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Lvmmerleutnsnts.
Roman von Walter B l o e m, .Copyright 1910 by Grethlein & Co. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.)
Das Auto Ivar von dannen gerattert... und jählings sank die Nacht... sank die Stille über das ncbelumsponnene Feldlager...
Schweigend, fest in ihre Mäntel gehüllt, saßen Branders Und Flamberg änf den umgestürzten Wein- und Menage- kisten vor dem niederen Zelt--
Der kleine Carstanjeu und der Fahnenjunker schnarchten bereits drinnen im Strohs — —
Beider Männer Blicke hingen an dem phantastischen Schauspiel der mählich verglimmenden Lagerfeuer, deren rötliches Glosten allein noch die Schwärze der .Nebelnacht durchdrang-- .,.
Und beide Männer träumten von Frau Cacilte — —
„Sagen Sie, lieber Flamb'erg... mögen Sie mich' ein bißchen leiden?" fragte der Hauptmann auf einmal Mit verschleierter Stimme.
„Wie meinen Herr Hauptmann — ?!"
„Ob Sie mir ein bißchen gut sind, möcht' ich. gern wissen?!" '
„Herr Hauptmann, ich... ich mochte unter ^hnen tit den Krieg ziehen... mit Ihnen zusammen fechten Und bluten...' dann wollt ich's Ihnen beweisen...
7,Das freut mich zu hören," sagte der Hauptmann, -/das freut mich zu hören..." ,, _ _L._
Einen Augenblick Stille :— tiefe Stille
Martin hätte verstanden... , ' r l ...
Nein... er durfte ganz rührig fern, der brave, ehrenfeste Mensch da neben ihm... er, Martin, wurde sich!künftig noch mehr zusammennehmen... beim nächsten -mdersehen... seine Augen, seine Stimme noch mehr im Zaum halten... noch mehr als heute...
„Na... nun kommen Sie—" t
Freundschaftlich Und vertrauensvoll klopfte der Kapitän dem Kameraden auf die Schulter---
„Es ist Zeit... morgen früh um vier wird ab geb aut. • • wollen ins Stroh kriechen...!"
; < 2. Kapitel. .
Frau Cäcilie hätte einen bangen Traum.
Ein Geläut klang ihr ins Ohr... em tiefes, volltomges Geläut... unregelmäßig, oft wie vom Winde verweht, doch
Und^auf Mmäl wußte sie es.. das waren ja die Hochzeitsglocken ... heute machte sie Hochzeit mit Martin Flam- JjfrfiECI... , t ,
Das Glück wär gekommeii... bas große Glück.dm Hmbensliebe, ppn der sie ei.njt als. WädKen geträumt.»«
die Erfüllung, herrlicher, als kühnste Dichterphantasie sitz schilderte. . ‘
Bim, bam, läuteten feierlich die Glocken... die G.ocken des Kölner Doms... und sie beide, sie schritten mitten über den weiten Domplatz... auf das weitgeöffnete Portal des. ragenden Gotteshauses zu...
Neben ihr ging der Maler... in Paradeuniform, den schwärzen wehenden Roßhaarbusch auf dem Helm...
War sie nicht schon einmal neben einem Manne hmt geschritten, der diese Gewandung trug...?!
Ach ... das war lange her... das war gar nicht mehr wahr... , L
Rechts und links staute sich das Volk, und sie horte das Flüstern der Menge: Das ist Martin Flamberg, der große Maler, und seine glückliche Braut, die schöne Frau Cäcilie... ,,
Einen Blick warf sie dem Verlobten zu, und er erwiderte ihren Blick mit einem jähen verlangenden.Aufleuchten seiner braunen durstigen Künstlerauaen...
Unb immerfort... tief und gewaltig... summten dazu die Glocken aus der Höhe... ,
Nun schritten sie Hand in Hand die hohe, breite Domtreppe hinan... weit offen stand die metallene Pforte... dem Blick erschloß sich das geheimnisdunkle, Weihrauch-, durchduftete Innere des Heiligtums... von rechts her, magisch bunt gefärbt, fiel durch die Glasgemälde der Spitzbogenfenster ein breiter Strahl gedämpften Sonnengoldes hinein... c . ,,,
Da — als das Paar die Pforte durchschreiten Wollte... plötzlich stand da eine gräßliche entstellte, bleiche Gestalt in der Wölbung--Fritz —!
Er stand uit kotbespritzten Manoveranzug ... ine Feldmütze tief ins blasse Gesicht gezogen... dj,e braunbehandschuhte Linke hatte er fest aufs Herz gedrückt... und unhemmbar floh ein Strom zähen, dunkeln Blutes.zwischen seinen Fingern hindurch... sickerte aus die Stetnfliesen.. .-
Da schrie sie auf... und brach! in den Armen des Geliebten zusammen... _
Und erwachte--- ’ _
Erwachte in dem hellen, freundlichen Schmfgemach des Schlößchens Hettstein... in dem messingfunkelnden englischen Bett unterm duftig! lichten Gardinenhimmel...
Und neben ihr harrte eine andere, unberührte Lagerstatt, von schimmernder Spitzenspreite bedeckt...
: Aber die Glocken... die Glocken läuteten immer noch.. .-
Doch nein — das waren ja die Kanonen..die Kanonen des Korpsmanövers ringsum auf den Hunsrückenhohen...
Und heute, he fe würden sie kommen... ihre Gäste..-; der Regimentsstab er Niederländer Füsiliere!
Und kommen würden auch' die b'eiden Männer, deren einer in Wem Traum an ihrer Seite gegangen war, bis der andere ihnen entgegentrat mit der blutdurchsickerten Linken guf der Brust und dem fahlen, starren Totent ailtlitz... ■ ' '


