Ausgabe 
7.12.1912
 
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grenzenden Dekanaten eine mal,re Handwerterkolonie. ES waren da Pfarrer: zwei Schuster, em Schneider, em Weber, em Schä'er, ein Bäcker, ein Jäger, em Hlscher, ein Koch, em Kohler, em ^losser^ ^üummeu Manchmal auch Unnamen) betrifft, so bezeichnen dieselben ihren Träger oit sehr genaw -"ch da seht so ein Unname viel Haß, wenn er gebraucht wird. Ich kenne eme Piarrei, in der ich auch kurze Zelt tätig war. da hat ein Vor- aänaer (Vikar) einen genauen Ortsplan gezeichnet hinterlassen, m dem bei jedem Haus der besondere Name beigesugt ist; veröffent­licht hat er ihn klugerweise jedoch nicht.

Nidda. Werner.

Alles schon -agewesen!

Eine Kulturgeschichte in Zeitungsausschnitten: das ist der originelle Gedanke, auf dem Eberhard Buchner^sem Werk Das Neueste von gestern" anfgebaut hat. Vom L>. ^^^huudert an läßt er die Taten, die Meinungen, und das Leben der Epochen in Notizen und Berichten der gleichzeitigen Zeitungen an uns vorübergleiten, und er führt seine Darstellung den beiden, soeben bei Albert Langen iii München erscheinenden schlußbanden des Werkes bis an die Schwelle der großen Revolution, ^a w Epoche, mag sie es nun Wort haben oder nicht, von dem be- sriedigtcn Gefühle erfüllt ist, wie herrlich weit sie es doch ge­bracht habe, so ist es für den nwdernen Menjchen eine recht ve- haglrche Lektüre, zu verfolgen, mit welchen Ideen, Phantajim und Wahnvorstellungen sich seine armen Vorjahren haben herum- schlagen müssen. Allein von Zeit zu Zeit mag uhn doch.rn sement Hochgefühle eine von diesen alten Zeitungsnotizen stutzig machen, wenn sie ihm zeigt, daß selbst das Modernste garuicht so aus­schließlich modern ist, wie es ausschaut, und wiederum , daß keine Torheit so alt ist, daß wir nicht iwch heut Mit ihr zu tun bekommen könnten. , .

Wer ivird nicht z. B. das Auto als eme.hoM moderne Er­rungenschaft anzusehen geneigt sem? Aber im 2"hre 1727 be- reits meldete tut Berliner Blatt:Ern gewisser Mathematieus allhier hat eine Carosse auf vier Personen erfunden, nntZvelckjer er ohne Pferde durch ihre eigene imierltche Bewegung 14 ,rcanz0- sische Meilen in zwei Stunden, und zivar »n deut tiefsten sande, fahren will." Will da liegt freilich der Has int Pfeffer: und weiter wird es wohl auch dergewisse Herr Moore in Lunten nicht gebracht haben, der nach enter Meldung desselben Blattes im Jahre 1769 eine Art von Fuhrwerk erfunden haben sollte, welches ganz von selbst gehet, und wozu man keme Pferde oder sonst etwas, dasselbe zu ziehen, gebraucht." Aber Nicht nur deni Auto, sondern sogar schon der Flugmaschme begegnen wir tn diesem 18. Jahrhundert. 1772 war in der Haude-Spenerschen Zeitung in Berlin, die solgende Mitteilung M lyen: ,,Em tn der Mechanik sehr geübter Mann hat nach stneliahrtger.Muhe ent fliegendes Fuhrwerk erfunden, womit man sich geschwind in die Höhe erheben, und in der Luft ohne einige Gefahr nach Gesalten rechts oder links oder gerade weg fliegen, und ohne müde zu werden, einen Weg von mehr als hundert franzosncheu Meilen zurücklegen kann. Diese Maschine ist nicht nur so dauerhast, daß sie nicht leicht zerbricht, sondern auch gedeckt, daß man vor dem Regen sicher ist. Man kann damit langsam oder geschwind fliegen, und bey stillem Wetter in einer Stunde 24 französische Meilen, bev gutem Winde auch über 30, bey Sturm und Regen aber nur 10 französische Meilen machen. Genannter Mechanlcus versichert bey seiner Ehre die Richtigkeit dieses von ihm erfunoenen Fuhr­werks, davon der Preitz 4000 Lomsd'or ist." Vielleiast hat dieser hohe Preis es verhindert, daß der Herr Kanonikus Desorges in Estampes das war der Erfinder des Wunderwerke» Käufer dafür fand. Von der Technik aus ent anderes Gebiet überzugehen, so erfahren wir imi Jahre 1727, daß man damals schon den Bazillen auf der Spur war. Damals ward nämlich aus Paris gemeldet:Es hält sich allhier ein sicher fremder Medicus auf, welcher behauptet, daß alle Kranckhetten des mensch­lichen Leibes von verschiedeiren Arten Ungeziefer oder Wurmen Herrühren, wie er denn solche Würmer durch ueuersundene Ber- größerungsglüser deutlich zu zeigen vermeynet, auch vor jede Art derselben ein besonderes MedicaMent erfunden yaben will. Damit wäre er wahrhaftig weiter gewesen, als die moderne Medizin sich rühmen kamt: im übrigen aberWürme" oder Bazillen das Prinzip ist dasselbe. ..

Hat nun, tote man aus diesen Anfuhmngen lieht, die Ver­gangenheit auf ivissenschaftlichem Gebiete allerhand Modernstes aufzuweisen, so bürten wir zum Entgelte uns tüteten, daß wir niit ihr noch immer so manche Torheit teilen. Erst kürzlich ward aus Frankreich ein Frauenduell gemeldet: es hat einen Vor­gänger bereits im Jahre 1727 gehabt, indem damals auf dem Platze Christo Grande zu Neapel zweiWeibs-Personen" in Mannskleidern ein Duell miteinander ausfochten. Siebegunten mit sonderbarer Frehmütigkeit auf einander los zu gehen, auch solches zu verschiedenen malen zu wiederholen, ohne daß eine der anderen im Geringsten hätte uachgeben wollen, ober dieselbe niederzuschlagen einen gefährlichen Streich beybringen können; daher sie nach einem dreyviertelstüstbigen Kampf mit einer leichten

Wunde an der Hand sich alle beyde als Überwundene und Über­winder rvieder vertrugen." Die Frauen iverdeu sich am (Silbe wohl überhaupt seit jener Zeit nicht gar so sehr verändert haben; von vielen gleichartigen Zügen sei hier nur einer vermerkt, der beweist, daß bas Selbstbewußtsein der Primadonnen schon tm 18. Jahrhundert so groß gewesen ist, baßes mit dem der heutigen Gesangssterne sich recht wohl messen kann.Weil die berühmt« Sängerin Corzoui so heißt es 1729 aus Wien h^r nicht bleiben will, wo sie nicht eine jährliche Pension Von 24 000 F. bekömmt, unser Hof aber sich nicht dazu verstehen will, so wird sie mit ehestens von hier nach Italien reisen." Könnte ungefähr so auch in einer heutigen Zeitung stehen, nur würde dann am Schlüsse der Notiz nicht von Italien, sondern von Dollarika die feilt

Die Auswahl an kulturhistorischen Belegen für das oft an­geführte Ben Akiba-Wort ist in Buchners/interessantem Werke überreich. So mag beim eine Notiz ben «Schluß bilden, aus der zu ersehen ist, daß die Prüderie in alten Tagen so. gut, wie in unsmer modernen Zeit, blühte. Ein Bericht aus Paris vom Jahre 1(31 erzählt:Der Hertzog von Orleans hat besohlen, an den mar­mornen Bildern, so in beiten Gürtens des Konigl. Pallastes.be- finblich, diejenigen Oerter, welche die Ehrbarkeit und Schamhassiig- keit verborgen haben will, mit ausgehaueuen Blättern zu bedecken welche Ordres auch bereits vollzogen sind." Ist aber leider barmst doch nicht bekaniit geworden, daß die Moral des mieten tegime sich merkbar gebessert hätte.

humoristischer.

* Sehr offen. Gast (int Restaurant die Speisekarte stu- bierenb):Kellner, hier haben Sie fünfzig Pfennig und nun sagen Sie mir, was Sie mir am besten empfehlen können. Kellner (heimlich):Geh'n Sie in ein and'res Restaurant .

-> Die reiche" Heirat.Na, deiner Schwester soll s ja glänzend gehen, sie soll doch ''n reichen Walzwerkbesiher ge­heiratet haben."Ach, is nich so schlimm, Papa muß immer noch blechen!" _____________

viichertrsch. a

Die neue Serie der Univ ersal-Bibliot Üe? (Verlag von PH. Reclam jun., Leipzig) enthält: Theodor Mugge, Afraja. Roman in zwei Teilen. 2. Band. 'Jlr. .j471--j474. Mit einer Einleitung herausgegeben von Max Mendheim. Albert Schmidt, Jagd ums Gold. Eine Erzählung aus Kalifornien. Nr. 5475. Dr. Hans Lieske, Rechtsfragen des täglichen Lebens, Plaudeteien. Zweites Bändchen. Nr. 5476. - Luise Westkirch,

Der Knecht von Wörpedamm. Wie Hinrich Steinwedel um seme Frau warb. Zwei Erzählungen. Nr. 5477. Bmher der Naturwissenschast, hcrausgegeben von Prof Dr. si.egm Gunther. 14. Band: Studienrat Prof. Franz ?ldami, Die Elektrizität. Zweiter Teil. Mit 4 färbigen und 8 schwarzen Tafeln, 89 Zeich­nungen im Text und einem Gesamtreglster für Elektrizilat 1 und II. Nr. 54785480.

Uöttigspromenade.

Mau dari die einzelueu Wörter und Silben nur in der Meise miteinanber veibinben, baß man lute der König aus deni Schach­brett stets von einem Feld an? ans ein benachbartes übergeht

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Auflösung in nächster Nummer.

Anflöjmig des magischen Quadrats in voriger Nummer;

Redaktion: K, Neurath. Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Wietzen»