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Mit stolzen: Bewusstsein begab sich Ping Ling amnächsten Morgen Air AntrittAandienz beim Kaiser. Er war fest überzeugt, der kaisertreueste Mann im Reiche der Mitte zu sein. Unb er war es auch, denn einen so guten Posten hätten ihm die Taipmgs nicht gegeben; Stadtkommandant von Kanton sollte er werden, Weiter nichts.
(Europas älteste Prinzessin
die Freifrau Charlotte Amalie Friederike Albertine von I ud, geb orene Prinzessin von Schw arz b urg-Sonders- h auf en, ist, wie wir erfahren, auf ihrer Besitzung Glockenthal bei Jud soeben gestorben. Am 7. September 1816 zu Arnstadt- Thun in Thüringen geboren, hätte sie in diesem Jahre ihren 96 Geburtstag gefeiert; sie stand also selbst dem greisen Prinz- regcnten von Bayern an Alter noch voran. Ihr Vater war der Prinz Karl von Schwarzburg-Sondershaiisen, der 1842 im Alter von 70 Jahren als hannöverscher Generalleutnant starb. Er hatte seine Cousine, Prinzessin Güntherine von Schwarzburg- Sondershausen als Gemahlin heimgeführt, die erst 33 Jahre nach ihm verstorben ist. Prinzessin Charlotte Amalie war 40 Jahre alt, als sie einen Bund nach ihrem Herzen einging. Sie hatte gelegentlich einer Schweizerreise einen Offizier in der,schweizerischen MilizarMee kennen gelernt; es war der damalige Arttllerie- Jnstruktor Hans Jud, der 9 Jahre jünger als die Prinzessin war. Weder der Altersunterschied noch die bürgerliche Herkunft des aus dem Kantone Zürich stammenden Offiziers war in den Augen der Schwarzbnrger Prinzessin eilt Hindernis, ihrer Neigung zu folgen. Am 1. Februar 1856 verlieh Fürst Günther Jud den Adel und Freiherrnstand, und wenige Wochen nachher wurde die Schwarzbnrger Prinzessin mit dem schweizerischen Artillerieoffizier getraut.
Aber es waren ihrem Eheglücke nicht piele Jahre beschieden: schon 1864 verstarb der Freiherr von Jnd, und seine Witwe dachte damals wohl nicht, daß es ihr beschieden sein sollte, Heu Heimgegangenen Gatten noch volle 48 Jahre zu überleben. Ihren Witwensitz bildete das liebliche Glockenthal bet Thiit^. Zuerst unternahm sie noch weite Reisen und sie genoß besonders die Reize der südlichen Natur. Allmählich sah sie sich durch das Alter in ihrer Bewegungsfreiheit beschränkt, und wenn sie früher öfters noch die Nachbarstadt Thun aufsnchte, so bildete in den letzten Jahren ihr Besitztum im Glockenthäle mehr und mehr ihre S! Welt. Doch hat sich Fran von Jud noch bis in ihr les Alter hinein eine erstaunliche Rüstigkeit und Geistes- frische bewahrt. So hat sie z. B. während des Burenkrieges! einen beinahe leidenschaftlichen Anteil an den Vorgängen gettom- men, wobei sie entschiedenste Sympathie für die kämpfenden Buren an den Tag legte. Auch späterhin habeit die politischen Ereignisse sie immer noch lebhaft interessiert. Als vor wenigen Jahren ihre langjährige vertraute Dienerin ein ehrenvolles Dienst- jubtläum feierte, ließ die Greisin es sich nicht nehmen, sich an der Ehrung ihrer alten Hausgenossin selbst zu beteiligen. In bett letzten Jähren schlummerten dann freilich die Geisteskräfte der Freifrau von Jnd nach und nach immer mehr ein; sie ist ins Jenseits hinübergeschlummert.
Schon seit einer Reihe von Jahren hatte sie ihre Nichte, die Witwe des verstorbenen Oberstleutnants von Egidy bei sich. Fran v. Egidp ist die Tochter ihrer älteren Schwester, gleick)- salls einer Prinzessin von Schwarzburg-Sondershansen, die sich ebenso wie die verstorbene Freifrau von Jud „unter ihrem Stande", nämlich mit hem Geheimrate von Götz verehelicht hatte.
vermachtes.
* Der Klapp Hut der Frau. Den Männern, die Beim Antritt einer Reise bleich und nur mühsam gefaßt auf die Reihe der unförmigen Hutkoffer blicken, deren die Frau Gemahlin zum Genüsse der Fahrt unbedingt bedarf, winkt eine Hoffnung: in London werden jetzt elegante Damenhüte geschaffen, bei deren „Konstruktion" die Mög- lichkeit vorgesehen ist, den Hut zufammenklappen zu können. „Es ist des Rätsels Lösung", so erklärte eine führende Londoner Modistin einem Mitarbeiter des Daily Mirror: diese Hüte sind das, was die elegante Frau braucht, wenn sie auch auf Reisen smart aussehen will. Die unförmigen Hutschachteln sind überflüssig, die zusammenklappbaren Hüte sind so gearbeitet, daß sie zusammengefältet im Koffer nur ganz wenig Platz beanspruchen, ja in einer mittelgroßen Handtasche kann man ohne Schwierigkeit und ohne Gefahr für die Form bequem vier solcher Hüte unterbringen."
* Der Schuster a I § Telephonamt. Im „Malin" liest man: Gometz-le-ChLtel ist sicher nicht eine der größten Städte Frankreichs. Marseille ist größer, Paris auch. Aber es ist ein hübsches Städtchen von 456 Einwohnern, das zwischen Bures und Orsay, 29 Kilometer von Paris entfernt, gelegen ist. Und es hat em Telephon unb acht Televhonabonnenten! Diese Abonnenten
zahlen, wie alle Telephonabonnenten, der Post- und Telegraphenverwaltung ein anständiges Jahresabonnementsgeld. Die Postkasse befindet sich in Limours, und hier muß gezahlt werden. Die Telephonabonnenten von Gometz gleichen also allen anderen Telephonabonnenten ; durch eins aber unterscheiden sie sich von allen anderen Telephonabonnenten der Welt: obwohl sie Telephonabonnenlen sind, benutzen sie das Telephon nie. Sie möchten es zwar recht gern tun und haben schon alle erdenklichen Versuche gemacht, um eine Verbindung zu erlangen, aber es nutzte nichts. Und als sie sahen, daß da nichts zu machen wäre, haben sie sich voll Ergebenheit in ihr Abonnentenschicksal gesägt und nicht mehr bett Versuch gemacht, den Hörer abzunehmen. . . . Eines Tages jedoch fiel es einem Abonnenten ein, Aufklärungen zu verlangen. Er begab sich auf das Postamt von Limours und trug in schöner Rede seinen Fall vor. Er habe ein Telephon; er zahle regelmäßig den Abonne- inentsbetrag; sein Apparat funktioniere tvohl auch . - . Weshalb bekomme er denn unter solchen Umständen nie eine Verbindung? „Ja, mein Herr, was sollen wir beim tim?" erwiderte man ihm. „Sie sind Abonnent, das ist richtig. Aber die Person, die in Gometz den Telephondienst versieht, ist in keiner Weise von uns abhängig. Sie gehört nicht zum Beamtenpersonal der Post- und Telegravbenverwaltung, und wir haben ihr daher nichts zu sagen." . Wie soll ich das verstehen ?" fragte der neugierige Abonnent. „Die Sache ist einfacher als Sie denken. In Gometz versieht den Tele- phonbienst ein Flickschuster, der auch Landwirt ist. Er hat den Auftrag, die Verbindungen herzustellen und erhält für jede Verbindung eine kleine Entschädigung. Für die wenigen Sous, die et mit dem Telephon verdienen würde, kann der 'JJIann doch aber nicht seine anderen Geschäste aufgebeit. Er mutz, wenn er seine Kundschaft behalten ivill, Schuhe besohlen; und er muß auch sein Feld bebauen, säen, pflügen und ernten . . . Versieht er nicht nebenbei auch noch das Küsteramt? Wenn er dafür bezahlt wird, daß er die Glocken läutet, usird er doch wohl die Glocken^ läuten müssen?! Tas werden Sie mir doch zugeben. Na, sehen Sie ..." Jetzt wissen die Telephonabonueuten von Gometz wenigstens, warum sie keine Telephonverbindung bekommen können.
* Ich stand a'uf dem Perron der Straßenbahn. Außer mir waren noch drei Herren drauf, die sich mideinander unterhielten, „Wißt Ihr übrigens schon, der O. hat sich ja verlobt, mit. der kleinen P." — „Nanu! die muß doch älter sein als er: hat sie denn so viel Draht?" — „Gar nichts." — „Was? Ja, wie kommt er denn bann ausgerechnet auf die? Vielleicht gute Beziehungen, die für seine Karriere von Nutzen. . . ?" — „Ach, keine Spur!" — „Ja, aber..." — „Merkwürdig." — ^Begreif einer!" — Nach fünf Minuten nachdenklichen Schweigens! bemerkte einer zögernd: „Gott, vielleicht — vielleicht Liebe . . ."
* Seltsame Rene. Alter Förster: „Mi rent's scho lang, daß i net g'heirat't hab'; jetzt könnt i am End' scho wieder Witwer sein."
Sprachecke des Allgemeinen Deutschen Sprachvereins.
"Wird „von" mit dem erst en Fa l l ver b und en? Wenn der einfache Mann die verschiedenen Fälle verwechselt, so halten wir ihm daS gerne zugute, denn ihm fehlt es am rechten Sprachgefühl, und wenn insbesondere der Niederdeutsche, sobald er Hochdeutsch spricht, „von" mit dem vierten Falle statt mit dem dritten verbindet, so stört uns daS um so weniger, als bekanntlich seine Mundart diese beiden Fälle nicht unterscheidet. Was soll man aber dazu sagen, wenn gebildete Männer, wenn deutsche Schriftsteller vielfach bei „von" den — ersten Fall setzen? Nicht freilich in mündlicher Rede, wohl aber bei Angabe ihrer Berufs- siellung auf der Titelseite von Büchern. Wer solche Fälle sammeln wollte, der fände unter 100 Fällen sicherlich' kaum 5, in denen hier den Gesetzen der Sprache Rechnung getragen wird. Beispiele wie das folgende sind leider häufig genug: Handbuch der Chirurgie, von Müller, leitender Arzt des Krankenhauses zu B. Keine deutsche Sprachlehre hat je das Gesetz aufzustellen gewagt, daß in solchen Fällen der Beisatz (die Apposition) von dem Verhältniswort (der Präposition) unabhängig sei; wie sollte das auch denkbar sein, da doch nicht das papierue, sondern einzig und allein das gesprochene Deutsch maßgebend ist und dies den Beisatz (die Apposition) stets dem Falle des Beziehungswortes folgen läßt! Nein, es liegt hier lediglich eine der vielen Liederlichkeiten vor, deren sich auch Gebildete schuldig machen unb auf die recht oft in Wort und Schrift hingewiesen werden sollte, uni das Sprachgewissen unseres Volkes mehr als bisher zu schärfen. (R. Palleske (Laudeshnt i. Schl.).
Gieichklang-Kätsr!.
Edles Geschenk der Natur, nur Auserwählten verliehen; Mancher, der's niemals besaß, glaubt desto fester daran, Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Silbenrätsels in voriger Nummer: tSalmei — Anieife — Lederbeutel — Klintani — Leberknöde! Elba — Obernbiirg;
Galileo, Galilei.
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steiudruckerei, R. Lauge, ©ieiiett»


