Ausgabe 
7.3.1912
 
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Glückslasten.

KoMM von Hanns von ZobeltiK«

MaMruck verboten^

(Schluß.)

Wieder sah er auf. Und wieder sah sie das Leuchten in seinen Augen.Halt fest halt fest," jubelte es in ihr.

Ganz weit beugte sie sich vor. Beide Hände streckte sie ihm hin wortlos. Ihr Mund lächelte ihm zu.

Da sprang er auf:Dado", und sie lag in seinen Armen, und er küßte sie.

Küßte sie, bis die Kinder an der Tür polterten.

Ms die hineinkamen, mit einem Glase Wasser, an dem sie beide trugen, saßen Bruder und Dante wieder auf ihren Stühlen. Tante Dodo nahm das Glas und tat einen tiefen Zug. Ihre Lippen mußten riesig durstig sein.

Und dann sagte sie mit lachenden Augen:Das hat sehr gut geschmeckt. Wirklich Herr Friedrich Neumann."

Und auch seine Augen lachten, und er sagte:Ich bin auch durstig"

Die Kinder wollten durchaus noch ein Glas holen.

Mer er wehrte ab.Sie haben ja wohl noch etwas für mich übrig gelassen, Fräulein Dorothee von Gudarcza. Dars ich?" Und dann trank er, ganz langsam, das Glas leer, bis auf den letzten Rest. Trank genau von der Stelle, von der Dodo getrunken hatte. I

Köstlich!" sagte er.

Die Kinder aber lachten:Fritz und Tante Dodo trinken aus einem Glase! Zu komisch"

Als Dorothee eine halbe Stunde später die Treppe hinunterging und er, oben an das Geländer gelehnt, ihr nachgrüßte und nachwinkte, war ihr Herz voll Jubel. Auf dem ganzen Heimwege klang es in ihr nach:Ich hab mein Glück erobert! Ich hab mein Glück erobert!" Mochte nun kommen, was da wollte ihren Fritz konnte ihr niemand srehmen.

>Mit strahlenden Augen trat sie vor Vater und Mutter.

Die saßen im Herrenzimmer vor dem großen Kamin, in dem schon ein paar Holzscheite flammten, denn der Herbst war feucht und kühl.

Wie ein Wirbelwind war sie hereingekommen, um­halste Mutter, küßte Vater auf die Stirn, auf beide Wangen und stand dann vor ihnen, atemlos, und lachte vor Glück und Seligkeit.

Mutter hatte in der Zeitung gelesen. Sie ließ das Lorgnon sinken:Aber Kind"

Na, alte Dodo. Lach nur! Laß sie, Ida, wir hören selten genug ein fröhliches Lachen. Was gibt's denn?"

Da sagte sie es:Ich bin ja so glücklich. . . ich hab mich mit Fritz Neumann verlobt l"

Mutter schrie auf:Bist du toll, Dodo! Was soll denn das heißen?" '

Einen Augenblick stand Dodo verwirrt. Sie sah aus den Vater. Der hatte den Kopf sinken lassen.

.... nun sollte er auch das letzte Kind fortgeben. Immer einsamer würde es um ihn werden.

An nichts anderes dachte er. Nicht daran, wie jung Dodo noch war. Nicht daran, ob ihm Fritz Neumann ein genehmer Schwiegersohn wäre. Nur, daß sie eins nach dem andern fortgegangen wären.

Aber da tönte in ihm Dodos Jubelruf auf:Ich bin ja so glücklich."

Und er stand auf, nahm Dorothees Kopf zwischen beide Hände und sah ihr sinnend in die Augen.

* i

Vom Bahnhof aus ging der alte Major zu Fuß durch die Hauptstraße, quer durch die ganze Stadt. Langsam und schwer auf seinen Stock gestützt. Dann und toanii blieb er stehen, las hier das Schild über einem Krämern laden, blickte dort in einen Hausflur hinein oder besah sich die gleichgültigsten Auslagen bei Hinz oder Kunz.

Es interessierte ihn alles. Manchmal war ihm, als sei er gar nicht fortgewesen aus Körlin. Wie wenig solch pommersches Nestchen sich doch verändert. Da ging draußen das Leben hin in gewaltigen Zügen, und hier blieb alles beim alten. In der Elisenstraße stand er eine ganze Weile vor dem Hause, in dem er einst gewohnt hatte. Fenstev für Fenster suchte er mit den Augen ab und dachte att| den Tag, wo er dort in seinem Zimmer, hinter dem breiteren Fenster, Onkel Reinhard sterbend auf dem Teppich ge- funden hatte.

Langsamer noch, als er hergegangen, ging er zurück.

An der Ecke des Marktplatzes blieb er stehen und sah nach der Uhr.

Eigentlich hatte er alles gesehen, was er sehen wollte. Es war ja überhaupt nur eine Laune gewesen, eine Ma­rotte. Ida hätte ihn gewiß ausgelacht:Dies Nest"

Ja, ja: dies liebe alte Nest! Es waren doch glück­liche Zeiten gewesen. Damals! Trotz aller Einschränkung', trotz aller Sorgen. Frau Sorge war erst gekommen, seit die Sorgen entschwanden.

Ein Uhr

Also noch fast zwei Stunden bis zur Abfahrt des Zuges.

Mit einem plötzlichen Entschluß bog der alte Herr in die schmale Querstraße ein.

Richtig Ph. K. Emke & Sohn existierte noch!. Wie sollte er auch nicht.

Wieder stand Gudarcza eine Weile vor dem kleinen Schaufenster. Ganz wie einst: ein halbes Dutzend Würste man war ja in der Gegend von Rügenwalde, ein Schinken, ein Käse unter der Glasglocke, ein Bund Ra­dieschen und einige Büchsen Sardinen, rechts und links , eine Batterie Flaschen»