Ausgabe 
7.8.1912
 
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481" -

schiller aus der Badereise.

Pyrmonts hyMger Vorn.

Von Ottp Buchmann.

.In spateren Jahren wellte Friedrich der Große für längere Beit m Pyrmont. Auf dem Königsbcrge sollen die Pläne zum zweiten schlesischen Kriege von dem großen Schlachtenlenker ent­worfen worden fern. An den großen König erinnert ein Denkstein auf dem Königsberge, der die Aufschrift trägt:

Fridericus Maximus

Fonts Salutifero

Vires Restauraturus Hoc secessu Gaudebal.

-.Die Bergwälder sind die igüter der Schätze Pyrmonts. Mit smaragdenen Wälderschanzen umrahmen sie Pyrmonts lieb- liches Tal, aufstrebend in die selige Bläue des Sommerhimmels. Sie sind es auch, die Pyrmont den Ruf eines idealen klimatischen Kurortes eingetragen haben.

$>ie Heilfaktoren Pyrmonts umschließen natürlich ein großes Krankheitsgebiet. So entfallen in das Heilgebiet der Quellen, um sie in kurzer Skizze anzuführen, folgende Krankheiten: Stoff­wechselkrankheiten, besonders Gicht, Skrofulose, Rachitis: Krank­heiten des Herzens und der Verdauungsorgane, der Atmungs­organe, der Leber, der Sexualorgane, Nieren- und Nervenkrank­heiten, sowie chronische Rheumatismen.

Tie Pyrmonter Badehäuser sind gewaltige Apparate, so können 8- B. in dem sogenannten oberen Badehause, ein Bau, der in den Jahren 1905/1906 entstanden ist, zu gleicher Zeit 145 Stahl-, 57 Sol- und ebensoviel Stahlsolbäder, sowie 27 Moorbäder zu Zleicher Zeit verabfolgt werden.

Außer seinen hervorragenden Eisensäuerlingen und Kochsalz- guellen, die zu Trink- und Badezwecken benutzt werden, hat Pyr­mont in seinen reichhaltigen Eisenmoorlagern, einen Heilfaktor, wm den es von vielen Bädern mit Recht beneidet wird.

. Pyrmont, wie es sich jetzt zeigt, ist ein modernes Bad, em Ort, der den Charakter eines Weltbades deutlich aufgeprägt tragt.

Nur ein einziges Mal hat Schiller eine wirkliche Badereise unternommen. Das war in jenem traurigen Jahre 1791, wo iljn gleich zu Anfang ein furchtbarer Anfall seines alten Leidens, uer Brustkrampfe, monatelang darniederwarf, im Mai ihn ein Ruckfall an den Rand des Grabes brachte und schließlich keine andere Rettung mehr schien, als daß er die heilenden Quellen von Karlsbad, aufsuchte. In die Sommerfrische ist Schiller freilich auch sonst des öfteren gegangen. So hat er zu Loschwitz im artigen Gartenhäuschen des Freundes Körner vergnügte Tage verbracht; aus Weimarflog" er 1788 aufs Land nach dem! lieblichen Volkstadt bei Rudolstadt, wo er schwärmerische Tage mit den Schwestern Caroline von Beulwitz und Lotte von Lengefeld verlebte, wo die ersten Fäden des künftigen Ehebundes geknüpft wur- 1-793 bat er die Heimat wieder besucht, um sich zu erholen und che Tage der Kindheit wieder heraufzubeschwören, er hat 1803 in Lauchstadt Kur gebraucht, aber zugleich regen Anteil am Wei­marer Theater genommen, das hier gastierte, viel gearbeitet und nicht die nötige Stille und Einsamkeit gefunden. Wie er selbst gestand, zog. ihn nicht so das Bad, als das Theater hin So bleibt denn der Karlsbader Aufenthalt seine einzige Badereise, die von trefflicher Wirkung auf seinen außerordentlich geschwächten Körper war.

Schiller reiste nicht gern; die äußeren Schwierigkeiten und Hindernisse waren ihm lästig, und schon die V o r b e r e i t n n g e n betrieb eretwas geniemäßig", wie uns Funck erzählt, der ihn vor seiner großen Reise nach der Heimat 1793 beobachtete.Sie kennen ja seine Art," schreibt er,auf der Stelle für jedes Hinder­nis eine Auskunft zu finden und daun gleich nicht mehr daran zu,denken. Komisch hMtr es indessen, wie glücklich dies Benehmen auf die Menschen, die einem sonst solche langwierigen Reisen so sehr verbittern, auf Fuhrleute, Aufpacker, Frachtkärner usw. wirkte. Er sah alles in rosenfarbenem Lichte; daß die Kerls groß werden könnten oder Geld erpressen wollten, fiel ihm gar nicht ein; sie waren ihm gutmütige Dummköpfe, denen er mit gutem Rat bei­stand, wie sie die Reise, die Fracht, die Ladung usw. einrichtenj sollten. Kaum war die neue Schwierigkeit mit vielem Drucksen Hinterhalten, mit Nein und Aber wenn herausgesagt, so hatte er gleich auf der Stelle zehn Gegenmittel und blieb dabei bei so guter Laune, daß die Grobians völlig deroutiert nach Hause gingen, um in einer Stunde wiederzukommen, neue Schwierigkeiten zu machen und ebenso wieder abgefertigt zu werden."

Bei der Reise von 1791 war Schiller zu schwach, um selbst etwas vorzubereiten; seine Fran !und deren Schwester Caroline begleiteten ihn, und außerdem hatte ihn sein bewährter Jenenser Arzt Dr. Starke noch einen seiner Klmikgehilfen Tr. Eicke als medizinischen Beistand mitgegeben. Als 90jähriger Greis hat dieser Begleiter interessante Mitteilungen über die Badereise ge­macht. Schiller litt hauptsächlich an heftigen Brustkrämpfen und bedurfte bei diesen Anfällen eines starken Beistandes, wozu sich- der robuste junge Mann gut eignete.Schon während der Reise mußte er dem Patienten im Wagen gegenübersitzen und denselben, wenn er bei seinen asthmatischen Zufällen zurücksank, an den Händen emporziehen, toobei Schiller stets bereitwillig selbst die Hände entgegenhielt." Mm 1. Juli kam Schiller in Karlsbad

knd führte sie in den waldbestandenen Grund, der sich

zur Rechten des Kastanrenwäldchens Mnzva . . " 3

Alle Wetter, Keule galt's aufpassen! 3

(Fortsetzung folgt.)

1 Komfortable Hotels mit allem Luxus, Pensionen S'nnto für Unterkunft für all' die Saufen'HeSSnt(MB suchend, alftahrlich besuchen. Im Jahre 1910 weilten hier 40 000 Fremde, darunter 14 000 Kurgäste, an die 125 000 Bäder ab­gegeben wurden Ein Prachtstück deutscher Architektenkunst ist das Kurhaus. Mit seiner Flucht von 200 Zimmern, seinen 40 eigenen fDiincrnlßabent im Anschluß an die Fremdenzimmer ist es ein großzügiges Hotel, tote man es nicht oft findet

Tie Fürstliche Kurverwaltung untersteht dem großzügigen ^rdtrektors von Beckerath. Ein Reigen fröhlicher Tage ist die Saison in Pyrmont, denn nur mit heiterem Sinn laßt es sich zur Genesung kommen. Gartenfeste, Sinfonie­konzerte, Pferderennen, Lawn-Tennistourniere usw. usw wech- W m bunter Reihe ab, und schassen Zerstreuung. Das FürR nrBh (ü&t durch das meisterhafte Spiel der Mit-

der .Araer Hochuhne und durch ein reichhaltiges Repertoire tu kunstleriicher Beziehung die Großstadt nicht vermissen. Die Sufc/öft 19°? begründeten Naturbühnen Festspiel haben dem Hagen Pyrmont den Ruf einer idealen Kunstpflegestätte einge-

(Nachdruck verboten.) I ;

Hof-Rat und Leib-Medicns Herr D. Johann Philip Seil) I i

Meibt in seinem BüchleinUnterrichtvomGebrauch r m^n 1 f f = n © t a ßl»SB a f f erim Jahre 1743 * "Man setzet als eme bekannte und angenommene Wahr- Woraus, daß es dem Allmächtigen gefallen hat, die mine- I rauschen Wasser als sonderbare Mittel zu verordnen, hauptsächlich * aller6aitb alte, eingewurzelte und langwierige Krankheiten (welche morbi chromel in der Medizin genannt werden) zu curiren. Das ^i-f?i"n^cho^^ahlwasser, welches nach Veystimmung vieler der gelehrtesten Medicorum und Kenner der Wasser, als eines der I ~ gr,,» q- - , ...

vornehmsten, stärksten und begehrtesten in seiner Wirkung, unter I Nervmltuna^n?^mbrrort ist Pyrmont, seitdem die Fürstliche einer so großen Anzahl anderer mineralischen Wassern in Deutsch- der Wege nach dem Oertelschen System

land (und in anderen Ländern erkannt und gehalten wird erfüllet I s. Pyrmonter Kurort ist ja altberühmt durch

burtf) die Erfahrung obgemeldete Tugenden, indem es alle Jahre I l8e Oliederung seiner Anlagen seine gewaltigen Alleen,

Laesroße Menge Menschen, die mit langwierigen Krankheiten fee?btt Wc tiOn architektonischen veschvert |tnb, curtret, welche vorher gantz veraebens viele andere I ,ÖTei Ruinen ^empeln u,to.

Mittel und Artzeneyen gebrauchet haben." I noch gesagt, daß Pyrmont keineswegs ein

e -Mi-ÄW-L-W«- ®vitttont. Wer kennt es nicht, wer hätte noch nichts von ' r? WifPenbenben Quellen gehört, die in unerschöpflicher Fülle fett Jahrhunderten dunklen Bergschößen, Gesundheit und Ge­nc,ung nut Nch tragend, entströmen, vomhylligeu Born", ü "daß seine Wasser wie lauter aqua

? ,0s salutts, ia Christus der lebendige Quell selbst gewesen

mu ^'rt allergraueste Zeit hinein verliert sich die Geschichte der Pyrmonter Heilquellen. Ein bei der Neufassung einer Quelle

kJ Munzensuud, drei römische Denaren, deren eine den Kopf des Kaisers Caracalla (211217 n. Chr.) trägt, beweist, £ e JL e r die Quellen schon kannten. Positive

Hand,christliche Nachricht über die Pyrmonter Wasser riihrt dagegen von denn Dominikanermönch Hewieius de Herrodia her, der ums Fahr 13a0 lebte, und der bereitsden heiligen Brunnen" erwähnt.

In her Mitte des 16. Jahrhunderts war der Ruf desheiligen Bornes außerordentlich groß. Im Jahre 1556 versammelten sich tn Pyrmont gegen Anfang des Frühlings aus Spanien, Frank- teich, Cmglaud, Norwegen, Schweden, Dänemark usw. eine solche Menge Kurgaste, daß sie in Pyrmont und den naheliegenden Dörfern keine Unterkunft fanden und daher in der Nähe der Quellen in Zelten nächtigen mußten. Vom Jahre 1681 erzählt das Pariser yournalmercure galont, daß nicht weniger als vierzig könig­liche und fürstliche Personen in Pyrmont zur Kur weilten.