1— — Einer aber hatte aufgepaßt.
Aha, der Herr Malermeister bleibt also zurück, da im Zimmer des Hausherrn!
Na ja, nun würde wohl alsbald auch die schöne Frau plötzlich verschwinden, wie sich die beiden andern Damen bereits verflüchtigt hatten — niedlich — sehr niedlich!
So, schöne Frau, heute werden wir quitt, wir zwei! Ich Paß dir aus... du kommst mir nicht unbemerkt vom Fleck... das Rendezvous da oben, das werd' ich dir versalzen ...!
Mit der Hast einer Schar großer Kinder, unter Lachen und Witzen waren die Herren die Treppe hinuntergestürzt, die Stabsoffiziere voran, hatten mit Halloh wie ein Schwarm losgelassener wilder Buben den Speisesaal, die Veranda, den Garten durchtvllt und standen nun an der Brüstungsmauer her Garteubastion ...
Ah! ah! aaah! —
Auf hem dunkeln Wiesengrunde, jenseits der Chaussee, irrten ein paar suchende, zitternde Jrrlichtflämmchen hin und her in der schwarzen Finsternis. Von Zeit zu Zeit machten sie Halt, tasteten noch ein Weilchen auf dem Fleck umher und — surr! schoß plötzlich eine schlanke Feuergarbe in die Höhe, zog einen langen, gelbrötlichen Funkenschweif hinter sich her, zerplatzte hoch droben zwischen dem Stern en- gewimmel des schmalen Himmelstreifs, der die schwarzen Mauern des Waldtals überwölbte, und ein Regen farbig strahlender Lichtballen sank herab... die heitern Konturen des Schlößchens, die ruhig träumenden Buchenhänge, die rankenübersponnenen Laubeustakete, die erhitzten Wangen und blitzenden Augen der Gäste tauchten jählings in magisch buntem Glanz aus der Fiusternis...
Jede Rakete, die aufzischte, würde mit stürmischem Jubel begrüßt, die schnurrenden Feuerräder, die zischenden und funkensprühenden Kaskaden mit tosendem Applaus ...
Und inmitten der überschäumend lustigen, von Ruhe- tagsbehagen mehr noch, denn von Sekt und Bowle erregten Kriegsleute stand Cäcilie... fremd ... verwaist... in einem grenzenlosen Gefühl hilfloser Einsamkeit...
Sie suchte den Blick des einen, dem sie sich wefenseins fühlte... und fand ihn nicht...
Martin Flamberg war nicht unter der Schar der großen Kinder, die das sinnlose Zickzackspiel der Funkenlinien und Feuergarben da droben begeistert bejauchzten...
Wo war er... ?
Unablässig beschäftigte dieser Gedanke die schöne Frau ... nicht ein einziges vertrauliches Wort hatte sie heut abend mit ihm sprechen können, nicht ein einziges! — Sie hatte sich vor ihres Mannes bang und schmerzlich beobachtenden Micken gefürchtet. . .
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Somnikrleutnsnts.
Roman von Walter Bloem.
Copyright 1910 by Grethlein & Co.
(Nachdruck verboten.)
(Fortsetzung.)
Mit kindlicher Eile stürmten die Herren hinunter, um üur ja nicht eine Rakete, nicht ein Feuerrad zu verlieren •— vder war's die Hast, von dem Werk hinwegzukommen, das sie alle unheimlich, übergewaltig hatte ahnen lassen, daß ein Fremdling aus einer. unbekannten, hoheitleuchtenden Welt in ihber Mitte weilte, aus einer Welt, deren Leb'ens- gesetze wirkten jenseits ihres Begreifens—? Und auch Frau Cäcilie war gegangen, hastig, ohne Abschied... >
Langsam, als letzter, schritt der Maler die Treppenstufen hinunter...
Nun Mächte er plötzlich kehrt... stieg langsam wieder MP'or...
Er wollte einsamen Abschied nehmen... Abschied von seinem Werk... Abschied von der Sphäre, der es nun angehören sollte wie sein Urbild... Abschied von der unerhofften süßschaurigen Schickung dieser acht Wochen...
Er trat in das Herrenzimmer zurück, warf einen langen Blick in dem Raum umher.
Der Schwiegervater des Hauptmanns hätte das Schlöß?- chen mit der ganzen Einrichtung gekauft. Das Zimmer trug noch nicht den Wesensstempe! seines jetzigen Besitzers.
Inmitten des behaglichen, doch konventionellen Prunks war Cäciliens Bild das einzige besondere Stück, verlieh dem ganzen Raum sein Gepräge, beherrschte ihn.
Links von der Tür war eine Erkernische, dort ließ sich Martin in einem unergründlichen Ledersessel fallen. Sein ringsum forschendes Auge blieb an der Tür haften, die vorhin beim Eintreten offen gestanden... die Frau Cäcilie ruhig geschlossen hatte...
Ja, ja — da war das Allerheiligste der Gottheit, in deren Vorhof er hatte weilen dürfen —
Künstlerlos —
Weg, weg, ihr Träume... nieder, nieder, ihr heißen Dränge... du wildanklagender Schrei unstillbaren Begehrens — nieder, nieder...
Es galt ja, Abschied zu nehmen... Abschied für ewig... Abschied auf Nimmerwied ersehn...
Und Martin.hob den Blick.
Ja — das da oben... das wurde fernen Geschlechtern erzählen von einer Schönheit, die wie ein unbegreifliches, undeutbares Märchen durch eine nüchterne, seelenlose Welt geschritten wär...
Das würde bleiben von der Schickung dieser acht Wochen «.. bleiben von den hundert bangen Stunden, der Wirrnis
schlummerloser Nächte, dem lautlos grimmigen Ringen zweier Menschen um Fassung und Entsagungsstärke.. <
Das war „der Zweck der Uebung" — hahaha!


