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Has war eine große Sünde dieser dummen Diener, denn nun geschah etwas sehr Trauriges.
Klein Margit war bald wieder im großen Walde, als sre «lötzlich sehr müde wurde; sie fror sehr und in ihren Ohren lang ein leises Summen und Sausen und die Müdigkeit wurde immer stärker, so daß sie sich an eine Bank lehnte, nm etwas zu verschnaufen. Das hätte sie nicht tun müssen, denn wenn mau ■ bei sehr starkem Frost schläfrig wird, dann ist das ent Zeichen, daß man zu erfrieren beginnt. Margit, wußte das nicht; oder sie 'konnte nicht mehr weiter. Ich weiß es ntcht. Sie lehnte sich an die Bank und nun wurde ihr plötzlich ganz leicht und ganz warm. So warm, wie in Mamas Schoß, wenn man sich ganz tief einkuscheln darf, und wenn Mama mit der weichen Hand den Kopf glättet und man dann ganz still dasitzt und Mama so furchtbar lieb hat. .
Margit wurde ganz still und sie lächelte und schlief ent. Der alte grüne Wald sang sie in den Schlaf. Klein Margtt träumte von ihver Mama und vom Papa und von ihren Geschwistern und von ihren hübschen Spielsachen. Das war ein so schönem Traum, wie man ihn nur in der Weihnachtszeit hat. So stand und schlief Klein Margit, und dann kam auf ganz leisen Sohlen der ältere Bruder des Schlafes, der Tod, und er küßte das Kind mit seinen kühlen bleichen Lippen auf die Stirn. Und als der Tod kam und ging, da erbebte der Wald und die Böglcin wurden still und drückten sich ins Gezweig,, bis der kalte Hauch des Todes, der viel viel kälter ist als die größte Bärenkälte, geschwunden war.
So fand man Margit. Man fand sie steif und starr an der Bank; sie war erfroren. Ihr Ranzen lag auf der Erde, und sie stand da wie ein tapferer Soldat, wie ein Held auf seinem Posten. Ganz bleich lvar Margit geworden. So fand man sie im stillen weißen Walde. Und die alten Tannen streuten auf das Haupt des kleinen Mädchens Silberschuppen und hoch oben im Gipfel der Eiche sang der Dompfaff ein leises Lied.
Klein Margits Seele ist nun dort oben int goldenen Himmel, und wenn die Nacht kommt, dann schaut Klein Margit mit, blanken Sternenaugen auf die dunkle Erde herab, und wenn sie einen kleinen Helden entdeckt, dann leuchten die Sternenaugen auf und sie strahlen hell und klar.
Ueber Helden freut man sich immer, denn sie stnd ntcht allzu oft zu finden. Wir wollen daher ehrlich versuchen, tapfere Leute zu werden; auch die Mädchen können das. Wer's nicht glaubt, dem erzähle man die Geschichte von Klein Margit, dann wird er es glauben,
Das Taschentuch.
Eine kulturhistorische Plauderei.
Die Mvdegöttin ist launisch. Willkürlich verfügt sie Form, Farbe und Material unserer Kleidungsstücke und Toilettengegenstände. Auch das Taschentuch, das heutzutage unentbehrlich für jiebeit gebildeten Menschen geworden ist, hat im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Wandlungen erfahren müssen. Nach einigen Lesarten soll das Taschentuch aus China stammen; doch spielte auch schott in den Gemächern der vornehmen Römerin das phönizische Seideitiuch eine große Rolle. Man reinigte sich mit ihm das Antlitz und benutzte es wohl auch, um sich damit. Kühlung zuzufächeln. Am Hofe Kaiser Karls des Großen war ebenfalls der Gebrauch dieses überaus nützlichen Gsgenstattdes in Gestalt von Linnentüchlein bekannt. Man befestigte sie am Gürtel oder ließ sie auch aus der bunten Schlitzhose heraushängen. Auch die Frauen schmückten sich mit diesen „Reinlichkeitsgerät", wie es in einer alten Chronik heißt Allmählich eroberte sich der neue Toilettengegenstand die vornehme Gesellschaft, die bald einen förmlichen Luxus mit den '„Faeilettleins" trieb, die nicht kostbar genug sein konnten.
Zur Zeit der furchtbaren Katharina von Medici wat das r,mouchoir galant" am sranzösifchen Hofe in der Mode. Mit Rosenbalsam parfümiert sandte man es irgendeinem unangenehmen Nebenbuhler, der alsbalds ausgelebt hatte, und in der Bartholomäusnacht tränkte man diese Tücher mit starken Essenzen, um damit den wahnsinnigen Karl IX. halb trunken zu machen, ehe die Hugenotten- 'greuel in Szene gesetzt wurden.
In Deutschland wurde das Taschentuch erst um das Jahr 1580 bekannt. Nur Könige, Westen und andere Personeii von hohem Range benutzten es damals. Es wurde ein solcher Luxusgegenstand, daß im Jahre 1595 in Dresden sogar eine Verordnung erlassen wurde, die gemeinen 'Bürgern den Gebrauch des Taschentüches untersagte. Diese mußten sich nach wie vor anderweitig behelfen. Als das Dabakschnupfen sich einbürgerte, hatte das Taschentuch seine Glanzzeit. Doch wurde es vielfach aus derberem Material, z. B. Ms bunt gedrucktem Kattun, gefertigt. Unsere Urgroßväter und Unsere Ahnen hatten einst Taschentücher, in deren Form Phantasie !und Laune sich noch ausleben konnten.. Man trug rechteckige Taschentücher, runde, ovale, dreieckige, just wie die Laune des' Besitzers es verlangte. Die Zeiten sind dahin. Vergebens wird man in der zivilisierten Welt nach einem Taschentuche suchen, das eine andere Form hat als die eines Quadrats. iDiese Gleichförmigkeit, dieses Gesetz, das überall wirksam ist, wo Taschentücher im Gebrauch sind, ist auf folgende originelle Weise entstanden: Es war in einem Salon des reizenden Trianonschlvsses bei Versailles; der Kreis
der Königin Marie Antoinette hatte sich zum Geplauder vereinigt. Im Laufe des Gesprächs machte die Königiil die Bemerkung, es wäre entschieden geschmackvoller uttb schöner, toen.it man ben Taschentüchern eine guabratische Form gäbe. Ludwig XVI. pflichtete dem bei, unb wenige Tage später, am 2. Januar 1785, erschien ein königliches Dekret, das bestimmte, „die Länge aller Taschentücher, die künftig im Königreiche hergestellt werden, soll mit der Breite übereinftimmen". Als dann die Revolution kam und alles zerstörte, was an die Monarchie noch erinnern konnte, vergaß man das Taschentuch; kein Parteigänger der Schreckensregiernng machte ben Vorschlag, ihm eine neue „republikanische" Form zu geben. Sp Überdauerte das viereckige Taschentuch den Umsturz und die Schreckenstage und lebt itoch heute fort als ein Einfall Marie Antoinettes, dem sich die ganze zivilisierte Welt gefügt hat.
Während der Revolution in Frankreich gab man vielfach den Taschentüchern drei Farben. Durch die Mitte schlang sich ein rotes Band, auf dem in schwarzer Schrift die Worte standen: „Freiheit/ Gleichheit, Brüderlichkeit". Robespierre und St. Just fächelten sich damit in den Konventssitzungen.Kühlung zu.
Venus-Taschentücher, die die Eigenschaft haben sollten, das Antlitz schön zart und rosig zu machen, brachte ein italienischer Quacksalber um das Jahr 1575 in die Mode. Das Rezept für dieses Schnnpftuchwasser hieß also: „Wann, Malvasier, Borris, Gummi, Tragant und Arabikum werden mit Quecksilbersublimat und Bleiweiß, Eierklar, Terpentin, Essig und Ingwer gekocht, auch Myrthen, Kampfer, fünfzig Schnecken, Pomeranzen, Zitronen, Zuckerkandel und eine gerupfte, feiste Henne dazu gemischt'. _ Em Tuch, siebenmal mit diesen Ingredienzen getränkt, sollte Fürstrnnen und anderen vornehmen Frauen von Nutzen fein!
Heute ist das Taschentuch Gemeingut aller Kreise. Form,- Farbe und Stofs bieten wenig Abwechslung, seitdem das weiß« Leinentaschentuch souverän herrscht. !Tefto größer ist die Bedeutung des Taschentuchs für die Körperpflege und für Industrie und Handel. Ganze Industrien leben von diesem unscheinbaren Stückchen Stoffs
vermischter.
KL Ein Gaunertrick. Wer auf die Geldgier seiner Mitmenschen rechnet und sie geschickt in ihnen zu entfachen weiß, kann damit viel Geld verdienen. Die Genialität eines Pariser Gauner« beweist folgendes Geschicktchen, das, wie ein Pariser Blatt versichert, aus Wahrheit beruhen soll! Ein ehrsamer Pariser Bürger, der bisher noch keinen Zollbreit von dem Pfade der Tugend und Ehrlichkeit gewichen war, erhielt folgendes Schreiben: „Geehrter Herr! Ich habe ein neues Verfahren zur Fabrikation von Papiergeld erfunden. Die Fälschungen sind so geschickt, daß sie mit den wirklichen Scheinen völlig übereinstimmen. Da ich aber selbst unmöglich, ohne Verdacht zu erregen, das ganze von mir gemachte Papiergeld in Umlauf setzen kann, so habe ich den Entschluß gefaßt, meine Scheine zu verkaufen und zwar zu solgen»n Preisen. Ter Hundert Franksschein kostet 50 Franks, der 500 Franksschein 250 Franks und der 1000 Franksschein 500 Franks. Ich erlaube mir, einen Probeschein beizulegen und stelle Ihnen anheim, diesen beliebig zu verwenden und sich von seiner völligen Uebereinftim- mung mit den richtigen von der Bangue de France herausgegebenen Scheinen zu überzeugen. Hochachtungsvoll . . ." Der ehrbare Bürger las den Brief, sah den Schein an, verglich ihn mit einem richtigen der Bank von Frankreich und ging neugierig zu einer Bank, wo man zu seinem größten Erstaunen den Schein anstandslos in Zahlung nahm. Einige Zeit später erhielt er einen neuen Bries, dem diesmal aber ein Tausendsrantschein beigefügt war. Auch dieser war so täuschend ähnlich gemacht, daß man ihn ohne Zögern aus der Bank einwechselte. Jetzt konnte er den Lockungen nicht widerstehen. Eine so leichte Gelegenheit, Geld zu verdtenen, mußte er ergreifen, und so verkaufte er seine Wertpapiere und schickte den Erlös von 10 000 Franks an den Schreiber und Sender der Briefe, um dafür, wie er dachte, den doppelten Betrag in den so täuschend ähnlichen, falschen Scheinen entgegen zu nehmen. Aber noch heute wartet er auf den Empfang.
Auflösung in nächster Nummer.
Bilderrätsel.
MKKM
Auflösung des Logogriphs in voriger Nummert Gavial (indisches Krokodil), Caviar, Pavian, Pavra
Redaktion: K. Neurath. - Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Dleindruckerei, R. Lang«, Gieße«.


