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machte breit bebaut, 3og ihr Korsett noch mehr m dievon ckr als Ideal ersehnte Stellung und tänzelte zum Bügelbrett. See bügelte. Bügelte trocken, bügelte feucht — es saß nicht „Ja, sagte sie als letzten, allerletzten Grund, das liegt ja aut§ mir daran, baß Sie feilt Korsett von der Jakobs „mit Staber Front tragen, da säße 'bte Sache tipp topp. Meine Damen drüben tragen das alle." Ich mußte mich in meinen Schmerz ergeben und ich habe mich hineingefunden langsam, langsam, nn^ dem Tröste, daß mir der Stoff, so lang er zwei Jahre in der Truhe lag und so lang ich die Perfekte noch nicht kannte, doch Freude gemacht hat in der Erwartung, das wird einmal ein fernes Kleid. — Ich gehörte nicht zu denen, die sich in lauten Worten Lust machen, wenn ich von meinen lieben Nebenmenschen geärgert werde. So auch hier nicht.
Sie ahnte wohl doch nicht, welche Wunden sie mir geschlagen, denn ganz zufrieden und stolz sagte sie, als sie die Hand voll Geld einsteckte, die ich für ihre Leistungen zollen mußte: „so nun wär' dies Kleid auch bereits schon fertig." „Hm" war alles, waS ich noch herausbringen konnte. Ach und tote vieles sollte dieses „Hm" ausdrücken. Bereitwilligst suchte mein Mann den Zug zur Abfahrt für die Perfekte heraus und „Gott sei Dank" sagten wir inbrünstig, als sich die Türe hinter ihr schloß, unser Mädchen gab ihr noch das Geleite nach der Bahn und als b.eje nach ihrer Rückkunft noch den Kehraus im Schneiderzimmer machte, meinte sie: „Huj, die hat aber fein goarbeit, was e schön, schön Kleid." „So, gefällt es Ihnen", sage ich und verschwand, verschwand auf meine Lagerstätte und wollte schlafen, doch ich wachte, der Schlaf konnte sich bei einer solchen Aufregung ja nicht einstellen! S o wollte ich das Kleid, nein, so konnte ich es nicht tragen. Ich versuche, daß ichs aus meinen Augen bringe und daß ichs losschlctgen kann, gaitz verlieren darf ich die Sache nicht, — die Flinte darf ich nicht ins Korn werfen. Als ich am andern Morgen trotz meiner herben Erfahrungen doch etwas erleichtert erwachte, ging ich frisch an die Arbeit. Auch wurde ich redseliger und erzählte dem Mädchen, indem etwas Schläue bei mir erwachte, daß das Kleid ja sehr fein und hübsch sei, aber mein Mann liebe nun einmal diesen neuen Schnitt nicht, drum mache mir es nun auch keinen Spaß, es zu tragen, und ich wolle' versuchen, daß ichs verkaufen könne.
„Ach, gnädige Frau, das is ja doch de feine Kimmo-schnitt, Mei Kusine lernt das eve beim Kleider mache, die verstehts, was die sei Mode is." Darnach ging ich ins 3immer und nahm eine Handarbeit auf und setzte mich an meinen Nähtisch. Da hörte ich, wie meine Donna plötzlich ans der Küche heraus sang, erst leise, dann leiser mit Gefühl, darnach laut und lauter, um wieder stufenweise abzuschwellen, sehnsüchtig verklingend. Ich merkte, es bewegte ihr etwas das Herz! Mit solcher Inbrunst und Gefühl hörte ich sie halt noch nie ihr Leiblied fingen.
Da tarn mein Junge nach einigen Minuten herein und sagte: Mama, die Seite sagt: „Huj, wenn ich das Kleid, was bei Mama 'hat, abkaufe dirft, da wär ich atocr emal froh, atoer ich glaub', das kost 60 Mark odder 65 Mark." Ich simuliere. — Auch ich sang nach einiger Zeit, erst leise, dann leise Imit Gefühl, fallt und lauter, um allmählich wieder abzunehmen und zu verklingen, auch mir hatte etwas das Herz bewegt — eilte Idee! 'Ich hatte noch einen ganz schönen Abend. Mein Mann war damit einverstanden, daß ich mein Mädchen mit dem feinen Produkt der Perfekten als Weihnachtsgeschenk beglücken durfte. Im wahren Sinne des Wortes beglückte ich sie.
Noch nie habe ich sie so strahlend beim Empfang seiner Weihtiachtsgabe gesehen. Und als ich nun bei meinem Mädchen Unprobe hielt, erstaunte ..ich selbst, wie ausgezeichnet ihr dasselbe stand. Entzückt und verklärt schaute sie in den Spiegel. Nein, so etwas Schönes hatte sie doch ihr Lebtag noch nickst auf sich gehabt. „Jo weiß mit Goldknöppcher steht mer zu gut," sagte sie, „int zu Hans haw ich noch e Schnall, da mach ich mer Goldbrofsee (Bronze) drauf un näh mer se noch auf die Gürtel." Es ist wahr, es stand ihr gut. Die roten Backen und die roten Arme mischten sich harmonisch mit den matten! Farben des Kleides. Oder war nur „in mir" eine Harmonie zustande gekommen? „Ja gelt, das gibt was fürs Tanzen, Seite?" „Ach Gott itei, das kann ich net firs Danze anziehe, wenn mer da Von be Männer um die Tallje angepackt wird, hat's gleich sein Dappe, das hew ich mer auf, wann ich emal beitrat." _____________
Vermischtes.
» D i e Hottaiel Friedrichs ves Großen. Der große König hatte nur als Kronprinz in Rheinsberg eine größere Tafet- runbe; als er die Regierung angetreten hatte, sah er 311111 eigentlichen Tiner, das schon um 12 Uhr uait*anb, da er Frühaufsteher war, nur wenige Gäste um sich; in späterem Alter pflegte er meist allein zu speisen. Gewöhnlich kamen acht Schüsseln auf den Tisch, nach damaligen Verhälinissen eine ziemlich einfache Teckel. Ter König hatte zwölf Köche, von denen jeder geivissermaßell Spezialist war und ganz bestimmte Gerichte Herstellen mußte. Friedrich war ein Feinschmecker, der die Speisekarte gewöhnlich selbst sehr sorg
fältig entwarf und jede einzelne Schüssel scharf kritisierte. Ost machte er sich beim Essen Notizen und besprach dann Fehler und Vorzüge mit dem Haushofmeister Noel. Er aß die Speisen so scharf gewürzt, daß sie für Gäste milder bereitet werden mußten. Tie Summe, die für den Küchenetat ausgeworfen war, betrug 12 000 Tater, aber dafür verlangte der König etwas: siir seine Takel acht, für die Marschallstafel ebenfalls acht ©.büffeln, bann mittags und abends drei Schüsseln für etwa zwölf Lakaien und kalte Küche für seine Hunde. Wie genau der Monarch auch hier alles prüfte und berechnete, beweist ein Brief, den er bald nach Antritt seiner Regierung an seinen Schatzmeister Fredersdorf schrieb: „Ich kann recht gut essen und die Köche könn die Selbige Eßen machen, mihr müssen Sie nicht die Hälfte von denen Jn- gredienszien stehlen, sonsten gehn alle Tage 11 Thaler mehr drauf, ich versichere hier, das unser Fräs nicht kostbar, aber nur delikat ist." Bei einer Küchenrechnung aus späterer Zeit, aus dem Jahre 1784, war aus irgendeinem (Sniube ein Zuschlag von 25 Talern gemacht. Friedrich schrieb dazu die drastische Nandbewerkimg; „Gestohlen, beim ungefähr hundert Austern smd auf dem Tische gewesen, kosten 4 Thl ; die Kuchen 2 Thl.; Quapvenleber 1 Tht. der Fisch 3 Thl.; die Kuchen auf russisch (wahrscheinlich kleine russische Pasteten, sogenannte Piroggen! 2 Thl., macht 11 Thl., bas übrige gestohlen. Da ein Essen mehr heute gewesen ist, Hering und Erbsen kann 1 Thl. kosten, also was über 12 Thl. ist impertinent gestohlen. Friedrich." , . _
Ick. Die Düse und ihre Puppe. Eine rührende Ge- schichte von der Tuse weiß ein italienisches Blatt zu erzählen. Als die Tuse ein ganz kleines Mädchen war und noch mit iljren ©Item unb bereu Wandertheater von Ort zu Ort zog, machte die Truppe einmal einen längeren Halt in einem kleinen Städtchen, wo man besonders gut ausgenommen wurde. Besonders die flerne Atife war so gut untergebracht, wie nie vorher. Ihr kleines Zimmerchen kam ihr vor wie ein Paradies, unb als die Wirtsleute ihr eine prächtige Puppe schenkten, war ihr Glück grenzenlos. Eines Tages aber kam bte Mutter zu ihr, um ihr mitziueilen, baß die Reise jetzt weiterginge unb baß sie ans Abschiednehmen beuten muffe. Das kleine'Mädchen weinte zuerst, verzweifelte fast und mußte sich natürlich der Gewalt des Schicksals fügen. Als der Relsewagen aber abfahren sollte, war bas Kind nicht brüt unb als man es wieberiaub, stellte sich heraus, baß es gerade die Tür des Zimmers zuschließen wollte, in dem es bisher gewohnt hatte. Natürlich fragte man sie, was sie beim in bem Zimmer eingeschlossen hätte. Tie Antwort lautete: „Ich habe meine Puppe büngelaffeit, weil weniguens bie glücklich sein soll." Alan schloß das Zimmer wieder auf und fand tatsächlich, auf der Mitte des Sofas Ntzend und durch weiche Kissen gestützt, die Puppe in ihrem schönsten Kleide vor. Alles Zureden hals nichts, die kleine Eleonore wollte lieber ihre Puppe im Glücke zurücktassen, als sie mituehmen, unb habet blieb es beim auch. , . ; _ „
* Wer war BuchHoltz? Die RedenSaA „Da keimen Sie Buchholtzen schlecht!" wohl auch bie andere „Dazu hat Buchholtz kein Geld" ist in weiten Kreisen bekannt unb gebräuchlich- Aber viele dürsten sicher in große Verlegenheit geraten, weint man von ihnen rviffen luolltc, iver benn eiflentltcl) bet fpctvfnine <>itcbl)oU) fei ober gewesen lei. Gewiß werden sie auch sehr überrascht sein, zu hören, daß niemanb anders als Friedrich der Große der Urheber des geflügelten Wortes ist. Als nämlich am 18. Dezember <66 das öiiniiieriuin an den König eine Anfrage in Betreff der Wiederherstellung der schadhaften geworoeneu Langen Brücke in Berlin richtete, beschied dieser kurz mit der Margiualbeinertung: „Buch- Holtz hat teilt Geld dazu." Dieser Buchholtz aber, über den nach Familienpapiereii ein Nachkomme vor 30 Jahren im „Bar" Näheres erzählt hat, und der von 1706-1798 gelebt hatte, wurde tm Jahre 1713 Hos-Etals-Rentmeister, war dann Kriegs- und Domänenrat und königlicher Trssarier.
* Bvrgesorgt. „Wie, mit dem schlechten Rock willst du ins Wirtshaus?" —■ „Na, soll ich mrineu besten vielleicht einer Gefahr aussetzen — diesen Abend wird bet uns der Haus- flur geswichen!"^ktisch«" Hausfrau. Er: „Ich dachte, Martha, du wolltest eine Kohlenschaufel kaufen?" -- Ste: „Ich hab' mir's überlegt und für das Geld zwei Theaterbillette für uns geholt, zum Kohlenanlegeu tarnt ich ja Handschuhe anztehen!
Magisches Quadrat
In die Felber nebenstehenben Quadrats sind die Buchstaben A A A A E E L L M M N N NR R ü berätst einzutragen, baß bie wagerechten u. senkrecht. Reihen gleichlautend folgendes bedeuten:
1. Einen Baum.
2. Holländischen Maler.
3. Wünscht sich fast jedes Mädchen.
4. Weiblichen Vornamen.
Auflösung tu nächster Nummer.
Auflösung des Rätsels in voriger Nummerr Sessel —Fessel —Nessel —Kessel. ~
Redaktion: K. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lang«, Giejen.


