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;,@iv. Hoheit sind zu gütig. Warten ist mein Beruf. Und wenn Em. Hoheit gnädigst geruht hätten, bis heute abend. . ." -

Sie wollen doch nicht etwa sagen, daß Sie dann bis heute abend? Lieber Graf, sollten Sie Ihre Pflich­ten als mein persönlicher Adjutant doch nicht etwas zu ernst auffassen? Uebrigens Ihre Durchlaucht hat dre Absicht, auszufahren. Selbstverständlich werde ich mich mcht um das Vergnügen bringen, die Damen zu begleiten. Ich danke Ihnen sehr, Herr Graf." Er verabschiedete den Kammerherrn durch eine kühle Verneiguug, während Hollen den Herrschaften eine tiefe Verbeugung widmete. Dann schritt er hochgehobenen Hauptes den Parkweg entlang dem Schlosse zu. In ihm kochte es. Er verwünschte den Erbprinzen und verwünschte die Idee, Se. Hoheit heute nachmittag mit zur Fürstin begleitet zu haben.

Die Damen nahmen im Fond des Wagens Platz, der Prinz instruierte kurz den Lakai.

Die Pferde, des langen Stehens müde, jagten auf den gutgepflegten Parkwegen dahin. Und nun ging es erst ein Stück auf der Landstraße entlang und dann in den prächtigen Schwanauer Forst. Kathinkas Gesicht be­kam eine leichte Röte und etliche Haarflechten lösten sich und spielten int lauen Sommerwind.

Hans Jochen sah sie immerfort an. Wenn sie ihr Stumpfnäschen in das Bukett steckte, vibrierten die feinen Nasenflügel ein wenig. Sie sog mit Behagen den mild­lieblichen Duft ein und schloß dabei die Augen. Als sie fühlte, wie der Prinz sie dabei beobachtete, sagte sie:Sie haben mir eine große Freude gemacht mit diesem pracht­vollen Strauß, Hoheit. Ich liebe Blumen über alles, Blu- wett urtb u

Und die Menschen?" fragte die Fürstin.

Ich habe noch zu wenig Menschen kennen gelernt!, um sagen zu können, ob man die Menschen im ganzen lieben darf."

So eine kleine Philosophin sind Sie? Waren Sie zu Hause so vereinsamt, so isoliert von der Gesellschaft?" Ganz und gar. Ich hatte nur einen Freund, nein zwei: Meinen guten, seligen Vater und Fritz mein Reit­pferd."

Wie, Sie reiten?"

Leidenschaftlich, Hoheit. O, so über die Heide zu fegen, durchs Gebüsch zu flitzen und Graben und Hecken zu nehmen, das ist mein ein und alles."

Sie sind ein rechtes, tüchtiges Mädel, Fräulein von Hämmerling," sagte der Erbprinz zu Kathinka und reichte ihr die Hand. Die Fürstin aber bat er, ihre Hofdame all­morgendlich eine Stunde zu beurlauben, damit er den Vor­zug haben könne, mit ihr auszureiten.

Aber Hoheit, aber Hoheit," jubelte Kathinka,was schenke ich Ihnen nur gleich zum Dank?" Sie hob das Bukett.Hier, eine Rose. Suchen Sie sich eine heraus, die schönste, gelt?" Mit beiden Händen hielt sie ihm beit Strauß hin, und Hans Jochen zog eine der Blüten heraus.

Ach, warum nehmen Sie diese zerdrückte?"

Da sagte er leise:Sie ist für mich die schönste, dennj Ihre Lippen haben ihre keuschen Blätter berührt."

Die Fürstin hustete merklich, und Kathinka schlug die Augen nieder. Es Herrschte verlegene Ruhe. Doch bald lachte Hans Jochen auf und sagte:Jetzt habe ich mich für eine Guttat beschenken lassen, die zu erweisen ich gar nicht berechtigt bin."

Meine Erlaubnis zum Ausritt habt Ihr."

Tausend Dank, Tantchen. Aber ob mir das löbliche Oberhofmarschallamt die Genehmigung erteilen wird, mit Fräulein Hämmerling auszureiten, steht noch dahin."

Allein jedenfalls nicht, aber in Begleitung des Herrn Grafen zu Hollen geht das schon," sagte die Fürstin.

Nein, Tantchen, den sind wir los. Der Herr reitet nämlich nicht, nein, dieser Kavalier fährt und läuft nur, er behauptet: das Reiten erschüttere ihm das Gehirn. Nun seht, das ist ja großartig. Der muß mit, selbst auf die Gefahr einer Erschütterung des hohen gräflichen Ge­hirns. Famos, famos!" Der Prinz rieb sich vor Ver­gnügen die Hände.

Aber Hans Jochen, wenn Graf Hollen nicht reitet, kann er dich doch, nicht auf deinen Ausritten begleiten," sagte nun die Fürstin.

Doch doch, Tantchen, er wird reiten. Erstens, weil ich es wünsche und zweitens, Tantchen kennst du den

Eifer des Grafen nicht. Er wäre der letzte, der dieses! Amt einem anderen überließ, vielleicht Herrn von Merk­witz."

O ja, Hoheit, Herr von Merkwitz mag uns begleiten. Er wäre mir viel lieber, als der Gras," stimmte Kathinka sofort zu.

Ein kurzer fragender Blick Hans Jochens traf sie, dann sagte er:Wird nicht gehen, Fräulein, das ist nun einmal Hollens Amt." Er blickte vor sich hin und schien verstimmt.

Man fuhr schweigend durch den Wald. Ein kräftiger harziger Geruch strömte aus dem Gehölz, ganz schwach ver­mischt mit dem Dufte blühenden Waldmeisters. Hie und da sauste der Wagen an Spaziergängern vorbei, die, durch die silberbetreßten Lakaien ausmerksam geworden, meist stehen blieben und neugierig in die Equipage schauten. Sel­ten grüßte einer und Hans Jochen dankte dann kurz und kühl.

Die breite Chaussee entwand sich jetzt dem Walde und senkte sich -allmählich nach dem Schwanauer See zu. Die Spaziergänger mehrten sich, und der Prinz hatte stetig den Grüßenden zu danken. Der Wagen hielt vor der Rampe der Terrasse, die dicht mit Menschen besetzt war, und Hun­derte von Köpfen reckten sich, als sie die Hofequipage er­kannten. Der Lakai, sprang ab und öffnete den Schlag. Der Erbprinz gab seine Instruktionen.

Sie spannen aus. In genau einer Stunde fahren Sie wieder vor.

Als die Herrschaften die Treppe emporstiegen, legte sich tödliche Stille über den gesamten Garten, und dann durch­raunte ein Flüstern die Menge der Gäste:Der Erbprinz und die Fürstin."

Kaum hatten sie sich gesetzt, da stürzte auch schon der Wirt in weißen Handschuhen herbei, und in wohlgesetzter Rede wollte er eben seinem Danke Ausdruck geben. Aber der Erbprinz winkte ihn heran und sagte halblaut:Hören Sie, Lieber, wir wollen hier ungestört ein paar Minuten rasten, also bitte, sparen Sie sich jede Anstrengungen. Tante, willst du mal bestellen?"

Gern. Wir trinken doch Kaffee. Also bringen Sie Kaffee und Gebäck."

Und als sie dann wenige Minuten später aßen unk» tranken, wie gewöhnliche Sterbliche, legte sich auch die Neu­gierde der Umsitzendeu. Der Erbprinz hatte längst seine alte Sicherheit wiedergewonnen, und auch Kathinka gab sich wieder in ihrer natürlichen Anmut.

Nach einer Weile erhob sich die Fürstin.Ich glaube, int Saale wird getanzt. Wenn es euch recht ist, wollen wir uns das Getriebe einmal ansehen."

In dem Gedränge des Saales standen Hans Jochen! und Kathinka dicht beisammen. Eine Unmenge Paare drehten sich nach den weichen Melodien des Fledermaus- Walzers.

O wer hier mal so recht mittanzen könnte!" sagte Kathinka mit verhaltener Sehnsucht.

So wollen wir doch," forderte der Prinz sie auf.

Hoheit, wenn ich nicht Ttauer hätte."

Ach pardon, ich vergaß." Er neigte sich ganz dicht an Kathinkas Ohr und flüsterte:Aber später, später. Ja, wollen Sie?"

Mochte es nun sein, daß die heiße Lust und die schmei­chelnde Musik sie berauschte sie ward von einem seligen Taumel erfaßt, der sie die Wirklichkeit vergessen ließ. Sie faßte des Prinzen Hand und drückte fie, und sie stieß hervor: Ja, Prinz, ja." Aber int plötzlichen Erkennen ihrer Stel­lung widerrief sie schnell:Nein, nein, Hoheit, ach, ver-, zeihen Sie, o Gott, was ich gesagt habe."

Die Fürstin hörte, ohne die Worte verstanden zu haben/ bett ängstlichen Ton in Kathinkas Stimme.Fehlt Ihnen etwas, Kinb?" fragte sie besorgt.

Es wird ihr hier zu heiß sein," antwortete Her Prinz für sie.

Man verließ den Saal und kehrte zu dem Tisch zurück^ Herr Gott, Sie sehen ja ganz blaß aus, Kathinka." Ach, es ist nichts, Durchlaucht. Mn der Luft wird mix wieder besser."

Hans Jochen Mächte sich im stillen Vorwürfe, baS1 Kind erregt zu haben; er war unzufrieden mit sich. Er fühlte, daß in ihm eine Liebe aufkeimte, die zu unterdrücken heilige Pflicht für ihn sei. Und doch/ wenn er das zarte, liebliche Ge­sicht Kathinkas anschaute, konnte er sich ihrem Banne nicht