Ueberzeugnng meiner sämtlichen Vorgesetzten sowieso schon bin! Ich bin doch nicht in Trenenbrietzen geboren, sondern in der Weltstadt Berlin — in der Bülowstraße staub meine Wiege — ich bitte Sie: Bülow — merken Sie nun, daß ich „was gemerkt" habe? —",
Wie vorhin cm Hanch so war jetzt die Reihe an dem Baron, etwas verlegen zn werden. „Ich weiß wirklich nicht, worauf Sie anspielen."
„Daß Sie Dagmar lieben und sie heiraten wollen. So, nun wissen Sie es," rief Hans halb ärgerlich, halb lustig. „Wir sind doch keine Kinder, sondern erwachsene Männer, da brauchen wir uns doch, gegenseitig keine Komödie vorzuspielen, lind wenn Sie meine Schwester heiraten wollen, so bin ich bis zu einem gewissen Grade daran doch auch interessiert. Na, und Wenn ich Ihchen da helfen will, so brauchen Sie nicht den ahnungslosen Liebhaber aus der Provinz zu markieren."
Hans wär wirklich etwas ärgerlich. Wer gerade sein letzter Vorwurf stimmte den Baron heiter. Doch er hütete sich, es zu zeigen, um den jungen Leutnant nicht noch mehr zu erzürnen. Wollte der ihm wirklich helfen, die Schwester zu gewinnen, so war das vielmehr, als er hatte erwarten können.
Aber ausweichend fragte er nur: „Haben Sie es wirklich gemerkt — daß Komtesse Dagmar mir nicht gleichgültig ist?"
„Das merkt ja ein Toter! Und trotzdem haben die anderen lieben Leute hier im Schloß unbegreiflicherweise da- pon keinen Schimmer! Papa und Mama sind ahnungslose Engel.. Auch Alexa scheint sonderbarerweise blind zu sein, aber ich sah es gleich — und zur Gewißhert wurde es mir neulich Wend,, als Weidemanns da waren. Glauben Sie vielleicht, ich hätte Sie nicht beobachtet? Man ist doch schließlich nicht umsonst Kavallerist — da macht man in Lreb^ssachen seine Erfahrungen. Offen gestanden, Herr Baron: ich bewundere Sie, daß Sie den Mut haben, um Dagmar zu werben, — Sie werben mich nicht für so takt- Ips halten, daß ich dies Wort irgendwie anders meine. Wer Dagmar ist stolz, die hat.schon manchen Korb ausgeteilt, ' und so rst allmählich das Gerücht entstanden: Keiner wäre chr gut genug. Ich habe ihr schon oft erklärt, daß sie verrückt ist. Da war vor zwei Jähren ein Bewerber, na: nomtna sunt odiosa, wirklich ein famoser Kerl. Der kriegte auch einen Korb, noch dazu den größten von allen. Warum? Das wissen nicht 'mal die Götter. Na, was ich tun kann, daß Sie mehr Glück haben, das werde ich tun' Ich habe sogar schon etwas für Sie auf den Busch geklopft, um mich sozusagen über die Kriegslage zu orientieren und danach meinen Angriffsplan ausarbeiten zu können —"
„Run, und — ?"
Der Baron nahm es nicht allzu ernst, was Hans ihm da jagte. Es amüsierte ihn eigentlich nur, wie der mit fernem guten Herzen da etwas die Vorsehung spielen wollte.
Hans wiederholte die Frage: „Nun," und?" Dann fuhr er fort: „Ja, wissen Sie, so 'was ist nicht so einfach, besonders nicht bei einem Mädel wie Dagmar. Der Charakter ist in mancher Hinsicht hermetisch verschlossen, so etwa, wie eine Manöverkonservenbüchse; wenn man da mcht einen ordentlichen Mauerbrecher zur Hand hat, kommt man gar nicht au den Inhalt heran."
r. r Sehr Poetisch war es ja nun gerade nicht, Dagmars stolzes und verjchloj jenes Herz mit einer Konservenbüchse zu vergleichen. Aber trotzdem blieb die Hauptsache ja, daß Hans etwas ergründet hatte. J K
rt1)1116cu 3t)re Bemühungen Erfolg gehabt, Herr
^ef der übermütig!, während seine
Augen stolz aufleuchteten, „das wissen Sie doch selbst von früher her, — wenn unsereins sich 'mal erst in dem Sattel zurechtgesetzt hat und seine Attacke reitet, na, dann kommt er auch durch, und wenn die Gegner ihm das audj tausendmal zu wehren versuchen! Und das kann ich Ihnen facren- ®.Mtnar fet sich nicht schlecht gewehrt! Sie wollte erst gar der Sprache heraus, als ich von Jhtlen anfing,
1$.£aiw auf den geistreichen Gedanken kam,
Sie verdammt schlecht zu machen!"
>,Sie sind ja sehr liebenswürdig !"
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„Sie brauchen mir gar nicht zu danken, Herr Baron, 'Ich hoffe, daß Sie bald mein Schwager sind: Rä, nndj unter so nahen Verwandten ist so 'was doch ganz egal."
„Wie kommen Sie denn aber dazu, mich schlecht M machen?"
„Hätte ich Sie etwa loben sollen? —- Glauben Sie mir, Herr Baron: ich kenne die Weiber von früher her, — die machen mir kein X für .ein U. Ich! bitte Sie: hätte ich Sie gelobt, da hätte Dagmar die berühinte Absicht gemerkt und hätte widersprochen. Und bei solchem Widerspruch weiß man nie, woran man ist. Der kann echt, kä>m aber anch fälsch sein. Deshalb machte ich Sie schlecht, so- gar madig, schlecht."
„Und was sagte Komtesse Dagmar?"
„Sie hat zwar gerade nicht übertrieben widersprochen- aber sie hat auch nicht üßertriwen zu,gestimmt. Und das ist schon sehr diel wert . Das ist immerhin schon ein sehr gutes Zeichen."
„Sicher," stimmte der Baron ihin bei ,„und ich bin Ihnen von ganzem Herzen dankbar, daß Sie meine Jst- teressen bei Ihrem Fräulein Schwester zu fördern suchten. Wer trotzdem möchte ich Sie bitten, in Zukunft, auch in Ihren Briefen, nichts von meinen Bewerbungen zu erwähnen. Ich weiß, sehr wohl, daß ich um einen hohen Preis ringe, — man n ich den aber gewinne, will ich ihn ganz allein mir zu verdanken haben. Das werden Sie mir nach fühlen."
„Gewiß, Herr Baron. Nur schade, daß ich das nicht vorher wußte. Da hätte ich mir die Mühe gespart. Sie mögen es glauben oder nicht: aber ich habe Ihnen eine atz, wattige Bresche geschlagen. Und wenn Dagmar Ihnen das nicht gleich zeigt, wenn sie auch fernerhin kühl und un- nahbar erscheint, — so ist das nur äußerlich nur Verstellung . Wenn ich mich so ausdrücken darf, dann möchte ich sagen: die Festungsmanern sind niedergelegt, Sie brauchest jetzt nur noch zum Sturmangriff überzugehen, dann gibt sie mit der weißen Flagge das Zeichen zur Kapitulation." --—
Mer wenn Hans wirklich bei Dagmar Bresche geschossen hatte, so verriet diese im Laufe des Abends nichts davon. Sie schien noch schwe-igfamer, noch zurückhaltender als sv?/K (Fortsetzung folgt.)
Der Vries.
Skizze von Henri de Regnier.
Autorisierte Uebersetznng von N. Collin (Berlin).
Ziemlich melancholisch war heute der graue Herbsttag gewesen und nach langem Umherlaufen auf den aufgeweichten Wegen erfüllte mich . Behagen beim Anblick des flackernden Käminfeuers und der hell brennenden .Lampe. Nachdem ich mich gemütlich m dce Kaminecke gesetzt hätte, durchdrang mich ein Gefühl egoistischer Befriedigung. Aber dieser Eindruck währte nicht lange, und nachdem ich das ausgezeichnete Mahl beendet, das mir meist Dienstmädchen Claudine bereitet hatte, verstel jch wieder in ein schwermütiges Grübeln, trotzdem eigentlich kein besonderer Grund dazu vorlag.
M ist richtig, daß die traurige Jahreszeit eine Erklärung »unbehagliche Stimmung sein konnte, die sich meiner be- Machtrgte. Die Novemberabende in einer kleinen Provinzstädt sind nicht dazu angetan, die Einsamkeit eines alten Hauses zst Weben, um so mehr, da an jenem Abend der Wind im Korridor klaglw) pfiff, und die Wetterfahne des Daches sich kreischend drehte. Äch Porte die Baume des Gartens ächzen, und nichts Fröhliches Rang aus diesem herbstlichen Lärmen' heraus. Um so größeres Bedauern empfand ich jetzt, die Einladung meines Patienten und Freundes, des .Marquis de Bregy, nicht angenommen zu habest. Er hatte Mich gebeten, Schnepfen mit ihm zu essen, die wir mit einer Flasche Burgunder .herunterspülen sollten.
Solche Gedanken beschäftigten mich, als ich in mein Schlaf- öMiNkp hlnaufgmg, und eben wollte ich anfangen mich auszuziehen,
Autos hörte. Gleich darauf klingelte es huuurüch; zweifellos wollte man mich in der schon ziemlich spaten Stunde zu einem Kranken holen. Jch eilte also die ipuunter, und als ich die Haustür öffnete, stano mir Domrmque, der Chauffeur Herrn de Brögys gegenüber und stieß laut und erregt hervor:
^..."Kommen Sie schnell mit, Herr Doktor . . . es ist ein Unglück tm Schlosse geschehen. , . Herr Marquis. . ."
mrtjPie Wind s-mste das Auto durch die stnstere, klagend
Dü feuchte, kalke Lust schnitt mir ins Gesicht. Uebest das Steuerrad gebeugt, gab DymmiqUe aus den Weg acht, die Laternen strahlten chr hellstes Licht aus. Schloß Brainville ist


