Ausgabe 
11.1.1912
 
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Mein eigentlicher Beweggrund für diese Zeilen liegt aber auf, anderem Felde.

Als ich vor fast genau zwei Jahren zum letzten Male abschiednehmend vor Ihnen stand, gestatteten Sie mir in Ihrer mir so vielfältig erwiesenen Güte, Ihnen bisweilen Nachricht^über mein Ergehen, mein Vorwärtskommen zu geben. , Sie betonen dabei, daß dies zugleich die einzige Verbindung zwischen Signe und mir bleiben dürfe, und sie sagten mir zu, daß auch Sie mir gelegentlich, schreiben wollten Ich habe getreu daran festgehalten. Aber zürnen sie nicht, hochverehrter Herr von Gudarcza, wenn ich in dieser Stunde ganz rückhaltslos spreche: ich habe außer einigen ganz kurzen Zeilen auf meinen ersten Brief von Ihnen keine weitere Antwort erhalten. Meine Mutter schrieb mir einige Male, was sie, halb durch Zufall, über Signe erfuhr sonst bin ich überhaupt uachricktenlos geblieben. Es soll das übrigens in keiner Weise ein Vor­wurf sein oder eine bittere Empfindung ausdrücken, viel­mehr lediglich eine Tatsache konstatieren. Meine Hoff­nungen hat Ihr Schweigen nicht erschüttert und auch nicht das Vertrauen auf Ihr Wohlwollen, denn ich weiß, wie oft äußere Gründe hindernd auf die besten Absichten zu schreibest einwirken.

Die letzte Mitteilung meiner Eltern zwingt mich aber, aus meiner Reserve herauszutreten"

«Aha!" machte Eberhard spöttischDas glaub ich gern."

Lies, nur weiter."

. . . herauszutreten. Einmal, weil die zwei Jahre nahezu um sind, die Sie selbst mir als Frist stellten, dann aber, weil seltsamerweise jene Mitteilung fast genau mit einer glücklichen Aenderung meiner eigenen Lage zusammen­traf.

So schwer mir in der ersten Zeit das Einleben in mernem neuen Beruf wurde, so wenig Hornung ich zuerst auf ein schnelleres Vorwärtsconnnen higtc, so günstig ge­staltete sich mein Geschick in: letzten Jahre. Ich war in das Konstruktionsbureau gekommen und fand hier Ge­legenheit, bei der Ausarbei.ung der neuen Rücklauflafette, von der Sie vielleicht gehört haben werden, eine g ückliche Idee es war kaum mehr zum Ausdruck zu 'bringen Die Firma erkannte das in der bereitwilligsten Weise an. Kurz und gut: vor wenigen Tagen erhielt ich eine so be­deutende Gehaltszulage, daß mir jetzt die Begründung einer eigenen Häuslichkeit möglich ist. Mein Gehalt be­tragt nunmehr 600!) Mark, und das genügt hier für die Bestreitung eines freilich bescheidenen Haushaltes. Auch stellt einC eitere Aufbesserung in baldige Aussicht ge- Jch war im Begriff, selbst nach Körliu zu. kommen, als der Bries meiner Eltern eintras.

Sie iverden mir nachfühien können, hochverehrter Herr von Gudarcza, wie sehr mich die Nachricht, die dieser Brief enthielt, beunruhigt. Ich war so froh und so sicher nun bin ich in tausend neue Zweifel gestürzt. Nicht Zweifel an Signes Liebe. Aber ich muß mich fragen, ob ich Ihnen unter so veränderten Verhältnissen noch als Schwiegersohn genehm bin? Und muß mich doch auch fragen, ob Signe heut sich in die bescheidene Lage, die ich ihr bieten kann, hineinfmden Wirb; denn ich bin unter allen Umständen entschlossen, in meiner Stellung zu blerben. Ich bitte Sie daher vor allem, mich, meines Wortes zu entbinden und mir zu gestatten, au Signe zu schreiben oder besser! besser! -' selbst kommen, mit ihr sprecgcu zu dürfen. Und ich bitte Sie weiter, niich Ihre eigene Auffassung wissen zu lassen.

. , Mit innigem Tank im voraus und gehorsamsten Emp­fehlungen an die gnädige Frau

Ihr vereHrungsvoll ergebener

V. v. Kciltenegg."

. Eberhard legte bett Brief zurück. Wie eine gleich-, gültige, tut voraus abgetane, Sache. Und als der Kater votu Hintergrund des Zimmers her fragte:Nun?" - - weinte er:Hat Signe schon gelesen?"

A f .,"9Zei,L -Der Brief kam vorhiii erst, und sie ist mts- gefahren. Aber ich wollte wissen, wie du "

«tr't?5eigentlich ganz gleichgültig. Ein sehr Hübscher, fehr geschickter Brief. Hübsche Mache, um ein Ännitufcmjit fangen. Nur Signe wird Kalienegg da­mit Nicht fangen. Etu Lämmlein ist sie nicht

,, Verdrossen warf der. Major ein Paar Bücher über-! einander. Er wollte eigentlich heftig entgegnen/energisch widersprechen. Aber er sah zu. dem Sohn hinüber, und da schwieg er. Es ging ihm jetzt häufig so. Die Kinder Ppiien etwas Ueberlegenes, dem er sich nicht gewachsen rssh'ie. üud dann war in seiner Seele ein unsicheres Ge-

Ppi der Eberhard da am Ende nicht recht? Zwar nicht nllt Kaltenegg, cher ist ein uranständiger Kerl. Aber mir Signe. . . mit signe. . . ein Sammlern ist sie nicht.

Eberhard hatte den Stuhl langsam halblinks gedreht. Er sali nun wieder in einem englischen' Klubsessel: weit hintenübergelehnt, die Beine übereinandergeschlagen;, zwischen den Lippen die Zigarre. Ein wenig nachdenklich sah er aus.

Dann nahm er die Bock aus beut Munde, betrachtete nach ein paar Augenblicke die Leibbinde, so aufmerksam, als ob die Goldbuchstaben ihm ein besonderes Geheimnis! verraten könnten, uub sagte endlich:Hör mal, lieber alter Herr, bester aller Väter was würdest du dazu meinen, wenn ich mich zu den Gardedragottern versetzen, ließe?"

Dresntal schwieg der Vater nicht. Er kam hastig auf (/en_ 2ohn zu:Teilt altes gutes Regintent verlassen? Bloß weil du jetzt ein paar Groschen mehr Zulage haben rattnst! Nur um der lieben Eitelkeit zu frönen? Eber­hard Eberhard das kann dein Ernst nicht sein! Wenn ich daran denke, lvie schwer es mir wurde, aus bcm Regi­ment zu scheiden! Und da lvillst btt . . . ohne weiteres! . . . zur Kavallerie, zur Garbekavallerie? 'Fahueuslüchtig werben, sozusagen!"

Was regst bit. bich auf, lieber Papa? Und verkehrst alles ? Die Sache liegt ganz anders: Ich habe immer Pjerdtpassion gehabt, ich wäre bestimmt von Anfang an Kavallerist geivordett, wenn die Mittel dagewesen tunreit. Siehst du: warum soll ich jetzt die Möglichkeit nicht aus-, nutzen, meinen al-en Wunsch zu erfüllen? Wariim die be­sonderen Chancen, die die Garbekavallerie bie.et, nicht mit-> nehmen? Die sind doch nun nral vorhanden. Militärisch: sieh dir einfach die Rangliste durch. Und gesellschaftlich erst recht, was heutzutage mehr als je mitspria-t. Ich lvikl dir nur gleich jagen: ich hab schon hinten herum durch den! Regintenrsadjutanten, Grafen Shtlar, gehorcht der Kom-t mandeur nimmt mich mit Kußhand!"

(Fortsetzung folgt.)

Tie perfekte.

Humoristisches Erlebnis von Marianne Berff.

(Nachdruck verboten.)

Ter Entschluß befreit! gut, abgemacht: das Helle Kleid, das schott 2 üchre in der Truhe lag und auf das Erscheinet einer perfekten Schneiderin aber einer wirklich perfekten wartete, soll tum doch endlich mal gemacht werden.

Helle Stoffe werden nicht schöner, wenn sie lange liegen,< Frauen, die die dreißig überschritten, tun auch gut, sich in hell M klerden, denn es hebt.

Last not least war niein Mann es auch müde, ivetttt wir zu einer Geselligkeit gebeten wurden, uub er mußte die stereotype Redensart hören:Ja ich hab aber doch nichts Rechts cmwziehen!"

-vent allen sollte jetzt baldigst abg.Holsen werden. Man w Ute aber, oa man. nun endlich ans Werk gegangen, davon aojehen, C/lt/bCrilt mis unserem kleinen Orte zu nehmen, die so surchtbar haiisbacken und nüchtern arbeitete, nein wir wollten eine aus der sehr benachbarten Großstadt nehmen da hat von? sicher alles Schick! Zwei Abende hintereinander beschäftigte man sich saft ausschließlich mit dem Dnrchlesen der sich so lang htitziehenden Antioncenspalte, doch Waren fast alle nur unter einer Chlssrenummer zu beziehen. Doch halt, hier standen noch! Mstnitl Namen. Die eine Luise Fichtner, betonte ihre Tuchttgiett namentlich in Kinderkleidern, war also -lischt, voch. hier die andere, Elsa Kracht, die Paßte, .brillant. Tenn ste schrieb, daß sie nur Perfektes leiste vom Einfachsten bis Elegantesten, arbeitet in nur erstell Häusern und dazu auch noch bet mäßigem Preise. Die imponierte mir. Wozu also noch lange überlegen, die Zeit verrinnt, übernächste .Woche Wäsckw daun Besuch schnell, ich bestelle sie, ach, hofsertiltch paßt eS M me nächste Woche, das -wäre großartig. Eine. Briefmarke! vesand sich noch tn «reineyl. Portemonnaie, zw>ar ohnePapp", M Mehlktmter,umß auch gehen, wen».man so iu Eile bei dem Wichtigen ist. Eins, Mei, drei saß sie drauf. Mein kleiner Filius S, sie 'u ocn Kasten werfen, und nun saß ich denn da und wartete aus Antwort.