Eine Heldin.
Novelle von Max Karl Böttcher-Chemnitz.
(Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Arm in Arm schritten Hgns Jochen und Kathinka durch die Menge. Am Landungsplatz der Dampsboote verweilten sie. Soeben hatte ein Dampfer aus Küßnacht angelegt, und der bunte Strom der Reisenden flutete nun nach den Promenaden. r
Kaum war das Schiff entleert, so arbeitete sich langsam und unheimlich einer der schwarzen Kohlenleichter heran, Um dem Dampfer neue Speise zuzuführen.
„Das sieht unheimlich aus, nicht — Kleines?" fragte der Prinz.
„Wie ein Schiff des Hades."
„Oho — vom Hades wollen wir heute nichts wissen, r— höchstens wenn er uns mit Lethe tränkt," lachte Hans Jochen.
„Ach ja, — vergessen, alles vergessen und — lieben," stieß Kathinka mit glühender Leidenschaft hervor.
„In den Bergen zünden sie schon Liebesfackeln an. Schau nur, wie das dort am Stanzerhorn leuchtet und glüht, und links davon die Schneegipfel schimmern wie flüssiges Silber."
Am Kai herrschte ungeheures Gedränge. Nur mit Mühe fänden die beiden noch ein Plätzchen auf einer der vielen Promenadenbänke. Sie saßen ganz still und schauten über den See.
Da erschütterte ein Donnerschlag die Luft. Kathinka schrak zusammen und klammerte sich an des Prinzen Arm. Ein zweiter und dritter Schlag folgte.
„Das Zeichen zum Anfang der Festlichkeiten. Kanonenschläge aus schweizerischen Geschützen, die man drüben vor dem Museum aufgefahren hat," erklärte Hans Jochen.
Aus den Bergen kamen jetzt nach und nach grollend und rollend und dumpf verhallend die Echo wieder, — und mit einem Schlage schienen See und Ufer verzaubert. Hoch über dem Pilatus schwebte ein riesiges Feuerkreuz in der Luft, auf dem Stanzerhorn, am Bürgenstock, auf Rigi- Scheideck und Kaltbad, — in allen Tälern und auf allen Gipfeln flammte es auf. Das mußten mächtige Holzstöße sein, diese Freudenfeuer deb Sennen in Schwyz und Uri! —
Und nun die Stadt. — In tausend und abertausend elektrischen Flämmchen glühte und sprühte es an den Fassaden und Zinnen, die ganze Stadt schien ein Flammenmeer zu sein. lieber den See rauschten lampiongeschmückte Dampfer; aus allen Straßen und Gassen erscholl Musik und Trommelgewirbel, und die Scheinwerfer auf den flachen Dächern der Pensionen warfen ihre grellen Lichtkegel auf das bunte Treiben,
Hans Jochen und Kathinka hatten längst ihren Platz verlassen und sich unter das Menschengewimmel gemischt. Langsam wurden sie mit fortgedrängt, und unbeabsichtigt sahen sic so den Festzug, der vom Museum aus sich über die Seebrücke bewegte, dann durch den alten Teil Luzerns zog und am „Schweizerhof" wieder in den Kai mündete. Prinz und Hofdame standen mit anderen auf dem Fensterstock eines Schauladens und konnten so bequem über die Köpfe der Vorstehenden schauen.
Hans Jochen vermochte sich bei dieser Situation eines Lächelns nicht zu erwehren, und flüsterte Kathinka zu: „Wenn uns seine Exzellenz der Herr Oberhofmarschall so sähe, — oder Hollen."
Kathinka lachte herzlich auf. Ihr war so glückselig zu Mute, als müßte dies alles so sein, Seite art Seite 'mit dem Geliebten stehen, mit ihm Freude genießen in vollen Zügen. — Der Lichtstrom eines Scheinwerfers sprang durch die Straßen, suchend und tastend, und der Zufall wollte es, daß er eilte Minute sein magisches Licht voll auf Kathinka und Jochen ruhen ließ. Vieler Augen richteten sich auf das junge, schöne Paar. Die Hofdame wollte erschrocken herunter springen, aber der Erbprinz hielt sie lachend zurück:
„Bleib, Kähhi, bleib, — wir brauchen nicht lichtscheu zu fein."
Wieder das traute „Du", — wieder durchschauerte Kathinka ein wonniges, seliges Gefühl.
Und nun kam der Festzug.
Hans Jochen aber und Kathinka enteilten dem Gedränge.
„Nun kommt noch das Feuerwerk auf dem See, Kathi. — Wollen wir das vom Schweizerhof aus betrachten?"
„Wie sie wollen, Prinz."
„Ich schlage vor, wir suchen uns irgend ein stilles Plätzchen und beobachten von dort das Feuerwerk."
Der Erbprinz führte Kathinka in einen bescheidenen Biergarten am Kai. Sie waren fast die einzigen Gäste. Im Halbdunkel versteckt, übersahen sie doch den ganzen See, der jetzt in märchenhafter Feuerpracht erstrahlte. — Gegen elf Uhr ward es ruhiger. Der Biergarten füllte sich mit Gästen, so daß Hans Jochen für ratsamer hielt, sich jetzt zu entfernen.
Sie gingen nochmals am Ufer entlang, blieben hier und da stehen und lauschten dem Gewoge der Welleit. Kurz vor Mitternacht kehrten sie in das Hotel zurück.
Neuntes Kapitel.
Am Mittag des 2. August ließ sich Kammerherr von Hammer, der Begleiter der Prinzessin Clarissa zu N., bei den Fürstlichkeiten melden. — Er war ein alter, jovialen Herr von gewinnenden Formen. Nachdem er int Vorzimmer Herrn von Merkwitz seine Beglaubigtmgspapiere überreicht hatte, begann er mit einer Begeisterung von seinem Schützling zu erzählen, als sei er selbst der Vater der Prinzessiw,


