Ausgabe 
14.2.1912
 
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von Mckdotja und sie verpackt uns in unsere

erschein! der von drei voreinander gespannten Pferden gezogene Schnitten und wir verladen unsere Beute t"

Bor Mickeis Hütte hat das Halbe Dors sich versarnmerr. Männer Weiber und Kinder betasten, und Kausen den armen Miicbka' der sofort Mr Bahn gebracht wird. Wir lassen uns aber aut schmecken, was Awdotja aufgetaselt., Mrcher erhalt fern Geld und Paul schenkt unserer schönen Wirtin tm Ueber schwänge der rwomia Rubel wofür sie mit einem Kmx und einem di/SMtter dankt Wir trinken Tee und Kognak: viel Kognak und danm geht Michei hinaus und bereitet den Schlitten: es ist die höchste Zeit, das; wir Mr Bahn fahren., Bor der .Tur bimmeln schon die Glöckchen und knallt die Butsche Mlcheis. Wir iiehmen Abschied von Älwdotja und sie verpackt uns tn unsere

!" (Auf Wiedersehen.)

>,Schtastliwawo putji!" (Glückliche Rerse^

; Fehr zu Michei! <A Logom!" (Mit Gott.)

rrapok.

Nicht selten erleben wir es, daß aus Stoffen, die jahr­hundertelang unbeachtet blieben und völlig wertloserschienen, plötzlich ein findiger Kopf -einen für die Menschheit höchst wtch- tigen Gegenstand 'schasst. So verhält es sich auch mit den eigen­artigen Schwimmgürteln und Schwimmanzugen, welche neuer­dings auf den Markt gebracht werden und eme gantz fabel­hafte Auftriebskraft dieselbe beträgt etwa das 60- bis 35 fache des Eigengeivichts besitzen. Erzielt wird dieselbe durch eine feind, seidenartige, glänzende Samenwolle, genannt Kapok oder Pflanzendaune, welche ein zur Gruppe der Wollbaume (Erioden- dron) gehörender, 12 bis 20 m hoher Baum liefert. Derselbe ist schon bei den Kriegszügen Wexanders des Großen erwähnt worden. Früher wurde Kapok, welches vor allem auf den ma- layschen Inseln und auf Java geerntet wird, selbst vmr den Ein- geborenen nur wenig beachtet, wahrend heute beträchtliche Um­sätze, namentlich in Rotterdam, zu verzeichnen sind.

Im Juli des Jahres 1911 war ein großer Faserkongreß ver­bunden mit einer Faserausstellung in Soerabaia, der Nieder­ländischen Hauptstadt an der Nordküste der Insel Java, ver­anstaltet worden, der ein wichtiges Ereignis für die Zukunft der Wirtschaftsgeschichte Niederländisch Indiens darstellte Im Vordergründe des Interesses stand Kapok als wichtigste Faser­pflanze: denn das Javaprodukt hat einen guten Namen, den es teils dem guten Gedeihen der Pflanze, teils der Bereitung der Faser verdankt. Die Faser hat bis vor kurzem hauptsächlich znnr Füllen von Matratzen, Kissen usw. gedient. Ganz besonders kommt sie aber jetzt, wie bereits erwähnt, wegen ihres außer­ordentlich leichten Gewichtes zum Füllen von Rettungsgiirteln in Betracht. Ferner haben die Versuche mit dem Ver,pinnen der Faser gute Erfolge gezeitigt, wenn diese auch einen Vergleich mit Baumwolle nicht in jeder Richtung aushalten. Es imirde auf dem Kongreß betont, daß auch außerhalb Niederländisch In­diens die Kultur des Kapokbaumes gepflegt werde, und besonders wurden unsere deutschen Kolonien Ostafrika und Togo als ernste Konkurrenten Javas genannt. Auch Deutsch Neuguinea und die Philippinen haben diese Kulter aufgenommen. In Britisch In­dien wird von einer anderen Bombacee, zu deren Klaffe Kapok gehört, auch Kapok gewonnen: aber dieses Produkt gut als minderwertiger. , .. _ ,, . , , ,.

Im Jahre 1910 trat zum ersten Male der Fall ein, daß die Produktion von Kapok auf der Insel Cebu (Philippinen) den Verbrauch überstieg. Ter Ueberschuß betrug rund 2a 000 kg gereinigte Ware, die nach Holland exportiert wurde Ter Ar­tikel verspricht in einigen Jahren vielleicht mit unter den Haupt- aussuhrartikeln der Insel zu stehen. Sehr wesentlich ist es, daß der Baurn durchaus keiner Pflege bedarf, und die Ernte von Kindern ohne Schwierigkeiten vorgenommen werden tann, weshalb eben die Eingeborenen der Kapokgewinnung fetzt größeres Interesse entgegenbringen. Die kleinen Sarnen werden roh und geröstet gegessen und liefern ein als Speiseöl und für Seifen brauchbares Oel. Aus dem Stamm des Wollbaums gewinnt man auch Gummi, welches dem Gummi arabicum ähnlich, aber ge­ringwertiger ist. So sehen wir, daß dieser bisher fast völlig un­beachtet gebliebene Baum plötzlich zu großer volkswirtschaftlicher Bedeutung gelangt ist, eine Erscheinung, die im Wirtschafts­leben nicht vereinzelt dasteht.

Vermischtes.

* Italiens Blumenhandel. Die Sperrung der fran- zösischen Märkte gegen die Eininhr italienischer Blumen, die in diesen Wochen drohte, aber in letzter Stunde noch abgewendet wurde, wäre nicht das größte Unglück geivesen, das den Blumen­handel Italiens hätte treffen können; schlimmer noch wäre eine Abschliefeimg der österreichischen oder der deutschen Märkte gewesen. Tenn ihr Bedarf an italienischen Blumen ist größer als der Frank­reichs. Die Ausfuhr von Blumen hat sich in Italien besonders in den letzten Jahren enorm gesteigert; der Durchschnittspreis ist aber dabei nicht niedriger geworden, sondern gestiegen; während im

Jahre 1909 der Doppelzentner durchschnittlich mit 200 Lire bezahlt wurde, mußten 1910 schon 300 Lire dafür angelegt werden. In demselben Jahre war der Wert der italienischen Blumenausiuhr auf mehr als sechs Millionen Lire gestiegen. Davon kaufte Oester­reich-Ungarn allein für 2 Millionen 733 400 Lire, Deutschland für beinahe 2 Millionen. Erst an dritter Stelle, erscheint Frankreich, das 3299 Doppelzentner für nicht ganz eine Million entführte. Weit chlechtere Abnehmer waren die Schweiz, England und -öetgieii. Trotz seines großen Blumenreichtums führt aber auch Italien frische Blumenein.' Frankreich ist das einzige Land, das an bie tta« lienifchen Märkte liefert; sie kauften von dort in den letzten fünf Jahren für l1/, Millionen Franken.

* Schaltjahrsitten in England. Eme ganz besondere Bedeutung hat das Schaltjahr in England für die Frauenwelt. Nach einer uralten Sitte gehen im leap year bte Rechte der Männer im gesellschaftlichen Verkehr auf die Damen über. Diese haben demnach das Recht, zinn Tanze aufzufordern, den Herren Aufmerksaiiikeiten zu erweisen, ja sogar um die Hand eines Mannes anzuhalteii. Doch gilt die letztere Befugnis für veraltet. Jin all­gemeinen beschränkt man sich darauf, die umgekehrte Wett am Schalttage selber, am 29. Februar, besonders sinnfällig m Er­scheinung treten zu lassen. Es werden Bälle veranstaltet, an denen die Herren unb Damen ihre Rollen vertauschen. L-ie Herren sitzen, die Damen stehen, jene empfangen von biesen Blumen, werden um Tänze gebeten, mit Erfrischungen versehen und 5" Tisch genchit. Die Damen bringen bie Trinksprüche aus und natürlich fehlt oavei keiner auf bie Herren. ,

* Ein fibeles Begräbiiis. In Mobigliana staib vor kurzem im Alter von 60 Jahren ein wohlhabender Pferdehändler namens Ubaldo Samori. In feinem Testament bestimmte er, ~ fein etwa 20 000 Lire betragendes Vermögen nach dem Tode feiner Frau das Hospital von Mobigliana erben solle. Autzerbem wünschte er, baß hinter seinem Sarge bie Stadtkapelle marschieren und bis zum Friedhof heitere Märsche blasen sollte; eins semer Pferde aber sollte an einem mit vier Fatz Rotweln und zwei .faß Weitzivein beladenen Wagen gespannt werden und mit vielem Wagen den Leichenzug begleiten; alle 200 Meter sollte berZug Halt machen, damit dieLeidtragendes nact) Herzenslust trinken könnten. Vollstrecker dieses schönen Testameiits ivar Herr Leopold» Briceoli, Direktor der Sparkasse von Mobigliana, und es muft ge­sagt werden, daß alle Testamentsbestimmimgen gewchenhaft beob­achtet ivurden. Der Leicheiizug blieb von Zeit zu Zeit stehen und es wurde Wein eingeschenkt; wenn man sich gütlich getan Hatte, zog man unter allgemeiner Heiterkeit, die sich barm äußerte, oa\i man patriotische nnb Volkslieber sang unb ben freigebigen 4.oten hochleben liefe, weiter. Hin nnb wieder stimmte einer auch em etwas frivoles Lieb an. Ter Zng bestaub aus etwa 1700 Per­sonen, bie unter Gelächter unb Gesang bie sechs Fafe Wem voll­ständig leer tränten unb sich so benahmen, als wenn es sich nm einen Karnevalszug handelte.

* Die strenge Mutter. Er: -Hast 's scho.g'hört, Mre,- !unser' Cenzk war mit unfern möblierten Herrn gestern auf der Redoute. Da mnaßt tm als Mutter do emschreiten! ©te:M i moan halt, den säubern Herrn steigern ma m Mietzins. .

* ©ein Fluch.Was?" Ich habe mich abstrapaziert, um Ihnen eine Fran zu verschaffen, und nun wollen Sie nicht 'mal die Vermittlergebühren bezahlen?. %te goldene Hochzeit Jollen Sie mit ihr feiern!" r,

Sprachecke der Allgemeinen Deutschen Sprachverein;.

* 21 uua nnb ich i»unberteu uns ober sich? lieber bie Verwendung des persönlichen Fürworts zweifeln manche bei folgenden Sätzen: Anna unb ich roimberten sich (ober uns?); bu und Anna haben sich angestrengt (ober habt euch?); Anna unb ich jenben ihre besten Grütze (ober unsere?) Allerbings sagt und hört man beides, aber die zuerst gestellten Formen (sich, ihre) scheinen manchen mehr dem Geiste der deutschen Sprache zu ent­sprechen, int Gegensatz zu dem französischen und englischen Sprach- gebrauche. Dem können mir nicht zustimmen. Auch int Deutschen sind bie an zweiter Stelle stehenbeit Formen vorzuziehen. Es ist ein altes Gesetz, baß bie erste Person vor ber zweiten unb brüten, die zweite vor ber brüten Person den Vorzug hat. Der Lateiner sagt rote Cicero: Si tn et Tallia valetis, bene est; ego et Cicero mens valemus. Ebenso ist es int Griechischen. Sanders empfiehlt in solchen Fällen ein wir ober ihr einzuschieben; bas ist aber nicht nötig. Es helfet:Ich unb mein Haus wollen bem Herrn bienen; ich unb ber Vater finb eins";bu und deine Gattin seid uns herz­lich willkommen.

Dechiffrier-Aufgabe.

Yifi aslpxlex er big fsiwir

Yrh hy wglvimfsx iw eyj hew aewwiv,

Yifi aslpxlex er lüg kyxir

Yrh hy kveifwx xnüj mer gevqov.

Auflösung in nächster Nummer.

Auflösung des Gleichklangrätsels in voriger Nummer: Geist (als Verstanbesbetätigung unb alsGespenst.)

Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag ber Brühl'fchen Universitäts-Buch- und Stembruckerei, R. Lange, Gieren-