kn tollen Poststellen innerhalb Hessens offen. Später müßten sie vor der Ernennung zum Postassistenten eine Dienstprüfung ablegen, die etwa in ihren Anforderungen der heutigen Postassistenten- Mrüfrmg entsprach. Eine weitere Prüfung wurde von ihnen nrcht verlangt; sie rückten vielmehr in die höheren Stellen ein, wenn die oberste Behörde sie hierfür geeignet erachtete. Die Postgehilfen wurden von den Expeditoren auf deren Kosten und Verantwortlichkeit angenommen; sie waren Privatdiener der >,Ex- peditöre" und hatten der Poswerwaltung gegenüber keinerlei. Ansprüche oder Rechte; ihr Dienstverhältnis entsprach im allgemeinen dem der heutigen Schreibgehilfen.
Die Besoldung der Beamten War bis zum Jahre 1835 recht gering; so erhielten z. B. die Postskribenten — fast ausschließlich Leute mit Gymnasialbildung —• ein Gehalt von 400 fl. Erst unzählige Bitten der Beamten, denen bisher auf wiederholte Gesuche höchstens ein „Sustentattonsbeitrag" oder eine „Gratification" gewährt worden war, ferner die nachdrücklichen Vorstellungen des Ober-Postmeisters und das Eingreifen der Ober-Postinspektion bewogen den Erb-Land-Postmeifter im Jahre 1837, den seit Jahren den Postbeamten versprochenen Personal- und Besoldungsetat vor- zulLgen, der im Oktober 1837 vom Großherzog genehmigt wurde. Er setzte für die Beamten des Ober-Postamts und der Postämter Gießen, Worms und Mainz feste Gehälter aus, wogegen alle bisherigen Nebeneinnahm'en, Personalzulagen, Entschädigungen für Wohnung und Mietverträge usw. wegfielen. Rur die Eimmhmen tous beit „Proburagebühren" (d. h. den Gebühren für die von den Beamten unter eigener Verantwortlichkeit angenommenen Nachnahmesendungen) sowie die Stundungsgebühren blieben den Beamten erhalten, wurden aber für die Folge gleichmäßig nach der jedesmaligen Zahl der Beamten verteilt. Für den Ober-Post- meister, Hofrat Nebel, als Vorstand des Ober-Postamts, waren durch den Etat 2000 fl., für den Postmeister Freiherrn von Jungenfeld tit Mainz 1800 fl., für den Postmeister Bauer in Gießen .1550 fl. und für den Postmeister Reuning in Worms 1350 fl. lausgesetzt. Die Besoldung der Nachgeordneten Beamten bei den bezeichneten Postämtern umfaßte 8 Klassen von 500 bis 1200 fl.
Die bei den Postexpeditionen angestellten Beamten erhielten Nach wie vor als Besoldung Portoteile, nur wenige bezogen ein festes Gehalt.
Obwohl der Erb-Land-Postmeister besonders betonte, daß die Durchführung des Besoldungsetats vom Jahre 1837 ihm namhafte Opfer auferlegte, erzielte er in Wirklichkeit durch die Einziehung der „Accidenzien" einen Gewinn von einigen Tausend Gulden. Auch bot die Bestimmung, daß für das Borrücken der einzelnen Beamten nicht das Dienstalter allein, sondern auch ber Nachweis der erforderlichen Gesundheit, einer „vorzüglichen Qualifikation, vollkommener Führung in und außer dem Dienst, treuer Anhänglichkeit an konservative Prinzipien" usw. maßgebend war, der Taxisschen Verwaltung eine Handhabe, die Beamten möglichst lauge in den gering besoldeten Anfangsklassen zu belassen.
(Fortsetzung folgt.)
DermifcMes.
r"' — Aus zurückgewiesenen Stücken. Deut Dramck- ffürgen des H a l l e s ch e n Stadttheaters wurde vor kurzer Zeit totn patriotisches Festspiel zur Prüfung eingereicht, für dessen Schluß ber Dichter als Apotheose ein Gruppenbild vorschreibt- in dem Kaiser Wilhelm, umgeben von seinen Paladinen, zu sehen sein soll. Dann heißt -es weiter: „Die Sonne geht auf und ergießt ihr Licht in schwarz-weiß-roten Strahlen Aber die Bühne und den ganzen Zuschauerraum." Weiße Strahlen sind ganz etwas Natürliches; rote Strahlen anzufertigen ist auch nur ein Kinderspiel, wie aber, um den Patriotismus vollständig zu smachen, die schwarzen Strahlen gemacht werden, das ist das proße Geheimnis. Wie seltsam sich die Bretterwelt überhaupt in den Köpfen mlancher Autoren malt, ist aus einem Drama k>Jn großer Zeit" zu ersehen, das derselbe vielgeprüfte Dramaturg auf seinen literarischen Gehalt hin zu untersuchen hatte. Da heißt es: 5. Bild. „Die Schlacht." Szene: In mittlerer Tiefe der Bühne eine hügelige Erhöhung, ine mit drei bis fünf französischen Geschützen besetzt ist, aus denen fortwährend gefeuert wird. Vor der Batterie sind Erdwälle aufgeworfen, hinter denen französische Infanterie liegt und in derselben Richtung feuert. Eine Granate schlägt in ein Geschütz ein, das eine! Iiad wird zertrümmert. Mehrere Mann der Geschützbedienung fallen ober werden verwundet. Ein schwer aufzusühreiides Stück. Uber vielleicht nimmt es, so meint das B. T., Ferdinand Bonn lau. Der macht alles,
11-■ ..... ""
* Die ,,reine" Ironie. A. (reicher Weiirhändler und Weinstubenbesitzer): „Wie kommt es nur, daß alle Welt mich zum Taufpaten haben will?" — B. (Stammgast): „Das liegt in Ihrem geschäftlichen RenoMmeie!"
* Nach d er Treibjagd. Baron: -,Wie viel Stück haben wir zur Sttecke gebracht?" — Förster: „Vierzig." — Baron: r,Ach, das ist nett! Sind sie auch alle ausgeweidet?" — Förster: r,Die zwei Hasen schon, die achtunddreißig Treiber noch nicht."
Schachpartie
aus dem Simultanspiel des amerikanischen Schachmeisters F. I. M a r s ch a ll. Gespielt am 21. Juli 1911 im Schachklub Gießen«
Italienisch.
Mit Erläuterungen von PH. Nicolaus, Gießen.
F. I. Marshall PH. Nicolaus, Gießen, Weiß Schwarz
1. e2—e4 . . . « e7—e5
2. Sgl—f3 .... Sb8—c6
3. Lfl-c4. . . . Lf8—o5
4. o-o.....Sg8—f6
5. b2-b4.......
Weiß bietet nachträglich EvanSgambit an.
5. . . . . Lc5-b6
6. a2—a4 . . . . Sf6xe4 Statt sich gegen die Drohung a4-a5 zu verteidigen, geht Schwarz zum Gegenangriff vor.
7. a4—a5 ?.....
Bester war Lb2.
7. . . . . . Se4xf2 8. TflxSf2 . Lb6xTf24- S. KglxLf2 . 47-45
Durch diesen Vorstoß im Zentrum kommt Schwarz in Vorteil. Materiell sind die Kräfte ungefähr gleich: Turm und 2 Bauern gegen Läufer und Svringer.
10. Lc4—bo e5—e4
Die Zentrumsbauern zeigen schon ihre Stärke.
11. Lei—b2.......
Zuspät. SieheBemerkg.Zug7. 8k3 darf wegen Vf6-f- nicht ziehen, denn auf 11. Sf3—e5 oder nach 44 folgt D16+, damit geht dann nicht nur Springer, sondern unter Umständen auch Tal verloren. Einsperrung der D durch Sbl—c3 ist wegen 45-44 nicht möglich. Mindestens ergibt sich folgendes: 11. 844, Dfß-f-, 12. Kel, Df6X844, 18. c3, D44—gl+, 14. Lfl, Öxh2 oder 13. Sc3, o—o und h2 oder b4 geht verloren.
11......e4xSf3
12. Tal—a3 . . .
Lxg7 würde zu schnellem Verlust von Weiß führen.
12......D48—h4+
13. Kf2-gl o—o
14. Lb5xSe6......
Der Springer drohte im Zentrtmt entscheidend eilt- zugreifen.
14.......b7xLe6
15. D41XI3 Dh4-el+
Schwarz erzwingt in Anbetracht seines materiellen Vorteils Damentausch.
16. Df3—fl DelxDfl-f-
17. KglxDfl Tf8-e8
Schwarz besetzt die offene e-ßinie und deckt Bauer c7 gegen Le5.
F. I. Marshall PH. Nicolaus, Gießen.
Weiß Schwarz
18. Ta3-g3.......
Ein ganz ungefährlicher Angriff.
18........g7—g6
19. Lb2—44 ......
sonst würde durch die unbedingt notwendige Entwickelung des 8 nach c3 die Läuferdiagonale y er Sperrt. Gleichzeitig wird T auf a8 zur Deckung des a-Bauern festgehalten.
19...... . a7-a6
20. 42-4 Lc8—47
21. Sbl—03 Ta8—b8
Dadurch wird Weiß an 8 über a4 nach c5 verhindert.
22. L44-C5.......
Macht erzwungen e5 für Schwarz zur Turmverdovpe- lung frei und verstellt dem Springer sein Feld.
22...... . Te8—e5
23. Sc3—41......
43—44 würde den Läufer von dem Hauptkriegsschauplatz absperren.
23.......Tb8—e8
24. 841—e3 £7—15
droht Gabel
25. Tg3-f3 15—£4
26. T£3xf4.......
Springer kann nicht abziehen, weil dann in 2 Zügen matt erfolgt.
26........Te5xSe3
27. Le5xTe3 Te8xLe3
28. Kfl-f2 Te3-e7
29. c2—c4.......
Die einzige Chance für Weiß liegt in seiner besseren Bauern- stellung auf dem Damenflügel. Weiß versucht deshalb hier . durchzubrechen.
OQ rpP7_m
30. Kf2—*e3* ' ' ’ Tf7xTf4
31. Ke3xTf4 L47—e6
32. Kf4—e5 Kg8-f7
Schöner war hier 45Xc4.
33. b4—b5 C6xb5
34. c4xb5 a6Xb5
Weiß hat jetzt seinen Plan, sich auf der a-ßinie einen Freibauern zu verschaffen (f. Zug 29) erreicht, aber der Bauer kommt nicht an sein Ziel.
35. a5—a6 Le6—c8
36. a6—a7 Lc8—b7
Ausgegeben.
Logogriph.
Mit „H" sind wir ein Kleidungsstück, Aus Leinwand gefertigt ober aus Tuch; Mit „R" dagegen werden wir Blumen, Die dich erfreuen durch Wohlgeruch.
Auflösung in nächster Nummer»
Auflösung des Ergänzungsräisels in voriger Nummert Wer ben Besten seiner Zeit genug getan, Der hat gelebt für alle Zeiten- Schiller.
Redaktion: R. Neurath. — Rotationsdruck und Verlag der Brühl'scheu Universitäts-Buch- und Steindruckerei, R. Lange, Gieße»


