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Dir von Gründingrn.
Roman von Freiherr von Schlicht, (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Auch seine Gedanken waren bei der glücklich beendeten ehelichen Streitfrage. „Meine Frau hat ganz recht t— solche Szenen sind unser unwürdig, sie müssen in Zukunft vermieden werden, denn mit der Wiederholung wächst auch deren Heftigkeit. Ich werde einen Ausweg zu finden wissen, der es dem Baron ermöglicht, in Zukunft der Aufforderung meiner Frau, sich mit ihr über den Adel zu unterhalten, auszuweichen — selbstverständlich ohne daß sie etwas davon merkt. Das einfachste wäre wohl, wenn ich ihm sagte, daß meine Frau des Nachts schlecht schläft, daß die Gespräche sie auch in den Traum hinein verfolgen."
Und um den einmal gefaßten Plan auch gleich auszuführen, erhob er sich von seinem Platz und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen.
„Wohin gehst du so plötzlich?" fragte sie etwas verwundert.
„Mir ist eben eingefallen, daß ich den Baron sprechen Muß."
„Du auch?!"
Ebenso erstaunt, wie sie ihn, sah er sie an.
„Du auch?"
„Allerdings!" sagte die Gräfin gelassen. „Du weißt, mit welchem Feuereifer Alexa dem Reitunterricht folgt. Sie ist überglücklich, nun endlich wirklich etwas zu lernen.
Und so schwer es ihr auch wurde, sie sieht es doch ein, daß der Baron recht hatte, als er ihr erklärte, „Lady" sei wegen ihrer Bauart nicht das richtige Pferd für sie. Alexas Geburtstag ist ja nicht mehr weit, — da wollte ich den Baron bitten, wegen eines neuen Pferdes einmal nach Berlin zu schreiben. Bisher versäumte ich es immer, wenn auch etwas absichtlich- denn schließlich ist es doch eine große Ausgabe."
„Gewiß. Aber wenn es sein muß, g-cht es ja nicht anders. Ich will auch darüber gleich . c dem Baron fpted)cn./z
„Und was wolltest du sonst noch von ihm?" fragte sie voller Neugierde.
Aber der Graf hörte nicht mehr. Während ihrer langen Erklärung, von der er kein Wort glaubte, hatte er sich immer mehr der Tür genähert. Den Türgriff schon in der Hand, hatte er ihr geantwortet, aber als er das letzte Wort gesprochen hatte, war er auch schon draußen.
So ging er denn, um den Baron zu suchen. Daß seine Frau denselben Gedanken gehabt hatte, wie er, konnte er nicht bezweifeln. Dazu war ihre Ausrede zu lang, zu ausführlich, zu gesucht gewesen. Und vor allen
Dingen lag Alexas Geburtstag noch in weiter, weiter Ferne!
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst! dachte der Graf. Stillvergnügt vor sich hinlächelnd, schritt er durch das
Schloß, dem Zimmer des Barons entgegen, von dort
nach der Reitbahn, dann nach den 'Stallungen, Und endlich fand er ihn mit Alexa zusammen auf dem
Tennisplatz.
Schon von weitem hörte et ihre Stimme: „Aber Herr Baron — passen Sie dach auf! Ich habe es Ihnen nun schon dreimal gesagt. Merken Sie sich das doch endlich, wir kommen ja sonst nie weiter."
Belustigt über den strengen Ton seiner Tochter trat der Graf näher und sah zu, wie sie dem Baron den Schläger in die Hand gab.
„So müssen die Finger liegen — nein, hier muß der Daumen hin — so ist's richtig! Werden Sie sich das nun merken und nie wieder verlernen?"
„Nie! Soll ich es schwören?"
„Das ist nicht nötig, Herr Baron, aber eine Engels-, geduld muß man mit Ihnen haben!"
Sie tat ihm leid, die kleine Alexa, die in ihrem blauweißen Tenniskleid entzückend aussah, und die ihm in Heller Verzweiflung gegenüberstand, die Wangen vom Spiel und vom Eifer gerötet.
Wie gerne hätte er ihr nicht gesagt: „Geben Sie sich keine Mühe, Komtesse — ich habe Sie belogen!"
Aber er wußte, das würde ihr eine viel größere Enttäuschung sein, als seine absichtliche Ungeschicklichkeit. Er fürchtete immer, sich zu verraten, ihr zu zeigen, wie gut er mit dem Schläger umzugehen wisse, und um das zu vermeiden, machte er absichtlich immer neue Fehler und fiel immer wieder in die alten zurück.
„Geben Sie die Hoffnung nicht auf, Komtesse," bat er. „Sie wissen ja, sehr häufig kommt ein Talent oder wenigstens die Befähigung für eine Sache ganz plötzlich."
„Möchte diese Stunde bald kommen, damit wir endlich zusammen spielen 'können! Und nun passen Sie auf: ich werde Ihnen jetzt nochmals den Hochaufschlag erklären und vormachen."
Aber als sie ein paar Schritte zurücktrat, um ihren Platz hinter der Mitte der Grundlinie einzunehmen, ent- deckte sie ihren Vater.
„Papa — das gilt nicht," schalt sie „das ist gegen* die Abrede! Ebenso wie der Herr Baron bei dem Reiten keine Zuschauer duldet, so tue ich es auch hier nicht. Sei nett, Papa, und laß uns .allein."
„Aber Alexa," sagte der Graf ganz verwundert, „was soll denn der Baron davon denken, wenn du mich hier so fortschickst!"
„Ach, der hät genug an das Spiel zu denken. Nicht wahr, Herr Baron? Für irgend etwas anderes haben Sie doch gar kein Interesse?" ,
„Ganz wie Sie befehlen," stzimMtz er M W.


