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.Stimmung- die bei jedem Abschied vorhanden zu fern pflegt, war nicht die leiseste Spur zu merken. Die Leute scherzten und lachten, und mehr oder weniger gelungene Witze über unsere merkwürdige Lage flogen lustig hin und her. Ter Anker wurde bedeutend schneller als gewöhnlich gelichtet, und nachdem wir mit Hilfe der Maschine der drückenden Hitze des Hafens entflohen waren, konnten wir mit Befriedigung ivahrnehmen, wie sich jedes einzelne unserer Segel in dem frischen, Kühlung bringenden Nordostpassat blähte. Die Hunde hatten wohl den Aufenthalt auf der Reede von Funchal etwas wärmer gesunden, als eigentlich ihrem Geschmack entsprach- denn sie gaben ihrer Freude über die will- konnnene Abkühlung durch die Veranstaltung eines Konzertes Ausdruck. Diesmal fanden wir, daß wir ihnen dieses Vergnügen gönnen müßten.
Für uns war es aber auch ein Vergnügen, am Morgen nach der Abreise von Madeira an .Deck zu kommen. Alle Mann begrüßten sich morgens besonders freudig,' .und in aller Augen spielte ein fröhliches Lächeln. Tie nagelneue Wendung, die die Sache genommen hatte, und der rasche Uebergang zu ganz anderen Gedanken und Vorstellungen hatte auf alle, die noch am Tag zuvor gemeint hatten, unser Kurs sei auf Kap Horn gerichtet, tote ein erfrischendes Sturzbad gewirkt. Tie meisten lachten darüber, daß sie nicht Lunte gerochen hätten, .itnd Beck sagte, indem er ein fast ganz frisches Stück Kautabak über die Reling spuckte: „Daß ich auch so dumm gewesen bin und mir das nicht gedacht habe! Es war ja eigentlich ganz natürlich. Ta haben.wir ja alle die Hunde, das feine Beobachtungshaus mit einem großen Herd und einem hübschen Wachstuch auf dem Tisch und weiß Gott, was sonst noch! Jedermann hätte ja sehen müssen, wo es hingehen sollte!" Na, ich tröstete ihn und sagte, nachher sei leicht klug sein, und es sei mir sehr lieb, daß vorher niemand entdeckt hätte, wo es hinging."
vermischtes.
' Altägyptisches Schulwesen. Beneidet mar irt Aegyvten derjenige, der sein Leben dem Dienste des Affen Dhoute geweiht — jenes „lieblichen Affen mit glänzendem Haar", in dem man den Erfinder der Schritt, den „Briefschreiber der Götter", den Schützer aller Gelehrsamkeit verehrte. Denn wer sich die Erfindung des Dhoute zunutze gemacht, wer Schreiben gelernt und im Anschluß daran sich literarische Bildung erworben hatte, der ivar ein sogenannter „Schreiber" geworden und war nun auch geborgen und versorgt sein Leben lang. Die höchsten Beamrenstellen in der Verwaltung standen ihm offen, und ivar er strebsam, so wurde er zum „Fürsten" gentacht. Der „Schreiberstand", hieß es darum auch, „ist ein fürstlicher Stand — Schreibzeug und Buchrolle bringen Bequemlichkeit und Reichtum." Kein Wunder, daß liebende Eltern danach strebten, ihr Söhnchen beizeiten in das „Unterrichtshaus" oder die „Schreiberschule" zu bringen, in der auch Kinder des Volkes Ausnahme fanden! In älterer ZeK war diese Anstalt ain Hofe des Königs. Später scheinen andere Einrichtungen getroffen worden zu sein I Jede größere Verwaltungsabteilung, so nimmt man auf Grund zahlreich miigefimbeiter Schreibhefte und Schreibrafeln an, bildete sich in einer Unterrichtsanstalt junge Fachbeamte heran. So hatte z. B. das „Silberhaus" wohl eine eigene Schule. 'Auch eine Art „Kadettenhaus" scheint es gegeben zu habem Diese Militärschule trug den stolzen Namen „^ontglicliev Stctd Aufziehens". Tüchtige oder vornehme Knaben brachten es hier 511111 sogenannten „Stalloberen". Daß es in jenen Unterrichtsanstalten nicht weichlich hergegaugen ist, dafür bürgt der oberste Grund- und Leitsatz altägyplischer Pädagogik: „Ter Jüngling hat auf dem Rücken Ohren — wenn man ihn prügelt, jo hört er." Widerspenstigen Schülern drohte auch der Block, in dem man sie sogar ein Vierteljahr laug sitzen ließ, wenn es nötig erschien. Die Nahrung des Schülers wurde ihm aus dem elterlichen Haushalt in die Schule geliefert und sollte täglich nur aus drei Broten und zwei Krügen Bier bestehen. Schlafen abdr mußten die Knaben in der Schule. Hier wurden sie, selbst »wenn sie schon im Bett lagen", noch mit einem wahren Wasser- sau von guten Ermahnungen zu rastlosem Fleiße überschüttet. Auch am anderen Morgen trieb man sie beizeiten schon mit ailspornenden Sprüchen wieder an die Bücherrollen. Tas Tagewerk des Schülers bestand wohl zum großen Teil in Schreib- und Abschreibübunqen. Die „Schulpapyrusse" hatten ein charakteristisches Format. Auf ihren niedrigen Leiten hatten nur wenige langgezogene Linien Platz, .i-er obere Rand war für die Korrekturen der Lehrer bestimmt. Die Rückseiten dieser Blätter benutzten die Schüler nicht nur zu Kritzeleien, Jonbern auch zur Auszeichnung von Notizen. ~te letzteren sind für die Forschung von besonderem Interesse gewesen, denn sie scheinen zu beweisen, daß man die Knaben auch schon in den praktischen Verwaltungsdienst einweihte. „Und bei der staunenswerten Frühreife, die die heutigen ägyptischen Knaben auszeichnet", bemerkt hierzu der Aegyptologe A. Erman, „läßt sich vermuten, daß auch die zwölf- bis fünfzehnjährigen Schreiber des Altertums ihren Behörden schon wirklich nützlich'gewesen sind."
® c&tH e r I)t n t er § Licht geführt wilrd e. Von dem Tone, der tzwrschen denk neugebackenen Professor Schiller tu -vsena und seinen Hausgenossen herrschte, hat der württem-
bergische Dekan Göritz int „Mörgeublatt" 1838 allerlei taugtet plaudert, was uns den großen Dichter menschlich näher Bringt, jetzt aber Wohl nur wenigen bekannt sein dürste. Wir lesen darüber in der „Nordd. Allg. Zig.": Göritz war im Jahre 1791 als Erzieher eines Adligen in Jena und wurde, als Landsmann, von Schiller aufgefordert, mit seinem Eleven in demselben Kosihäuse zu speisen, wo auch Schiller nebst Frau, Hausjungfer und Bedienten sich bekösttgen ließ. Außer diesen waren noch Teilnehmer an dem Mittagstische Niethammer, Professor F-ischenich aus Bonn, Kammerherr von Stein aus Weimar, längere Zeit auch Schillers. Schwägerin, Frau von Wolzogen. Göritz hätte einst bei Tische erzählt, daß er als Kind von den Blattern häßlich entstellt gewesen! und deshalb von den anderen Kindern gemieden worden sei; besonders gekränkt habe es ihn, daß ein Nachbärskind, die Schwester des Dichters Haug, so oft sie ihn gesehen, die Zunge gegen ihn ausgestreckt habe. Als er das nächste Mal zu Tische kam, -streckten Schiller und sämtliche Tischgeuosseu die Zunge gegen ihn heraus, worüber es ein allgemeines Gelächter gab. Schiller neckte über- 'haupt gern. Um auch ihm einmal einen Streich zu spielen, verfertigten die Tischgeuosseu einen Brief, angeblich von der Hand Gälettis, eines in Gotha lebenden Historikers, den Schiller als unausstehlich langweilig tob geistlos haßte. In dem..Briefe schrieb Galetti an Schiller: „Er habe den ersten Teil der Geschichte des Dreißigjährigen Krieges von ihm gelesen, finde Sprache und Phantasie ziemlich gut, nur seien die Fakta alle falsch und unhistorisch vorgetragen; es fehle ihm wohl an gründlicher-Kenntnis der Geschichte. Diese besitze er, Galetti, im höchsten Grade. Er mache ihm deshalb den Vorschlag, die Geschichte gemeinsam zu bearbeiten. So würden Verstand und Phantasie in schönem Bunde etwas Vollkommenes liefern." Schiller -erhielt den Brief gestempelt von der Post. Mit -der Arglosigkeit eines Kindes kam er zu Tisch und erzählte: „Denken Sie nur, was der verfluchte Kerl (ein Liebliugsäusdruck Schillers), der Galetti, mir schreibt" usw. Besonders ärgerte ihn „der schöne Bund des Verstandes und der Phantasie". Er nannte Galetti einen Esel über den anderen,- und endlich erklärte er, er wolle ihm antworten. Tie Verschwörer sicherten sich, daß kein »Brief an Galetti auf die Post gegeben werden konnte, ohne daß er in ihre Hände gelangte, was leicht zu machen war, da Schillers Bedienter auch sie bediente. Aber Schiller unterließ eine .Antwort, und so wurde dem lustigen Streiche leider die Spitze abgebrochen. -
* Französischer Witz. Sei der Wahrsagerin: „Ich kann Ihnen noch nicht sagen, ob Sie einmal General werden, aber das verkünden mir die Karten ganz genau, daß Sie in der Mitte Ihres Lebens eine schwere Krankheit haben werden." — „Sagen Sie, — werde ich daran sterben?" — Ehre, wem Ehre gebührt. Der Rechtsanwalt: „Was, Cie haben Ihre Fran ermordet, die Sie anbeteten, wie Sie sagen; das Gericht hat Sie freigesprochen und nun find Sie nicht zufrieden Ja, was wollen Sie denn eigentlich noch?" „Einen Orden, Herr Doktor." — Der Prophet. Gespräch bei strömendem Regen: „Siehst du, dort hinten kommt Soundso. Ich will mit dir um drei Mark wetten, daß ich weiß, was er zu mir sagen wird." „Ja, woher kannst du denn das wissen? Was denn?" „So ’n Hundewetter ist noch nicht dagewesen". — wird er zu mir sagen." — Unerwartete Sin 110 ort. Tie gnädige Frau : „Hören Sie, Joseph, niemand hat gestern Kognak getrunken, und trotzdem ist jetzt die Flasche leer!" Joseph (mit einem seligen Lächeln): „Das ist ganz erstaunlich, wie die gnädige Fran die 'Augen Überall hat . . . Sie wären das Ideal gewesen, das ich mir zur Frau gewünscht hätte!" — Slllzn gütig. „Ach, der Herr Baron möchte verzeihen, aber er schuldet mir immer noch fünfundzwanzig Louis . . ." „Ich verzeihe Ihnen, Jean . . . ich verzeihe Ihnen." — E i n guter Grund. „Sagen Sie mir doch, Miß", sagt die kleine Coralie zu ihrer englischen Erzieherin, „warum sprechen Sie eigentlich nicht Französisch? . . Es ist doch soviel leichter wie das Englisch!"
Bilderrätsel.
Auflösung in nächster Nummer.
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummer: Soda, Sofa.
Redaktion: K. Neuratb. - Rotationsdruck und Verlag der -Briihl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gießen.


