Donnerstag, den l. November
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Die Dame im Pelz.
Roman von G. W. App le ton.
(Nachdruck verboten.)
(Fortjetzimg.)
Halt, halt mein Lieber. Nur immer langsam. Eine Frage nach 'der anderen. Wie ich sie aufgeklärt habe? Nun, als du gerade um die Ecke verschwunden warst, kam der Wagen vorgesahrcu. Ich ging schnurstracks ait den Schlag und öffnete. Ich warf Helen einen Blick zu, den sie sofort als Alarmsignal erkannte, und- zu Marcella sagte ich be- ruhig end lächelnd: Es tut mir leid, es Ihnen sagen zu müssen, aber Ihr Bräutigam war so ungalant, Ihnen wegzulaufen. Sie sah mich starr an. Mir wegzulaufen? seufzte sie, und wurde weiß wse 'ne Waud. Selbstver- stänolich nur auf 'ne kurze Zeit, erklärte ich weiter. Gerade im Augenblick kam ein Bote angestürzt und brachte ihm die Nachricht, daß seine Tante im Sterben liege und ihn unverzüglich zu sehen wünsche. Natürlich war der arme Kerl ganz verzweifelt und wollte anfangs nicht mitgehen; aber, wie Sie ja wissen, hängt von seiner Versöhnung ein ganzes Vermögen ab, und düshälb drängte ich ihn, auf joden Fall mitzugehen ustd die Aufklärung über diesen Zwischen- fall mir zu überlassen. Eine Verschiebung der Feier um ein paar Stundeu oder selbst um einen Tag schadet doch nicht allzuviel, uicht wahr? Sie wurde rot wie eine Rose und antwortete: Natürlich nicht. Aber er hätte doch wenigstens ein Minütchen warten können, um mir's selbst zu sagen. Das würde er auch getan haben, versetzte ich scherzhaft, aber er hatte das Vertrauen, daß ich Ihnen die Sache schon richtig hinterbriugeu würde, und der Zug würde nicht auf ihn gewartet haben; er hatte knapp zwei Minuten Zeit übrig.
Das ist ja soweit alles ganz schön, warf ich hier ein, alber nachh-er — was sagtest du dann?
.Warte doch, ertviderte Mortimer, und sei nicht so ungeduldig. Zunächst ging ich dann in die Kirche, suchte den Geistlichen in der Sakristei auf und setzte ihm mit kurzen Worten auseinander, daß plötzlich Umstände eingetreten wären, die eine Verschiebung der Traufeierlichkeiten nötig machten. Ich gab ihm die Versicherung, im Laufe des Tages nochmal bei ihm vorzusprechen, und kehrte dann zu den Damen zurück, um mit ihnen nach Hause zu sahren. Dort bemrtzte ich die erste Gelegenheit, Helen einen Moment beiseite zu° nehmen, und erzählte ihr die volle Wahrheit. Sie war natürlich ganz -entsetzt; aber sie ist -ein großartiges Weib, die Helen. Sie nahm alle Energie zusammen, und als ich ihr sagte, sie müßte die schreckliche Nachricht ganz allmählich, -erst Lucy und dann Marcella beibringen, erklärte sie sich sofort bereit, diese schwierige Aufgabe zu übernehmen. Denn ich bin gleich weggelaufen, um zu dir zu eilen. Verlaß dich darauf, es wird sich alles machen.
Aber, entgegnete ich ihin saufg-eregt, jdu weißt nicht, fvie's Marcella hinnehmen ivird. Du weißt nicht, wie —
Daß laß deine Sorge nicht sein. Ich sage dir nochmals, das wird sich schon machen. Das muß sich machen. Allerdings müfsen wir dich möglichst schnell aus diesem verfluchten Loch 'rausbringen. Das ist jetzt bie Hauptsache, rind deshalb bin ich hergekommen. Der Gerichtshof hält jetzt Mittagspause. Du wirst in etwa einer halben Stunde Vorkommen. Dann -werden wir näheres über die Beschuldigung ersah-ren und auch hören, wer sie vorgebracht hat. Es handelt sich nun um einen guten Verteidiger. Was meinst du zu einem kühnen Coup? Wollen wir nicht Herrn Barton engagieren?
Ich blickte ihn erstaunt -ast.
Den Anwalt meiner Tante?
Warum nicht? Das heißt, wenn -er's übernehmen will, Das wird er nie tun. Wie kann er einen Mann verteidigen, der des Mordes an seiner Klientin angeklagt ist!
Eines Mordes angeklagt zu sein Und ihn begangen zu haben, ist zweierlei. Bartou wird niemals glauben, daß du eines solchen Verbrechens schuldig bist, und es liegt also kein vernünftiger Grund vor, warum er deine Verteidigung nicht übernehmen sollte, und die moralische Wirkung, toeiut er dich verteidigte, würde ganz bedeutend sein. Für alle Fälle habe ich ihn benachrichtigt und gebeten, sofort hierher zu kommen. Wenn er's tut, kannst du ja selbst mit ihm sprechen.
Bevor ich noch -etwas darauf erwidern konnte, hörig ich, wie der Wärter zu jemandem sagte: „Hierher," und im nächsten Moment führte er Mortimer und mich in ein Wartezimmer. Herr Barton sprang uns entgegen und drückte mir die Hand.
Heiliger Himmel, Doktor, sagte -er, was soll -das alles bedeuten?
Ich weiß vorläufig weiter -gar nichts, antwortete ich, als daß ich beschuldigt werde, meine arme alte Tante ermordet zu haben. Nun, Herr Barron, Sie kennen mich ja seit —
Seit Ihrer Kindheit. Natürlich kenne ich Sie. Weiß Gott! so w-as ist mir im Leben noch- nicht vorgekommen. Sie Ihre Tante ermorden! Das ist ja lächerlich, unerhört!
Das ist Herr Mortimer vermutlich?
Mein Freund verbeugte sich.
Freut mich sehr, Sie persönlich kennen zu lernen. Ihre Zuschrift bekam ich vor einigen Minuten, und ich bin daraufhin gleich hierher geeilt. Natürlich will ich seine Verteidigung übernehmen. Diese Hep-hzibah, 'Doktor, hat bei der Sache sicher die Hand im Spiel — fie und der schmutzige Pennyseather. Sie behauptet, Sie seien gestern abend mit Gewalt in die Wohnung gedrungen. Stimmt das?
Nein, antwortete ich. Diese Lügnerin! Ist so was möglich? Und dann erzählte ich ihm genau den Hergang.
Ha! sagte er, als ich fertig war. Sie scheint es allerdings ganz anders darzustellen. Soviel ich mir aus dem


